Die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange, I. Band / Von den Anfängen bis zum Wiederaufleben der Wissenschaften
DARGESTELLT VON FRIEDRICH DANNEMANN
ZWEITE AUFLAGE
I. BAND: VON DEN ANFÄNGEN BIS ZUM WIEDERAUFLEBEN DER WISSENSCHAFTEN
MIT 64 ABBILDUNGEN IM TEXT UND MIT EINEM BILDNIS VON ARISTOTELES
LEIPZIG VERLAG VON WILHELM ENGELMANN 1920
Copyright 1920 by Wilhelm Engelmann, Leipzig.
Dannemann. Entwicklung der Naturw. Bd. I.
ARISTOTELES (Marmorkopf im k. k. Hofmuseum zu Wien).
HERRN GEH. HOFRAT PROF. DR. EILHARD WIEDEMANN AUS DANKBARKEIT FÜR SEINE MITWIRKUNG BEI DER HERAUSGABE DER NEUEN AUFLAGE GEWIDMET
Das vorliegende Werk wurde kurz vor dem Kriege vollendet. Die Aufnahme war so günstig, daß der erste Band schon während des Krieges vergriffen war. Leider konnte die zweite Auflage, weil das deutsche Verlagsgeschäft mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, nicht sofort erscheinen, so daß das vollständige Werk längere Zeit im Buchhandel fehlte.
Über die Ziele wiederhole ich hier die Worte, die ich der ersten Auflage vorausgeschickt habe: Die Anteilnahme an der Geschichte der Wissenschaften ist seit mehreren Jahrzehnten sehr lebhaft. Je mehr man erkennt, daß sich einer Enträtselung der Natur mit jedem Schritte weitere Schwierigkeiten entgegenstellen, um so lieber richtet man den Blick auch wieder rückwärts, um den durchmessenen Weg zu überschauen und aus dem reichen Gesamtergebnis der bisherigen Forschung neue Hoffnung auf ein immer tieferes Eindringen in den Zusammenhang der Naturerscheinungen zu schöpfen. In dem Maße, wie sich ferner die Tätigkeit des einzelnen auf ein kleines Arbeitsfeld beschränkt, um so dringender wird das Bedürfnis, das Augenmerk häufiger auf die Gesamtwissenschaft zu richten. Sie in ihrem gegenwärtigen Umfange zu überschauen, ist nicht möglich. Wohl aber können wir sie uns in einem historischen Rückblick vergegenwärtigen, der die Haupttatsachen hervorhebt, sie verknüpft und zu einer vertieften Auffassung anregt.
Eine wertvolle Frucht des geschichtlichen Studiums ist ferner darin zu erblicken, daß es vor dogmatischer Einseitigkeit bewahrt, wenn man sich die Wissenschaft als etwas Werdendes und infolgedessen Unfertiges vergegenwärtigt. Auch gelangt man zu der Einsicht, daß uns dieselben oder ähnliche Methoden und Schlußweisen, die man heute anwendet, in der Entwicklung der Wissenschaft begegnen. Manche Gebiete lassen sich daher kaum darstellen, ohne an die früheren Untersuchungen, Vorstellungen und Gedankengänge anzuknüpfen. Aus diesem Grunde ist die genetische Betrachtungsweise nicht nur in manche Lehrbücher eingedrungen. Es sind auch zahlreiche Geschichten der Einzelwissenschaften entstanden, und das Quellenstudium ist durch Neudrucke der oft schwer zugänglichen älteren Arbeiten belebt worden. Erinnert sei hier nur an Ostwalds großes Unternehmen. Seine »Klassiker der exakten Wissenschaften« enthalten in 195 Bänden die grundlegenden Abhandlungen aus den Gebieten der Mathematik, Astronomie, Physik, Kristallographie und Physiologie.
Friedrich Dannemann
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Vorwort.
Inhalt.
1. In Asien und in Ägypten entstehen die Anfänge der Wissenschaften.
Die Kultur der Ägypter.
Mathematik und Technik der Ägypter.
Die babylonisch-assyrische Kultur.
Die Mathematik der Babylonier.
Der Ursprung der Astronomie.
Die ersten Maße und Gewichte.
Die Anfänge der Metallurgie und anderer chemisch-technischer Gewerbe.
Die Anfänge der Heilkunde.
Erstes naturgeschichtliches Wissen.
Die alte Kultur Süd- und Ostasiens.
2. Die Entwicklung der Wissenschaften bei den Griechen bis zum Zeitalter des Aristoteles.
Der Beginn der griechischen Naturwissenschaft.
Erster Versuch einer Erklärung der Natur aus den Prinzipien der Mechanik.
Der Beginn der idealistischen Weltanschauung.
Die Begründung der griechischen Mathematik.
Der Ursprung der Zoologie und der Botanik.
Erste Schritte zur Begründung der griechischen Heilkunde.
3. Das aristotelische Zeitalter.
Aristoteles.
Aristoteles als Philosoph und seine Stellung zur Naturwissenschaft.
Die Grundlehren der Mechanik bei Aristoteles.
Die Anfänge der Akustik und der Optik.
Das Himmelsgebäude nach Aristoteles.
Die Grundzüge der physischen Erdkunde und der Geologie.
Die vier aristotelischen Elemente.
Die Begründung der Zoologie.
Aristoteles über die Pflanzen.
Theophrast begründet die Botanik.
Theophrast als der Begründer der Mineralogie.
Einfluß und Dauer des aristotelischen Lehrgebäudes.
4. Das alexandrinische Zeitalter.
Die Begründung eines Systems der Mathematik.
Das Leben und die Bedeutung des Archimedes.
Die griechische Mathematik erreicht in Archimedes und in Apollonios ihren Höhepunkt.
Archimedes entwickelt die Prinzipien der Mechanik.
Fortschritte der Optik und Akustik.
Die Grundlagen der wissenschaftlichen Erdkunde.
Die Anfänge der heliozentrischen Lehre.
Fortschritte der messenden Astronomie.
Die Anfänge der wissenschaftlichen Kartographie.
Die Begründung einer Physik der Gase und der Flüssigkeiten.
Weitere Fortschritte der Mechanik.
Die wissenschaftlichen Grundlagen der Vermessungskunde.
Naturbeschreibung und Heilkunde im alexandrinischen Zeitalter.
5. Die Naturwissenschaften bei den Römern.
Meßkunst und Astronomie bei den Römern.
Die Pflege der »Ingenieurmechanik«.
Die Literatur während der Kaiserzeit.
Plinius.
Die Quellen des Plinius.
Die »Naturgeschichte« des Plinius.
Fortschritte der Anatomie und der Heilkunde.
Die Botanik als Hilfswissenschaft der Heilkunde.
Die römische Naturauffassung bei Lukrez und Seneca.
Chemische Kenntnisse und ihre Anwendungen.
6. Der Ausgang der antiken Wissenschaft.
Das ptolemäische Weltsystem.
Hilfswissenschaften der Astronomie.
Fortschritte der Geographie.
Weitere Fortschritte der Physik.
Die Anfänge der Chemie.
Der Übergang vom Altertum zum Mittelalter.
7. Der Verfall der Wissenschaften zu Beginn des Mittelalters.
8. Das arabische Zeitalter.
Mathematische Geographie und Astronomie bei den Arabern.
Die Rechenkunst der Araber.
Die Ausbreitung der arabischen Wissenschaft.
Optik und Mechanik bei den Arabern.
Die Chemie im arabischen Zeitalter.
Die Pflege der Naturbeschreibung und der Heilkunde.
9. Die Wissenschaften unter dem Einfluß der christlich-germanischen Kultur.
Die Wiederbelebung der alten Literatur.
Albertus Magnus.
Roger Bacon.
Auswüchse des mitteltalterlichen Denkens.
Die Naturwissenschaften im 14. Jahrhundert.
10. Das Wiederaufleben der Wissenschaften.
Die Wissenschaften im Zeitalter des Humanismus.
Nicolaus von Cusa.
Lionardo da Vinci.
Das Wiedererwachen der astronomischen Wissenschaft.
Die Wiederbelebung der Naturbeschreibung.
Aufnahme und Ausbreitung der heliozentrischen Lehre.
Astronomie und wissenschaftliche Erdkunde.
12. Die ersten Ansätze zur Neubegründung der anorganischen Naturwissenschaften.
13. Die ersten Ansätze zur Neubegründung der organischen Naturwissenschaften.
Naturbeschreibung und Entdeckungsreisen.
Die Erneuerung der Botanik.
Die Erneuerung der Zoologie.
Das Wiederaufleben der Anatomie.
Verzeichnis der im I. Bande enthaltenen Abbildungen.
Namen- und Sachverzeichnis.
FOOTNOTES:
Einige Auszüge aus den Besprechungen der ersten Auflage.