Japanischer Frühling / Nachdichtungen Japanischer Lyrik
Wenn erst die Sonne hinterm Berg verschwand, In rabenschwarzer Nacht komm ich heraus, Und du wirst nahen wie die Morgenröte, Mit Lächeln und mit strahlendem Gesicht. Und deine Arme, die so schimmernd weiss Wie Taku-Rinde glänzen, wirst du zärtlich Auf meinen Busen legen, der dem Schnee An Zartheit gleicht. Und eng verschlungen werden Wir liegen und uns kosen und die Arme Als Kissen unters Haupt uns betten, während Die Schenkel nahe beieinander ruhn.
Sprich mir von Liebessehnsucht nicht zu sehr, Du grosser Gott der achtmaltausend Speere!
Wenn erst die Sonne hinterm Berg verschwand, Komm ich heraus.
Bis dass der weisse Reif des Alters sich Auf meine rabenschwarzen Haare legt. Will ich mein ganzes langes Leben durch Nichts weiter tun als warten, warten, warten Auf dich, den meine ganze Seele liebt.
Du schönes, schlankes Mädchen mit dem Korbe, Du schönes, schlankes Mädchen mit dem Spaten, Das dort am Hügel emsig Kräuter pflückt!
Sag mir, wo ragt dein Haus, ich bitte dich, Und nenne deinen Namen mir! Im ganzen, Vom Himmel treu geliebten Lande Japan.
Bin ich der Herrscher! Und mein Herz wünschtinnig. Dich als Gemahlin heimzuführen, Holde! Ich bitte dich, wer bist du,—sag es mir!
Ihr sagt, dass ich ein Wilder sei. Nun gut. Ich bin den Vögeln im Gebüsch befreundet Und kenne alle Bäume. Und die Blumen.
Auf bunter Bergflur blühen nur für mich, Und das Geraun des Waldes kündet mir Geheimnisvoll die Wunder der Natur.
Ja, ich bin reich! Dich neid ich nimmermehr, Geschmeidiger Hofmann in dem seidnen Kleide, Denn du hast nichts, was meinem Glücke gleicht.
Ich wartete auf dich, von Sehnsucht fast Verzehrt,—da, ein Geräusch: du nahst! du nahst!
Zu früh gejubelt, sehnsuchtsbanges Herz! Es war der trügerische Wind des Herbstes, Der raschelnd durch den Bambusvorhang fuhr.