Adelaide: Wahrscheinlich nur ein Roman
Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der 1807 erschienenen Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Zeichensetzung und offensichtliche typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche sowie inkonsistente Schreibweisen wurden beibehalten, insbesondere wenn diese in der damaligen Zeit üblich waren oder im Text mehrfach auftreten.
Die Verwendung der grammatischen Fälle wurde nicht den heute gültigen Regeln angepasst, soweit dabei der Sinn des Textes nicht verloren geht, um den eigenständigen Stil der Verfasserin möglichst weitgehend zu erhalten. Aus demselben Grund wurden teilweise oder ganz fehlende Anführungszeichen der wörtlichen Rede nicht ergänzt.
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Wahrscheinlich nur ein Roman.
Von der Verfasserin von Kollmar und Klaire.
Berlin, bei Friedrich Braunes. 1807.
„Ein Uhr vorbei, und noch kommen sie nicht. Wie ich immer sage: mit den artigen Stadt- und Hofmenschen, zieht man sich auch zugleich Zwang und Stöhrung seiner ordentlichen Lebensweise auf den Hals“ — sagte ziemlich verdrießlich der Landrath von Elfen zu seinem Gutsnachbar dem Baron Milken, und blickte lüstern nach den Assietten, welche in zierlicher Ordnung, mit aufgeschnittener Cervelatwurst, rohen Schinken, geräucherter pommerscher Gänsebrust, frischen Heeringen und mehr dergleichen — das Parterre der mit 24 Couverts gedeckten Tafel dekorirten.
„Sie werden wohl gleich kommen; sie haben eine kleine Stunde zu fahren;“ erwiederte mit sanfter noch um Geduld bittender Stimme die Landräthin.
„So hätten sie sich früher auf den Weg machen sollen. Unser ehrlicher Steuereinnehmer hatte zwei Stunden zu fahren, und 15 Minuten vor 10 Uhr war er hier. Mein ländlicher Magen rebellirt gewaltig, wenn mit der Mittagsglocke nicht die Suppe auf den Tisch steht. Solche Neuerungen sieht er durchaus als ein Vergehen gegen die Gott und Menschen wohlgefällige Tagesordnung an.“