Rübezahl / Neue Sammlung der schönsten Sagen und Märchen von dem Berggeiste im Riesengebirge
Neue Sammlung der schönsten Sagen und Märchen von dem Berggeiste im Riesengebirge. Von Rosalie Koch.
Zehnte Auflage.
Mit Illustrationen in Farbendruck und in Holzschnitt nach Originalen von Professor P. Mohn.
Berlin. Winckelmann & Söhne.
Das Riesengebirge, das euch, meine jungen Freunde, aus der geographischen Lehrstunde wohl bekannt ist, ja welches einzelne von euch schon besucht haben, ist derjenige Teil der Sudeten des preußischen Staates, wo sie am höchsten und engsten verbunden sind und Schlesien von Böhmen und Mähren scheiden. Die hervorragenden Spitzen derselben sind von ansehnlicher Höhe, die Riesen-, auch Schneekoppe genannt, welche 1605 m über dem Meeresspiegel liegt; ferner der Reifträger, das hohe Rad und die Sturmhaube; auch haben starke Flüsse, z. B. die Elbe und der Bober, ihren Ursprung zwischen felsigen Höhen. — Dort nun war ehemals der Aufenthalt eines mächtigen Berggeistes. Sein Gebiet umschrieb auf der Oberfläche des Riesengebirges nur wenige Meilen, breitete sich aber im Innern desselben desto weiter und tiefer aus. Der Gnom herrschte oft jahrhundertelang still in seinem unterirdischen Reiche, und erhob sich nur selten auf die Oberwelt, um dort sein Wesen zu treiben.
Zur Zeit, als noch kein menschlicher Fußtritt das verkümmerte Knieholz und die spärliche Vegetation der Berge betrat, ehe die Gegend bewohnt war, begnügte sich der Herr der Riesenberge damit, wilde Tiere aufeinander zu hetzen, oder sie aus ihrem Lager aufzuschrecken, und sie in wilder Jagd durch das Gehölz zu treiben.
Als er aber nach langer Zeit wieder einmal das Tageslicht der Oberwelt aufsuchte, fand er zu seinem Erstaunen alles so sehr verändert, daß er fast sein eigenes Gebiet nicht wiedererkannte. Grünes Saatenfeld erhob sich, wo früher ein finsterer Wald gestanden hatte, und auf Wiesen weideten Schafe und Rinder, unter der Obhut singender Hirten und schützender Hunde. Da lagen einzelne Hütten in den Tälern, aus deren Schornsteinen der Rauch lustig emporstieg und vor deren Türen muntere Kinder spielten, mit fröhlichem Geschrei. Der Gnom wunderte sich nicht wenig über diese neuen Erscheinungen; seine größte Aufmerksamkeit aber erregten die Gestalten der Menschen, die er nie zuvor gesehen hatte. Seine Neugier ward rege, und er beschloß, diese fremden Wesen näher kennen zu lernen, indem er ihre Gestalt annahm und einige Zeit unter ihnen lebte.
Rosalie Koch
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Rübezahl.
Inhalt.
Einleitung.
Woher Rübezahl seinen Namen hat.
Der Kräutersammler.
Der Musterreiter.
Mecker-Friede
Die Anleihe.
Der Wundertaler.
Der Goldmacher.
Rübezahl straft einen Spötter.
Mutter Else.
Glücks-Männlein.
Die drei besten Menschen.
Der böse Vogt.
Rübezahl straft einen Unwissenden.
Wie Rübezahl vor Prellerei warnt.
Rübezahl betrügt die Geldmäkler.
Die Springwurzel.
Der gefundene Esel.
Der Spieler.
Rübezahl und der Schneider.
Rübezahl und der lügenhafte Knecht.
Der reiche Bäcker.
Das Zauberbuch.
Wie Rübezahl einem Bauer hilft.
Der kleine Peter.
Die Reise nach Karlsbad.
Wie Rübezahl die Übertretung seiner Gesetze bestraft.
Das Rad.
Wie Rübezahl sich eines armen Studenten annimmt.
Wie Fischbach durch Rübezahls Hilfe erbaut worden.
Rübezahl macht einem Förster einen Zopf.
Der alte Schäfer.
Die drei Tischlergesellen.
Wozu es nützt, schweigend Unrecht zu ertragen.
Der Wanderstab.
Die gefärbten Badegäste.
Der verzauberte Stab.
Der böse Edelmann.
Grünmantel.
Rübezahl.
Personen:
Erste Szene.
Zweite Szene.
Dritte Szene.
Vierte Szene.
Fünfte Szene.
Sechste Szene.
Siebente Szene.
Achte Szene.
Neunte Szene.