Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft
INTERNATIONALE BÜCHEREI FÜR SOZIAL- UND GEISTESWISSENSCHAFTEN
VON DR. RUDOLF STEINER
1920
DER KOMMENDE TAG, A. G., VERLAG STUTTGART
41.–80. Tausend
Alle Rechte vorbehalten Copyright, 1920 by Der kommende Tag, A. G., Verlag, Stuttgart.
Druckfehlerberichtigung.
Greiner & Pfeiffer, Druckerei und Verlagsanstalt, Stuttgart.
Inhalt
Die Aufgaben, welche das soziale Leben der Gegenwart stellt, muß derjenige verkennen, der an sie mit dem Gedanken an irgendeine Utopie herantritt. Man kann aus gewissen Anschauungen und Empfindungen den Glauben haben, diese oder jene Einrichtung, die man sich in seinen Ideen zurechtgelegt hat, müsse die Menschen beglücken; dieser Glaube kann überwältigende Überzeugungskraft annehmen; an dem, was gegenwärtig die soziale „Frage“ bedeutet, kann man doch völlig vorbeireden, wenn man einen solchen Glauben geltend machen will.
Man kann heute diese Behauptung in der folgenden Art bis in das scheinbar Unsinnige treiben; und man wird doch das Richtige treffen. Man kann annehmen, irgend jemand wäre im Besitze einer vollkommenen theoretischen „Lösung“ der sozialen Frage, und er könnte dennoch etwas ganz Unpraktisches glauben, wenn er der Menschheit diese von ihm ausgedachte „Lösung“ anbieten wollte. Denn wir leben nicht mehr in der Zeit, in welcher man glauben soll, auf diese Art im öffentlichen Leben wirken zu können. Die Seelenverfassung der Menschen ist nicht so, daß sie für das öffentliche Leben etwa einmal sagen könnten: da seht Einen, der versteht, welche sozialen Einrichtungen nötig sind; wie er es meint, so wollen wir es machen.