Die Einsamkeit - Christoph August Tiedge

Die Einsamkeit

Anmerkungen zur Transkription
Die Originalschreibweise wurde beibehalten.
von
August Tiedge.
Leipzig in der Sommerschen Buchhandlung.
DIE EINSAMKEIT.
Ueber die nachstehende Epistel hätte ich dem Publikum eigentlich nichts zu sagen, wenn mir nicht die Ursache ihrer Erscheinung ein paar Worte abnöthigte, die mich sehr die Verlegenheit fühlen lassen, von mir selbst reden zu müssen. Ich gehe damit um, meine zum Theil noch ungedrukten, zum Theil aber seit 1783 zerstreut erschienenen Episteln, nach einer strengen Auswahl und Durchsicht, in einer Samlung den Händen des Publikums zu übergeben, wovon nun schon eine nähere Ankündigung erschienen ist. Mancherlei Ursachen bestimmen mich, den freilich oft gemisbrauchten Weg der Pränumeration einzuschlagen. Sehr viele meiner Freunde haben sich indessen für mein Unternehmen interessirt. Und wenn mich die Aussicht eines entsprechenden Erfolgs bei den ersten Schritten nicht durchaus verläst: so wird die ganze Samlung meiner epistolarischen Gedichte Michaelis dieses Jahres ohnfehlbar erscheinen, unter Bedingungen, welche die bereits ausgegebene Anzeige darlegt. Die gegenwärtige Epistel über die Einsamkeit soll eine Vorläuferin der ganzen Samlung seyn, um dem Publikum, dem ich nur aus früheren Ausstellungen bekannt bin, den Erwartungspunkt an die Hand zu geben. Ich glaube dies unsern Zeiten schuldig zu seyn, die mit einem sehr begreiflichen Widerspruche zu sehr und zu wenig poetisch sind.
Halberstadt, im Januar 1792.
An
Lina.

Es giebt auf Gottes schöner Welt Gewis noch manche schöne Stelle, Wo ich mir wol ein Hirtenzelt Hinbaut', an einer kleinen Quelle, Verstekt in einem Schweizerthal, Wo, wenn die Wind' aus Norden stürmten, Vertraute Pappeln mich beschirmten, Und wo ein Wäldchen, wenn der Stral Aus Südens Feuerschoos die Schwinge Dem West versengte, mich empfinge: Wo ich, vom Drang und Schein der Dinge, Von Lug und Trug der Menschen fern, Mich vest an meine Stille schmiegte; Wo ich den lezten Hang zum Spott, Den ein bethörter Donquixott Sonst leicht in Flammen blies, besiegte. Ja solch ein Pläzchen liegt noch hier Und da verstekt; allein vor allen Hat Dein geliebter Hügel mir Im Schlehenkranze wohlgefallen, Wo friedlicher die Lüfte wehn; Wo durch das Thal der Nachtigallen Sich lieblicher die Bäche drehn; Wo silberner die Blüten wallen, Die von des Frülings Schoose fallen.

Christoph August Tiedge
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О книге

Язык

Немецкий

Год издания

2017-02-15

Темы

Solitude -- Poetry

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