Familiensklaven
Anmerkungen zur Transkription
Der Text wurde in Fraktur gesetzt, offensichtliche Druckfehler sind stillschweigend korrigiert worden. Die Schreibweise und Interpunktion wurden übernommen.
Worte in Antiquaschrift sind kursiv dargestellt.
Roman
von
Max Kretzer.
Verlag Continent
(Theo Gutmann)
Berlin W. 50.
Alle Rechte vorbehalten.
Nachdruck verboten.
Kandidat Fröhlich erlebte heute eine unangenehme Ueberraschung, die ihm gleich um zehn Uhr zu teil wurde, als er pünktlich wie immer im Hause Roderich erschienen war, um den täglichen Unterricht bei seinem elfjährigen Zögling mit erneuertem Feuer zu beginnen. »Fräulein« war plötzlich krank geworden und lag im Bette, und so hatte er das Vergnügen, den Beruf eines Kindergärtners zu erfüllen, der ihm von der Gnädigen mit einer so süßlichen Bitte aufgetragen worden war, daß er nicht hatte widerstehen können. Er war auch gar nicht zum Nachdenken gekommen über die Berechtigung zu dieser von ihm verlangten neuen Probe seiner Begabung, denn die beiden kleinsten Roderichs hatten ihn gleich derartig als Gegenstand ihrer phantasievollen Neigungen in Anspruch genommen, daß er sich mit seinem glücklichen Humor, dem einzigen Erbteil seines Vaters, sofort in diesen Ausnahmefall gefunden hatte.