Des Waldbauern Friedel
Anmerkungen zur Transkription
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Von
Marg. Lenk
Vierte Auflage – Mit Bildern
Zwickau (Sachsen)
Verlag und Druck von Johannes Herrmann
Alle Rechte vorbehalten.
Copyright 1912 by Johannes Herrmann, Zwickau (Sachsen).
Es war im Sommer des Jahres 1730. In dem wunderschönen Gebirgsländchen Salzburg, das im Süden Deutschlands, zwischen Bayern, Tirol und Österreich liegt, grünten die saftigen Wiesen, dufteten die dunklen Tannenwälder; und die untergehende Sonne vergoldete die Spitzen der gewaltigen Berge. Nicht allzuweit von einem kleinen gewerbfleißigen Städtchen stand am Bergeshang, von Waldbäumen beschattet, eine schlichte Hütte. Nur zwei Menschen wohnten darin: der Waldbauer Andreas, ein weißhaariger, aber noch sehr rüstiger Mann, und sein neunjähriger verwaister Enkel Fridolin, meist Friedel genannt. Einen schmuckeren Buben gab es wohl kaum in der ganzen Gegend! Hoch gewachsen, weiß und rot wie Milch und Blut, obgleich er sich von früh bis abends im Sonnenschein tummelte, mit lustigen, strahlenden Augen und weichem, dunklem Lockenhaar. Schon war er kräftig genug, dem Großvater bei der Bearbeitung des sehr kleinen Gütchens zu helfen, so daß die beiden, seit dem Tode eines alten, treuen Knechtes, ganz allein wirtschafteten.