1. Handelswege.

Ein Handelsweg ist allemal auch eine Kulturbahn.

Andree.

a. Handelswege in früherer Zeit.

Hierzu die zwei Karten: [Die Handelsstraßen im Altertum] und [im Mittelalter].

Wie das Mittelmeergebiet neben Mesopotamien die Wiege der Kultur ist, so ist es auch die Wiege des Handels. Seine reiche Küstenentwicklung lud frühzeitig die rings um dasselbe wohnenden Völker dazu ein, in Handelsbeziehungen zueinander zu treten. Hier war es, wo der Mensch zuerst die See befahren lernte und sich zuerst auch bei stürmischem Wetter von der Küste zu entfernen wagte. Die Gliederung des wüstenreichen asiatischen Festlandes dagegen bedingt es, daß in ihm von jeher der Land- und Karawanenhandel blühte, während die Länder des Mittelmeers die Wiege des Seehandels sind.

Die älteste Form der Verkehrswege, die bald zu Handelswegen wurden, sind ja offenbar die Flüsse gewesen. Die größeren Landstraßen, zunächst aus militärischen Gründen als Heerstraßen angelegt, wurden erst später Handelsstraßen. Die großen Straßenbauten der Römer, die Via Appia zwischen Rom und Capua (IV. Jahrh. v. Chr.), die Tiberius- und die Trajansstraße (103 n. Chr.) an der Donau entlang, die zehn kühnen Straßen über die Alpen, wahre Meisterwerke der Ingenieurkunst, dienten wie die gleichfalls von den Römern angelegten in Hispanien, Gallien, Germanien, Britannien und die asiatischen, die fast bis zum Persischen Golf reichten, — die Gesamtlänge des römischen Straßennetzes erreichte schließlich die Länge von 10220 geographischen Meilen — zunächst militärischen Zwecken und verfielen z. T. mit dem Verfall des römischen Reiches. Erst KARL DER GROSSE sorgte wieder für bessere Verkehrswege durch Ausbau der alten Römerstraßen und Anlage neuer, sowie durch Verbesserung des Flußverkehrs und Anlage von Kanälen (Fossa carolina zwischen Donau und Rhein).

Fig. 208.
Passar Bogor. Der Markt von Buitenzorg, oberes Ende. Im Hintergrunde ein chinesischer Tempel und die Bäume des botanischen Gartens (Java).
[Tschirch phot.]

Vielfach hat Eroberungssucht die Handelswege geöffnet. Die Fahrten des großen RAMSES an den Küsten des Roten Meeres, der Zug ALEXANDERS nach Osten bis nach Indien, der Indien- und Skythenzug des DARIUS, der Zug der Araber nach dem Westen bis nach Spanien, die zahlreichen Expeditionen der Römer nach allen Himmelsrichtungen, selbst bis nach Fessan und dem Sudan und der Zug gegen die Parther waren Eroberungszüge, aber auf ihren Spuren blühte allmählich der Handel empor. Doch zog man schon frühzeitig auch nur um wertvolle Waren von fernher herbeizuschaffen nach entlegenen Ländern. Die Ophirfahrten der Phönikier und ihre Expeditionen rings um das Mittelmeer bis über die Säulen des Herkules hinaus und auf dem Roten Meer nach Süden, die Reisen der Römer und Araber nach China und der Chinesen nach dem Persischen Golf und dem Roten Meer, wie die der Russen durch Sibirien bis ans Ochotzkische Meer waren ausschließlich Handelsfahrten ohne politischen Hintergrund. Bei Portugiesen und Spaniern war beides im Spiel. Die Portugiesen suchten sich aber doch nur deshalb in den Besitz der erreichten Länder zu setzen, um die Gewürze für sich monopolisieren zu können und bei den Spaniern spielte stets die Sucht nach Gold die Hauptrolle. Seinetwegen fuhren sie aus El Dorado zu suchen. Auch die Reisen der POLOS im XIII. Jahrh. nach China, PEGOLOTTIS im XIV. Jahrh. und BARTHEMAS im XVI. Jahrh. nach Indien waren Handelsreisen. Ein drittes Moment für die Eröffnung von Handelswegen war die Auswanderung und Kolonisation, die wir schon bei der Fahrt nach dem Süden des Karthagers HANNO im V. Jahrh. v. Chr. als treibende Kraft finden und die so viel zur Erschließung Nordamerikas und Australiens beigetragen hat. Ferner haben auch die Gesandtschaften neue Wege geöffnet. So gingen schon im III. Jahrh. v. Chr. zwei mazedonische Gesandtschaften an den Hof indischer Fürsten in das Gangestal und 165 n. Chr. sandte MARC AUREL Gesandte auf dem Seewege über Tonkin nach China. Viel später folgte (1246) die Reise des päpstlichen Delegaten PLAN CARPIN an den Hof der mongolischen Herrscher.

Fig. 209.
Transport von Waren auf dem Kopf durch Zulumädchen (Südafrika).
[Underwood phot.]

Aber noch viel umfangreicher und weitausgreifender wirkten die Glaubensmissionen und Pilgerreisen zuerst der Buddhisten durch ganz Ostasien, dann die der nestorianischen Christen, die zu Verbindungen Europas mit dem Mongolenreiche und der Einführung des Christentums in China und das übrige Asien führten. JOH. VON MONTECORVINO baute 1305 zwei Kirchen in Peking. Aber schon 530 n. Chr. bestanden Christengemeinden in Malabar und Ceylon. Auch die Mönche CARPINI und RUBRUQUIS erreichten im XIII. Jahrh. wie ODORICO DE PORDENONE im XIV. Jahrh. das chinesische Reich.

Fig. 210.
Eine Karawane für den Transport des Kautschuk über Land im Kongogebiet.
[Visser phot.]

Dann brachten auch Abenteurer, wie der Ritter MANDEVILLE († 1371) Nachrichten.

Endlich haben auch rein geographische Reisen neue Handelswege erschlossen, besonders die der Araber im Mittelalter, die ein ganzes Heer von Forschungsreisenden hervorbrachten (s. [Geschichte]). «Die größten Schiffervölker des Altertums waren die mittelmeerischen Phönikier und Griechen. Von Südgallien liefen unter griechischer Führung die größten maritimen Entdeckungsexpeditionen aus, von denen die Geschichte vor der Zeit der transatlantischen Entdeckung berichtet» (F. RATZEL, Das Meer als Quelle der Völkergröße) und NECHO, der Sohn des PSAMMETICH, ließ im VII. Jahrh. v. Chr. durch phönikische Seefahrer ganz Afrika von Ost nach West umschiffen. So sehen wir denn schon im Altertum ein reiches Netz von Handelsstraßen entstehen.

Fig. 211.
Mit Moka-Kaffee beladene Kamele einer arabischen Karawane.
[Aus Les grandes cultures.]

Sehr frühzeitig siedelten sich Hindus auf Socotra an, Malabaren im südlichen Arabien. Die Tarschischschiffe SALOMOS und HIRAMS, mit phönikischen Matrosen bemannt, erreichten die Gestade östlich vom Indusdelta und schon in der Mitte des I. Jahrh. fuhr HIPPATUS mit Benutzung der Monsune vom Golf von Aden über den Indischen Ozean nach der Küste von Malabar. In den letzten Jahrhunderten des Altertums blühten in Vorderindien als Stapel- und Handelsplätze indischer Drogen Patala (Haidarabad) am Indusdelta, Barygaza (Beroach) nördlich von Bombay, Calliene bei Bombay, Muziris (Mangalore), Nelkynda (Nelliseram) an der Küste von Malabar und Taprobane (Ceylon). Auf der Ostküste lag Mavalipuram, von welchem Platze aus ein Handelsverkehr mit Hinterindien, dem «goldreichen Chryse» des Altertums, unterhalten wurde.

Nach Norden führten von Indien zwei Handelsstraßen, die eine direkt nach Norden über die Gebirgskette, die Kaschmir und Badagschan trennt, die andere über die Keyberpässe nach Kabul und Bactrien, den ältesten Kulturgebieten der Menschheit.

Fig. 212.
Bepackungsart der Kamele und Dromedare für den Transport der Waren durch die Wüste. Das Kamel trägt 700–800 Pfund und legt damit täglich 10 Wegstunden zurück.
[Nach W. Heubach.]

Fig. 213.
Teekarawane im Begriff Peking zu verlassen. Das Kamel ist das Hauptkarawanentier vom Niger bis nach Peking.
[Aus Les grandes cultures.]

Fig. 214.
Urwaldtransport der Yerba Mate in Paraguay.
[Nach Hengstenberg, Weltreisen.]

Fig. 215.
Transport der entblätterten Zuckerrohrstengel auf Karbaukarren nach der Fabrik in Java.
[Kolonial-Museum Haarlem.]

Tafel XVIII

Karren (Bullock cart) in Ceylon gebräuchlich zum Transport der Waren (Tee, China, Kautschuk) zur Station oder dem Hafen.


GRÖSSERES BILD

Fig. 216.
Ein zur Küste fahrender, mit Baumwollballen beladener Wagen in Togo.

Fig. 217.
Transport von Warenballen (z. B. Senna) auf Flußschiffen den Nil abwärts.
[Augusta Flückiger phot.]

Tafel XIX

Dattelpalmenhain an den Ufern des Nil. Typus der Schiffe für den Warentransport auf dem Nil.


GRÖSSERES BILD

Bereits RAMSES soll den Plan gehabt haben, den Nil mit dem Roten Meere zu verbinden, also einen «Suezkanal» zu bauen, und der Sohn des PSAMMETICH, NECHO, hatte den Kanal bereits bis zu den Bitterseen fertiggestellt (610 v. Chr.), aber erst DAREIOS HYSTASPIS führte das Werk (oberhalb Bubastis) zu Ende. Der Kanal blieb bis auf MARC AUREL schiffbar. Eine Straße, von PTOLEMAEUS PHILADELPHUS angelegt, verband Berenice mit Koptos am Nil, auf der man die indischen Waren mit Benutzung des Nil und unter Vermeidung des Kanals, aber doppelt umgeladen, nach Alexandrien, dem Hauptvermittler zwischen Orient und Occident, bringen konnte. Aber nicht nur quer über den Indischen Ozean führte der Weg, bei günstigem Südwestmonsun in 40 Tagen, nach den großen Hafenplätzen an der Malabarküste, nach Muziris, Nelkynda und Kottonarike (Cochin), auch an den Küsten entlang ging die Fahrt und wohl erreichten einzelne Schiffe schon im I. Jahrh. n. Chr. Kap Comorin, die Halbinsel Malacca, ja selbst Java und Borneo. Um diese Zeit finden wir wenigstens den hellenischen Abenteurer JAMBOLOS sieben Jahre im malaiischen Archipel tätig. Zur Zeit des PLINIUS flossen bereits aus dem römischen Reiche 16 Millionen Mark für Waren nach Indien ab.

Sehr hübsch entwickelt PLINIUS die Gründe, warum der Weihrauch in Rom im Anfang unserer Zeitrechnung so teuer ist. Er sagt:

«Der gesammelte Weihrauch wird auf Kamelen nach Sabota, der einzigen dahin führenden Pforte gebracht. Nach den Gesetzen steht Todesstrafe darauf vom Wege abzuweichen. Dort empfangen die Priester für den Gott, welchen sie Sabis nennen, den zehnten Teil dem Maße, nicht dem Gewichte nach; eher darf nichts davon verkauft werden. Von jenem Anteile werden die öffentlichen Kosten bestritten, denn der Gott unterhält die Fremden eine gewisse Anzahl von Tagereisen hindurch. Der Weihrauch kann nicht anders als durch das Land der Gebaniter ausgeführt werden, daher wird auch dem Könige derselben ein Zoll erlegt. Ihre Hauptstadt Thomna ist von der auf unserer Küste gelegenen jüdischen Stadt Gaza 4436000 Schritte entfernt, welche Strecke in 65 Kamelstationen geteilt wird. Auch den Priestern und Schreibern der Könige werden bestimmte Anteile gegeben. Außer diesen plündern noch die Wächter, Trabanten, Pförtner und Bedienten davon. Wohin ihr Weg geht, müssen sie hier für Wasser, dort für Futter, oder für das Quartier allerlei Zölle zahlen, so daß die Kosten für jedes Kamel sich bis an unsere Küste auf 688 Denare belaufen und dann wird noch an die Zollpächter unseres Reiches abgegeben. Daher kostet ein Pfund des besten Weihrauchs 6, die zweite Sorte 5 und die dritte 3 Denare.»

Fig. 218.
Boote zum Warentransport auf dem Amazonas.
[Aus Ackermann, Au pays du Caoutschuk.]

Die berühmte Weihrauchstraße der Karawanen besitzt jedenfalls eine große Bedeutung für die Entwicklung des Verkehrs im Gebiete des Roten Meeres.

Wie ungeheuer bisweilen der Verbrauch an Weihrauch war, geht u. a. aus der Erzählung des HERODOT hervor, daß die Befehlshaber der persischen Flotte bei Beginn des zweiten Feldzuges gegen die Griechen zu Ehren des Apollo auf Delos 300 Zentner Weihrauch verbrannten.

Fig. 219.
Mit Zuckerrohr beladene Kähne in Penang.
[Aus Les grandes cultures.]

Von der anderen Seite schob sich dann in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten der chinesische Handel dem europäischen entgegen und drang bis gegen Ceylon und Java, ja schließlich bis nach Hira am Euphrat vor. Im IV. Jahrh. kamen chinesische Schiffe nach Bengalen und Ceylon, im V. Jahrh. bis Hira, im VI. Jahrh. bis ins Rote Meer. Der chinesische Handel wurde aber vom VII. Jahrh. an ganz durch persische und arabische Händler zurückgedrängt. Java bereisten die Chinesen erst im V. Jahrh. Vom IV.–XIV. Jahrh. sind Fahrten chinesischer Handelsschiffe bis Ceylon, zu den Mündungen des Indus und des Schatt-el-arab (der Vereinigung des Euphrat und Tigris) beglaubigt (DULAURIER). Der Handel zwischen dem Mittelmeergebiet und den Molukken wurde bis gegen Ende des Mittelalters durch Vorderindien vermittelt, das seit dem I. oder II. Jahrh. mit dem malaiischen Archipel Verkehr unterhielt.

Ein anderes Zentrum war der Persische Golf, den schon Chaldäer und Phönikier, als Vermittler zwischen Indien und Mittelmeergebiet, zu hoher Bedeutung gebracht hatten und den der schiffbare Euphrat mit Babylon verband, das bereits unter NEBUKADNEZAR ein Meßplatz erster Klasse für indische Waren war.

Außerordentlich rege war dann später (IX. Jahrh. n. Chr.) der Handelsverkehr der Araber mit den Chinesen, der von Basra über Siruf und Ormuz nach Indien und über Ceylon nach Khanfu in China führte, aber nach der Plünderung Khanfus sich auf einen Hafen Javas zurückzog.

Auf dem Landwege begegneten sich noch viel früher zuerst Waren des Orients und Occidents zwischen Indus und Oxus. Hier treffen wir als älteste Stapelplätze Attok, Cabura, Bactra und Maracanda.

Fig. 220.
Zum Kali besar führender Kanal im Chinesenviertel in Batavia. Auf den Leichtern Säcke mit Chinarinde und Kaffee.
[Tschirch phot.]

Fig. 221.
Transport der Teerfässer auf den stromschnellenreichen Flüssen Finlands. Uleåborg.

Von Attok, am Zusammenflusse des Indus mit dem Nabal, ging eine Karawanenstraße nach Cabura, gabelte sich hier in einen nördlichen Zweig zum Oxus zu den Skythen und einen südlichen über Kandahar zu der Pylae Caspiae und Babylon durch das Gebiet der Parther und Meder. Von Babylon führten dann Straßen nordwärts zum schwarzen und westwärts zum Mittelmeer. Schon 2000–1000 v. Chr. muß ein lebhafter Karawanenhandel zwischen Babylon und China sowie Indien bestanden haben.

Nicht geringere Bedeutung besaß Arabien für den Zwischenhandel, das von zwei großen Karawanenstraßen durchzogen wurde. Die eine ging von Cane (nicht weit vom heutigen Aden) über Saba, Macoraba und Onne nach Damascus, die andere vom Persischen Golf, den phönizischen Kolonien Arados und Tylos, quer durch Arabien nach Onne und weiter nach Tyrus und Sidon, den Haupthandelsemporien der Phönikier, die vom XII.–V. Jahrh. v. Chr. auch den gesamten Transithandel indischer Waren vermittelten. Eine Verschiebung erfuhr der Handel im Orient im VI.–IV. Jahrh. v. Chr. durch das Emporkommen der Perser, die allmählich den gesamten Transitverkehr durch ihr Reich leiteten und erhebliche Transitzölle erhoben. Die wichtigsten Zoll- und Stapelplätze der Perser, die während nahezu fünf Jahrhunderten den ganzen Handel mit China, Indien und Südasien vermittelten, waren Artaxata, Nisibis und Calliricum am Euphrat.

Die Handelsmonopole der Perser zu brechen war oberstes Ziel der oströmischen Kaiser (besonders JUSTINIANS), die den Handel vom Persischen Golf abzuziehen und zum Roten Meer und Äthiopien hinzuziehen sich bestrebten. Es war dies schwierig, denn überall trafen die griechischen Kaufleute auf persische, die ihnen zuvorgekommen waren und ihnen große Schwierigkeiten in den Weg legten, was denselben bei ihren alten und guten Verbindungen in Indien nicht schwer wurde. Schließlich gelang es aber, einen direkten Handelsverkehr zwischen Indien und den Häfen am Roten Meer (Berenice, Akaba und Kolsum) einzurichten. Die Gewürze der Molukken kamen wohl erst im IV. Jahrh. n. Chr. nach Europa, Nelken waren im VI. Jahrh. schon ziemlich billig (ALEXANDER TRALLIANUS).

Fig. 222.
Flußtransport des Yerba-Mate in Paraguay.
[Nach Hengstenberg, Weitreisen.]

Schon zu jener Zeit gab es drei große Karawanenstraßen von China nach dem Abendlande. Die südlichste über Chotan und Jarkand und den Pamir nach Afghanistan und Indien (Daybal), die mittlere nördlich vom Tarim über Karaschar und Kaschgar nach Persien und die nördlichste über Barkul zum Syrdarja und dem Aralsee durch die Dsungarei.

Im VII. und VIII. Jahrh. traten die Araber auf den Plan, die den Handel weiter nach Osten ausdehnten und in Kalah in Malacca mit den Chinesen in Beziehung traten. Im X. Jahrh. bestand ein reger chinesisch-arabischer Handelsverkehr zwischen dieser Stadt und Siraf am Persischen Golf. Auch an der Malabarküste und auf Ceylon siedelten sich arabische Kaufleute an und Daybal an der Indusmündung wurde Haupthandelsemporium des Ostens, zu dem nicht nur die Waren Indiens, Persiens und Arabiens, sondern auch die Chinas sowohl zu Wasser (über Ceylon) als zu Lande auf der oben beschriebenen südlichsten Karawanenstraße zusammenströmten, nachdem sie sich in dem großen Stapelplatze Multan im Pandschab gesammelt hatten.

Fig. 223.
Einschiffen der Wermuthballen (Artemisia Absynthium) bei Besançon auf dem Rhein-Rhone-Kanal.
[Nach Roure-Bertrand.]

Tafel XX

Kähne für den Warentransport auf den Flüssen von Ceylon (Kalu-Ganga bei Ratnapura). Rechts Bambugebüsch.


GRÖSSERES BILD

Suhar und Maskat in Arabien, am Eingange des Persischen Golfes, blühten empor und Aden erlebte seine erste Blüte. So war es gelungen, den Handel von Persien abzuziehen und selbst den chinesischen Landverkehr nach arabischen Häfen zu leiten. Das Rote Meer nahm die indischen Waren wieder auf und da der Kalif Omar im VII. Jahrh. den Kanal, der den Nil, speziell Kairo, mit dem Roten Meere verband, wieder hatte herstellen lassen, konnten die Waren ohne umzuladen von Indien nach den Häfen des Mittelmeers gelangen. Auch als ein Jahrhundert später der Kanal versandete, blieb doch die einmal gewonnene Handelsstraße über Ägypten und Syrien erhalten. Auf ihr gelangten die Waren bis ins XII. Jahrh. hinein nach Trapezunt, Damaskus und Jerusalem, die zu bedeutenden Handelsplätzen heranwuchsen. Ägypten war der Schlüssel des indischen Handels geworden und die Sultane erhoben jetzt die Zölle, die ehedem die persischen Schahs erhoben hatten. Vom XII.–XIV. Jahrh. waren Kairo, das damals Babylon genannt wurde, und Alexandrien Städte von riesiger Ausdehnung. 1342 treffen wir sogar eine chinesische Gesandtschaft beim Sultan in Kairo. In Alexandrien gab es bereits damals «meistbegünstigte» Nationen. So zahlten z. B. die Venetianer auf Drogen nur 10%, die übrigen Völker dagegen 16% Zoll. Nun begann die Blüte des Levantehandels. Vom X. Jahrh. bis zum Ausgang des Mittelalters lag der Handel in den Händen der italienischen Handelsrepubliken, zuerst von Bari, Salerno, Neapel und Gaeta, dann von Amalfi, Pisa, Genua und Venedig. Anfangs war Akkon, an der Küste von Palästina, dann, als dieses (1291) den Sarazenen wieder in die Hände fiel, Famagusta auf Cypern und Lajazzo an der Bucht von Alexandrette Haupthandelsemporien der Levante. Dann blühte Kaffa (Kapha) in der Krim. Bis nach Mingrelien, zum Kaspischen Meer und der Donmündung erstreckten sich die Niederlassungen der Genuesen.

Aber die alexandrinischen Zölle waren hart und so erscheint das Bestreben begreiflich, den Handel wieder vom Roten Meere abzulenken. Es gelang dies (wenn auch nicht ganz) und so sehen wir denn im XIII. und XIV. Jahrh. indische Waren wieder in größerer Menge auf dem Landwege nach den syrischen Häfen gelangen. Zur Zeit des Timur Lenk (um 1400) gingen Karawanen mit Ingwer, Zimt, Muskat und Nelken von Indien auf dem Landwege, über Afghanistan, nach Samarkand und nach Tauris und Sultaniah in Persien. Im XIV. Jahrh. war Konstantinopel ein wichtiger Handelsplatz für die von Indien über Land kommenden Waren. Dort sah Pegolotti Muskatnüsse pfundweise verkaufen.

Fig. 224.
Eine Handelsfaktorei am Kongo.
[Visser phot.]

«Die Bedeutung des Schwarzen Meeres für den Handel beruhte nicht bloß auf dem Produktenreichtum, sondern auch in der geographischen Lage seiner Gestade. Denn mehrere wichtige Handelsstraßen Innerostasiens wie Europas mündeten daselbst und dieser Umstand hat den Pontus Euxinus in ruhigen Zeiten stets zu einem Knotenpunkt des Weltverkehrs erhoben» (ENGELMANN). Schon zur Zeit der althellenischen Kolonisation (VIII. und VII. Jahrh. v. Chr.) gab es an seinen Ufern zahlreiche Handelsstädte und Byzanz und Chalsedon erhoben einen «Sundzoll». Bis zum VIII. Jahrh. n. Chr. war der Dnjepr Handelsstraße und Oleschkie (Cherson), an seiner Mündung, Stapelplatz und Hafen der Russen. «Von ihrer Hauptstadt Kiew, lange Zeit Mittelpunkt des innerrussischen Handels mit zwölf Marktplätzen und acht Jahrmärkten, wo Griechen und Armenier, Regensburger, Augsburger und Venetianer, Ungarn und Bulgaren zusammenkamen», fuhren die russischen Kaufleute auf dem Dnjepr, der «griechischen Straße», nach Oleschkie und Konstantinopel. «Auf demselben Wege standen die Ostseeländer, namentlich Nowgorod und später Riga, mit dem Pontus in Verbindung.» Später ging der Weg nicht mehr nach Konstantinopel. Don und Wolga übernahmen ihn und von Tabris gingen die Waren direkt nach Itil (Astrachan) und auf der Wolga weiter nördlich. Alle diese Verkehrskanäle liefen schließlich in Tana (Asow) an der Mündung des Don, dem großen nördlichen Handelsemporium, zusammen.

Fig. 225.
Mit Aloësaft gefüllte Fässer vor einer Faktorei in Südafrika.

Bagdad und Basra hatten zwar im XIII. Jahrh. ihre durch mehrere Jahrhunderte behauptete Bedeutung als Hauptstapelplätze für den asiatischen Durchgangsverkehr z. T. verloren und Tebris, die Hauptstadt Persiens, war emporgewachsen, doch behielten sie auch ferner Bedeutung. So gingen im XIV. Jahrh. die Waren, die Ägypten nicht berühren sollten, von den ostindischen Häfen (Mangalore, Calicut und Quilon) nach Ormuz am Eingange des Persischen Golfes, dann den Euphrat empor und über Bagdad zur syrischen Küste oder über Tebris ans Schwarze Meer. In Bagdad und Tebris trafen sie auf die von China kommenden Karawanen, die im XIII. und XIV. Jahrh. einen sehr lebhaften Überlandverkehr zwischen Ost und West unterhielten. Immerhin verblieb Ägypten noch genug, dessen Handel im XIV. und XV. Jahrh. eine neue Blüte erlebte.

All dies sank in Trümmer, als die Portugiesen den Seeweg nach Ostindien entdeckt und damit eine direkte Verbindung zwischen Indien und Europa hergestellt hatten, die sowohl Persien und Arabien als auch Ägypten umging, aber auch dem blühenden Levantehandel der italienischen Handelsrepubliken die wichtigsten Zufuhren unterband.

Vom Jahre 1498 an verlor das Mittelmeer, verloren die Staaten südlich vom Kaspischen Meer ihre Bedeutung für den Welthandel: die portugiesischen Schiffe, die in Indien sich befrachtet hatten, landeten in Lissabon. Und in Spanien landeten die Schiffe, die reichbeladen von den Gestaden des neuentdeckten Amerika heimkehrten.

Wie dann erst die Portugiesen, dann die Spanier, dann Holland und Frankreich und endlich England Beherrscher des Welthandels wurden und schließlich in unseren Tagen alle großen Kulturnationen, auch Deutschland und Nordamerika, in die Reihe der Großhandelsstaaten eintraten — das gehört der neuen Zeit an. Es wird im historischen Teile dieses Buches, soweit der Drogenhandel in Betracht kommt, geschildert werden.

Die Handelsgeschichte wird jetzt meist in folgende Abschnitte geteilt (RICH. MAYR):

  1. Altweltliche oder thalassische (Binnenmeer-)Zeit, 4000 v. Chr. bis 1492 n. Chr.
    1. Altertum, 4000 v. Chr. bis 395 n. Chr.
      a) Altorientalische Periode, 4000–500 v. Chr. b) Hellenisch-karthagische Periode, 500–146 v. Chr. c) Römische Periode, 146 v. Chr. bis 395 n. Chr.
    2. Mittelalter, 395–1492 n. Chr.
      a) Byzantinisch-islamitische Periode, 395–1096. b) Italienisch-hansische Periode, 1096–1492.
  2. Alt- und neuweltliche (ökumenische) oder ozeanische Zeit, 1492 bis zur Gegenwart.
    1. Neuzeit, 1492–1815.
      a) Spanisch-portugiesische Periode, 1492–1600. b) Niederländisch-britische Periode, 1600–1815.
    2. Neueste Zeit.
      Britisch-amerikanisch-deutsche Periode, seit 1815.

«Der Handel, kostbaren Waren des Stein-, Tier- und Pflanzenreiches nachgehend, ist der größte Verbreiter menschlicher Gesittung geworden, wenn ihn auch nicht sittliche Beweggründe dabei leiteten.» (O. PESCHEL.)

Lit. Peschel, Das Zeitalter der Entdeckungen. 1858. — Heyd, Geschichte des Levantehandels im Mittelalter. 2 Bd. 1879. — Gildemeister und Hoffmann, Die ätherischen Öle. 1899. — Richter, Handel und Verkehr der wichtigsten Völker des Mittelmeeres im Altertum. 1886. — Kießelbach, Gang des Welthandels im Mittelalter. 1860. — Scherer, Allgem. Geschichte des Welthandels. 2 Bd. 1852. — Beer, Allgem. Geschichte des Welthandels. 5 Bd. 1860–1884. — Andree, Geographie des Welthandels. 3 Bd. 1877–1879. — Sonndorfer, Die Technik des Welthandels. Wien-Leipzig. — Büchele, Geschichte des Welthandels. 1867. — H. Cons, Précis d’histoire du commerce. 1896. — Noël, Histoire du commerce du monde. 1892–94. — Heeren, Ideen über d. Politik, d. Verkehr u. d. Handel d. vornehmst. Völker d. alt. Welt (dort d. Handelsstraßen d. alt. Asien). — Aloys Schulte, Geschichte d. mittelalterlich. Handels u. Verkehrs zwischen Westdeutschland u. Italien. — Sombart, Moderner Kapitalismus. — Resch, Die Aufeinanderfolge der Handelsherrschaften. 1885. — Götz, Die Verkehrswege im Dienste des Welthandels. 1888. — Barth, Wandlungen im Welthandel. 1882. — Engelmann, Geschichte des Handels- und Weltverkehrs in übersichtlicher Darstellung. 1899. — Rich. Mayr, Lehrbuch der Handelsgeschichte auf Grundlage der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. 1907. — Max Georg Schmidt, Geschichte d. Welthandels (Bändchen 118 der Sammlung «Aus Natur u. Geist»). Leipzig 1906. Ein kleines aber für unseren Zweck sehr brauchbares Buch. — Speck, Handelsgeschichte des Altertums. 3 Bd. 1900–1906. — Hüllmann, Handelsgeschichte der Griechen. 1839. — Sprengel, Geschichte der wichtigsten geographischen Entdeckungen. — Die Literatur der Entdeckungsreisen im XIII. bis XVII. Jahrh. wird im Kapitel [Pharmakohistorie] besprochen.

Spezielle Literatur: Prax, Commerce de l’Algérie avec la Mecque et le Soudan. Paris 1849. — C. von Scherzer, Smyrna mit besonderer Rücksicht auf die geographischen, wirtschaftlichen und intellektuellen Verhältnisse von Vorder-Kleinasien. Wien, Hölder. 1873. — J. Zwiedinek von Südenhorst, Syrien und seine Bedeutung für den Welthandel. Hölder 1873. — Flückiger. Ausfuhrprodukte Smyrnas und Syriens. Arch. Ph. 1874 und Pharmakognosie.

Fig. 226.
Die Bahnlinie, welche den Hafen La Guaira mit der Hauptstadt Caracas in Venezuela verbindet.
[Preuß phot.]

b. Handelswege in unserer Zeit.

Hierzu die Karte: [Handelsstraßen im XX. Jahrh.]

Der Weg, den die Droge vom Orte ihrer Gewinnung bis zu dem Orte des Verbrauches, d. h. der Apotheke zurückzulegen hat, ist ein weiter. Sie geht oft durch viele Hände. Allerdings wird die Drogenversorgung Europas jetzt sehr durch die außerordentlich verbesserten, vereinfachten und verbilligten Verkehrsverhältnisse erleichtert. Hat die Droge erst den Ausfuhrhafen erreicht, so ist das Schlimmste überstanden. Am schwierigsten gestaltet sich der Überlandtransport zu den Ausfuhrhäfen oder zu einer Wasserstraße. Hier ist, wo Lasttiere nicht oder nicht in ausreichender Weise zur Verfügung stehen, der Transport durch Träger ([Fig. 210]) das einzige Mittel. Auf diese Weise werden die Produkte des Innern Afrikas transportiert — oft auf dem Kopfe der Träger oder Trägerinnen ([Fig. 209]). Sind Kamele oder Pferde zur Hand, so werden diese bepackt ([Fig. 211][213]). In Zentralasien dient das Schaf, in Peru das Lama als Packtier. Da und dort tritt auch der Ochsenkarren in Aktion ([Fig. 214] u. [215] u. [Taf. XVIII]), oder Kuliwagen von Negern gezogen ([Fig. 216]). Immer strebt man darnach, auf möglichst kurzem Wege zu einer Wasserstraße zu gelangen. Denn der Flußtransport, der auf sehr verschieden gebauten Booten erfolgt ([Fig. 217][223], [Taf. XIX] u. [XX]), ist gefahrloser als der über Land, und da alle Flüsse zum Meere, also zu den Häfen hin strömen, schneller. Früher brachten die Eingeborenen ihre Produkte in die Hafenplätze. Jetzt sind die Abnehmer immer tiefer ins Land gedrungen, den Produzenten also entgegen gereist. Schon um möglichst aus erster Hand kaufen zu können, werden die Niederlassungen der Handelshäuser immer weiter die Flüsse hinauf geschoben und rücken die Faktoreien immer tiefer ins Land hinein. Aber trotzdem ist es nicht immer, ja nicht einmal häufig möglich, die Produkte aus erster Hand zu kaufen. Schon hier schieben sich Zwischenhändler ein. In Afrika sind es Araber und Syrier, in Südasien Chinesen, die die Rolle übernehmen. Überall hört man die gleiche Klage, daß der Zwischenhändler ein unvermeidliches Übel geworden ist.

Tafel XXI

Die Eisenbahnlinie, welche Colombo mit Kandy im Hochland von Ceylon verbindet, am Kadduganawapaß. Die Bahn wurde s. Z. hauptsächlich für die Kaffee-, Tee- und China-Distrikte gebaut.


GRÖSSERES BILD

Tafel XXII

Die Bucht von Aden.
Aden hat den größten Hafen der Welt. In ihm haben alle Flotten der Erde Platz.
[Tschirch phot.]


GRÖSSERES BILD

Tafel XXIII

Am Hafen von Singapore.
Singapore (Singapur) ist jetzt der größte Hafen Indiens. 1826 war es noch ein kleines malaiisches Dorf.
[Tschirch phot.]


GRÖSSERES BILD

Tafel XXIV

Der Hafen von Hongkong, links über der Meerenge Kaulang, vorn Victoria.
Hongkong ist, was den Jahresaus- und -eingang betrifft, der größte Hafen der Erde.
[Tschirch phot.]


GRÖSSERES BILD

Fig. 227.
Die Reede von Hankow am Jangtsekiang.
Der Jangtse ist hier fast 2 km breit.
[Aus Les grandes cultures.]

Fig. 228.
Nishni Nowgorod.
Größter russischer Handels- und Stapelplatz. Blick von der Altstadt auf die Jahrmarktstadt auf der Halbinsel am Einfluß der Oka in die Wolga. In Nishni treffen 7 große Handelsstraßen zusammen und fast 40 Völker treten hier in Handelsbeziehungen.
[Aus Meyer, Histor.-geograph. Kalender.]

Fig. 229.
Der Hafen von Colombo auf Ceylon.
Die Eingeborenenboote umschwärmen das ankommende Schiff.
[Tschirch phot.]

Fig. 230.
Die Reede von Bombay.

Fig. 231.
Shanghai. Anlegestelle der Dampfer.

Fig. 232.
Sansibar.

Fig. 233.
Am Hafen von Hongkong.

Fig. 234.
Maracaibo, Muelle y Aduana.

Fig. 235.
Der Hafen von Smyrna. Wichtigster und größter Hafen der Levante.

Befindet sich die Droge dann in den europäischen Faktoreien im Innern des Landes ([Fig. 224] u. [225]), so wird sie häufig jetzt auf Faktoreidampfern die Flüsse hinab zu den Hafenplätzen geführt. Oder man benutzt die Eisenbahn. Denn Eisenbahnlinien gibt es jetzt in den Tropen schon viele. Besonders dort wo Stromschnellen oder Katarakte der Flußschiffahrt hindernd im Wege stehen, erweist sich der Bau einer Eisenbahn wenigstens auf dieser Strecke als unerläßlich zur Erschließung des Landes. So wird in nicht langer Zeit den Kongo aufwärts bis Katanga ein System, abwechselnd aus Eisenbahn- und Flußdampferstrecken bestehend, in Betrieb sein, das einen Verkehr von vielen Tausenden von Kilometern ins innerste Afrika hinein ermöglicht. So wird es auch nicht mehr lange dauern und man kann mit der Eisenbahn von Moskau über Turkestan, Buchara, Merw, Herat und Kandahar zur Küste des Indischen Ozeans gelangen. Geplant ist ja auch eine Bahn Kairo-Kapstadt. Java wird seiner ganzen Länge nach schon jetzt von einer Bahnlinie durchzogen, in das Hochland von Ceylon keucht das Dampfroß von Colombo empor ([Taf. XXI]), San José ist mit Guatemala, Porto Cabello und La Guaira sind mit Caracas ([Fig. 226]), Guajaquil mit Quito, Valparaiso mit Santiago durch Bahnlinien verbunden — der Hafen mit der Landeshauptstadt. Den Nil hinauf führt, die Krümmungen des Flusses und Katarakte umgehend, eine Bahnlinie bis Chartum. Selbst Argentinien ist nach allen Richtungen von Eisenbahnen durchzogen und mehr noch Vorderindien. Die mandschurisch-sibirische Linie, die für die Erschließung Sibiriens von ungeheuerer Bedeutung geworden ist, durchzieht ganz Nordasien in westöstlicher Richtung. Auch China denkt jetzt ernstlich an umfangreiche Bahnbauten.

Vorläufig sind aber noch die größten Ströme die wichtigsten Verkehrswege aus dem Innern der Kontinente zur Küste: der Mississippi ([Fig. 253]), der Congo, der Nil, der Indus, der Ganges, der Jang-Tse (Jangtsekiang), die Wolga.

Fig. 236.
Der Hafen von La Guaira (Venezuela).
[Nach Preuß.]

Fig. 237.
Rio de Janeiro, einer der schönsten und sichersten Häfen der Welt. Die Bai von Rio ist 22 km breit.
[Nach einem Gemälde von Hans Bohrdt.]

Fig. 238.
Rio de Janeiro mit dem Zuckerhut (Pão de Açucar).
[Nach Hengstenberg, Weltreisen.]

Eine eigene Rolle spielen die Stapelplätze im Innern des Landes, in denen die Produkte zusammenströmen, bevor sie zu den Hafenplätzen geschafft werden. Sie liegen stets an großen Strömen und beherbergen die Niederlassungen zahlreicher Handelshäuser, die schon hier die Produkte einkaufen. Ein solcher inländischer Stapelplatz größten Stils ist Hankow ([Fig. 227]) am Jang-Tse in China, wohin der allergrößte Teil des Rhabarber gebracht, wo er gestapelt und dann den Fluß hinab nach Shanghai geführt wird. Dorthin gelangt, da der Hoangho nicht gut schiffbar ist, selbst der Rhabarber des Nordens nach oft wochenlangem Überlandtransport. Weiter nach Westen liegen die großen Rhabarberstapelplätze Chung-king (Tschung-king am oberen Jang-Tse) und Cheng-tu (Tschöng-tu) nordwestlich davon. Ein solcher Stapelplatz war ehedem auch (seit 1725) Kiachta im Norden Chinas und Semipalatinsk, ein wichtiger Zentralpunkt der Karawanenstraßen für einen großen Teil Mittelasiens. Ein solcher Stapelplatz ist auch Chartum am oberen Nil, wohin das arabische Gummi aus dem Sudan gebracht wird, um erst hier sortiert, taxiert und dann den Nil hinabgeführt zu werden. Schon an dieser Stelle erhebt der Staat seine Zölle und Abgaben und verteuert dadurch das Produkt. Auch am oberen Amazonas bestehen solche Sammelstellen, hier besonders für Kautschuk (z. B. Mañaos). Ein Stapelplatz für Tee ist Kalgan (China).

Fig. 239.
Tampico la Galera, tomada del Muelle.

Fig. 240.
Am Hafen von Veracruz.

Fig. 241.
Curaçao. Eingang zum Hafen.

Fig. 242.
Schiffe im Suez-Kanal an einer Ausweichstelle (gare).
[Tschirch phot.]

Fig. 243.
Chemisches Laboratorium zur Untersuchung der Chinarinde auf der Regierungs-Chinaplantage in Tjinjiroean (Java).
[Aus Verslag der Gouvernements Kina-Onderneming Java.]

Fig. 244.
Teataster bei der Arbeit auf der Tee-Estate Tjikadjang auf Java. Im Hintergrunde Karbaukarren, die die Kisten zur Station bringen, vorn welkende Teeblätter auf Bambu-Tampirs.
[Aus Tschirch, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]

Den Charakter von Stapelplätzen tragen auch die großen Binnenmärkte, wie Nischni-Nowgorod ([Fig. 228]).

Daß Drogen nur an bestimmten Orten gehandelt oder gestapelt werden durften, finden wir im Mittelalter vielfach. Für den Färberwaid waren z. B. im XIII. und XIV. Jahrh. ganz bestimmte «Waidstapelplätze» vorgeschrieben (Görlitz, Schweidnitz).

Die meisten Niederlassungen von Handelshäusern befinden sich aber natürlich in den Hafenplätzen. Hierhin haben die europäischen Drogenimporteure ihre Hauptposten vorgeschoben. Aber trotzdem die Häfen im Produktionslande liegen und man also glauben sollte, daß es hier möglich sein sollte, aus erster Hand zu kaufen, wimmelt es auch hier von Agenten. In Singapore z. B. sind die dortigen europäischen Häuser ganz in den Händen der reichen chinesischen Zwischenhändler und nur von ihnen können sie ihre Ware erhalten.

Nur eine beschränkte Zahl von Häfen verkehrt direkt mit Europa und Nordamerika, den Hauptabnehmern für Drogen. Die kleinen Hafenplätze senden ihre Produkte nach den großen Handelszentren, die von den großen Handelsdampferlinien angelaufen werden. So sammelt sich wie in einem großen Becken die ganze Produktion der nordostafrikanischen Küste und die Arabiens in Aden, in dessen gewaltigem Hafen ([Taf. XXII]) die Flotten der ganzen Welt Platz hätten; so strömen von allen Inseln des malaiischen Archipels die Produkte nach Singapore ([Taf. XXIII]), auf dessen großer, aber offener Reede man jetzt, wo der Hafen Batavias (Tjandjokpriok) immer mehr versandet, hunderte kleiner Schiffe findet, beladen mit Reis, Pfeffer, Muskatnüssen, Nelken, Guttapercha, Dammar und Catechu, die ehedem nach Batavia gingen, das jetzt hauptsächlich nur Hafen für die javanischen Produkte (China, Tee, Kaffee) geblieben ist; so sammelt Bombay ([Fig. 230]) die Erzeugnisse Arabiens und Persiens und zahllose Barken bringen auf langer Küstenfahrt die Produkte des südlichen Indien von Goa, Mangalore, Tillichery, Calicut, Cochin dorthin; und die gleiche Rolle spielt im Osten Indiens Madras, im Süden Colombo auf Ceylon ([Fig. 229]). So ist Shanghai ([Fig. 231]) das Zentrum des chinesischen Außenhandels geworden, wie New York ([Fig. 265]) das des nordamerikanischen im Osten und San Franzisko das des nordamerikanischen im Westen, Sansibar ([Fig. 232]) das Zentrum des ostafrikanischen und Smyrna ([Fig. 235]) das des kleinasiatischen Handels.

Fig. 245.
Die Eingeborenen liefern das von ihnen gesammelte Opium ein und warten auf die Begutachtung (Indien).
[Kew Museum.]

Fig. 246.
Begutachtung (Klassifikation) des eingelieferten Opiums (Indien).

Fig. 247.
Analytisches Laboratorium zur Untersuchung des Opiums in Indien.

DIE HANDELSSTRASSEN IM ALTERTUM.


GRÖSSERES BILD

Westlicher Teil der Karte

Östlicher Teil der Karte

DIE HANDELSSTRASSEN IM MITTELALTER.


GRÖSSERES BILD

Westlicher Teil der Karte

Östlicher Teil der Karte

DIE HANDELSSTRASSEN IM XX. JAHRHUNDERT.


GRÖSSERES BILD

Westlicher Teil der Karte

Mittlerer Teil der Karte

Östlicher Teil der Karte

Nur im nördlichen Südamerika und in Mittelamerika gibt es nicht weit voneinander zahlreiche Häfen, die alle mit Europa in mehr oder weniger direkter Verbindung stehen, da keiner der kleinen Staaten dem anderen den Vorrang gönnt. Doch saugt jetzt New York ([Fig. 265]) immer mehr mittel- und südamerikanische Drogen an, so daß z. B. Cascarilla, Copaivabalsam, Tolubalsam, Guajac, südamerikanische China (z. B. Maracaibo) u. and. vielfach über New York nach Europa gelangen.

Die überwiegende Zahl der außereuropäischen Welthandelsplätze ist in englischen Händen: Singapore, Bombay, Aden, Sansibar, und auch an den Eingangs- und Durchgangspforten (Suezkanal, Gibraltar) sitzen die Engländer. Nichts illustriert besser den beherrschenden Einfluß des Inselreiches im Welthandel.

Die asiatischen Häfen habe ich schon genannt. Es wäre noch Hongkong ([Fig. 233] u. [Taf. XXIV]), Saigon und Yokohama in Japan hinzuzufügen. Das Ausfalltor Persiens ist Bender Abbas und im Golfe: Buschir.

Im Süden Afrikas herrscht Cape Town am Kap der guten Hoffnung, das, trotzdem der «Seeweg nach Ostindien» jetzt durch den Suezkanal geht, sich doch kräftig entwickelt hat. Im Westen Afrikas liegen zahlreiche aufstrebende Häfen, auch deutsche, die besonders die Produkte des Kongo und Nigerbeckens verschiffen. Von Süden nach Norden: Angra Pequena, Mossamedes, Benguella, Sao Paolo de Loanda, Matadi, Kamerun, Lagos, Accra, Monrowia, Freetown. An der Mündung des Senegal: St. Louis, in Marokko: Mogador. Im Osten Afrikas: Durban, Lorenzo Marquez, Moçambique, Dar es Salam, Sansibar ([Fig. 232]), Mombas.

Fig. 248.
Bambusröhre, wie man solche in Indien benutzt, um das Opium für die Durchschnitts-Untersuchung aus den Töpfen zu entnehmen.
[Kew Museum.]

Die Häfen des nördlichen Südamerika sind von Westen nach Osten:

In Ecuador: Guajaquil, Machala (Puerto Bolivar, Caraquez).

In Columbien, an der Westküste: Buenaventura, an der Nordküste: Manzanilla, Cartagena (durch Kanal mit dem Magdalenas verbunden), Sabanilla (versandet), Barranquilla.

In Venezuela: Maracaibo (am Eingang der Laguna de Maracaibo, [Fig. 234]), Porto Cabello, La Guaira ([Fig. 236]), Barcelona.

In British Guiana: Georgetown, in Holländisch-Guiana (Surinam): Paramaribo, in französ. Guiana: Cayenne.

Die Häfen Brasiliens sind von Norden nach Süden: Para, S. Luiz de Maranhao, Fortalezza (Ceará), Recife de Pernambuco, Bahia (de Todos os Santos), Rio de Janeiro ([Fig. 237] u. [238]), Santos, Rio grande do Sul.

Der Hafen Uruguays ist: Montevideo, der Hafen Argentiniens: Buenos Aires am Rio de la Plata.

Die Häfen Perus sind: Payta, Callao (Lima), Mollendo, die Chiles: Arica, Iquique (Cobija), Antofagasta, La Serena, Valparaiso, Concepçion.

In Mittelamerika finden sich folgende Häfen:

An der Ostküste, von Norden nach Süden:

In Mexiko: im Osten: Tampico ([Fig. 239]), Veracruz ([Fig. 240]), Campeche, im Westen: Manzanilla, Salina Cruz.

In British Honduras: Belize.

In Honduras: Trujillo.

In Costarica: Limon.

In Panama: Colon.

An der Westküste:

In Guatemala: S. José.

In Salvador: Acajutla, La Libertad.

In Nicaragua: San Juan del Sur.

Die Häfen Australiens sind: Sidney, Melbourne und Adelaide.

Auf die beiliegende Karte: «Die Handelsstraßen im XX. Jahrh.» sind alle für den heutigen Drogenhandel wichtigen Häfen, Stapelplätze und Binnenhandelsplätze eingetragen.

Ein Wechsel in den Handelswegen, der früher (vgl. das Kapitel: [Handelswege im Mittelalter] und [Geschichte]) so häufig eintrat, ist jetzt selten geworden. Er trat in neuerer Zeit beim Rhabarber ein, der vom XVII. Jahrh. an über Rußland, speziell Sibirien, nach Europa gelangte, von 1863 an aber, als die Brake in Kiachta aufgegeben worden war, über Shanghai exportiert wird. Im allgemeinen ist aber jetzt ein Wechsel seltener, da die Handelsstraßen jetzt ziemlich festgelegt sind. Es sei denn, daß irgendwo neue Kulturen eingerichtet werden. Immerhin macht natürlich jede der Handelsnationen gewaltige Anstrengungen, der anderen das Wasser abzugraben und den Handel an sich zu reißen. Handel ist Kampf.

Ganz neue Handelswege wird der Panamakanal erschließen, der dank der energischen Intervention Nordamerikas in zehn Jahren eröffnet werden soll. Eine ganz alte Handelsstraße — die durch das Rote Meer —, die seit der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien verödet war, hat der am 16. November 1869 eröffnete, 160 Kilometer lange Suezkanal neu belebt, der den Weg von Triest nach Bombay um 63% verkürzt. Hier werden zwar jetzt nicht mehr von den ägyptischen Sultanen Durchgangszölle erhoben, wie ehedem im Mittelalter, wohl aber erhebt, jene alten Zölle ersetzend, die Suezkanalgesellschaft sehr hohe Gebühren für die Passage durch den Kanal, die bei einem großen Dampfer leicht die Höhe von 20–30000 Frs. erreichen. Kein Schiff erhält die Erlaubnis zur Einfahrt in den Kanal, das nicht vorher, wenn es von Süden kommt in Suez, wenn es vom Norden kommt in Port Said, das an die Stelle von Alexandrien getreten ist, die Durchfahrtsgebühr bezahlt hat. Aber auch dann noch muß das Schiff so lange warten bis die Passage frei ist. Denn nur ein Schiff hinter dem anderen kann vorläufig — bis die Verbreiterung beendigt ist — den Kanal passieren und nur an den Ausweichstellen (gares) können zwei Dampfer aneinander vorüber ([Fig. 242]). Die Dampfer dürfen den Kanal nur in langsamster Fahrt passieren.

Die Großdrogenhäuser haben in den überseeischen Häfen entweder eigene Zweigniederlassungen, Einkäufer oder Agenten oder lassen den Einkauf durch beauftragte Firmen besorgen.

Fig. 249.
Der Kali besar in Batavia, an dessen Ufern die Leichter anlegen, um Waren aus- und einzuschiffen und sie hinaus nach Tjandjokpriok an die Dampfer zu bringen.
[Tschirch phot.]

Fig. 250.
Waren-Landungsbrücke mit Krahn und Schienenstrang in Valparaiso.
[Nach Hengstenberg, Weltreisen.]

Fig. 251.
Hafen von Buenos Aires. An den Dampfern liegen die Leichter. Im Hintergrunde die Elevatoren.

Fig. 252.
Verladen der Teekisten auf die Leichter mittelst des Krahns in Colombo (Ceylon). Im Hintergrunde der Dampfer.

In diesen Hafenplätzen finden sich die Dockhallen; umfangreiche Gebäude, die meist in der Nähe des Hafens liegen. In ihnen sammeln sich die Drogen, um nach erfolgter Kontrolle den Weg nach Europa oder Amerika anzutreten. Allerdings findet eine solche Kontrolle auch schon vielfach an den Produktionsorten und den Stapelplätzen statt, ja die Chinarinde der Regierungsplantagen Javas geht z. B. direkt aufs Schiff, da sie in der Plantage selbst einer chemischen Kontrolle unterworfen wird. Die Verwaltung hat in dem Zentrum der Chinakulturen ein chemisches Laboratorium eingerichtet ([Fig. 243]), in dem jeder Ballen untersucht und mit einem Zertifikat versehen wird, aus dem hervorgeht, wieviel Prozent Chininsulfat ermittelt wurde. Die Chinaballen und Kisten werden daher nicht noch einmal im Ausfuhrhafen Batavia kontrolliert. Ähnlich ist es beim Tee. Sobald derselbe in der Estate oder Mill fertig gestellt ist, wird er dem Tea taster, dem Teeprober, vorgelegt ([Fig. 244]). Er stellt einen Auszug daraus her, prüft die «Species» auf ihr Aussehen und den Auszug auf den Geschmack, indem er sich den Mund damit ausspült und notiert den Preis. Dann wird der Tee sogleich in Kisten eingelötet und diese im Ausfuhrhafen nicht mehr geöffnet.

Fig. 253.
Mississippidampfer mit Baumwollballen beladen.

Fig. 254.
Einschiffung der Waren durch die Brandung hindurch (Westafrika).
[Visser phot.]

Fig. 255.
Verladen in Friedrich-Wilhelmshafen durch Regattaleute und neupommersche Arbeiter.
[Aus A. Pflüger, Smaragdinseln d. Südsee.]

Fig. 256.
Der Hafen von Marseille.

Tafel XXV

Der Hafen von Genua.


GRÖSSERES BILD

Tafel XXVI

London Docks in London, links die Warenhäuser.


GRÖSSERES BILD

Tafel XXVII

Am London Dock in London.
Der Krahn befördert die Warenkisten aus dem Schiff oder dem Leichter direkt in die Dockhalle oder auf die zweiräderigen Karren. Links Zollbeamte.


GRÖSSERES BILD

Fig. 257.
Ein Londoner Drogen-Warehouse an der Themse, davor Leichter.

Fig. 258.
Varnish Resin Sorting Floor in einem Londoner Warehouse (London Docks). Die Haufen sind vornehmlich sortierter Copal (Animi). Rechts im Mittelgrunde Blöcke von Wachs. Vorn ein Kanister mit Ol. geranii.

Fig. 259.
Essential Oil-Room in einem Londoner Drogen-Warehouse (London Docks), wo ätherische Öle, (Lemon-, Eucalyptus-, Peppermint-Oil), Benzoë u. dergl. besichtigt werden können. Ganz rechts Copaiba.

Fig. 260.
Drogenballen, Seronen und Säcke in einem Londoner Warehouse.

«Klassifikation» und Untersuchung im Laboratorium wird auch das indische Opium unterworfen, bevor es in den Handel kommt ([Fig. 245][248]).

Im allgemeinen gilt aber als Regel, daß die Hauptdrogenkontrolle in den Dockhallen der Ausfuhrhäfen erfolgt. In Shanghai werden die Rhabarberstücke mit einem Meißel durchschlagen, um wurmstichige, faule oder geschrumpfte Stellen aufzufinden — noch viel strenger war ja ehedem in Kiachta die Kontrolle — in Singapore schneidet man die Guttaperchaballen und -Ziegel in der Mitte durch, um Verfälschungen (mit Steinen, Dammar u. and.) aufzufinden, in den afrikanischen Häfen öffnet man, wenn dies nicht schon in der Faktorei im Inneren des Landes geschah, die Kautschukbals, um nach betrügerisch beigemischten Fremdkörpern zu suchen, in Smyrna schlägt man die Opiumkuchen auf und findet da oft alles nur mögliche: Steine, Schrot, ja große Bleikugeln, die betrügerischerweise zur Erhöhung des Gewichtes eingeknetet wurden. Hier kann man sich mit Erfolg der Röntgenstrahlen bedienen, um, ohne die Kuchen zu öffnen, die fremden Beimengungen zu ermitteln. Denn wie ich schon 1898 gezeigt habe, lassen sich Steine und Bleikugeln ganz leicht mittelst Röntgenstrahlen und dem fluoreszierenden Schirme nachweisen, ohne die Opiumkuchen zu öffnen (siehe [Pharmakophysik]).

Fig. 261.
Schausaal in einem Londoner Warehouse. Vorn Seronen mit amerikanischer Chinarinde, im Mittelgrunde Fardelen von Ceylonzimt.

Oft wird auch erst hier in den Ausfuhrhäfen der Droge die definitive Packung gegeben, wie z. B. in Smyrna dem Opium, in Singapore der Guttapercha und dem Cutch (Catechu). Bisweilen wird die Droge in den Dockhallen noch besonders zugerichtet. So sah ich in Singapore große Pressen, die das weiche Rohcatechu zu Blöcken preßten, in Colombo hydraulische Pressen, die aus den Chips und Shavings der Chinarinden feste, oft steinharte Ballen formten ([S. 142]), was besonders deshalb geschieht, weil die Dampferlinien bei allen Waren, außer bei den Metallen, den Frachtpreis nicht nach dem Gewicht, sondern nach dem Kubikinhalt berechnen.

Von den Dockhallen der Ausfuhrhäfen gelangt nun die Droge auf die Leichter und von diesen auf die Überseedampfer, die sie nach Europa oder Amerika führen [Fig. 249][252]).

Riesige Neger oder Tamils rudern mit vielem Geschrei die flachen Leichterschiffe, bei offener Reede oft durch die Brandung hindurch, an die haushoch über die Wasserfläche emporragenden Riesendampfer. An rasselnder Kette fliegen die Ballen zu schwindelnder Höhe empor, um in dem nimmer satten Bauche des gewaltigen Schiffes zu verschwinden, in dem sich Kisten auf Kisten, Ballen auf Ballen, Fässer auf Fässer türmen. Dann ertönt das nebelhornartige Geheul der Dampfpfeife, die Anker rasseln empor und der Dampfer stellt seinen Kiel europawärts.

Das Einladen in die Leichter ist jedoch nicht immer ganz leicht. Besonders dort, wo eine lebhafte Brandung ansteht, wie in vielen Häfen Westafrikas, in Madras u. a. hat man mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Hier werden die Güter oft auf eine ganz eigenartige Weise durch die Brandung bugsiert ([Fig. 254]).

Die Bedeutung der Haupthandelshäfen der Welt geht aus folgender Übersicht hervor, die den jährlichen Gesamt-Ausgangs- und Eingangsverkehr in Tonnen angibt:

Hongkong 19204889 t (1903)
London 18639159 t (1904)
Antwerpen 18139184 t (1903)
New York 17900168 t (1903)
Hamburg 16466639 t (1903)
Liverpool 14716790 t (1904)
Rotterdam 13597819 t (1903)

Die Einfuhr zur See nach Hamburg betrug:

1905: 10380775 t 121021857 dz netto = ℔ 2886317370
1906: 11039069 t 127511512 dz netto = ℔ 3215195980,

ist also in starker Zunahme begriffen.

2. Die Behandlung der Droge im Einfuhrhafen.

Von europäischen Häfen, die Drogen importieren, kommen in erster Linie London ([Taf. XXVI] u. [XXVII]), Hamburg ([Fig. 271] u. [272]), Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen, Liverpool, Genua (Taf. XXV), Havre, Marseille ([Fig. 256]), Lissabon und Triest, für Nordamerika New York ([Fig. 265]) in Betracht. Der javanische Chinarindenhandel hat seinen Hauptsitz in Amsterdam, der ostindische in London, südamerikanische Chinarinde und Rhabarber werden in Hamburg und London, Campher viel in Hamburg gehandelt.

In diesen Häfen wird die Ladung gelöscht. Entweder legen die Dampfer direkt an den Dockhallen an und die Ballen, Fässer und Kisten werden, nachdem sie aus dem Schiffsraum emporgewunden sind, in die betreffende Dockhalle gebracht. So geschieht dies z. B. in London, wo die London- und Katharinendocks direkt an der Themse resp. an Themsebecken liegen ([Taf. XXVI] u. [XXVII] u. [Fig. 257]). Oder die Güter werden zunächst auf Leichter umgeladen und gelangen auf diesen in die Speicher. So geschieht es z. B. in Hamburg ([Fig. 271] u. [272]) und Amsterdam ([Fig. 267]). Natürlich ist der erste Weg der kürzere, daher stellt man jetzt die Dockhallen möglichst auf die Piers im Hafen selbst.

Die weitere Behandlung, die die Droge nun erfährt, ist verschieden.

In London werden von allen eingetroffenen, in den einzelnen Räumen verteilten Drogenkisten oder -ballen ([Fig. 258][260]) ein oder mehrere der gleichen Sendung in einen der Ausstellungsräume im Warehouse ([Fig. 261] u. [262]) gebracht, die Ballen und Kisten geöffnet, die Blöcke (der Benzoë z. B.) durchschlagen, in Reihen angeordnet und mit Nummern am Boden versehen. Bei jeder Abteilung ist der Verkäufer durch ein großes Schild mit dem Namen der Importfirma gekennzeichnet ([Fig. 262]). Diese Säle sind in den Geschäftsstunden frei zugänglich. Die Kaufliebhaber (meist whole sale druggists) durchwandern sie, mustern die Drogen und machen sich ihre Notizen. Von den hier ausgestellten Drogen sind dann auch meist noch kleinere Muster (Samples) in den Show-Räumen bei den den Verkauf vermittelnden Agenten, den Brokers für Drogen in Mincing Lane, zu sehen, von denen es 1903 15 gab. Auch dort kann man die Proben besichtigen ([Fig. 263]). In einem besonderen Saale, der London Commercial Sale rooms, werden dann an bestimmten Tagen, meist Donnerstags, die Auktionen vorgenommen. Ein amtlich angestellter Auktionator bietet die lots (Lose) nach schon mehrere Tage vorher gedruckt verteilten, langen, schmalen Listen aus und erteilt eventuell den Zuschlag. Eine dieser charakteristischen Listen, die ich bei einem Besuche der Docks und der Brokers 1903 in großer Zahl mitgebracht hatte, teile ich im folgenden (in der Beilage) mit. Sie liegen bei den Brokers auf und mit ihnen in der Hand durchgehen die Käufer, den Bleistift in der Hand, den Zylinder im Nacken (das ist hier Kleiderordnung!) die in den Show-rooms ausgestellten Muster ([Fig. 262]).

Fig. 262.
In dem Ausstellungssaale eines Londoner Warehouse. Jede Abteilung trägt den Namen des Brokers. Die Packungen sind geöffnet. Die Kaufliebhaber zirkulieren mit den Auktionslisten in der Hand, deren Nummern mit denen der Muster übereinstimmen.

Ist die Droge in der Auktion nicht verkauft worden, so bleiben die Vorräte in den Warehouses der Docks, wo sie bis zu einer günstigeren Gelegenheit lagern können. Platz genug ist jetzt dort, da der Chinarindenhandel sich jetzt fast ganz nach Amsterdam gezogen hat und Hamburg eine scharfe Konkurrenz macht. Man klagt in London allgemein, daß die Einfuhr zu klein und die Docks zu groß sind. Einige Drogen bezieht London schon jetzt via Hamburg und Amsterdam.

Drogen lagern besonders im: Friars Warehouse, Smith Warehouse, Drug Warehouse, London Dock ([Taf. XXVI] u. [XXVII]), St. Katharines Dock, New Crane Wharf, Cotton Wharf, Davis Wharf, Metropolitan Wharf, Red Bull Wharf, Sharps Wharf, Brooks Wharf, Wilsons Wharf, New Hibernia Wharf, St. Johns Wharf, Gun Wharf, Symons Wharf, Red Lion Wharf, Nicholsons Wharf, South Eastern Wharf. Die London und Katharinendocks liegen an der Themse in der Stadt, nicht weit von Towerbridge, die anderen themseabwärts.

Fig. 263.
Bei einem Londoner Broker. Von den zur Auktion kommenden Drogen sind Muster auf den Tischen ausgelegt. Die Nummern derselben korrespondieren mit den Nummern der Auktionsliste und den Nummern im Schausaal (Fig. 262).

In den Dockhallen und den Warehouses von London haben die einzelnen Drogen und Drogengruppen ihre besonderen, meist durch Schilder gekennzeichneten Plätze, z. B. «spices», «rhubarb», «vanille», «oils», so daß man sich leicht zurechtfindet und immer weiß, wo man Chinarinden, Zimt, Jod, ätherische Öle oder anderes zu suchen hat. Es herrscht gute Ordnung und große Sauberkeit. Die feineren Drogen liegen im Fenchurchstreet-Warehouse, wo sich auch ein kleines Museum befindet.

Die London and India Docks Compagnie umfaßt die gewaltigen London Docks, St. Katharine Docks, West and Southwest India Docks, East India Docks, Royal Albert and Victoria Docks, Tilbury Docks, Cutler St. and commercial Rd Warehouses und East Smithfield Depôt.

Angebot eines Londoner Brokers
(Grundlagen für die Besichtigung und die Auktion).

FOR

Public Sale,

BY

X. Y. Z. & Co

AT THE

LONDON COMMERCIAL SALE ROOMS

MINCING LANE,

ON

Thursday, April 2nd, 19__

At Half-past TEN o’Clock

THE FOLLOWING GOODS, VIZ.:—


15

15 Bales LIMA SARSAPARILLA

13

Pkgs. Ceylon COCA LEAVES

10

Cases

Cinnamon

Leaf

OIL

2

do

do

Bark

6

Drums Citronelle

6

Cases Turkey COLOCYNTH


London Produce Brokers’ Association’s Public Sale Conditions


Prompt 18th April, 19..—Discountper cent.

15 Bales Lima Sarsaparilla, at per lb.

On shew at Crutched Friars Warehouse

EX MINNETONKA, @ NEW YORK—March, 00185

Mark Sale Lot Nos. Bales Total net abt lbs
P&C 1 1@3 3 C.D.C. 1 350
2 4@6 3 375
3 7@9 3 420
4 10,11 2 220
5 12@15 4 2 540

12 Pkgs. Coca Leaves, at per lb.

Lying at London Docks

EX BRITANNIA, @ COLOMBO—February, 031517

Abt nett lbs each

Gantenne
ML

6

1@6

6

Cases

56

–„–
GT

7

7@11

5

Gantenne

8

12

1

1 Bag Dgd
Pickings

19

EX DUKE OF NORFOLK, @ COLOMBO—February, 031114

Bag

Gantenne

9

18

1

Dgd Pkgs

28

2

Lying at London Docks

EX GLENLOCHY, @ COLOMBO—March, 032158

10 Cases Cinnamon Leaf Oil, at per oz

Sale Lot

No.

Case

Contg.
Bottles

ozs each

Mark

10

 6

1

36

27

11

 7

1

12

 8

1

13

 9

1

14

10

1

15

11

1

16

12

1

17

13

1

18

14

1

26

19

15

1

2 Cases Cinnamon Bark Oil, at per oz

Case  Contg.
Bottles
ozs each
H 20  1  1 1 26
21  2  1

2 Drums Citronelle Oil, at per lb.

Cwt each
H 22  10,11  2 Drums 7

6 Cases Turkey Colocynth, at per lb

Lying at London Docks

EX MINERVA, @ HAMBURG—March, 1902

Av net lbs
JM 23  1@4,6,7  6 Cases 185

Samples on shew at 4, MINCING LANE, where Catalogues may be had.

Fig. 264.
Der Hof eines Drogenwarenhauses in London mit den Aufzügen und den zur Abführung der Drogen für den Kleinhandel bestimmten Wagen.

Die englische Einfuhr ersieht man aus der London Customs Bill of entry.

In London werden die Drogen meist einfach in der Form, wie sie eintreffen, zum Verkaufe gestellt. Ein eigentliches Sortieren, Mundieren, Auslesen, Sieben, Schneiden usw. findet in den Docks meist nicht statt, da es an Vorrichtungen zur Drogenappretur fehlt, doch werden z. B. die Muskatnüsse ausgelesen, die Vanillekisten geöffnet und die Schoten nach ihrem Werte sortiert, Copal (Animi) sortiert ([Fig. 258]). Die Ceylonzimtballen werden mittelst eines sehr einfachen Schrubbers — ein mittelst eines Nagels an zahlreichen Stellen durchlochter, auf ein plankonvexes Holzstück aufgenagelter Blechstreifen — an den Enden auf ihr Aroma in der Weise geprüft, daß man mittelst des Schrubbers über die Enden der Fardelen hinfährt und den Grad des Aromas feststellt. Oft werden sie umgepackt. Mit dem Drachenblut macht man die «Bodenprobe», d. h. man prüft den «Strich». Mit der halbflüssigen Socotraaloë aus Sansibar, die recht unangenehm riecht, macht man die Probe in der Weise, daß man einen Holzspatel eintaucht und das Abfließende auf sein Aussehen prüft.

Obwohl diese Prüfung nach dem Aussehen sichere Garantien natürlich nicht bietet und nicht bieten kann, muß anerkannt werden, daß sie in den meisten Fällen das Richtige trifft, da den Prüfenden eine reiche Erfahrung zur Seite steht. Oft bestätigt die chemische Wertbestimmung nur die empirisch gefundene Wertbemessung. So fand ich z. B., daß die Rhabarbersorten im Großhandel 1907 ganz die Preisskala zeigten, die ihnen nach meinen Bestimmungen des Gehaltes an Oxymethylanthrachinonen zukommen würde. Die gehaltreichsten hatten im Handel den höchsten, die gehaltärmsten den niedrigsten Preis, und auch die dazwischenliegenden Sorten entsprachen den betreffenden Orten der Gehaltskala.

Fig. 265.
Im Hafen von New York an der Brooklynbridge.

Eine Wanderung durch die Londoner Docks und Warehouses ist sehr interessant. Ich sah 1903 dort: Ungekalkte Muskatnüsse (Nutmegs), Bombay- und Penang-Macis in Kisten und Fässern von zwei Zentnern, schön geschälten Ingwer in Zentnersäcken, für 1½ Millionen Mark Nelken und zwar «rote» Nelken von Penang in Drei-Zentnerkisten und «braune» von Sansibar in Bastmatten von 125 lbs., Ballen von ostindischer Chinarinde in Bastmatten mit Sackleinwandumhüllung von 2½ Zentner, sowohl Fabrikrinde, wie Reneweds und Druggist quills. Früher füllten bis 25000 Ballen China die Docks, jetzt fand ich nur noch c. 2000, da Amsterdam jetzt den größten Teil der Kulturchina an sich zieht. Auch Anacardien hatten keine Käufer gefunden.

Fig. 266.
Der Hafen von Amsterdam.

Fig. 267.
Ausladen der Chinarindenballen und -kisten von den Leichtern in das Warenhaus des Kina-Etablissement in Amsterdam.
[Nach van der Wielen.]

Fig. 268.
Chinarinde. Fabrikbast (Fabrikrinde) in Säcken im Warenhause des Kina-Etablissement in Amsterdam.
[Nach van der Wielen.]

Fig. 269.
Chinarinde. Pharmazeutische Bast (Drogistenrinde) in Kisten im Warenhause des Kina-Etablissement in Amsterdam.
[Nach van der Wielen.]

Ich sah ferner dort: Strophanthus in Säcken aus Natal, «Animi» (Copal) aus Sansibar, Gummi aus dem Sudan, lose Stämme und Äste von Sassafrasholz, große runde Barrels von Citronellaöl, à 7–8 Zentner, Benzoë (Gum Benjamin) von Sumatra in mit Sackleinewand umhüllten, in Kisten steckenden Blöcken, Palembangbenzoë in Blechkanistern, große Blöcke von Drachenblut mit Sackabdrücken außen, viel Carthagena-Ipecacuanha neben der Rio, zahlreiche Blechkanister mit weißem, duftendem Manila-Elemi, mit Myrrha gefüllte Bastkörbe, viereckige Blechkanister mit Tolubalsam und Säcke mit Coloquinten. Von Vanille sah ich in einem besonderen Raume 2000 Kisten, besonders von den Seychellen (= Bourbon) und Tahiti, dann aber auch von Mauritius und Australien. Die Bündel lagen in Blechkisten à 12 lbs. Riesig waren die Vorräte von Rhabarber, sowohl «flat» wie «round», der nach der Trockenmethode unterschieden wird in: high dried (im Ofen), sun dried (in der Sonne) und killed dried (im Schatten getrocknet), Canton und Shensi war meist sun dried, Shanghai dagegen killed dried.

Von Cardamoms sah ich Samen und Früchte (zum Teil gebleicht) aus Colombo, Mysore, Malabar, Tuticorin und Bombay, zum Teil in prächtigen Mustern, Purée von Kalkutta, Kino von Cochin, Annato Seeds aus Para, australischen Sandarac aus Sidney, Eucalyptusöl aus Portugal und Melbourne, Honduras- und Lima-Sarsaparille, Copaivabalsam aus Carthagena, Anisöl und Cascarilla aus New York, Japan aconit aus Kobe, Mutterkorn aus Vigo, Campher aus Foochow, Buchu leaves vom Kap, Turmeric aus Madras, Drachenblut von Singapore, Areca nuts von Colombo, Storax von Smyrna, Ammoniacum und Guaza von Bombay, Capsicum und Cocculus indicus von Calicut, Gummi von Aden, Tamarinden von Antigua, Senna von Tuticorin und Bombay (auch Früchte, pods und Siftings), Orange oil von Buenos Aires, Squills von Messina, Cumin seeds von Malta, Colombo root von Sansibar, Manila Copal und Gum Damar von Singapore.

Fig. 270.
Monster Malen en Verdeelen. Das Malen der Durchschnittsmuster im Kina-Etablissement in Amsterdam.
[Nach van der Wielen.]

In folgendem gebe ich als Beispiel einen Ausschnitt aus dem Monthly Statement of drugs. Gute Übersichten finden sich immer im Chemist and Druggist, dessen kenntnisreicher Leiter, MAC EWAN, vortrefflich auf diesem Gebiete orientiert ist.

Ausschnitt aus Monthly Statement of Drugs, Drysalteries etc. in the Docks and various other London Warehouses.

For the
Month of
December

Stocks December 31

Lan-
ded

Deli-
very

1906

1905

1904

1903

1902

1901

Aloes cases etc.

 132

  87

 329

 380

 786

  904

 1477

 1417

Aloes gourds

  50

  146

Aniseed, Star cases

    6

    7

   13

Arrowroot barrels

1487

1272

3414

5722

9470

12633

12224

 7747

Arrowroot boxes
and tins

   2

 940

1165

1335

 1066

 1413

  755

Balsam casks etc.

  16

  62

 493

 362

 672

  790

  626

  615

Bark[1], South
American cases

  2

  12

  42

  46

   44

   62

   65

Bark, South
American bales etc.

 79

 62

2614

3512

3761

 2687

 4518

 6203

Bark, East India,
Ceylon a. Java cases

 151

  35

  61

   44

   80

  148

Bark, East India,
Ceylon a. Java bales etc.

246

868

2266

4025

2301

 2683

 3420

 3882

Total

325

932

5043

7614

6169

 5458

 8080

10298

Imported to Date (December 31)

1906

1905

1904

1903

1902

1901

Aloes cases etc.

 1457

 1190

 1821

 1667

 2110

 1313

Aloes gourds

 1765

  560

  904

Aniseed, Star cases

   25

   12

   35

   11

Arrowroot barrels

14772

12685

15294

15064

19075

20410

Arrowroot boxes
and tins

  255

  839

 1296

  971

 1740

 1570

Balsam casks etc.

  670

  237

  405

  783

  966

 1580

Bark, South
American cases

    2

   13

   18

    5

Bark, South
American bales etc.

 2330

 6163

 5172

 5564

 8265

 9874

Bark, East India,
Ceylon a. Java cases

  177

    1

   37

   26

    4

   20

Bark, East India,
Ceylon a. Java bales etc.

 5684

 9899

 6044

 7053

11016

14602

Total

 8191

16065

11286

12661

19285

24501

Delivered to Date (December 31)

1906

1905

1904

1903

1902

1901

Aloes cases etc.

 1508

 1596

 1939

 2240

 2050

 1893

Aloes gourds

 1815

  510

 1050

  888

Aniseed, Star cases

   25

   13

   41

   46

Arrowroot barrels

17080

16433

18460

14682

14570

20863

Arrowroot boxes
and tins

  480

 1229

 1007

 1332

 1082

 1152

Balsam casks etc.

  539

  547

  519

  619

  957

 1460

Bark, South
American cases

   30

    6

   31

   36

    3

    1

Bark, South
American bales etc.

 3228

 6412

 4098

 7395

 9950

 9544

Bark, East India,
Ceylon a. Java cases

   61

   27

   20

   62

   72

   70

Bark, East India,
Ceylon a. Java bales etc.

 7437

 8175

 6426

 7809

11478

14209

Total

10756

14620

10575

15302

21503

23824

[1] Bark ist Chinarinde.

Titel und Ausschnitt aus einer Amsterdamer Auktionsliste von Chinarinde.

NEDERLANDSCHE HANDEL-MAATSCHAPPIJ.

NOTITIE

DER

VEILING TE AMSTERDAM,

VAN

114 Kisten

EN

483 Balen

JAVA KINABAST,

LIGGENDE TE AMSTERDAM,

(WAARONDER EENIGE COLLI UITERLIJK MIN OF MEER GEVLEKT)

op Donderdag 17 Januari 19..,

onmiddellijk na afloop der eerste veiling,

in de BRAKKE GROND in de NES.


De goederen zijn liggende en te bezichtigen op den
12, 14, 15, 16 en 17 Januari 19..,
in het KINA-ETABLISSEMENT, Entrepôt-Dok.

(Op aanvraag wordt ook op de overige werkdagen toegang verleend)

8. 20 balen netto ca. 2100 Kgr. C. Ledgeriana gruis.
Zwavelzure Kinine 4.01 pCt.

Opsl. No. 21413. Kav. 197. 20 balen No. ¹⁄₂₀.


9. 16 balen netto ca. 1680 Kgr. C. Ledgeriana Takbast.
Zwavelzure Kinine 4.79 pCt.

Opsl. No. 21414. Kav. 198. 16 balen No. ¹⁄₁₆.


10. 4 balen netto ca. 460 Kgr. C. Ledgeriana Takbast.
Zwavelzure Kinine 4.03 pCt.

Opsl. No. 21415. Kav. 199. 4 balen No. ¼.


8. 6 kisten netto ca. 180 Kgr. Succirubra grof gruis.
Zwavelzure Kinine 2.69 pCt. Totaal Alc. 7.61 pCt.

Opsl. No. 21416. Kav. 200. 6 kisten No. ⅙.


7. 36 kisten netto ca. 1000 Kgr. Succirubra gebr. pijpen.
Zwavelzure Kinine 2.42 pCt. Totaal Alc. 6.09 pCt.

Opsl. No. 21416. Kav. 200. 6 kisten No. ⅙.

Kav 201. 18 kisten No. ¹⁄₁₈.
Kav 202. 18  ”  ” ¹⁹∕₃₆.


9. 12 kisten netto ca. 345 Kgr. Succirubra pijpen ca. 50 cM.
Zwavelzure Kinine 2.42 pCt. Totaal Alc. 6.09 pCt.

Kav 203. 12 kisten No. ¹∕₁₂.


12. 7 kisten netto ca. 230 Kgr. Succirubra pijpen ca. 50 cM.
Zwavelzure Kinine 2.42 pCt. Totaal Alc. 6.09 pCt.

Kav 204. 7 kisten No. ⅐.


Tafel XXVIII

Monster steken.
Entnehmen der Durchschnittsmuster der Chinarinde in Amsterdam.
[van der Wielen phot.]


GRÖSSERES BILD

Tafel XXIX

Monster Opbergen.
Aufbewahren der gemahlenen Durchschnittsmuster der Chinarinde in der Musterkammer. Rechts einige Musterbeutel.
[van der Wielen phot.]


GRÖSSERES BILD

Gegenstände des Londoner Großhandels, über die die Marktberichte regelmäßig Notierungen über Zufuhren und Preisbewegung bringen, sind (1907) besonders:

Arrowroot, Aloes, Benzoin, Buchu, Campher, Castor oil, Cascara Sagrada, Chamomiles, Cocain, Cinchona bark, Cloves, Coconut oil, Dragons blood, Elemi, Galls, Gummi arabic, Ginger, Golden Seal, Ipecacuanha, Jalap, Japan Wax, Linseed oil, Liquorice root, Menthol, Oil of Peppermint, Olive oil, Otto of Roses, Opium, Pepper, Pimento, Podophyllum root, Rhubarb, Senega, Shellac, Traganth, Terpentine.

Von den Warehouses gelangt die Droge dann in den Kleinhandel ([Fig. 264]).

Ein Drogenmarkt von ungeheuerer Ausdehnung ist der von New York ([Fig. 265]). New York ist der Hauptmarkt für das ganze Land und dort wohnen natürlich auch die größten Importeure von Drogen, Botanical goods usw. Die führenden auswärtigen Häuser haben Lokal Broker, die den New York-City trade besuchen und Muster und Preise vorlegen. Inländische Jobbing houses (Verkaufshäuser) oder wholesale druggists (Engros-Drogisten) ihrerseits gebrauchen New York-Brokers, die ihre allgemeinen Bedürfnisse einkaufen, — Patent-Medizinen, ätherische Öle und alles, was sich auf Drogen bezieht — und diese Brokers gehen herum bei den hauptsächlichsten New York-City dealers (Händlern) und Importeuren.

Die Drogen, die im Innern gesammelt werden, werden den New Yorker Häusern gewöhnlich von Kaufleuten aus dem Westen und Süden angeboten, die ihre Vorräte direkt von Farmern oder Sammlern einheimischer Drogen erhalten. Es gibt in New York keine Auktionsverkäufe, wie wir sie in London ([s. d.]) und Amsterdam ([s. d.]) finden. Alles erhält man durch Privatverkauf. Handelsjournale (trade journals) und Preislisten, die von den größten Dealers herausgegeben werden, machen die Jobber (Makler) mit den Marktpreisen bekannt.

Der nordamerikanische Großhandel bezeichnet die Produkte vielfach anders als der europäische. So werden z. B. die Harzprodukte der Coniferen (besonders Pinus australis) summarisch als Naval stores bezeichnet, und man unterscheidet:

Rosin (unser Colophonium), Tar (Teer), Terpentine and pitch (das abgekratzte Harz der Wunden), Terpentine, spirits (unser Terpentinöl). Keine Drogen erreichen derartige Produktionsziffern (siehe auch Kapitel [Pharmakodiakosmie]), wie folgendes Summary of exports of Naval stores for the fiscal years 1903–1906 zeigt:

1903 1904 1905 1906
Rosin barrels  2396498  2585108  2310275  2438556
Tar    18622    15644    20291    16821
Terpentine and pitch    15972    13177    24971    14232
Terpentine and spirits gallons 16378787 17202808 15894813 15891253

Amsterdam ([Fig. 266] u. [267]) ist jetzt Zentrum des Chinarindenhandels. Während es 1892 noch gerade London die Wage hielt, importierte es schon 1901 über das dreifache «Kinabast». Der Aufschwung datiert vom Jahre 1886, von der Gründung der «Kina-Etablissement» durch BRIEGLEB, sowie von den etwa gleichzeitig eingeführten vierzehntägigen Auktionen (Veilingen), die allmählich die Particulieren planter in Java vom Londoner Markte abzogen. Viel trug auch die neue Art des «Musternehmens» — die Abnehmer dürfen jetzt selbst Muster erheben — und der vorzüglich geordnete zentralisierte Betrieb des Ganzen zum Aufschwunge Amsterdams als Chinamarkt bei. Schon 1891 schloß sich denn auch die Gouvernements Kina-Onderneming dem Kina-Etablissement an.

Man unterscheidet den in Kisten zugeführten «Pharmazeutischen Bast» ([Fig. 269]) in Röhren (pijpen) oder snitsels — Drogistenrinde — und den zerkleinerten oder gepulverten (gruis) «Fabrieksbast» ([Fig. 268]) (Fabrikrinde) in Säcken oder Ballen.

Fig. 271.
Im Hafen von Hamburg. Löschen der Ladung auf die Leichter und Schuten.

Die Chinarinde wird in besonderen Räumen ausgestellt, Säcke und Kisten getrennt, meist einander gegenüber, beide geöffnet, so daß man den Inhalt besichtigen kann. Nummern und Zeichen korrespondieren mit den Auktionslisten. Jeder Posten (Opslag), der das Produkt derselben Ernte einer Plantage umfaßt, erhält eine «Opslag-Nummer». Er besteht natürlich aus einer sehr wechselnden Zahl von Kisten oder Ballen. Jeder Posten wird analysiert und in der Auktionsliste der Gehalt an (schwefelsaurem) Chinin und Gesamtalkaloid — bisweilen auch an Cinchonidin, Chinidin, Cinchonin und amorph. Alkaloid — angegeben. Die Analyse wird im Laboratorium des Etablissements an einem Durchschnittsmuster ausgeführt, das man in der Weise erhält, daß man mittelst eines eigenartigen Instrumentes aus der Mitte der Ballen Proben entnimmt ([Taf. XXVIII]), diese mischt, in einer Mühle mahlt ([Fig. 270]) und das Mahlprodukt in Kisten, die auch wieder die Opslag-Nummer usw. tragen, in der Monster-Kamer aufhebt ([Taf. XXIX]). Aus diesen werden Muster von 100 g an die Interessenten in mit Siegel (K. E.) versehenen Papierbeuteln abgegeben, die aufgedruckt enthalten: die Opslag-Nummer, die Zahl der Ballen oder Kisten, die der Posten umfaßt, die Bezeichnung der Art (z. B. Java Kinabast, Indisch merk, Succirubra Wortelbast) und Herkunft (z. B. Tangkoeban Praoe), den Tag der Auktion und die Kaveling-Nummer, sowie die Angabe, aus wieviel Ballen die Probe das Durchschnittsmuster darstellt. Jetzt kann jeder Interessent das Durchschnittsmuster einer Kontrollanalyse unterwerfen lassen — wenn er will. Über das Unit vgl. [S. 179].

Jetzt importiert Amsterdam auch Chinin, denn seit 1894 fabriziert die «Bandoengsche Kininefabriek» in Bandoeng (Java) Chininsulfat. Die Produktion betrug pro 1901 schon 30000 kg, pro 1906 55000 kg. Sie kann auf 100000 kg gesteigert werden.

Der Handel liegt auch hier in den Händen von Agenten oder Maklern (Makelaar). Über die Auktionen oder Veilingen, die in bestimmten, vorher festgestellten Intervallen abgehalten werden, erscheinen nachher Berichte, die die erzielten Preise angeben. Alles ist also vorzüglich organisiert.

In der Beilage teile ich eine Amsterdamer Auktionsanzeige und ein Blatt aus der Auktionsliste mit.

Die Einfuhr von Amsterdam an javanischen Chinarinden betrug 1889: 2073959 kg, 1906: 8794480 kg. Davon entfallen auf Succirubra 1153315 kg, auf Ledgeriana 5980802, auf Schuhkraftiana und javanica 1597, auf Cinchona officinalis 11970, auf Hybriden 1646796 kg. GUSTAV BRIEGLEB in Amsterdam gibt eine graphische Table showing the average Units of the Amsterdam Cinchona bark sales in the years ... heraus.

Auch für andere Drogen ist Amsterdam ein wichtiger Einfuhrhafen, neuerdings besonders für javanische Coca.

Fig. 272.
Hamburg, Fleet beim Grimm. Links volle, rechts leere Leichter, die die gelöschten Waren von den Dampfern holen und zu den Geschäftsspeichern (links) bringen.

In Hamburg ([Fig. 271] u. [272]) ist der Drogenhandel sehr entwickelt. Mir wurden (1907) gegen 40 größere Importfirmen genannt, die sich mit Drogeneinfuhr beschäftigen. Allerdings beschäftigen sich nur wenige mit dem Import aller Drogen. Die meisten betreiben diese oder jene Spezialität, wie Campher, Copaivabalsam, Perubalsam, Lycopodium, Secale cornut., Coca, Cola, Calabarbohnen, Jaborandi, Jalape, Rhabarber, Strophanthus, Kamala, Ipecacuanha.

Die Drogenspeicher Hamburgs befinden sich teilweise im Freihafengebiet, teilweise in den inneren Stadtteilen, die dem Hafen nahegelegen oder doch von diesem aus möglichst auf Wasserstraßen (Fleeten, [Fig. 272]) bequem und schnell zu erreichen sind. In der Regel hat jede Großhandlung von irgend welcher Bedeutung außer ihren Geschäftsspeichern in der inneren Stadt auch solche im Freihafengebiet, um sich unnötige Verzollungen für zollpflichtige Waren, die das Inland nicht berühren, sondern gleich ab Hafen wieder weiter gehen, zu ersparen. Die großen Dampfer ([Fig. 271]) kommen alle bis nach Hamburg und fahren nach den Anlegeplätzen der betreffenden Schiffsgesellschaften, wo die Güter ausgeladen und in Dampfbooten (Schuten) oder Lastkähnen (Leichtern) ihren Eigentümern zugeführt werden. Vielfach werden auch die ankommenden Waren irgendwo im Hafen in Lagerschuppen bei sogenannten Quartiersleuten, die eine alte Zunft bilden, eingelagert. Dort können auch Besichtigungsproben gegen Erlaubnisschein der betreffenden Firma, welche Besitzerin der Ware ist, entnommen werden.

Täglich erscheint eine Einfuhrliste, aus welcher Interessenten Art und Anzahl der eingetroffenen Güter ersehen können.

In Hamburg vollzieht sich der Großdrogenhandel nach einem anderen System wie in den oben beschriebenen Häfen. Regelmäßige Drogenauktionen wie in London und Amsterdam finden hier nicht statt — nur havarierte Schiffsgüter werden bisweilen verauktioniert. Der Drogenhandel ist in den Händen von Drogenmaklern (d. h. Agenten), die Verbindungen mit den betreffenden Importfirmen haben, jeden Tag vorsprechen, die Preise erfragen und die Geschäftsabschlüsse gegen meist ein Prozent Courtage («Maklergebühr») vermitteln. Kaufende und verkaufende Firma treten also meist nicht in direkte Verbindung. Die Bezahlung geschieht nach Empfang der Ware per Kasse abzüglich 1% Skonto, falls es sich nicht um Netto-Kasse-Artikel handelt.

Die größten Firmen geben allmonatlich Listen aus. Ich teile eine Seite einer solchen Liste in der Beilage mit, die telegraphische Bestellung nach den vorgedruckten Zeichen ermöglicht.

Für die technischen Drogen, die in riesigen Mengen verbraucht werden, wie z. B. Copal und Kautschuk, existieren besondere Importfirmen, die sich ausschließlich und fast ausschließlich mit diesen Objekten beschäftigen.

Mehr wie in London wird in Hamburg auf die Drogenappretur gegeben, und finden sich selbst in den Listen der dortigen Großdrogenhäuser regelmäßig auch geschnittene Drogen aufgeführt. Im allgemeinen geschieht aber auch hier eine Appretur nur dann, wenn sie erforderlich ist oder vom Kunden gewünscht wird. So werden z. B. Wurzeln (Sarsaparille) bisweilen gewaschen, d. h. vom Erdreich befreit, andere ausgelesen, «elegiert», z. B. bei Ipecacuanha die Stengel und Rhizome ausgelesen. Balsame (z. B. Copaiva) werden vom Wasser und Schleim durch Klären befreit, Lycopodium wird gesiebt, Kamala gesiebt und geschlämmt u. a. m. Manche Drogen werden auch gebleicht (Ichthyokolla, Schellack). Die Methoden sind sehr verschieden und richten sich ganz nach der Art der Droge bezw. nach dem Zustand, wie sie ankommt. Die verwendeten Verfahren werden von den Firmen meist geheim gehalten. Für die Campherraffinerie ist Hamburg jetzt Hauptort.

Ausschnitt aus einer monatlich versandten Medicinaldrogenliste einer Hamburger Großdrogenfirma.

Januar 19..

3 Monats-
Accept

Netto
Cassa

Bemerkungen

MD

Aloë Curaçao Kst. ca. ⁵⁰∕₅₅ Ko.

leberfarbig 00bei 20 Kist. % Ko.

 —.—

 —.—

Ohne Garantie für
Veränderung der
Farbe während
der Reise oder auf
Lager

 »  5   »   »

 —.—

 —.—

einz.   »    »

 —.—

 —.—

leberfarbig 0 bei 20   »   »

 —.—

 —.—

 »  5   »   »

 —.—

 —.—

einz.   »   »

 —.—

 —.—

leberfarbig 1 bei 20   »   »

 —.—

 —.—

 »  5   »   »

 —.—

 —.—

einz.   »   »

 —.—

 —.—

pulv. gross. Kist à 50 Ko.

102.—

100.—

  »   subst.   » » 50 »

102.—

100.—

MD

Anethol s. u. Ol. Anisi vulgaris.

MD

Anthophylli, Gonjes ca. 80 Ko.   »

elect hellbraun »

153.—

150.—

Anbruch + 25.—

naturell»   »

102.—

100.—

  »   + 25.—

 » schwarz   »

 51.—

 50.—

  »   + 25.—

MD

Araroba ordinair, Kisten ca. 17 Ko.,

bei 1000 Ko. »

 40.—

 39.—

einz. Kisten   »

 50.—

 49.—

pulv. subt. »

406.—

400.—

G

Arrowroot, St. Vincent, Fässer ca. 100 Ko.

extra prima 00  bei 10 Barrels % Ko.

 58.—

 57.—

 » 5   »     »

 59.—

 58.—

einz.    »     »

 60.—

 59.—

prima 0  bei 10   »     »

 48.—

 47.—

 » 5   »     »

 49.—

 48.—

einz.    »     »

 50.—

 49.—

courant 1 bei 10   »     »

 —.—

 —.—

 » 5   »     »

 —.—

 —.—

einz.    »     »

 —.—

 —.—

MD

Balsam, Canada, Kist. 2 Can. ca. 20 Ko.

filtriert  bei 5 Kist. % Ko.

398.—

390.—

einz.    »     »

408.—

400.—

einz. Can. + 10.—

MD

  »  Copaiva, Kisten à 2 Can. ca. 18 Ko.

Ph. G. IV, Benzinlöslich (1:4), Ph. Brit. Ph. Ross.

Ph. Japon. Ph. Suec. Ph. Aust. bei 10 »  % Ko.

310.—

305.—

  »   5 » »

313.—

308.—

  einz. » »

320.—

315.—

  »   » + 10.—

Ph. G. IV, Ned. » 10 »»

250.—

245.—

  »   5 » »

253.—

248.—

  einz. » »

260.—

255.—

  »   » + 10.—

Ph. G. III » 10 »»

250.—

245.—

  »  ; 5 » »

253.—

248.—

  einz. » »

260.—

255.—

  »   » + 10.—

in 90%igem Sprit löslich  » 10 »»

230.—

225.—

  »   5 » »

253.—

248.—

  einz. » »

260.—

255.—

  »   » + 10.—

MD

dick, mitteldick od. dünn bei 10 Kist. % Ko.

160.—

157.—

für technische
Verwendung
einz. Can. + 10.—

  »   5 » »

163.—

160.—

  einz. » »

170.—

167.—

Die großen deutschen Drogenhäuser des Inlandes kaufen die Drogen meist «naturell» nach der Liste und nach vorheriger Einsendung und Prüfung eines entsprechenden Kauf- bezw. Ausfallmusters und reinigen die Ware dann selbst. Die Drogenappretur inländischer Drogen wird besonders in Dresden, Halle und Ebingen betrieben. Die erste Drogenappreturanstalt — jetzt die größte Europas — errichtete GEHE 1865 in Dresden.

Der Hamburger Markt, obgleich außerordentlich zur Blüte und Größe gelangt ([S. 166]) und sehr selbständig, ist natürlich bei manchen Artikeln unter anderen auch auf den Londoner Markt und die dortigen Auktionen angewiesen und umgekehrt. Diese Geschäfte werden durch eigene Agenten der Großhäuser besorgt. Täglich findet ein lebhafter Depeschenwechsel zwischen Hamburg und London statt.

Um eine Übersicht über den Hamburger Handel zu geben, teile ich die Drogeneinfuhr- und -Ausfuhrliste pro 1906 im folgenden mit.

Es betrug die Einfuhr nach Hamburg (die Namen der Artikel nach der Liste unkorrigiert):

Artikel

1906

1905

1904

1903

1902

Doppelzentner

Agar-Agar

 1064   

?

  232,9 

 1138   

 1573   

Albumin

 4555   

 3153   

 1837   

 1958   

  965   

Aloë, Cap- und Curaçao

  892   

 1279   

 2257   

 1945   

 2059   

Balsam Copaivae

  336   

  230   

  466   

  461   

  319   

  „   Peru

  234,8 

  263,8 

  277   

  340,16

  289,2 

Cortex Chinae

 2711   

 2541   

 1860   

 2776   

 3752   

Cumin

 3495   

 5318   

 4646   

 5185   

 4382   

Fabae Tonco

  105,7 

   36   

 120,5 

 121,3 

  42,3 

Gallen

24528   

18905   

27474   

25313   

25047   

Gummi arab.

39032   

44536   

34600   

39894   

34316   

  „   Benzoë

 1436   

  999   

 1385   

 1067   

  768   

  „   Dammar

 6237   

 6867   

 4976   

 5314   

 4073   

  „   Kopal

27695   

27057   

32900   

22559   

20029   

  „   Sandarak

 2094   

 2715   

 2000   

 1532   

 1039   

  „   Senegal

  947   

 1366   

 1376   

  513   

  308   

  „   Tragant

 4616   

 3340   

 2618   

 2463   

 1880   

Irländ. und Isländ. Moos

 3237   

 2783   

 3140   

 2728   

 2400   

Campher

11124   

10085   

14626   

17087   

18361   

Oleum Anisi Stellati

 336,4 

  401,65

  521,3 

  300   

  333,3 

  „  Menth. pip.

  935   

 1059,1 

  885,2 

  706,1 

  504,14

  „  Ricini

27300   

22313   

21211   

23792   

19832   

Opium

  180,58

  275,62

  326,86

  183,06

  168,96

Radix Ipecacuanhae

 129,5 

  141,7 

  178,7 

  192,6 

  230,6 

  „   Jalapae

  686   

  603   

   97   

  599   

  579   

  „   Liquiritiae

 5484   

 3928   

 5063   

 3375   

 6720   

  „   Rhei

  996   

 1281   

 1127   

  584   

  965   

  „   Sarsaparillae

 1285   

  958   

  881   

  902   

 1306   

  „   Senegae

  488   

  478   

  388   

  624   

  411   

Schellack

36753   

33716   

26207   

26440   

21600   

Semen Sabadillae

 1410   

?

?

  549   

  901   

Sennesblätter

 2067   

 4349   

 4370   

 3068   

 3259   

Sternanis

  329   

  103   

  308   

 1191   

  628   

Terra Catechu und Japonica

23638   

21186   

23818   

25925   

25308   

Einfuhr

Ausfuhr

1905

1904

1905

1904

Doppelzentner netto

Öle, äther., nicht bes. genannt

  4713

 4624

  4830

 4910

davon aus resp. nach:

Ceylon

   350

  236

China

   623

  378

Japan

   266

  202

Vereinigte Staaten

   308

  278

   901

 1549

Rußland

   112

  116

543

397

Essenzen usw., alkohol- oder
ätherhaltige (Menthol usw.).

  1906

 1869

  2462

 2711

davon aus resp. nach:

Japan

   497

  349

Österreich-Ungarn

   399

  153

   216

  250

Hausenblase, echte u. unechte

   169

  229

    89

   77

Aloë

  1111

 2039

   804

 1305

davon aus:

Brit. Südafrika

   318

 1111

Niederl. Amerika

   454

  560

Kanthariden

   134

  155

   77

   69

Chinarinde

 25934

39426

  828

 1165

davon aus:

Niederl. Indien

 23791

35636

Cochenille

   620

  691

   122

  244

Dividivi

 97733

84012

 27187

22441

Galläpfel

 19316

27117

  2958

 2231

Gummi arab., Senegal-, Tragant-

 58400

54277

 23150

21535

Indigo

  1973

 2600

111648

87300

Camphor

 10016

11631

  3305

 2663

Catechu

 46482

44201

 14227

13073

Opium

   687

  676

   133

  116

Rhabarber, getr.

  1200

  811

   481

  310

Getr. Mandeln

104714

97878

   236

  166

Gewürznelken

  7920

 6739

   674

  864

Ingwer

  2449

 2455

    10

    4

Cardamom

   728

  728

    1

Macis

  5654

 4960

    27

    6

Pfeffer, schwarzer

 31040

35040

   170

  119

  „  weißer

 19360

22622

    19

    2

Piment

 13587

13755

     3

    9

Sternanis

   314

  301

     4

    3

Vanille

   797

  789

    45

   70

Cacaobutter, Cacaoöl

   183

  276

 18246

13851

Insektenwachs, roh

 25578

25067

   244

  416

davon aus:

Deutsch-Ostafrika

  3171

 1738

Madagaskar

  2025

 1158

Brasilien

   549

 1473

Pflanzenwachs (Carnaubawachs)

roh, davon aus:

Brasilien

  5422

 5849

Wachs jeder Art, zubereitet

  4318

 4666

 22054

19206

davon aus Japan:

  3344

 3611

Balsame, natürliche, außer Terpentin

  2008

 1707

  1062

 1089

Gummilack, Schellack

 41043

32162

  9576

 8589

Die meisten Drogen werden nach dem Aussehn gehandelt, doch greift die löbliche Sitte, nach dem Gehalt zu kaufen, immer mehr um sich. Schon jetzt wird vielfach ein Zertifikat des Chemikers verlangt. So z. B. wird der Perubalsam nach dem Cinnameïngehalte, das Eucalyptusöl nach dem Eucalyptolgehalte (ich fand solches mit der Bezeichnung: «60–70% Eucalyptol»), das Pfefferminzöl nach dem Mentholgehalte (ich sah in London auch «dementholized pepermint oil»), das Sandelöl nach dem Santalolgehalte, Zimtöl nach dem Zimtaldehydgehalte gehandelt. Bei den ätherischen Ölen haben besonders SCHIMMEL & CO. darauf hingewirkt, daß die Chemie das letzte Wort bei deren Kaufabschlusse hat. Vielfach wird auch nach den Ansprüchen der Pharmakopoëen gehandelt (z. B. Bals. Copaiv. Ph. germ. IV).

Bei der Chinarinde von Java wird in den Regierungs-Chinaplantagen ([Fig. 243]) das Chinin bestimmt (seit 1872, MOENS, GORKOM), das Resultat in einem Zertifikat jedem Posten beigelegt und dasselbe dann, wenn auch nicht regelmäßig, in Amsterdam nachkontrolliert. Bei der Particulierrinde geschieht die Bestimmung erst in Amsterdam (vgl. [S. 174]). Gehandelt wird die Chinarinde nach dem Unit, d. h. nach Halbkiloprozenten. Wenn man sagt: Das Unit ist 10 cent holl. (1 cent = 1.69 Pfennig), so heißt das soviel wie: das halbe Kilo einer einprozentigen Rinde kostet 10 cent, einer zweiprozentigen also 20 cent, einer fünfprozentigen 50 cent usw. Die Rinde wird also nur nach ihrem Gehalte an Chinin (sulfat) gehandelt. Das Unit war in den letzten Jahren ziemlichen Schwankungen unterworfen. Es fiel von 1891–1893 von 7.50 auf 2.60, blieb dann dauernd niedrig, ja sank sogar Anfang 1897 bis auf 2.15 herab, den tiefsten Stand, den es je erreichte, um dann noch im gleichen Jahre auf 7.90, 1899 auf 10.90 und 1900 gar auf 12.20 zu steigen. Dann ist es wieder herabgegangen. Ende 1906 stand es um 5.

Auch die Hamburger Listen geben bei Chinarinde immer den Alkaloidgehalt des betreffenden Postens an.

Die Kamala wird jetzt nach dem Aschengehalt gehandelt (2.5–3.5–5–6% Asche), die ascheärmste ist um die Hälfte teurer als die aschereichste.

Die «Klassifizierung» des indischen Opiums unterscheidet nach dem Gehalt an wasserfreiem Opium (bei 212° F. getr.) 12 Klassen:

Buitengewoon 82 Grade (und höher)
Bala Bashi Durawal 79–81
Bala Durawal 76–78
Durawal 73–75
Awal 70–72
Doem 67–69
Saem 64–66
Chaharun 61–63
Punjum 58–60
Shuihum 55–57
Huftum 52–54
Pani amez weniger als 51 (d. h. weniger als 51% wasserfreies Opium).

Der deutsche Großdrogenhandel hat seinen Hauptsitz in Hamburg, ferner in Berlin, das Leipzigs Erbschaft angetreten hat, und Dresden, dann in Leipzig, Halle, Breslau, Stuttgart, Nürnberg, endlich in Bremen, Stettin, Danzig, Königsberg, Braunschweig, Hannover, Frankfurt a. M., Würzburg.

Die Mengen, welche die Pharmazie von den Drogen braucht, sind übrigens verschwindend gering gegenüber den enormen Mengen, die die Industrie z. B. vom Colophonium und Terpentin, von Dammar, Copal, Campeche, Fernambuc, Gummi arabicum, Galläpfeln, Guttapercha, Kautschuk, Baumwolle, Olivenöl u. and. verbraucht und auch Küche und Haus verbrauchen erheblich mehr Cacao, Tee, Kaffee, Stärke, ätherische Öle u. and. als die Apotheke.

Der moderne Großdrogenhandel ist nicht ein Nachkomme des Großhandels der FUGGER und WELSER. Verfolgt man die Geschichte der heutigen Drogenfirmen zurück, so findet man, daß viele Drogenfirmen — wie viele chemischen Fabriken auch — aus einer Apotheke hervorgingen, ein Apotheker ihr Begründer war. Aus der Apotheke ist auch der Großdrogenhandel im XVII. und XVIII. Jahrh. — meist durch Berufsspaltung — hervorgegangen (BREITFELD).

Bis in die Mitte des XIX. Jahrh. ist Leipzig, begünstigt durch seine Messe, der erste deutsche Drogenhandelsplatz gewesen. DAVID HEINRICH BRÜCKNER errichtete 1750 in Leipzig ein «Kräutergewölbe». «Sachsens und Thüringens Wälder und Wiesen und die dort von altersher bestehenden Kulturen von Gewürz- und Heilpflanzen lieferten in der Hauptsache die Bedürfnisse des Drogengeschäftes. Was von ausländischen Produkten zur Ausstattung einer Medizinaldrogenhandlung gehörte, kam fast ausschließlich aus Amsterdam, welches der Hauptstapelplatz war für die Erzeugnisse des ganzen Orients, der südeuropäischen und überseeischen Länder. Das Absatzgebiet des Geschäftes erstreckte sich auf das Kurfürstentum Sachsen, die angrenzenden preußischen Provinzen und namentlich die thüringischen Lande, von denen aus damals, wie bis in die neuere Zeit, die ‚Balsammänner‘ mit ihren aus den Leipziger Drogen und ätherischen Ölen hergestellten Heilmitteln in die Welt zogen» (BRÜCKNER, LAMPE & CO., 150 Jahre einer deutschen Drogenhandlung). 1817 gründete Brückner das Zweighaus LAMPE, KAUFFMANN & CO. in Berlin und 1883 fand die Fusion und Übersiedelung der Zentralleitung nach Berlin statt.

Leipzig war das deutsche Nischni Nowgorod. Jetzt ist es durch Hamburg, Berlin, Dresden u. and. überflügelt.

Vom Großdrogisten gelangt die Droge zum Apotheker und Kleindrogisten. Kleinkrämer mit Drogen lassen sich bis ins XII. Jahrh. zurück verfolgen (KRIEGK, Deutsch. Bürgerth. im Mittelalter, 1868).

Von Trusts hat man auf dem Gebiete der Drogen noch nichts gehört. Doch ist in neuester Zeit in Amerika der Gedanke aufgetaucht, für die Kautschukproduktion einen Trust zu gründen, der die Preise im Welthandel diktieren soll. Er wird aber wohl kaum zustande kommen, da die Produktion des Kautschuk z. Z. schon zu stark dezentralisiert ist.

Das Bestreben, die Erzeugung gewisser auf eng umgrenzte Gebiete beschränkter Drogen zu monopolisieren und damit den Preis zu diktieren, ist begreiflich. Handelsvölker oder Handelsgesellschaften, welche von solchen Bezirken Besitz ergriffen hatten, haben in früherer Zeit oftmals den Versuch gemacht, sich ein Monopol für die Erzeugung dieser Drogen zu schaffen und dies Monopol nicht selten mit großer Energie verteidigt. So hat die holländisch-ostindische Kompagnie die Anpflanzung und den Handel mit Muskatnüssen auf den Bandainseln für sich monopolisiert. Das Monopol übernahmen dann die englische und (1816) die holländische Regierung. Ein ähnliches Monopol schuf sich die holländisch-ostindische Kompagnie für die Nelken und die englisch-ostindische Kompagnie in Ceylon für den Ceylonzimt. Auch diese sind längst aufgehoben, wie ja überhaupt unsere Zeit monopolfeindlich ist und das freie Spiel der wirtschaftlichen Kräfte auf ihre Fahne geschrieben hat. Doch hat noch in neuerer Zeit (5. August 1899) Japan den Campher monopolisiert, dessen wichtigste Quelle — Formosa — ihm als Siegespreis im chinesisch-japanischen Kriege zufiel. Da aber Campherbäume nicht nur in Japan und Formosa vorkommen, ist es nicht sehr wirksam und 1906 erlebte, angeregt durch die hohen Campherpreise, die Campherproduktion in China einen großen Aufschwung. China brachte 1907 c. 30000 cwt Campher in den Handel.

Das größte Handelsmonopol war das am Beginn des XVI. Jahrh. errichtete Welt-Gewürzmonopol der Portugiesen, das dieselben nach Auffindung des Seeweges nach Ostindien errichteten und das besonders ein Pfeffermonopol war. Es war eine «Monopolisierung der Ozeane». Die Schiffe durften ihre Rückfracht nur in der Casa da India in Lisboa (Lissabon) löschen und mehr wie einmal ordnete der König, der sich den Titel «Herr des indischen Handels» beigelegt, die Vernichtung von Vorräten an, wenn diese anschwollen und die Preise zu drücken drohten. Es hatte aber keinen langen Bestand, denn schon im letzten Dezennium des gleichen Jahrhunderts sprengten die Holländer die Ozeansperre. Auch das erste Gewürzmonopol (für Nelken und Muskat) auf den Bandainseln wurde 1529 von den Portugiesen errichtet, die die Insel 1512 erreichten, entschlüpfte ihnen aber wieder gegen Ende des XVI. Jahrh., das zweite nahmen die Holländer, resp. die Niederländ.-Ostindische Kompagnie nach Eroberung der Inseln im Anfang des XVII. Jahrh. Es dauerte von 1621 bis 1796 und ist durch die Hongitogten berüchtigt. Auch während der englischen Okkupation 1796–1802 und 1810–1816 bestand das Monopol und als die Inseln dann definitiv in holländischen Besitz übergingen, übernahm es die niederländische Regierung. Es erlosch erst — ebenso wie die Zwangskultur — 1873.

Während der Herrschaft der Holländisch-Ostindischen Kompagnie wurden in Amsterdam in der Mitte des XVIII. Jahrh. wiederholt die Erntenerträgnisse von Nelken, Zimt und Muskatnuß jahrelang aufgespeichert, um die Preise hoch zu halten, ja sogar mehrfach größere Vorräte derselben in Amsterdam und Middelburg verbrannt.

Den Handel mit Amerika hat Spanien c. 300 Jahre lang monopolisiert (bis zum Anfang des XIX. Jahrh.). In Sevilla befand sich die Casa de contratacion de Indias, die oberste Aufsichtsbehörde für den amerikanischen Handel. Im XVII. Jahrh. mußten alle Schiffe Sevilla anlaufen, dann wurde (1717) Cadiz Monopolhafen. — Vgl. auch die Monopole bei den Arzneipflanzenkulturen im Kap. Pharmakoërgasie ([S. 47]).

Lit. v. Neumann-Spallart, Übersicht. d. Weltwirtsch. 5 B. 1878–1887, fortges. von Juraschek 1891. — Sonndorfer, Technik des Welthandels. — von Lignitz, Produktion, Handel u. Besiedelungsfähigkeit d. deutsch. Kolonien. Berlin 1908. — Paul Langhans, Kleiner Handelsatlas, J. Perthes 1895. — Handelsberichte von Julius Großmann, Gehe & Co., Schimmel & Co., Caesar & Loretz, J. D. Riedel u. and. — Handelsberichte in der Chemikerzeitung und im Chemist and Druggist London. — Ausfuhrlisten der Welthäfen (Singapore, Batavia, Colombo, New York, Hongkong usw.). — Deutsch. Handelsarchiv. — Handelsbericht. — Gothaisches Genealog. Taschenbuch. — Export, Organ d. Zentralver. f. Handelsgeogr. — Export-Jahrbuch. — Annuaire de l’économie politique et de la statistique. — The statesmans yearbook. — Javasche Courant. — Indische Mercuur. — Monthly statement of drugs, drysalteries etc. in the Docks and various other London Warehouses. — London Customs Bill of entry. — The commercial and Financial Chronicle. — Jaaroverzichten betreffende den handel in Koloniale producten (Indische Mercuur). — Gustav Briegleb in Amsterdam gibt eine sehr instruktive Graphische Table showing the average Units of the Amsterdam Cinchonabark sales heraus, aus der das Fallen und Steigen der Units im Laufe der Jahre ersichtlich ist. — Marktbericht en Prijs Courant opgemaakt door de «Handels-Vereeniging» te Batavia. — Die Bluebooks Englands, die Konsularberichte, das Deutsche Handelsarchiv enthalten wichtige Angaben über die Handelsverhältnisse, Statistiken u. and. — Commercial Report from H. M. Consuls in China. — Calendar of State papers, Colonial Series. — Für Japan die Consular Reports. — Ich habe meine Erkundigungen auch durch die Konsuln des Deutschen Reiches und der Schweiz eingezogen.

3. Produktions- und Exportziffern.

Die Exportziffern sind aus den Exportlisten zu ersehen, die Produktionsziffer ergibt sich aber aus diesen nicht. Sie ist meist nur annähernd festzustellen, da sich der Verbrauch im Produktionslande selbst nur schwer kontrollieren läßt. Sie ist die Summe der Exportziffer und der Landeskonsumziffer.

Um eine Vorstellung von der Ausfuhr großer überseeischer Handelsplätze zu geben, teile ich im folgenden als Beispiele die Exportlisten zweier für uns besonders wichtiger, von mir besuchter Inseln — Ceylon und Java — mit.

Export von Ceylon im Jahre 1906 (nach Ceylon Customs returns, Colombo 1907):

Quantity

Value (in Ruppies)

Cacao

55621

cwt

2052414

Rs

Coconut trocken

181807

3404000

  „   frisch

16224973

929680

Coffee plantation

4484

257830

  „  liberian

50

1050

Cardamoms

6505

585755

Cinnamom

52422

2642068

  „   wild

18

60

Cinchona bark

296820

lb

11872

Cloves and Mace

118

cwt

6006

Ginger

40

772

Nutmegs

155

6675

Pepper

1983

71960

Vanilla

50

23821

Tea

170527146

lb

61389772

Sapan wood

10137

cwt

27713

Rubber

2333

96483

Copra

448700

5661337

Castor oil

7

240

Cinnamom oil

103487

oz

18846

Cinnamom leaf oil

51224

5856

Citronella oil

1213748

lb

1204764

Coconut oil

539002

cwt

9545725

Croton seed

273

cwt

8461

Ausfuhr aus Java (nach Javasche Courant No. 20 van 12 Maart 1907):

1904 1905 1906
Cacao   976721    1047466    1815812 kg
Copra  22904240  180360755   54337508
Foelie     36286      57176      47012
Getah Pertja      3782       2046       2746
Gomdammar   1585163    1743594    2024655
Gomelastiek     44510      96362     174892
Indigo, n. ber. v. d.
 Inlandsche markt
   808739     440766     200760
Indigo, andere    324940      69080     182761
Kaneel, eigenlijke     52696      41510      15517
Kapok   4615155    6309969    5787803
Kassiavruchten    378338     216924      77766
Katjangolie   2393029    2106883    1447311 Lit.
Kinabast   7119284    8021869    6500059 kg
Kinine     44789      15515      39720
Klapperolie     33666      63600       5864 Lit.
Koffie, andere  15869915   15301235   19054858 kg
Koffie, in hoornschil.   3252807    9069232    5944613
Koffie, in gedr. kers.      5682      19103     403067
Nagelen        924       2423
Notenmuskaat    177439     243731     277112
Noten-, pinan-   2393880    2672693    3851635
Peper, staart-    167283     154911     146680
Peper, witte    412173     622882    1519361
Peper, zwarte   3462591    4530135    6792734
Rijst, ongepelde     246194       9420
Rijst, gepelde  45838401   42705724   44269343
Suiker  41959707 1050397131 1021055203
Tabak, niet bereid voor
 de Inlandsche markt
 33806340   27863640   51527875
Tabak, bereid voor
 de Inlandsche markt
   693031     498450     707717
Tapiocameel  27711408   23104152   21354794
Thee  11798403   11846889   11967803

Brasilien exportiert im Jahr für 700–800 Mill. Mark. Davon entfallen auf Kaffee etwa 450 Mill., auf Kautschuk 135 Mill. Mark.

Hieran mag der Export des Kongostaates angeschlossen werden, dessen Ausfuhr sehr eigenartig und für Afrika charakteristisch ist. Er exportierte 1906:

Kautschuk 6309687 kg
Palmkerne 5917559
Palmöl 2301473
Weißen Copal  868928
Cacao 402429
Kaffee 74916
Erdnüsse 43152

Nur wenige Drogen im engeren Sinne zeigen Riesenexportziffern; von reinen Arzneidrogen eigentlich nur die Chinarinde, von der 1906 allein nach Amsterdam 8.794480 kg gelangten (vgl. [S. 175]), trotzdem die Bandongsche Chininfabrik 1906 schon 55000 kg Chinin fabrizierte. Der Naval stores ist schon oben ([S. 173]) gedacht worden. Sie sind aber vorwiegend technische Drogen. Ihre Exportziffern sind beträchtlich.

Frankreich exportierte:

1904

1905

1906

Terpentin

 5596

12214

12922

tons

(t = 1000 kg)

Rosin (Colophon.) 

30897

59382

37888

Amerika exportierte:

1904/05

1905/06

1906/07

Terpentin

 51288

 49482

 47181

tons

engl.

(t = 1016 kg)

Rosin

242789

241243

270990

Sehr beträchtlich sind auch die Exportziffern für Kautschuk, Copal, Dammar, aber von diesen Produkten findet nur ein sehr kleiner Prozentsatz seinen Weg in die Apotheke.

Die jährliche Gesamtproduktion von Opium mag etwa 20 Mill. kg betragen; davon produziert China 14 Mill. kg, Brit. Ostindien 5.5 Mill. kg.

Die Gesamtausfuhr von Pfeffer aus Niederländ. Indien und Malakka beträgt c. 25 Mill. kg. Wichtigster Pfeffermarkt der Erde ist Singapore.

Die Gesamtproduktion von Rohrzucker beträgt mehr als 3050 Mill. kg. Davon entfällt auf Amerika der Hauptanteil (1700 Mill. kg). Die Gesamtproduktion von Rübenzucker wird auf 3600 Mill. kg geschätzt. Hauptproduktionsland ist Deutschland (1320 Mill. kg), wo über 400 Zuckerfabriken bestehen. Dann Frankreich mit 370 Fabriken, Österreich-Ungarn, Rußland, Belgien.

Von Cacao kommen jährlich c. 32 Mill. kg in den Welthandel (die Gesamtproduktion ist viel höher, läßt sich aber nicht schätzen). Haupt-Cacaomärkte sind London, Havre, Amsterdam, Hamburg, Bordeaux.

Die Gesamtproduktion von Tee läßt sich ebenfalls nicht schätzen, da China und Japan enorme Mengen selbst verbrauchen. In den Welthandel gelangen jährlich c. 220 Mill. kg. Haupt-Teemarkt Europas ist London, dann folgen Hamburg, Bremen, Marseille, Odessa.

Von Mate konsumiert allein Argentinien jährlich 37 Mill. kg.

Die Kaffeeproduktion der Erde betrug in Ballen à 60 kg (nach LACERTA):

Brasilien Zentralamerika
und Antillen
Asien Afrika Gesamt-
produktion
1895/96  5969000 3050000 1017000 240000 10454000
1896/97  8500000 3150000  858000 249000 12102000
1897/98  7250000 3100000 1171000 275000 11210000

Den meisten Kaffee produziert Brasilien, den besten Java.

Alle anderen Produkte läßt aber die Baumwolle hinter sich. Die Welternte betrug 1903: 14.1 Mill., 1904: 17.9 Mill., 1905: 15.7 Mill., 1906: 18.6 Mill. Ballen. Der Baumwollverbrauch betrug 1096/07 pro Woche 327000 Ballen! Die Vereinigten Staaten allein produzierten 1906: 13.305265 Ballen Baumwolle.

Die Vanilleproduktion der Erde beträgt fast 330000 kg. Sie verteilte sich 1906/07 folgendermaßen auf die Länder:

Mexico

120000

kg

Comoren, Mayotte

105000

Madagascar, Nossi Bé

40000

Bourbon

30000

Seychellen

20000

Antillen

5000

Mauritius

3000

Ceylon, Java

3000

Fidschi-Inseln, Congo

1000

Sansibar, Deutsch-Ostafrika, Neu-Hebriden 

geringere Mengen.

4. Masse und Gewichte.

Die im Großhandel üblichen Maße und Gewichte sind jetzt meist die des metrischen Systems, doch begegnet man noch vielfach in den Ausfuhr- und Einfuhrlisten (s. oben) und Handelsberichten den englischen Gewichten: der Unze (onz) = 28.439 g, dem englischen Pfund (lb, lbs) = 453.6 g, dem Zentner (cwt, d. h. hundred-weight) = 112 engl. Pfund = 101.5 deutsche Pfund = 50.8 kg, der engl. Tonne (tons. = t.) = 907.18 (oder 1016) kg, dem Barrel = 159 (oder 163) Liter, dem Gallon = 4.54 l (= 4 Quarts à 2 Pints à 4 Gills) = 10 engl. Pfund, dem Hogshead = 63 Gallons und in Indien den dort üblichen z. B. dem Picul (sprich Pickel) = 100 Kattis = 133 engl. Pfund = 61.76 kg (der japanische Pikul = 60.47 kg, der siamesische = 60.5 kg), dem Imperial-Bushel = 36.5 Liter (= 8 Gallons à 4.54 Liter).

Barrel ist zwar meist eine Tonne von 2 Kilderkins zu 2 Firkins und hält 36 Imperial-Gallons = 163.56 Liter, ist aber auch ein sehr ungleich benutztes Gewichtsmaß z. B. für westind. Rohrzucker = 224–308 engl. Pfund, für amerikan. Pech = 35 Gallons zu 9 Pfund; in Amerika für Petroleum = 40 (resp. 42), für Cider und andere Flüssigkeiten = 30 Gallons.

In Rußland wird oft nach Pud = 16.38 kg gerechnet, in Persien nach Man-i-Schah = 5.87 kg. Der marokkanische Kintar ist = 50.8 kg, der kleinasiatische Bahar = 83.5 kg.

Kin oder King (chines.) ist = 16 Liang oder = 601.28 g (japan.) amtlich = 10 Rió = ¹⁄₁₀₀ Picul = 601.04 g, aber im Binnenverkehr vielfach bis 592.59 g herab. Auf den Philippinen ist Cate = 632.685 g, in Niederländ. Indien = 615.21 g. In Singapur, Penang und Malakka verhält sich das malaiische Kin zum chinesischen wie 15 : 16. Die englische Bezeichnung für Kin lautet Catty.

Der chinesische sching ist = 10.31 Liter, der japanische schingsho = 1.81 Liter.

Die persischen Gewichte sind sehr eigenartig. 1 Miskâl = 4.6 g = 24 Nukhûd (= Kichererbse) = 0.192 g, 1 Nukhûd = 4 Gändum (= Weizenkorn) = 0.048 g. Batmän oder Män ist sehr verschieden. Es gibt 18 verschiedene von 2.9 bis 52.9 kg. Das kleine Män = 2.944 kg = Män i Täbrîz = 8 Abbâsî = 640 Miskâl. Män i Noh Abbâsî = 9 Abbâsî = 720 Miskâl = 3.312 kg. Das große Män = 13.8 kg. Das eigentliche Män i Täbrîz = 1000 Miskâl = 5.750 kg. 1 Klein Batmän = 4 Tshehârjāk, 1 Tshehârjāk = 10 Sîr, 1 Sîr = 16 Miskâl. In Fârs ist eine Kiste (z. B. beim Indigo) = 20 Män i Noh Abbâsî. Rosenwasser wird in großen Flaschen Kärrâbäh (= 13.6 Liter) gehandelt.

In Afghanistan rechnet man nach Mahn = 4.18 kg und Arschin = 1.12 m.

Von Längenmaßen wird noch am häufigsten die englische Meile = 1760 Yards = 1609.3 m erwähnt, dann die russische Werst = 1066.8 m, der chinesische Yina Tschin = 3.58 m. Die Seemeile ist = 1.86 km = 1.15 engl. Meile = 1.74 Werst, die geographische Meile ist = 7.419 km = 4 Seemeilen.

Bei Flächenmaßen begegnet man in Indien oft dem Acre (= 4840 ☐ Yard = 40.47 Ar = 4047 ☐ m) und in Java dem Bau oder Bouw (= 500 Tumbac, 1 Tumbac = 12 ☐ Fuß).

Die lateinische Bezeichnung für Geld, pecunia, ist von pecus abgeleitet, da in Medien und Persien, wie auch bei den älteren Römern (und Germanen) Vieh als Geld benutzt wurde. Bei den Osseten im Kaukasus ist noch heute die Kuh die Normaleinheit des Preises für jeden Wert. Als Geld wurden und werden benutzt: Cacaobohnen, Kolanüsse, Datteln, Teeziegel. Dann auch Salzbarren (Abessinien), Getreide, Mais und verschiedene Muscheln, besonders die Kaurischnecke (Cypraea moneta). Die Kaurischnecken (malaiisch beja = Zoll, Steuer), die besonders von den Malediven exportiert wird, sind seit alter Zeit als Münze benutzt worden. Im IV. Jahrh. schon waren sie in Indien in Umlauf, im XV. in Westafrika, im XVII. bildeten sie in Indien, den Philippinen und Siam das einzige Kleingeld — in Siam und im Innern von Afrika (Sudan, Westafrika, Ostafrika) noch jetzt. In Timbuktu gilt eine Kolanuß 10–100 Kauris, ein Sklave 20000 und mehr. In Nordamerika dienten andere Muscheln (Mercenaria violacea, Lucapina und Olivellaarten) als Geld. Endlich werden ungemünzte und gemünzte Metalle, besonders Edelmetalle, als Geld benutzt.

«Es war eine geniale, im griechischen Osten wohl um die Wende des VIII. und VII. Jahrh. v. Chr. entstandene Idee, das gewogene Stück Edelmetall, das längst dem Handelsverkehr diente, durch einen Stempel des Staates, der die Garantie des Gewichtes übernahm, zur Münze zu machen» (FURTWÄNGLER).

5. Handelssprache.

Eine Welthandelssprache gibt es nicht. Doch ist das Englische unter allen Handel treibenden Nationen so verbreitet, daß man auch im Großdrogenhandel nicht ohne diese Sprache auskommt, die sehr dem, was man eine Welthandelssprache nennt, nahe kommt. Denn während der Holländer die Sprachen der von ihm unterworfenen Völker erlernt — auf Java ist z. B. das Malaiische für den Verkehr nötiger als das Holländische — verlangt der Engländer, daß die Vasallenvölker Englisch lernen. Auf Ceylon und in Indien ist daher Englisch Handelssprache. Als Elisabeth den Thron bestieg, sprachen weniger Menschen englisch, als jetzt in London wohnen, jetzt umspannt das Englische den ganzen Erdball. «Es durchbrach die Schranken der Kontinentalität und nahm die Größe des Ozeans zum Vorbilde.»

In Afrika und den angrenzenden Teilen Asiens ist das Arabische im Handelsverkehr weit verbreitet, da die Zwischenhändler oft Araber sind. «Allah iberack l’ak» (Möge Gott es Euch gedeihen lassen) ist eine arabische Formel, deren Aussprache den Kauf abschließt.

In Ostasien und in vielen Hafenplätzen, wo Chinesen Handel treiben, ist das Chinesische Handelssprache, wie auf den südasiatischen Inseln das Malaiische. Besondere Handelssprachen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben und die ein für praktische Zwecke zurechtgemachtes Mischmasch verschiedener Sprachen darstellen, sind z. B. die Lingua franca, die aus dem Italienischen entstanden und mit Brocken aus allen möglichen Sprachen des Mittelmeerbeckens gemischt ist. Sie wird besonders in Smyrna gesprochen, wo so viele Sprachen durcheinander schwirren, wie einst im Altertum in Dioskurias am Pontus Euxinus. Dann das in den europäischen Häfen von China und weiter südlich verbreitete Pitchén-English (von pi tschen, so spricht der Chinese business aus), ein Gemisch von Englisch und Chinesisch — das ich ziemlich rasch verstehen lernte — das Neger-Englisch an der Kongoküste, das Kisuaheli, der Nigre tongo, Dschue tongo (in Surinam), die Lengua geral (in Brasilien) u. a. m.

Der Warenballen ist in weit höherem Grade ein Verbreiter der Gesittung als die Person des Kaufmanns. Den Haupthebel für die Tätigkeit des letzteren bildet zunächst allemal der Gewinn; er will handeln und erwerben, nicht zivilisieren.  ANDREE.