Quer durch Afghanistan nach Indien
EMIL TRINKLER
MIT 68 ABBILDUNGEN UND EINER KARTE
PETER J. OESTERGAARD VERLAG
BERLIN-SCHÖNEBERG
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Im Herzen von Asien, als Pufferstaat zwischen Russland und Indien eingekeilt, liegt Afghanistan. Noch bis vor kurzem war dieser Staat den Europäern verschlossen, und nur selten wurden Ärzte oder Ingenieure ins Land gelassen. Genauere Kunde über Afghanistan verdanken wir den Berichterstattern der englisch-afghanischen Kriege 1841/42 und 1878/79, sowie einigen kühnen Pionieren, die in den Jahren 1825 bis 1840 das Reich des Emir besuchten.
1. Familiengrab der Herater-Timuriden (1457)
Schon seit ältesten Zeiten ist Afghanistan der Schauplatz vieler Kämpfe und Umwälzungen gewesen, da es ein Durchzugsland ist. Durch die indisch-afghanischen Grenzberge führen die Zugangswege nach Indien. Alexander der Große, Timur oder Tamerlan, Mahmud von Ghasni, Baber, der erste der indischen Großmoguln, und der Perserkönig Nadir Schah, sie alle durchzogen Afghanistan auf ihren Kriegszügen nach Indien.
2. Afghanisches Regierungs-Karawanserai
Afghanistan ist ein wildes Bergland, in dessen östlichstem Teile die Gipfel des Hindukusch Höhen bis zu 7000 m erreichen. Tiefe Schluchten durchschneiden die Berge, und tagelang kann der Reisende über große Plateaus ziehen, ohne kaum ein Fleckchen Grün zu sehen. Brennt im Sommer die Sonne unbarmherzig auf die stark verwitterte Bergwelt hernieder, so hüllt im Winter tiefer Schnee die Berge ein, und fast ein halbes Jahr lang ist der Weg durch Zentralafghanistan dann für jeglichen Verkehr gesperrt.
3. Meine Wohnung in Tschähar Bagh, Herat
Nach dem letzten englisch-afghanischen Kriege 1919 hat Emir Amannullah Khan sein Land den Europäern geöffnet und zahlreiche Deutsche und Italiener in das Land gezogen, die sich dort dem afghanischen Staatsdienste als Ingenieure, Ärzte, Elektrotechniker, Architekten und Lehrer widmen.