Goethes Weltanschauung
GOETHES WELTANSCHAUUNG.
GOETHES WELTANSCHAUUNG.
Von RUDOLF STEINER.
WEIMAR VERLAG VON EMIL FELBER 1897.
Alle Rechte vorbehalten.
Die Gedanken, die ich in diesem Buche mitteile, sollen die Grundstimmung festhalten, die ich in der Weltanschauung Goethes beobachtet habe. Im Lauf vieler Jahre habe ich immer wieder und wieder das Bild dieser Weltanschauung betrachtet. Besonderen Reiz hatte es für mich, nach den Offenbarungen zu sehen, welche die Natur über ihr Wesen und ihre Gesetze den feinen Sinnes- und Geistesorganen Goethes gemacht hat. Ich lernte begreifen, warum Goethe diese Offenbarungen als so hohes Glück empfand, daß er sie zuweilen höher schätzte als seine Dichtungsgabe. Ich lebte mich in die Empfindungen ein, die durch Goethes Seele zogen, wenn er sagt, daß „wir durch nichts so sehr veranlaßt werden über uns selbst zu denken, als wenn wir höchst bedeutende Gegenstände, besonders entschiedene Naturscenen nach langen Zwischenräumen endlich wiedersehen und den zurückgebliebenen Eindruck mit der gegenwärtigen Einwirkung vergleichen. Da werden wir denn im Ganzen bemerken, daß das Object immer mehr hervortritt, daß, wenn wir uns früher an den Gegenständen empfanden, Freud und Leid, Heiterkeit und Verwirrung auf sie übertrugen, wir nunmehr bei gebändigter Selbstigkeit ihnen das gebürende Recht widerfahren lassen, ihre Eigenheiten zu erkennen und ihre Eigenschaften, sofern wir sie durchdringen, in einem höhern Grade zu schätzen wissen. Jene Art des Anschauens gewährt der künstlerische Blick, diese eignet sich dem Naturforscher, und ich mußte mich, zwar anfangs nicht ohne Schmerzen, zuletzt doch glücklich preisen, daß, indem jener Sinn mich nach und nach zu verlassen drohte, dieser sich in Aug und Geist desto kräftiger entwickelte.“
Die Eindrücke, welche Goethe von den Erscheinungen der Natur empfangen hat, muß man kennen, wenn man den vollen Gehalt seiner Dichtungen verstehen will. Die Geheimnisse, die er dem Wesen und Werden der Schöpfung abgelauscht hat, leben in seinen künstlerischen Erzeugnissen und werden nur demjenigen offenbar, der hinhorcht auf die Mitteilungen, die der Dichter über die Natur macht. Niemand kann in die Tiefen der Goetheschen Kunst hinuntertauchen, dem Goethes Naturbeobachtungen unbekannt sind.
Rudolf Steiner
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Vorrede.
Inhalt.
Einleitung.
Goethes Stellung innerhalb der abendländischen Gedankenentwickelung.
Goethe und Schiller.
Die platonische Weltanschauung.
Die Folgen der platonischen Weltanschauung.
Goethe und die platonische Weltansicht.
Persönlichkeit und Weltanschauung.
Die Metamorphose der Welterscheinungen.
Die Anschauungen über Natur und Entwicklung der Lebewesen.
Die Metamorphosenlehre.
Die Betrachtung der Farbenwelt.
Die Erscheinungen der Farbenwelt.
Gedanken über Entwicklungsgeschichte der Erde und Lufterscheinungen.
Gedanken über Entwicklungsgeschichte der Erde.
Betrachtungen über atmosphärische Erscheinungen.
Goethe und Hegel.
Goethe und Hegel.
Namen-Register.
Kolophon
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Kodierung
Überblick der Revisionen
Externe Referenzen
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