Transatlantische Reiseskizzen und Christophorus Bärenhäuter. Zweites Bändchen.

Vom Verfasser des Legitimen und der Republikaner.
Zweites Bändchen.
Zürich, bei Orell, Füßli und Compagnie.
1834.
Noch immer gellten mir die Worte in den Ohren: Wohl denn, laß ihn als Hagestolz vegetiren; ohnedem ist er ein wunderlicher Kauz. Beinahe hätte mir mein Spleen gleich beim Eintritte in das Staatszimmer Händel mit einem meiner Reisegefährten zugezogen, der in der Phrase: gemeine tückische Seelen, die ich wiederholt ausstieß, eine ehrenrührige Anspielung auf seine werthe Person zu hören wähnte. Im Grunde genommen, hatte die pfiffige Bostonerinn so unrecht nicht. Ich war wirklich ein ganzer Narr, achttausend Dollars seit vier Jahren Menschen hingegeben zu haben, die, um sie noch andere vier Jahre zu behalten, mir den hämischsten Streich spielten. Ich hätte aus der Haut fahren mögen. Mein ganzes Wesen zuckte. Ich hatte weder Rast noch Ruhe.
Qu'est ce qu'il y a donc, Monsieur Howard? sprach plötzlich ein etwas bejahrter aber ziemlich respectabel aussehender Mann mich an: Est-ce que vous êtes indisposé? Allons voir du monde.
Ich schaute den sonderbaren Mann mit aufgerissenen Augen an, der so ganz sans façon meine werthe Person in Anspruch zu nehmen beliebte, und war schon willens ihm recht vornehm befremdet den Rücken zu kehren, als er mich bei der Hand nahm, und ganz gemächlich zur Thüre des Damensaales zog. Allons voir, Monsieur Howard.
Mais que voulez-vous donc? fragte ich ziemlich ärgerlich den zudringlichen Menschen.
Faire votre connaissance, erwiederte er artig und lächelnd, indem er die Thür aufthat, und mich so ins Innere des Salons blicken ließ.
Monsieur Howard! redete er zwei Mädchen an, die so eben beschäftigt waren, ein Schock Ananasen und Bananen an den Säulen des Staatszimmers aufzuzuknüpfen, wie sie in Alt-England mit den Söhnen Erins und im Neuen mit Zwiebeln zu thun pflegen. Mes filles, voilà Monsieur Howard votre voisin! Beide kamen auf mich zu, grüßten mich wie einen alten Bekannten, und boten mir, als hätten wir seit Jahren aus einer Schüssel gegessen, von ihren süßen Vorräthen an. Das ist doch sehr zuvorkommend in der That! Ich könnte zehn Jahre bei meinen lieben Landsmänninnen herumreisen, ohne in die Gefahr zu kommen, mir den Magen auf eine so schöne Weise zu verderben. Ich mußte zugreifen, wir setzten uns, und die Mädchen fingen an zu plappern und zu lachen, daß ich, so weh es mir im Herzen that, nicht unterlassen konnte mit einzustimmen. Eine ganz angenehme Stunde war vergangen, und eine zweite und dritte würde gefolgt sein, wenn meine angeborne Virginische steife Etiquette mir diesen Genuß inmitten der fröhlichen Geschöpfe länger gestattet hätte.

Charles Sealsfield
Содержание

О книге

Язык

Немецкий

Год издания

2014-12-19

Темы

United States -- Description and travel

Reload 🗙