Die Schön Magelona / eine fast lustige Historie von dem Ritter mit den silbern Schlüsseln und von der Schönen Magelona gar lustig zu lesen
eine fast lustige Historie von dem Ritter mit den silbern Schlüsseln und von der Schönen Magelona
gar lustig zu lesen
Im Insel-Verlag zu Leipzig
Im Namen Unsers lieben Herrn Jesu Christi fanget an die nach folgende Historie von dem teuern Ritter Peter, eines Grafen Sohn aus Provincia, und von der Schönen Magelona, eines Königs Tochter aus Neapel. Welche Historie in die französische Sprach ist gesatzt worden, als man zählet von Christi, Unsers lieben Herrn, Geburt tausend vierhundert dreiundfünfzig Jahr.
Nach der Himmelfahrt Unsers lieben Herrn Jesu Christi, als Frankreich mit anderen umliegenden Orten und Landen, Provincia, Langendoc und Aquitania, zu Christlichem Glauben kommen waren, da war ein Graf mit Namen Herr Johann Cerise, der hätt ein Weib, die war ein Tochter des Grafen Alvaro von Dalbara. Diese zwei hätten einen einigen Sohn, genannt Peter, der übertraf alle anderen in Waffen, Ritterspielen und anderen Sachen, also, daß er sich mehr göttlich dann menschlich erzeiget. Und ward freundlich und lieb gehalten, nicht allein von dem Adel, sondern auch von dem ganzen Lande. Seine Untertanen dankten GOTT dem Allmächtigen eines solchen Oberherrn. Auch hätten sein Vater, der Graf, und die Mutter sonst kein ander Freud, dann allein in ihrem Sohn, daß er so tapfer, so freundlich, so schön und so weise war.
Die Freiherren und Edeln des Landes hielten eines Tags ein Turnier, darin der Peter den Preis erlanget vor allen anderen, wie wohl viel fremder und geübter Ritter auch darbei waren. Die wurden alle von dem Grafen geehret von wegen seines Sohnes, und redeten alle mancherlei unter einander, als dann sein Gerücht weit erschölle, und seines gleichen nicht wäre. In Sonderheit ließ sich einer vernehmen von der Schönen Magelona, eines Königs Tochter von Neapel, deren gleichen nicht sollt gefunden werden von Schönheit und Tugend; und übten sich auch viele in Ritterspielen, ihr darmit zu gefallen.
Und es begab sich eines Tags, da kam einer zu dem Peter und saget ihm also: „Ihr sollet wandern und die Welt suchen und euch üben in Ritterspielen, damit ihr weiter erkannt würdet. So ihr mir des folget, werdet ihr ohn Zweifel einen schönen Buhlen überkommen.“ Da solches der Peter vernahm, und hätt die Weil vor auch von der Schönen Magelona gehöret, setzt er sich selber für in seinem edeln Herzen, so er möchte Urlaub haben von Vater und Mutter, zu folgen und die Welt zu erfahren.