Aus meinem Leben
Copyright by S. Hirzel in Leipzig 1920
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Die folgenden Erinnerungen verdanken ihre Entstehung nicht einer Neigung zum Schreiben, sondern vielfachen Bitten und Anregungen, die von außen an mich herantraten.
Nicht ein Geschichtswerk wollte ich verfassen sondern die Eindrücke wiedergeben, unter denen mein Leben sich vollzog, und die Richtlinien klar legen, nach denen ich glaubte, denken und handeln zu müssen. Fern lag es mir, eine Rechtfertigungs- oder Streitschrift zu verfassen, am fernsten aber war mir der Gedanke an Selbstverherrlichung. Als Mensch habe ich gedacht, gehandelt und geirrt. Maßgebend in meinem Leben und Tun war für mich nicht der Beifall der Welt sondern die eigene Überzeugung, die Pflicht und das Gewissen.
Inmitten der schwersten Zeit unseres Vaterlandes niedergeschrieben, entstanden die folgenden Erinnerungsblätter doch nicht unter dem bitteren Drucke der Hoffnungslosigkeit. Mein Blick ist und bleibt unerschütterlich vorwärts und aufwärts gerichtet.
Ich widme das Buch dankbar allen Denen, die mit mir im Feld und in der Heimat für des Reiches Größe und Dasein kämpften.
Im September 1919.
An einem Frühlingsabend des Jahres 1859 sagte ich als 11jähriger Knabe am Gittertor des Kadettenhauses zu Wahlstatt in Schlesien meinem Vater Lebewohl. Der Abschied galt nicht nur dem geliebten Vater sondern gleichzeitig meinem ganzen bisherigen Leben. Aus diesem Gefühl heraus stahlen sich Tränen aus meinen Augen. Ich sah sie auf meinen „Waffenrock“ fallen. „In diesem Kleid darf man nicht schwach sein und weinen“ fuhr es mir durch den Kopf; ich riß mich empor aus meinem kindlichen Schmerz und mischte mich nicht ohne Bangen unter meine nunmehrigen Kameraden.
Soldat zu werden war für mich kein Entschluß, es war eine Selbstverständlichkeit. Solange ich mir im jugendlichen Spiel oder Denken einen Beruf wählte, war es stets der militärische gewesen. Der Waffendienst für König und Vaterland war in unserer Familie eine alte Überlieferung.
Paul von Hindenburg
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Zur Einführung
Inhaltsverzeichnis
Meine Jugend
Im Kampf um Preußens und Deutschlands Größe
Friedensarbeit
Übergang in den Ruhestand
Der Kampf um Ostpreußen
Der Feldzug in Polen
1915
Das Feldzugsjahr 1916 bis Ende August
Berufung zur Obersten Heeresleitung
Leben im Großen Hauptquartier
Kriegsereignisse bis Ende 1916
Meine Stellung zu politischen Fragen
Vorbereitungen für das kommende Feldzugsjahr
Der feindliche Ansturm im ersten Halbjahr 1917
Unser Gegenstoß im Osten
Angriff auf Italien
Fortsetzung der feindlichen Angriffe im zweiten Halbjahr 1917
Die Frage der Westoffensive
Unsere drei Angriffsschlachten
Im Angriff gescheitert
In die Verteidigung geworfen
Der Kampf unserer Bundesgenossen
Dem Ende entgegen
Mein Abschied
Personenverzeichnis
Bemerkungen zur Textgestalt