Der Wehrwolf: Eine Bauernchronik
Anmerkung zur Transkription:
Offensichtliche Druckfehler im Text wurden korrigiert, die Schreibweise ansonsten aber wie im Original belassen. Die korrigierten Stellen sind im Text mit einer roten Linie gekennzeichnet, der Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.
Am Ende des Buches befindet sich eine Liste mit Worterklärungen. Die erklärten Wörter wurden im Text blau unterstrichen gekennzeichnet. Die Erklärung erscheint beim Überfahren mit der Maus, das Wort ist ausserdem mit der zugehörigen Erklärung verlinkt.
Ein Inhaltsverzeichnis ist im Original nicht vorhanden, zur leichteren Lesbarkeit hier Verweise zu den einzelnen Kapiteln:
Hermann Löns
Eine Bauernchronik 101.-120. Tausend Verlegt bei Eugen Diederichs Jena 1920
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen (auch ins Ungarische) vorbehalten. Copyright 1920 by Eugen Diederichs Verlag in Jena.
Im Anfange war es wüst und leer in der Haide. Der Adler führte über Tage das große Wort, und bei Nacht hatte es der Uhu; Bär und Wolf waren Herren im Lande und hatten Macht über jegliches Getier.
Kein Mensch wehrte es ihnen, denn die paar armseligen Wilden, die dort vom Jagen und Fischen lebten, waren froh, wenn sie das Leben hatten und gingen den Untieren liebendgern aus der Kehr.
Da kamen eines Abends andere Menschen zugereist, die blanke Gesichter und gelbes Haar hatten; mit Pferd und Wagen, Kind und Kegel kamen sie an, und mit Hunden und Federvieh.
Es gefiel ihnen gut in der Haide, denn sie kamen daher, wo das Eis noch bis in den Mai auf den Pümpen stand und im Oktober schon wieder Schnee fiel.
Jeglicher Hof lag für sich. Ganz zu hinderst in der Haide wohnte Reineke; sein Nachbar war Hingst; auf ihn folgte Marten, darauf Hennig, hinterher Hors, und dann Bock und Bolle und Otte und Katz und Duw und Specht und Petz und Ul und wie sie alle hießen, und zuletzt Wulf, ein langer Mann mit lustigen Augen und einer hellen Stimme, der sich da angebaut hatte, wo das Bruch anfing.