Königin Heimat
Anmerkungen zur Transkription:
Das Original ist in Fraktur gesetzt; Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler sind korrigiert worden.
Worte in Antiquaschrift sind kursiv dargestellt.
RUDOLF GREINZ
Roman
34. bis 39. Tausend
L. Staackmann Verlag in Leipzig
Druck der Offizin Haag-Drugulin in Leipzig / 1939
Copyright 1921 by L. Staackmann Verlag in Leipzig Printed in Germany
Nach einem ungewöhnlich warmen Vorfrühling war neuerdings der Winter über Land gezogen. In toller Liebesfreude hatte der junge Lenz verschwenderisch seine Gaben verschenkt. Im Tale standen nicht allein die Aprikosenbäume schon in voller Pracht, sondern auch die Kirschbäume hatten ihr Sehnen nach neuem Leben nicht länger zurückhalten können und keimten und sproßten, bis ihre Blüten barsten und sie wie Bräute festlich geschmückt des Geliebten harrten.
Aber es war ein rauher Geselle, dem sie arglos vertraut hatten. Eisiger Wind durchbrauste nun das Tal und brachte Schnee. Viel Schnee, wie mitten im Winter. Die blütengeschmückten Äste beugten sich kummervoll unter der schweren Last, die ihre Herrlichkeit verdarb. Die Berberitzensträucher an den Wegen neigten die zarten grünen Äste tief der Erde zu, als strebten sie, voll Scham ihre karge Schönheit zu verbergen vor dem Wüstling, der sie zu vernichten drohte.
Bang und beklommen schauten die Bauern des Tales zu dem bleischweren Himmel empor. Wenn jetzt noch der Frost dazu kam, dann war's aus mit dem Erntesegen. Dann mußten die Blüten erfrieren, und die Frühsaat, die schon so prächtig aufgegangen war, mußte zugrunde gehen.
Rudolf Greinz
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Königin Heimat
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