Blaubart und Miss Ilsebill - Alfred Döblin

Blaubart und Miss Ilsebill

Alfred Döblin
Mit Steinzeichnungen von Carl Rabus
Berlin 1923 Hans Heinrich Tillgner Verlag
Copyright 1923 by Hans Heinrich Tillgner Verlag in Berlin.

Das verwerfliche Schwein
Hubert Feuchtedengel, — Neuromanist und die zweiundvierzigtausend Mark seiner Erbschaft verfressend, aussaufend, drauf vier Jahre verheiratet, bis ihn seine Frau verstößt, weil er nur wöchentlich einmal anschwimmt zum Verschnarchen, Verschnaufen und zu einem Reinigungsbad, dann Mediziner auf Pump und Stipendien sechzehn lange Semester, bis das goldene Staatsexamen reift, achtunddreißig Jahr und nicht wenige Monate alt, — bringt es so weit, daß er Medizinalpraktikant in einem lothringischen Bezirkskrankenhäuschen wird. Inzwischen hat sich bei ihm ein exquisiter Fimmel etabliert.
Er sieht am grauen Morgen einen Bandwurm klar vor seinen geistigen Augen, mit unzähligen regsamen, windenden Gliedern, eierlegend, eierstreuend, eierregnend; in einem Bad kleiner tropfenartiger Eier bewegt sich das Vieh stolz, zieht hin. Dann erhebt sich der Beobachter vom Bett, steigt gedankenvoll zu einem Romanisten aufs Zimmer; sprechen braucht er nicht; der andere weiß schon: der Bandwurm ist da. Als keiner gefunden wird von einem älteren Zechgenossen, verschwindet Hubert nach Greifswald, erscheint nach Jahren wieder in Süddeutschland als selbstdenkender Mediziner. Jetzt weiß er: er hat keinen Bandwurm; was man vor Augen sieht am frühen Morgen, ist kein Bandwurm sondern Blutandrang. Und im lothringischen Hospital gelangt er zu der abschließenden wissenschaftlichen Überzeugung, daß es sich bei ihm um Sepsis, um Blutvergiftung handelt, beschränkt auf den Kopf; zweifellos um einen Fimmel, aber auf Sepsis beruhend.
Sein Assistenzarzt heißt Werner Strick. Das ist ein Gewaltmensch. Feuchtedengel imponiert ihm nicht, aber sie sind Duzbrüder. Neben dem rotgesichtigen hochwüchsigen Strick, der bei der Visite mit Sporen steigt, die zutrauliche gutmütige beleibte Gestalt seines Medizinalpraktikanten, Krankenjournale vor der kurzen Stülpnase, drüber her auf die Betten glotzend, dampfend vor Eifer.

Alfred Döblin
О книге

Язык

Немецкий

Год издания

2020-09-26

Темы

Short stories, German; German fiction -- 20th century

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