Aus meinem Jugendland

Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der 1918 erschienenen Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Zeichensetzung und offensichtliche typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche sowie inkonsistente Schreibweisen, insbesondere Dialektausdrücke, wurden nicht verändert.
Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Bearbeiter eingefügt.
AUS MEINEM JUGENDLAND
ISOLDE KURZ
Rainer Wunderlich Verlag (Hermann Leins) Tübingen
Printed in Germany. Druck von H. Laupp jr in Tübingen. Copyright 1918 by Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart
Dem Lebensfreund und Teilhaber meiner Jugenderinnerungen Ernst von Mohl

Das vorliegende Buch bildet gewissermaßen eine Fortsetzung und Ergänzung der Lebensgeschichte meines Vaters und die Überleitung zu den „Florentinischen Erinnerungen“, in denen ich die Charakterbilder meiner verstorbenen Brüder einzeln gezeichnet habe. Da ich bei der Niederschrift der genannten Bücher nicht daran dachte, auch einmal die eigene Entwicklung zu erzählen, sind in beiden gelegentlich Dinge vorweggenommen, die hier mit größerer Ausführlichkeit behandelt sein wollten. Doch bin ich hierin nur dem Gesetz des Gedächtnisses gefolgt, das gleichfalls die Ereignisse nicht am langen Faden aufreiht, sondern das Zusammengehörige, auch wenn es zeitlich getrennt ist, aneinanderknüpft.
Natürlich kann das Bild, das ich von meiner damaligen Umwelt gebe, kein vollständiges sein. Es haben wertvolle Menschen meinen Jugendweg ge kreuzt, deren hier keine oder nur flüchtige Erwähnung geschieht. Die Wahl der eingeführten Personen bestimmt sich einzig nach ihrem Einfluß auf meinen Werdegang. Und ein solcher Einfluß hängt ja weit weniger von der wirklichen Bedeutung einer Persönlichkeit ab als von dem Zeitpunkt, wo unsere Lebenswege sich schneiden.
Auch wundere man sich nicht, wenn man in meinen Erinnerungen Größtes und Kleinstes, Völkergeschicke und Jugendeseleien, große Männer und kleine Mädchen bunt beisammen findet. In meinem Jugendgarten wuchsen alle Gewächse Gottes, große und kleine, einheimische und fremde, wild durcheinander. Da gab es himmelstrebende Zedern, wundersame Orchideen, seltene Rosenarten, daneben lustige Bauernblumen und allerhand blühendes Unkraut. Ich pflücke mit vollen Händen, was ich noch erraffen kann. Freilich mußte ich manche lockende Blume nachträglich wieder aus dem Strauß werfen, weil mir persönliche Rücksichten Zurückhaltung auferlegen. Und was die großen Männer betrifft, so nehmen sie die Nähe der kleinen Mädchen nicht übel; ja sie hätten, als sie lebten, die Welt ohne diese Nähe um vieles weniger anziehend gefunden.

Isolde Kurz
О книге

Язык

Немецкий

Год издания

2017-05-17

Темы

Authors, German -- 19th century -- Biography; Authors, German -- 20th century -- Biography; Kurz, Isolde, 1853-1944

Reload 🗙