Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Neunter Band: enthaltend Kapitel 17 und 18.
Thomas Babington Macaulay’s
seit der
Thronbesteigung Jakob’s des Zweiten.
Aus dem Englischen.
Vollständige und wohlfeilste
Stereotyp-Ausgabe.
Neunter Band:
enthaltend Kapitel 17 und 18.
Leipzig, 1856.
G. H. Friedlein.
Nachdem Wilhelm einige Stunden in der Hütte eines Landmanns geruht hatte, reiste er weiter nach dem Haag. Dort wurde er mit Ungeduld erwartet, denn obgleich die Flotte, die ihn brachte, am Ufer nicht sichtbar war, so waren doch die königlichen Salutschüsse durch den Nebel gehört worden und hatten der ganzen Küste seine Ankunft verkündet. Viele Tausende waren bei Honslaerdyk versammelt, um ihn mit einem Jubel zu bewillkommnen, der aus ihren Herzen kam und den Weg zu seinem Herzen fand. Es war einer der wenigen Freudentage in einem wohl nützlichen und ruhmvollen, doch keineswegs glücklichen Leben. Nachdem der Verbannte über zwei Jahre in einem fremden Lande zugebracht, stand er jetzt wieder auf seinem heimathlichen Boden, hörte wieder die Sprache seiner Kindheit und sah die Scenerie und Architektur wieder, die in seinem Geiste unzertrennlich mit den Jugenderinnerungen und Heimathsgefühlen verknüpft waren; die kahlen Dämme von Sand, Muscheln und Steinen, an denen sich die Wogen des deutschen Oceans brachen; die endlosen, von Gräben durchschnittenen Wiesen; die schnurgeraden Kanäle und die freundlich angestrichenen, mit zierlichen Figuren und Inschriften geschmückten Landhäuser. Er hatte viele langweilige Monate unter einem Volke gelebt, das ihn nicht liebte, das ihn nicht verstand und das nie vergessen konnte, daß er ein Ausländer war. Selbst diejenigen Engländer, die ihm am treuesten dienten, dienten ihm ohne Begeisterung, ohne persönliche Zuneigung und nur aus amtlichem Pflichtgefühl. Im Stillen bedauerten sie es, daß ihnen keine andre Wahl blieb, als zwischen einem englischen Tyrannen und einem holländischen Befreier. Hier war Alles anders. Wilhelm befand sich unter einer Bevölkerung, von der er angebetet wurde, wie Elisabeth angebetet worden war, als sie bei Tilbury durch die Reihen ihrer Armee ritt, wie Karl II. angebetet worden war, als er in Dover landete. Allerdings waren die alten Feinde des Hauses Oranien während der Abwesenheit des Statthalters nicht müßig gewesen, und es war, wenn auch nicht laut, doch leise gegen ihn gemurrt worden. Er habe, sagte man, sein Vaterland um seines neuen Königreichs willen vernachlässigt. Ueberall wo das Ansehen der englischen Flagge, der Aufschwung des englischen Handels im Spiele gewesen sei, habe er vergessen, daß er ein Holländer war. Sobald man aber sein wohlbekanntes Gesicht wieder sah, war alle Eifersucht, alle Kälte verschwunden. Es war nicht ein Bauer, nicht ein Fischer, nicht ein Handwerker unter den Volksmassen, welche die Straße von Honslaerdyk nach dem Haag bedeckten, dessen Herz sich nicht stolz gehoben hätte bei dem Gedanken, daß der erste Minister Holland’s ein großer König geworden war, daß er die Engländer befreit und die Irländer besiegt hatte. Es würde Tollkühnheit gewesen sein, wenn Wilhelm von Hampton Court nach Westminster ohne Eskorte gefahren wäre; in seinem eignen Lande aber brauchte er keine Schwerter und Karabiner zu seinem Schutze. „Haltet die Leute nicht zurück,” rief er aus, „laßt sie nahe zu mir herankommen, sie sind alle meine guten Freunde.”
Baron Thomas Babington Macaulay Macaulay
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Geschichte von England
Wilhelm’s Reise nach Holland.
Wilhelm’s Einzug in den Haag.
Congreß im Haag.
Wilhelm sein eigner Minister des Auswärtigen.
Wilhelm erlangt eine Toleranz für die Waldenser.
Mängel, welche in der Natur der Coalitionen liegen.
Belagerung und Fall von Mons.
Wilhelm kehrt nach England zurück. Prozesse Preston’s und Ashton’s.
Ashton’s Hinrichtung.
Preston’s Unschlüssigkeit und seine Geständnisse.
Nachsicht gegen die Verschwörer. Clarendon.
Dartmouth.
Turner.
Penn.
Tod Georg Fox; sein Character.
Unterredung zwischen Penn und Sidney.
Preston begnadigt.
Freude der Jakobiten über den Fall von Mons.
Die erledigten Bisthümer werden besetzt.
Tillotson, Erzbischof von Canterbury.
Benehmen Sancroft’s.
Uneinigkeit zwischen Sancroft und Ken.
Sancroft’s Haß gegen die Landeskirche. Er bestimmt die bischöfliche Succession unter den Eidverweigerern.
Die neuen Bischöfe.
Sherlock Dechant von St. Paul.
Verrätherei einiger Diener Wilhelm’s.
Russell.
Godolphin.
Marlborough.
Wilhelm kehrt auf den Continent zurück.
Der Feldzug von 1691 in Flandern.
Der Krieg in Irland.
Zustand des englischen Theils von Irland.
Zustand des Theiles von Irland, welcher Jakob unterthan war.
Uneinigkeiten unter den Irländern in Limerick.
Rückkehr Tyrconnel’s nach Irland.
Ankunft einer französischen Flotte in Limerick; Saint-Ruth.
Die Engländer rücken ins Feld.
Fall von Ballymore.
Belagerung und Fall von Athlone.
Rückzug der irischen Armee.
Saint-Ruth beschließt eine Schlacht zu wagen.
Schlacht bei Aghrim.
Fall von Galway.
Tyrconnel’s Tod.
Zweite Belagerung von Limerick.
Die Irländer wollen kapituliren.
Unterhandlungen zwischen den irischen Generälen und den Belagerern.
Die Kapitulation von Limerick.
Die irischen Truppen werden aufgefordert, zwischen ihrem Vaterlande und Frankreich zu wählen.
Die Mehrzahl der irischen Truppen erklärt sich für den Freiwilligendienst in Frankreich.
Viele von den Irländern, die sich für Frankreich erklärt hatten, desertiren.
Die letzte Division der irischen Armee segelt von Cork nach Frankreich ab.
Zustand Irland’s nach dem Kriege.
Fußnoten
Eröffnung des Parlaments.
Debatten über die Gehalte und Gebühren der Beamten.
Acte zur Ausschließung der Papisten vom Staatsdienste in Irland.
Debatten über den ostindischen Handel.
Debatten über die Bill zur Regulirung des Prozeßverfahrens in Hochverrathsfällen.
Complot Marlborough’s gegen die Regierung Wilhelm’s.
Marlborough’s Complot durch die Jakobiten verrathen.
Marlborough’s Ungnade.
Verschiedene Gerüchte über die Ursache von Marlborough’s Ungnade.
Fuller’s Complot.
Schluß der Session; Bill zur Feststellung der Gehalte der Richter verworfen.
Ministerielle Veränderungen in Schottland.
Zustand der Hochlande.
Breadalbane beauftragt, mit den aufständischen Clans zu unterhandeln.
Glencoe.
Wilhelm begiebt sich auf den Continent.
Louvois’ Tod.
Die französische Regierung beschließt eine Expedition gegen England zu unternehmen.
Jakob glaubt, daß die englische Flotte freundschaftlich gegen ihn gesinnt sei.
Verhalten Russell’s.
Jakob wird eine Tochter geboren.
Anstalten zur Zurückweisung der Invasion in England.
Jakob begiebt sich zu seiner Armee bei La Hogue.
Jakob’s Erklärung.
Eindruck der Erklärung Jakob’s.
Die englische und die holländische Flotte vereinigen sich.
Stimmung der englischen Flotte.
Schlacht bei La Hogue.
Freude in England.
Young’s Complot.
Fußnoten
Anmerkungen zur Transkription