Nach Amerika! Ein Volksbuch. Zweiter Band.
Nach Amerika! Ein Volksbuch Zweiter Band
von
Friedrich Gerstäcker.
Am 29. August Abends zehn Uhr rasselten zwei Droschken durch die engen, noch ziemlich belebten Straßen Bremens, und hielten, dicht hintereinander, vor dem offenen Thorweg des »Hannoverschen Hauses« aus dem ein paar geschäftige Kellner sprangen, die Neuangekommenen in Empfang zu nehmen.
»Um wie viel Uhr fährt morgen früh die Haidschnucke ab?« frug ein ältlicher Herr, der in einen weiten Mantel gewickelt hastig aus dem ersten Wagen stieg, indeß aus dem anderen ein paar Damenhüte schauten, als ob sie noch unschlüssig wären hier auszusteigen oder weiter zu fahren.
»Haidschnucke?« sagte der Oberkellner etwas verblüfft den Fremden und dann den ebenfalls herzugekommenen Hausknecht anschauend — »Haidschnucke?«
»Das Schiff Haidschnucke, Capitain Siebelt, nach New-Orleans bestimmt,« erklärte der Fremde — ein alter Bekannter von uns, Professor Lobenstein — dem Kellner indeß; »der Abgang war auf morgen früh bestimmt, und ich wollte schon gestern hier sein, bin aber um einen Tag aufgehalten worden.«
»Ach Sie meinen ein Seeschiff,« sagte der Kellner beruhigend, »da brauchen Sie keine Angst zu haben; die gehen selten so pünktlich — befehlen Sie zwei oder drei Zimmer?«
»Ja selten so pünktlich,« wiederholte der Professor ungeduldig — »darauf kann ich mich nicht einlassen — He! — Sie da — wo laufen Sie denn mit den Sachen hin? lassen Sie mir das erst Alles einmal auf der Hausflur stehn, bis Sie weiteren Bescheid bekommen. Wo wohnt denn wohl der Rheder der Haidschnucke?«
»Der Rheder der Haidschnucke?« wandte sich der Oberkellner wieder fragend an den Hausknecht — »wer hat denn die Haidschnucke eigentlich?«
»Weet ick nich« sagte der Hausknecht wieder wie vorher kurz angebunden.
»Ferdinand Hessburg« kam ihm der Professor hierbei zu Hülfe, »die Firma heißt, glaub' ich, Hessburg und Sohn.«