Landschaften

Anmerkungen zur Transkription
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Hans Thoma
Mit einem Geleitworte von Wilhelm Kotzde
Herausgegeben von der Freien Lehrervereinigung für Kunstpflege
21. bis 30. Tausend
Mainz 1909 · Verlag von Jos. Scholz
Alle Rechte vorbehalten
Der Name Thoma hat für den Deutschen heut einen guten und heimeligen Klang. Es ist uns bei seinem Namen, als sähe uns jemand an mit treuen, deutschen Augen, in denen unendliche Güte und Liebe liegt, Güte für die Menschen und Liebe zu allen Dingen, die um uns sind, die wir von Kindheit her uns gewannen mit suchender, staunender Seele. All das, was uns lieb und wert ist, das zeigt uns Thoma in seiner Kunst, ja er erschließt es uns erst, bringt uns zum Bewußtsein, was in uns schlummerte, daß nun unsere Seele mitschwingt und mitzittert, wenn er das vor uns stellt und sagt: Sieh da, das habe ich geschaut, das habe ich mit liebendem Sinn in mir getragen, und nun will ich’s euch geben, daß es euch freue, wie es mich gefreut hat.
Aus der Freude an den Dingen ist ja Thomas Kunst geboren. Er ist ein rechter Genosse der Dürer, Schwind und Richter. Es ist das Unaussprechliche in seiner Kunst, das jeder, der unseres Volkes ist, mit seinem Gefühl umgreift, das sich ahnungsvoll in unsere Seele stiehlt und uns froh und glücklich macht.
Dieses Heitere, Frohe, das Friede- und Ruhevolle ist auch in Thomas Landschaftskunst, die einen wesentlichen Teil seines Schaffensgebietes umfaßt. In traumvoll schönen Bildern erzählt er uns von dem heimischen Schwarzwald, von Rhein und Taunus, von der ewigen Gletscherwelt, vom immer wechselnden Meer und vom heißen, sonnigen Italien. Aber wohin er auch geht, es ist nicht das Äußere, Zufällige, von dem er berichtet. Er nimmt es erst ganz auf in seine Seele, er verarbeitet es innerlich, und dann bannt er das, was ihm bedeutsam erscheint, auf die Leinwand. Er hat ein außerordentliches Erinnerungsvermögen, die Andeutung der Kontur und einige allgemeine Farbbemerkungen genügen ihm, um nach Jahren noch ein Bild in voller Deutlichkeit vor seinen Augen wiedererstehen zu lassen. Sind doch die Hochgebirgsbilder, die zum Gewaltigsten deutscher Landschaftskunst gehören, in der Werkstatt nach flüchtigen Skizzen entstanden. Henry Thode erzählt: „Mich wollte es beim Einblick in Thomas Skizzenbücher bedünken, als gäbe es nicht ein Blättchen, nicht eine Blume, nicht ein Geäst, nicht eine Wolkenform, nicht ein Tier, nicht eine Körperbewegung, über die er sich nicht in seiner Lernzeit mit dem Stifte gewissenhaften Aufschluß verschafft, als habe er die Formen- und Farbensprache der Natur bis in jede Einzelheit auswendig gelernt.“ Daher kommt es denn aber auch, daß er alles Zufällige auszuscheiden weiß, daß er die großen, bedeutenden Züge vereinen kann und so Bilder entstehen, von denen jedes ein anderes ist als das ihm voranging, ein anderes in Stimmung, Aufbau, in der Technik, im ganzen Gehalt.

Hans Thoma
Содержание

О книге

Язык

Немецкий

Год издания

2020-07-16

Темы

Thoma, Hans, 1839-1924; Painters -- Germany

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