Aus der Schweiz - Ida von Düringsfeld

Aus der Schweiz

Von
Ida von Düringsfeld, Verfasserin von »Schloß Goczyn«.
Bremen, Verlag von Franz Schlodtmann. 1850.
vor diesem meinem ersten Wort »Aus der Schweiz« in die Heimath, um Täuschungen nicht erst entstehen zu lassen. Man möchte erwarten, ich hätte »die Schweiz« geschildert – dem aber ist nicht so, – ich schrieb nur »Aus der Schweiz«. Darum frage man mich nicht: wo ist Interlaken, wo Bern, wo Vevey? Ich habe gewählt aus dem Gesehenen. Und wenn das Gewählte ungleich erscheint, hier ganz modern, dort barock veraltet, so ist es eben wieder »aus der Schweiz«, und diese nicht nur eine Eidgenossenschaft von Cantonen, sondern auch von Contrasten. Meine persönlich-politische Empfindung mag denn auch mit gefärbt haben, Andere würden vielleicht anders sehen als ich. Ich habe mich zwar ernsthaft bemüht, so unparteiisch wie möglich zu sehen, aber Sympathie und Antipathie sind unsichtbare Brillen – wer weiß, sind sie mir nicht zwischen das Auge und meine Gegenstände geschoben worden? Wie dem nun sei, möge mein kleines Buch von meinen Schweizer Freunden freundlich und arglos aufgenommen, in der Heimath aber gern gelesen werden, wenn man sich nämlich nach der langen Zeit eines Jahres einer armen Verschlagenen dort noch erinnert.
Gleich zu Anfang unseres Aufenthaltes in der Schweiz wohnten wir einen Monat lang in Horgen am Zürchersee.
Der Meierhof ist eigentlich keine Pension: außer uns hielt sich nur noch ein Pole dort auf, derselbe, dessen Namen diese Skizze trägt. Wir wußten jedoch damals seinen Namen noch nicht, sondern nur, daß er an der Brust leide, den Sommer über in Interlaken zur Molkenkur gewesen sei und jetzt in Horgen die Traubenkur gebrauchen wolle. Warum er zu diesem Zwecke nicht lieber in die französische Schweiz ging? Eine polnische Familie, welche in der Nähe von Zürich ein Landhaus besaß, hatte einen sehr geschickten Arzt bei sich. Mit diesem war Mauricy in Interlaken bekannt geworden und hatte solches Vertrauen zu ihm gefaßt, daß er noch länger in seiner Behandlung zu bleiben wünschte. Die Familie hatte mit jener Herzlichkeit, welche die Polen unter sich verbindet und sie gleichsam zu Gliedern einer Familie macht, dem kranken Landsmann ihr Haus angeboten, aber er wollte weder geniren, noch genirt sein, und so kam es, daß wir ihn in Horgen kennen lernten. Von hier aus konnte er mit den vielen Dampfschiffen, welche den Zürichersee durchfurchen, täglich nicht nur ein, sondern mehrere Male hinüber.

Ida von Düringsfeld
О книге

Язык

Немецкий

Год издания

2022-01-02

Темы

Switzerland -- Description and travel

Reload 🗙