Das Buch vom eisernen Kanzler: Eine Erzählung für Deutschlands Jugend
Anmerkungen zur Transkription
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Eis. Kanzler I.
In Göttingen.
Eine Erzählung für Deutschlands Jugend
von
Anton Ohorn
Mit Illustrationen in Farbendruck von Max Wulff
Meidinger’s Jugendschriften Verlag G. m. b. H. Berlin W 66
Ein lachender Sommertag! Weiße Wölkchen schwimmen langsam über den blauen Grund des Himmels und spiegeln sich in dem glitzernden Teiche. Leise rauscht das Röhricht an dessen Ufersaum, und in den Kronen der alten Bäume ringsumher im Park flüstert es wie von Geschichten vergangener Tage. Und die stattlichen Rüstern und Linden wissen wohl viel zu erzählen von lustigen Festen und von ernster Zeit, zumal erst sechs bis sieben Jahre entschwunden sind seit den glorreichen Befreiungskriegen und der mutigen Erhebung des ganzen deutschen Volkes, die ihre Wellen auch ins Pommernland und an die Mauern des freundlichen Herrensitzes Kniephof , der sich zurzeit im Besitze des Herrn Ferdinand von Bismarck befand, getragen hatte.
Heute ist Friede im Lande, und die alten Wunden fangen langsam zu vernarben an.
Zwischen den grünen Bäumen sieht das Schlößchen hervor, schlicht, mit Holzfachwerk, aber traulich und behaglich. Aus dem Eingang tritt ein Knabe, fünfjährig, schlank, mit blondem, leicht gelocktem Haar, und schaut mit hellen, blauen Augen in die Welt. In dem frischen Gesichte ist Lebenslust und Tatendrang zu lesen. Er sieht hinauf nach dem heiteren Himmel, hinüber nach den grünen Bäumen des Parks, steckt die Hände in die Taschen und steht nun breitbeinig da, offenbar in der Überlegung, woran er im Augenblicke seine junge Kraft am besten erproben könne.