Halbtier: Roman

Fünfte Auflage
Egon Fleischel & Co. Berlin 1907
Alle Rechte vorbehalten
Fernes Gewittergrollen verliert sich im lauten Treiben des Menschenstroms, der die schwülen Straßen füllt.
Über dem ganzen überspannten, überbürdeten Menschentum lastet die große Sonnenhitze und die Enge der Gassen, die Höhe der Häuser.
All diese Menschen sind so eingezwängt, wenn sie’s auch nicht klar wissen.
Die Enge der Herzen, die Enge der Köpfe und Gesinnungen, der Höfe und Gänge, die Enge der Stuben, der ganze Brodel in dem sie leben, alles lastet und drückt und macht sie stöhnen und stimmt sie unbewußt sehnsuchtsvoll, unbewußt unzufrieden.
Da kam der erste große, freie Donnerschlag.
Oho!
Darauf ein verdächtiges Schauerlüftchen, das den fettigen, feuchten Straßengesichtern den Staub entgegenbläst.
Alles wirbelt.
Das, was einst lebte und nun als ekler Staub geduldig liegt, beginnt zu tanzen — tanzt und fährt den Lebenden widrig in die Augen und bedrängt sie. Es kommt ein Hasten in die stumpfsinnige Menge, so ein gesundes natürliches Hasten, das der Herdentiere.

Helene Böhlau
О книге

Язык

Немецкий

Год издания

2014-10-18

Темы

German fiction

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