Sidsel Langröckchen
Sidsel Langröckchen
Nordische Bücherei
Hans Aanrud
Erzählung
Elftes bis zwölftes Tausend
Leipzig 1914 Verlag von Georg Merseburger
Einzige autorisierte Übersetzung von Walther R. Schmidt-Kristiania . Titelzeichnung von Lisbeth Bergh . Zeichnungen von Arthur Michaelis . Plattendruck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig.
Bär, der große, alte, struppige Hofhund auf Hoël, saß auf der Türtreppe und schaute ernsthaft über den Hof. Es war ein kalter, klarer Spätwintertag, und der Schnee glitzerte im Sonnenschein. Am liebsten wäre Bär aber doch hineingegangen; denn es ließ sich nicht leugnen: wie er da saß, fror ihn grimmig an den Pfoten, und er hob abwechselnd bald die eine, bald die andre eine Weile von den Steinfliesen empor, um nicht das Kribbeln in die Klauen zu bekommen.
Aber er durfte seinen Posten nicht verlassen. Die Schweine und die Ziegen waren heute im Freien. Noch führten sie sich zwar alle ganz anständig auf; die Schweine gingen dort in der Sonne und rieben sich an der Ecke des Kuhstalls, und weiter weg knabberten die Ziegen eifrig an der Baumrinde, die beim Schweinestall auf einen großen Haufen für sie zusammengekehrt war, und taten so, als hätten sie an nichts andres zu denken. Aber er wußte von früher her: kaum war er hineingegangen, da lagerten sie sich sogleich mitten in den Haustüren und verübten all den Unfug, den sie sich nur ausdenken konnten — die große neue Ziege Krummhorn, die erst im letzten Herbst auf den Hof gekommen war, und die er noch nicht ordentlich abgerichtet, hatte bereits einen Schwuppdich bis an die Hausecke hin gemacht und ihn dabei so gleichgültig und überlegen angesehen.
Die war wirklich eine unerträgliche Person, aber sie sollte sich bloß unterstehen —!
Ein Weilchen wenigstens mußte er noch sitzen bleiben — die Wege durfte er ja auch nicht ganz aus dem Auge verlieren, es hätte doch jemand kommen können.
Zufällig drehte er den Kopf nach dem schmalen Pfad hin, der die Halde schräg vom Oberdorf herabkam.