Der Tod des Cosimo
Anmerkungen zur Transkription
Im Original gesperrter Text ist so ausgezeichnet .
Im Original in Antiqua gesetzter Text ist so ausgezeichnet .
von Paul Ernst
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Viertes bis sechstes Tausend
Bei Meyer & Jessen / Berlin
Es war in den Tagen, da Cosimo de Medici starb, welcher der Vater des Vaterlandes genannt wurde, daß die Bürger von Florenz blindlings dem Willen Savonarolas gehorchten. Wie das alles so gekommen, war keinem recht klar; Savonarola hatte schon lange von der Buße gepredigt und von dem Tage des Gerichtes, und allmählich hatten ihm immer mehr Menschen geglaubt, zuerst die Frauen und endlich auch die Männer. Nun zitterten alle, wenn sie dachten, daß er predigen würde, und wiewohl sie eine heftige Furcht vor seinen Worten hatten, gingen sie doch zu jeder neuen Predigt, um jede neue Last aufzunehmen, die er ihnen aufladen wollte.
Auf der Piazza Signoria hatte er einen großen Scheiterhaufen errichtet, zu dem brachte ein jeder, was ihm das Teuerste war, um es zu opfern. Der Scheiterhaufen schwelte, und nur ab und zu kamen kleine Flammen an ihm hochgezüngelt. Der Wind trieb den Rauch nach der Seite des Arno zu. Auf der anderen Seite stand auf einem Stuhl, der ihm als Rednertribüne gedient hatte, Savonarola. Er hatte die Arme vor dem Leib gekreuzt, die Hände in den Ärmeln der weißen Kutte und sah mit seinen scharfen Blicken über die Menschen, die sich lautlos drängten.
Auf der Spitze des Scheiterhaufens war ein großes Bild: eine Venus von Botticelli, in breitem, geschnitztem Rahmen; aufrecht war es und wurde zufällig in seiner Lage gehalten durch die regellos übereinandergeworfenen Gegenstände: eingelegte Tischchen, gold- und purpurgewebte Kleider, Fläschchen aus Kristall, Bilder, schönbemalte Kästchen, welche Schmuck enthielten, eine große goldene Kette mit prächtiger Schaumünze, Bücher und, als Gabe eines ganz Armen, ein elendes Bett.