Robert Bontine
E s schien, als ob das Gewitter sich in wenigen Minuten zusammengezogen hätte. Den ganzen Tag war das Wetter wunderschön gewesen, warm und sonnig. Es war schwer zu entscheiden, ob der Himmel oder das Meer tiefer blau sei, — an ersterem zeigte sich kaum ein Wölkchen, auf der Meeresfläche kaum eine schaumgekrönte Welle. Dann war plötzlich die Sonne verschwunden, große, schwarze Wolkenbänke schoben sich über die zackigen Bergkuppen, hinter denen sie versanken, und See und Himmel waren grau. Ein fahler Blitz zuckte am Horizont auf, ein dumpfes Donnerrollen unterbrach die schwüle Stille, und schwere Regentropfen begannen zu fallen. Sie rauschten schneller und schneller hernieder, und der Wind erhob sich in heulenden Stößen, als freue er sich des gestörten Friedens in der Natur.
»Das ist angenehm! Im Umkreis einer Meile allem Anschein nach keine menschliche Behausung, und dabei ein Gewitter! Sehr angenehm in der Tat!«
Bei diesen laut gesprochenen Worten blieb der, der sie sagte, stehen, um den Kragen seines leichten Oberrockes in die Höhe zu schlagen. Auf der breiten, ebenen Fläche, die sich vom Rande der Klippen herüberzog, war kein lebendes Wesen außer ihm zu erblicken, noch irgendein Gebäude, das ihm Obdach hätte gewähren können.
Er beugte den Kopf tiefer, als ihm der Wind den Regen ins Gesicht trieb, und eilte schnelleren Schrittes auf dem unebenen Fußpfade, den er seit einer Stunde verfolgt hatte, weiter. Aber sein Fuß zauderte plötzlich, als ob der Donner, der über seinem Haupte krachte, ein Schuß gewesen wäre, der unmittelbar an seinem Ohre abgefeuert worden.
»Kehren Sie um!« rief eine Stimme laut hinter ihm. »Sie finden weit und breit kein Obdach und werden bis auf die Haut durchnäßt werden! Hierher! Schnell!«
Der Angeredete wandte sich jäh um. Eine kleine Strecke hinter ihm, ungefähr in der Mitte zwischen dem Fußweg und dem steil abfallenden Rande der Klippe, stand eine weibliche Gestalt neben einigen hohen Ginsterbüschen und Farnkraut. Als er einen Augenblick stehen blieb und sie schier verwundert anstarrte, winkte sie ihm gebieterisch mit der Hand.