Die seltsamen Geschichten des Doktor Ulebuhle
Die seltsamen Geschichten des Doktor Ulebuhle
Zeichnungen von Edmund Fürst
Ein Jugend- und Volksbuch
von Bruno H. Bürgel
1920 Verlag Ullstein & Co, Berlin
Alle Rechte vorbehalten Copyright 1920 by Ullstein & Co Berlin
Der deutschen Kinderwelt steht eine Fülle von wundervollen Märchendichtungen zur Verfügung. Sie alle sind so gemütvoll, anziehend und phantasiereich, ja zum Teil (insbesondere für den Erwachsenen) so reich an ernsten Gedankengängen, daß sie auch in unserer immer materialistischer werdenden Zeit das Herz des Kindes wie des Erwachsenen, der sich ein Plätzchen für das Stille und Beschauliche bewahrt hat, mit Freude erfüllen werden.
Dennoch entgeht es wohl dem tiefer Blickenden nicht, daß die Jugend des zwanzigsten Jahrhunderts, insbesondere die Großstadtjugend, und auch da wieder vor allem die Buben, sobald der erste Schmelz der Kindlichkeit dahin ist, kein rechtes Verhältnis mehr zu diesen Märchen gewinnt. Es geht dem alten poesievollen Märchen so ähnlich wie dem so reizenden Kasperletheater unserer eigenen Jugendtage: Die oft recht wenig poesievolle und noch weniger zum Kinderherzen sprechende flimmernde Leinwand hat es zum alten Eisen geworfen.
Die Zeiten haben sich geändert! Man kann das bedauern, aber schwer ungeschehen machen. Das Kind des zwanzigsten Jahrhunderts hat einen starken Wirklichkeitssinn und eine große Hinneigung zu technischen Dingen, mit denen es ja auch tagtäglich – zum mindesten in größeren Orten – in engste Berührung kommt. Kein Wunder, daß es mit einer mechanischen Eisenbahn lieber spielt als mit dem hölzernen Harlekin, der einmal unsere Freude war, und kein Wunder auch, wenn es spannend geschriebene Erzählungen, in denen moderne technische Wunder und aufregende Abenteuer eine Rolle spielen, lieber liest als das Märchen vom Wolf und vom Rotkäppchen, das sein Wirklichkeitssinn einfach als „unsinnig“ beiseite schiebt, während wir Großen erst wieder das Symbolische darin zu würdigen wissen.