Einfache Erzählung von dem schrecklichen Absturze des Schrofenberges und der dadurch erfolgten Verwüstung bei Brannenburg im August 1851 / Zum Beßten der Verunglückten

Zum Beßten der Verunglückten.
(Aus dem Oberbayerischen Archive Bd. XIV. Heft 1 besonders abgedruckt.)
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München, 1852.
Druck der Dr. C. Wolf 'schen Buchdruckerei.
Durch diese kleine Ebene fließen zwei Bäche, der Saubach, der am Fuße des Schrofen heraus quillt, und von dem das Dorf Brannenburg sein Trinkwasser für Menschen und Vieh in Deichen herableitete, und der Kirchbach, der etwas mehr südwestlich von der Rampold-Alpe kömmt. Beide Bäche vereinigen sich nahe oberhalb der Sagbruck, und nehmen dann vereinigt den Namen „Kirchbach“ an.
Seit unfürdenklichen Zeiten ist man hier gewöhnt, größere oder kleinere Stücke des Schrofenberges abfallen zu sehen oder nächtlicher Weile zu hören, und das sonderbare Getöse eines solchen Falles hat schon Manchen nicht wenig Schrecken gemacht, besonders wenn man nicht an den Schrofen dachte, oder von dessen Abfällen nichts wußte. Die Tradition hat noch bis jetzt zwei große Abfälle dieses Berges im Andenken erhalten, den einen i. J. 1610, eben ein Jahr vor der Pest, welche unsere Gegend von Flinsbach, Tegerndorf, Brannenburg und Holzhausen fast ganz entvölkerte, den andern um das Jahr 1770, also gerade vor der bekannten großen Theuerung. Dieses letzteren Bergsturzes erinnert sich noch gut unsere alte 92-jährige Meßners-Wittwe, Annastasia Kiau, und wie man da mit dem hochwürdigsten Gut in großer Prozession hinauf gegangen sei bis zum Hagerer, Gott um Abwendung der drohenden Gefahr zu bitten.
Anfangs Oktobers 1816, als die große Theurung (leider eine Wuchertheurung) eintrat, erlebte der Schreiber dieser Zeilen selbst einen ähnlichen Bergabfall, zwar nicht unmittelbar vom Schrofen, aber doch im nämlichen Berggehänge, nur einige hundert Schritte weiter südöstlich gegen den Bauerhof Hölnstein hinüber. Der wiederholte, oft heftige Regen jenes Jahres hatte das Erdreich in einer Sinke des Breitenberges ganz erweicht und eine ungeheure Masse Erde und Steine durch den tiefen und breiten Hölnsteiner Graben herab geschlämmt. Langsam, kaum dem Auge bemerkbar, bewegte sich die Schlamm-Masse die steile Höhe herab, und nahm Alles, was im Wege stand, mit sich fort; die stärksten Fichten, Tannen und Buchen von 2-3 Fuß im Durchmesser bog sie um, stürzte und brach sie dann mit fürchterlichem Gekrache. Allmälig kam die Masse durch den weiten und tiefen Graben herab in den Kirchbach und die Menge zerknickter Bäume mit den Stauden und größern und kleineren Steinen, die sie im Schlamme verborgen mit sich fortführte, verlegte in gerader Richtung von dem Lechnerbauer Hofe hinüber das Rinnsal des Kirchbaches, das nach und nach ganz bis oben angefüllt wurde, und es war sehr ungewiß, ob der Kirchbach seine Richtung nach dem Thale hinab behalten, oder gegen Brannenburg herüber nehmen würde. Zehn Tage stand die Masse drohend da; von Stunde zu Stunde schwoll das Wasser; — endlich hatte es sich selbst ganz unten am Boden eine Oeffnung gemacht, die schnell größer wurde; mächtig drang es durch und riß den Schutt mit sich fort; die Masse sank immer tiefer und das Wasser reinigte nach und nach sich selbst das Rinnsal, und die so drohende Gefahr ging damals ohne sehr große Verwüstung vorüber. So war's im Jahre 1816; schrecklicher aber kam es i. J. 1851.

Sebastian Dachauer
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Язык

Немецкий

Год издания

2013-06-13

Темы

Landslides -- Germany -- Brannenburg

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