Eros und die Evangelien, aus den Notizen eines Vagabunden - Waldemar Bonsels - Buch

Eros und die Evangelien, aus den Notizen eines Vagabunden

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Waldemar Bonsels
Aus den Notizen eines Vagabunden
67. bis 90. Tausend
1922
Verlag der Literarischen Anstalt Rütten & Loening Frankfurt a. M.
Alle Rechte, besonders das der Übersetzung, vorbehalten. Copyright 1920 by Literarische Anstalt Rütten & Loening, Frankfurt a. M. Die Einbandzeichnung ist von Walter Tiemann. Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig. Die holländische Ausgabe im Verlag »Patria«, Amersfort.
Kapitelfolge
Erstes Kapitel
Eines Morgens machte ich die Entdeckung, daß sich am Deckleder eines meiner Stiefel eine Naht zu lösen begann, so daß eine Spalte klaffte, wenn ich den Fuß streckte. Es setzte mich in Erstaunen, da meine Stiefel, mit Ausnahme der Sohlen, eigentlich noch in einem recht brauchbaren Zustand waren, zumal, wenn man nicht absichtlich den Blick auf die Absätze richtete, die nicht mehr ganz grade aussahen. Da ich damals eine für meine Verhältnisse und Ansprüche angesehene Stellung in einer Buchdruckerei bekleidete, mußte ich Wert auf meine äußere Erscheinung legen und begab mich deshalb zu einem Schuhmacher, der Stevenhagen hieß und in der Nähe meiner Behausung auf einem Hofe wohnte.
Er war, wie alle Schuhmacher, ein Mann von Nachdenklichkeit und Bildung, besonders für die erste seiner Eigenschaften gaben meine Stiefel ihm Gelegenheit. Er hielt sie mit einer Unnachsichtigkeit ans Licht, die etwas Rohes an sich hatte, und sah mich dann mit einem Ernst an, der meiner Meinung nach in keinem Verhältnis zur Bedeutung des vorliegenden Falls stand.

Waldemar Bonsels
О книге

Язык

Немецкий

Год издания

2010-09-01

Темы

German fiction -- 20th century

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