Reise in Südamerika. Erster Band.
von
Dr. Frhr. Ernst v. Bibra.
Erster Band.
Mannheim. Verlag von Bassermann & Mathy. 1854.
Im April 1849 verließ ich Nürnberg. Schwer und hart war der Abschied von den Meinen. Hatte doch mein ältester Junge lange Zeit vor meiner Abreise halbe Nächte durchweint im Gedanken an meine Fahrt, und bei Tage sich heiter geberdet um mich nicht zu betrüben. Das war der Typus meines Abschieds überhaupt.
So ging ich aus dem Hause, hinaus in einen kalten und unheimlichen Morgen und vom alten, ehemals weltberühmten Fembo'schen Landkartenhause an, um die halbe Welt bis wieder zurück nach Hamburg, hat mich die Idee nicht verlassen, daß ich die Kinder nicht mehr lebend anträfe. Glücklicher Weise waren meine Ahnungen falsch. Diese wenigstens.
Wir kamen spät des Abends in Leipzig an und fuhren des andern Tages nach Bremen. Man reis't schnell heut zu Tage, doch glaube ich noch schneller diese Reise von Nürnberg nach Bremen beschrieben zu haben. Nur muß ich noch beifügen, daß mich zwei Landsleute begleiteten, W. aus Nürnberg und M. aus Erlangen.
In Bremen stiegen wir im Victoria-Hotel ab. Ich werde auch von jenem Aufenthalte nur Weniges berichten. Die fast fieberhafte Aufregung, die sich meiner bemächtigt hatte, ließ mich nur flüchtig beobachten. Doch sah ich mit Belehrung das Museum und den Dom, und nahm so allegorischen Abschied von deutscher Wissenschaft und Kunst. Eine Notiz über Pyrosoma atlantica und über Fulgurit waren die letzten dahin bezüglichen Bemerkungen in meinem Tagebuch, Taufstein und Schloßverzierungen im Dom die ersten Skizzen in meiner Zeichenmappe. Im Rathhause sind einige gute Holzschnitzereien. Classischer aber ist, was unter dem Rathhause. Hauf hat einen romantischen Schleier über jene Räume gezogen, welche des Guten viel enthalten und in welchen man leicht des Guten zu viel thut. Aber unter den Geistern des Weins fehlten nicht selten die Schauer des Todes. Ein Freund meiner Jugend hatte ein unglückliches Ende genommen vor nicht langer Zeit, an der Stelle, wo ich zechend saß, und solches erfuhr ich eben dort und durch Zufall. Ich hatte Jahre lang nichts von ihm gehört und ihn mir in glücklicher Stellung gedacht.