Fabeln und Erzählungen - Gotthold Ephraim Lessing

Fabeln und Erzählungen

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Fabeln und Erzählungen
Gotthold Ephraim Lessing
Inhalt:
Das Geheimnis Das Kruzifix Das Muster der Ehen Der über uns Der Adler und die Eule Der Eremit Der Hirsch und der Fuchs Der Löwe und die Mücke Der Sperling und die Feldmaus Der Tanzbär Der Wunsch zu sterben Die Bäre Die Brille Die Nuß und die Katze Die Sonne Die Teilung Die eheliche Liebe Die kranke Pulcheria Faustin Morydan Nix Bodenstrom
Das Geheimnis
Hans war zum Pater hingetreten, Ihm seine Sünden vorzubeten. Hans war noch jung, doch ohne Ruhm, So jung er war, von Herzen dumm. Der Pater hört ihn an. Hans beichtete nicht viel. Was sollte Hans auch beichten? Von Sünden wußt er nichts, und destomehr vom Spiel. Spiel ist ein Mittelding, das braucht er nicht zu beichten. Nun, soll das alles sein? Fällt , sprach der Pater, dir sonst nichts zu beichten ein? Ehrwürdger Herr, sonst nichts— Sonst weißt du gar nichts mehr? Gar nichts, bei meiner Ehr! Sonst weißt du nichts? das wäre schlecht! So wenig Sünden? Hans besinn dich recht. Ach Herr, mit Seinem scharfen Fragen— Ich wüßte wohl noch was. Nu? Nur heraus!— Ja das, Herr Pater, kann ich Ihm bei meiner Treu nicht sagen. So? weißt du etwa schon, worüber junge Dirnen, Wenn man es ihnen tut, und ihnen nicht tut, zürnen? Herr, ich versteh Euch nicht — Und desto besser; gut. Du weißt doch nichts von Dieberei, von Blut? Dein Vater hurt doch nicht? — O meine Mutter sprichts; Doch das ist alles nichts. Nichts? Nu, was weißt du denn? Gesteh! du mußt es sagen! Und ich versprech es dir, Was du gestehest bleibt bei mir. Auf Sein Versprechen, Herr, mag es ein andrer wagen; Daß ich kein Narre bin! Er darfs, Ehrwürdger Herr, nur einem Jungen sagen, So ist mein Glücke hin. Verstockter Bösewicht , fuhr ihn der Pater an, Weißt du, vor wem du stehst?—daß ich dich zwingen kann? Geh! dein Gewissen soll dich brennen! Kein Heiliger dich kennen! Dich kenn Maria nicht, auch nicht Mariens Sohn! Hier wär dem armen Bauerjungen Vor Angst beinah das Herz zersprungen. Er weint und sprach voll Reu: Ich weiß — Das weiß ich schon, Daß du was weißt; doch was? — Was sich nicht sagen läßt — Noch zauderst du? — Ich weiß — Was denn? Ein Vogelnest. Doch wo es ist, fragt nicht; ich fürchte drum zu kommen. Vorm Jahre hat mir Matz wohl zehne weggenommen. Geh Narr, ein Vogelnest war nicht der Mühe wert, Daß du es mir gesagt, und ichs von dir begehrt.

Gotthold Ephraim Lessing
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О книге

Язык

Немецкий

Год издания

2005-10-01

Темы

Fables

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