4. Einteilung nach den chemischen Bestandteilen.

(Chemische Systeme.)

Die Einteilung nach den Bestandteilen würde, wie aus den Ausführungen auf [S. 6] und aus denen im Abschnitt [Pharmakochemie] hervorgeht, dem mir vorschwebenden Ziele der wissenschaftlichen Pharmakognosie am nächsten kommen. Denn wegen ihrer Bestandteile benutzen wir die Drogen in der Heilkunde und das Ziel der wissenschaftlichen Pharmakognosie ist die Verknüpfung der Drogen auf Grund ihrer Bestandteile. Die Versuche, die Drogen nach ihren Bestandteilen zu gruppieren, gehen denn auch weit zurück. Der erste derartige Versuch war:

JOH. FRID. CARTHEUSER, Fundamenta materiae medicae tam generalis quam specialis. Francf. 1767.

CARTHEUSER unterscheidet folgende Sectiones: de insipidis terreis et terreo gelatinosis, de insipidis et subdulcibus Mucilagineis et Gelatinosis, de dulcibus subdulcibus, leniter amaricantibus, austeriusculis atque balsamicis Unguinoso-oleosis et Pinguibus, de Acidis et Acidulo-dulcibus, — de austeris stypticis, de dulcibus, de Acribus alterantibus, de amaris et amaricantibus, de acribis et amaris Purgantibus, tam Emeticis quam Catharticis, de Vaporosis, Inebriantibus et Narcoticis, de Balsamicis et Aromaticis, de Amaricantibus, Austeriusculis, blandis Balsamicis, Acriusculis, Subdulcibus, Terreo- aut mucilagineo-subadstringentibus, aliisque sapore mixto donatis — die übrigen sind rein mineralisch — (von CARTHEUSER auch: Pharmacologia theoretica-practica 1745, 1763 und 1770).

Dies gemischt-chemisch-pharmakologische System ist natürlich eine sehr rohe Einteilung, aber historisch interessant. Dann folgten:

DONALD MONROE, A treatise of medical and pharmaceutical chymistry and the materia medica. 3 Vol. London 1788, ein Werk, das HAHNEMANN 1791 (und 1794) ins Deutsche übersetzte.

BATSCH, Versuch einer Arzneimittellehre nach den Verwandtschaften der wirkenden Bestandteile, Jena 1790. In ihm werden Säuren, Schärfen, zusammenziehende Mittel, Süßigkeiten, Schleime, Fettigkeiten und geistige Mittel unterschieden.

F. A. C. GREN, System (Handbuch) der Pharmakologie oder der Lehre von den Arzneimitteln. Halle 1790–1792. 2. Aufl. 1798–99. 3. Aufl. (von BERNHARDI und BUCHOLZ) 1813.

GREN unterschied in diesem wertvollen Buche: die schleimigen, die mehligen und stärkeartigen, die gallertartigen, die eiweißartigen, die zuckerartigen, die fettigen, die ätherischöligten, die bitteren, die adstringierenden, die harzigen, die scharfen, die narkotischen, die campherartigen Arzneidrogen und die mit vegetabilischen Säuren. BUCHOLZ vermehrte dann die Klassen.

Bedeutung gewannen solche Einteilungsversuche aber erst, als die Chemie weiter vorgeschritten war, d. h. im XIX. Jahrh. PFAFF war der erste, der hier Bahn brach in dem Werke:

C. H. PFAFF, System der Materia medica nach chemischen Prinzipien mit Rücksicht auf die sinnlichen Merkmale und die Heilverhältnisse der Arzneimittel. 7. B. Leipzig 1808–1824.

PFAFF bemerkt: «Die chemische Arzneimittellehre erhält nur dadurch eine wissenschaftliche Form, daß sie die Arzneimittel nach ihren wesentlichen Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten in ihrer Grundmischung und davon abhängigen Qualitäten in ein so viel mögliches natürliches System ordnet.»

«Es kommt nämlich bei der systematischen Anordnung der Arzneimittel nach chemischen Prinzipien vorzüglich darauf an, die Arzneimittel nach denjenigen chemischen Verhältnissen und Beschaffenheiten zusammenzustellen, welche in der nächsten und unmittelbarsten Beziehung mit ihrem Heilverhältnisse stehen. Es entsteht dadurch die Aufgabe, in den Arzneimitteln die wirklichen Heilstoffe oder Heilgrundlagen chemisch auszumitteln, um dieselben zum Einteilungsgrunde bei der Klassifikation zu gebrauchen.»

PFAFF unterscheidet: Schleimige Arzneimittel, — Stärkeartige A., — Gallertartige A., — Zuckerartige A., — A. mit süßem Extraktivstoff, — Fettige A., — A. mit bitterem Extraktivstoff, — A. mit kratzendem Extraktivstoff, — A. mit starkfärbendem Extraktivstoff, — A. mit vorwaltendem zusammenziehendem Grundstoffe, sog. Gerbestoffe, — A. mit Chinastoff und Gerbestoff in inniger Verbindung, — Kaffeestoffhaltige A., — Rhabarberstoffhaltige A., — Aloëstoffhaltige A., — Pikromelhaltige A., — Harze und harzstoffhaltige A., — Gummiharze, — Natürliche Balsame, — Ätherische Öle und ätherisches Öl als vorzüglich wirksamen Bestandteil enthaltende A., — Campherhaltige A., — A. mit Anemonenstoffen, — A. mit narkotischem Stoffe, — Blausäurehaltige A., — A. mit flüchtiger Schärfe, die nicht als ätherisches Öl darstellbar ist.

Dies System enthält schon fast alles Wesentliche und kann mit geringen Modifikationen und unter Modernisierung der Nomenklatur beinahe auch heute noch als Grundlage dienen.

Eines chemischen Systems bediente sich auch:

J. F. JOHN, Chem. Tabellen der Pflanzenanalysen oder Versuch eines systematischen Verzeichnisses der bis jetzt zerlegten Vegetabilien nach den vorwaltenden näheren Bestandteilen geordnet. Nürnberg 1814.

J. C. EBERMAIER, Tabellarische Übersicht der Kennzeichen der Ächtheit und Güte sämtlicher bisher gebräuchlicher Arzneymittel 1802. 2. Aufl. 1810. 3. Aufl. 1815. 4. Aufl. 1819 (mit wechselndem Titel). 5. Aufl. Pharmakognostische Tabellen 1827 (von G. W. SCHWARTZE) und:

G. W. SCHWARTZE, Pharmakologische Tabellen oder systematische Arzneimittellehre in tabellarischer Form. Leipzig 1819–25. 2. Aufl. 1833.

Ferner:

F. G. VOIGTEL, Vollständiges System der Arzneimittellehre, herausg. v. Kühn, 4 B. Leipzig 1816–17.

C. W. HUFELAND, Conspectus materiae medicae. Berol. 1816. 2. Aufl. 1820. 3. Aufl. 1828. 4. Aufl. 1835.

G. A. RICHTER, Ausführliche Arzneimittellehre. 5 B. 1826–32.

L. A. KRAUS, Wissenschaftliche Übersicht der gesamten Heilmittellehre. Göttingen 1831.

Das System von FERD. AUG. FALCK, welches derselbe in dem Heftchen: Übersicht der speziellen Drogenkunde, Berlin 1883 (1. Aufl. 1877) mitteilt, und das einen weiteren Fortschritt bedeutet, enthält folgende Abteilungen:

I. Alkaloide: 1. Sauerstofffreie Alkaloide. 2. Sauerstoffhaltige Alkaloide: A. nicht spaltbar; B. spaltbar, als Produkte liefernd: α) Glykokoll, Base und Säure. β) Base und Säure. γ) Base und Zucker = N-haltige alkalische Glukoside.

II. Glukoside: 1. N-haltige Glukoside. A. neutrale; B. saure. 2. N- und S-haltige Glukoside: A. neutrale; B. saure. 3. N-freie Glukoside: A. neutrale; B. saure.

III. Säuren und Anhydride: 1. Pflanzensäuren: A. allgemeiner verbreitete; B. vereinzelt vorkommende. 2. Säureanhydride.

IV. Gerbstoffe: 1. Brenzcatechin liefernd. 2. Pyrogallol liefernd.

V. Indifferente Stoffe: 1. Bitterstoffe. 2. Scharfe Stoffe. 3. Farbstoffe.

VI. Kohlenhydrate: 1. Amylum. 2. Inulin. 3. Triticin. 4. Schleim. 5. Arabinsäure. 6. Zuckerarten: A. Milchzucker; B. Rohrzucker; C. Invertzucker. 7. Mannit.

VII. Ester: 1. des Glyzerins: Fette. A. Fette Öle. α) trocknende Öle; β) nichttrocknende Öle. B. Butter und Talgarten. 2. einwertiger Alkohole: Wachsarten.

VIII. Ätherische Öle: 1. Sauerstofffreie; Kohlenwasserstoffe. 2. Sauerstoffhaltige; Kohlenwasserstoffe und: A. Hydrate derselben; B. Campher und Campher ähnliche; C. Phenole. D. Aldehyde; E. Ester. 3. Schwefelhaltige äther. Öle. 4. Ungenügend untersuchte äther. Öle.

IX. Harze. X. Mechanica. XI. Anorganica.

BUCHHEIM hat alsdann 1879 in dem Aufsatze: Über pharmakognostische Systeme (Arch. d. Pharm. 1876, S. 481) ein anderes chemisches System aufgestellt. Er unterscheidet:

Gruppe der Kohlehydrate — Stärkemehl — Zucker — Gummi und Pflanzenschleim.

Gruppe des Eiweißes und seiner Derivate — Eiweißkörper — Albuminoide — putride Stoffe.

Gruppe der Glyzeride — Gr. d. Olivenöls — Gr. d. Crotonöls.

Gruppe des Cardols.

Gruppe des Senföls.

Gruppe des Cantharidins.

Gruppe der Säureanhydride — Gr. d. Euphorbinsäureanhydrids — Gr. d. Convolvulinanhydrids.

Gruppe des Aloetins.

Gruppe der Cathartinsäure.

Gruppe der Filixsäure.

Gruppe der Gerbsäuren.

Gruppe der Alkaloide — Gr. d. Piperin — Chinin — Kaffeïn — Coniin — Strychnin — Morphin — Atropin — Pilocarpin — Physostigmin — Nikotin — Aconitin — Veratrin — Colchicin.

Gruppe der Glykoside — Digitalin — Saponin.

Gruppe der Bitterstoffe.

Gruppe der ätherischen Öle.

Gruppe der (indifferenten) Harze.

Gruppe der Farbstoffe.

Auch BUCHHEIM, der Begründer des ersten pharmakologischen Universitätsinstitutes, betont, daß die wirklich natürliche und wissenschaftliche Einteilung der Drogen nur die nach den wirksamen Bestandteilen ist, da die Drogen Arzneistoffe sind und nur wegen der in ihnen enthaltenen Stoffe angewendet werden.

PÖHL hat einen ähnlichen Versuch veröffentlicht: Klassifikation der pharmakognostischen Stoffe auf die chemische Beschaffenheit ihrer Bestandteile gegründet. St. Petersburg 1877.

Das System, das FONSSAGRIVES in dem Traité de matière médicale ou Pharmacographie, physiologie et technique des agents médicamenteux, Paris 1885, benutzt, ist ein gemischt botanisch-chemisches. Er macht pharmakologische Gruppen, z. B. eine pharmakologische Gruppe der Harze, eine der Gummata, der Aldehyde usw., dann Gruppen nach den Pflanzenfamilien, z. B. eine Gruppe der Aurantiaceen, eine der Balsamifluae usw. und ordnet diese Familien alphabetisch. Das bedeutet keinen Fortschritt.

Der einzige, der bisher ein chemisches System einem ausführlichen modernen Lehrbuche der Pharmakognosie zugrunde legte, ist J. HÉRAIL in dem Traité de Pharmacologie et de matière médicale. Paris 1901 avec 483 Fig.

HÉRAIL, der tierische und pflanzliche Drogen abhandelt, bildet folgende Gruppen:

  1. Médicaments mécaniques (z. B. Lycopodium,Blutegel).
  2. Matières sucrées. — Glucose droit ou dextrose — Saccharides. — Alcools hexabasiques.
  3. Principes amylosiques. — Amidon — Mucilages (M. simples — [M. cellulosiques — M. pectosiques] — M. mixtes — M. indeterminés) — Gommes.
  4. Matières grasses. — Huiles (H. animales — H. végétales) — Matières grasses solides (M. g. s. d’origine animale — M. g. s. d’orig. végétale) — Cires (C. animales — C. végétales).
  5. Médicaments à Glucosides. Glucosides ternaires — G. azotés (G. azotés proprement dits — G. sulfo-azotés).
  6. Médicaments à tannoides s. adstrigents.
  7. Médicaments à alcaloides.
  8. Produits anthracéniques, d. i. meine Gruppe der Oxymethylanthrachinondrogen (Aloë, Senna, Rheum, Frangula).
  9. Médicaments à composés aromatiques.
    1. Produits terpèniques.
      1. Terpènes:
        Groupe des Terpènes et Sesquiterpènes,
        G. des Polyterpènes.
      2. Alcools terpèniques et leurs éthers:
        Groupe du Bornéol,
        G. du Linalol,
        G. du Géraniol et du Citronellol,
        G. du Menthol.
      3. Alcools sesquiterpèniques.
      4. Aldéhydes aromatiques:
        Groupe de l’aldéhyde benzoique,
        G. de l’aldéhyde cuminique,
        G. de l’aldéhyde cinnamique,
        G. du Citral et du Citronellal
      5. Cétones aromatiques:
        Groupe de la Méthylnonylcétone,
        G. de l’Irone,
        G. de la Carvone,
        G. de la Pulégone,
        G. de la Thuyone,
        G. de la Fénone,
        G. du Camphre,
        G. de la Cantharidine.
      6. Lactones.
      7. Phenoles et de dérivés phenoliques:
        Groupe du Thymol et du Carvacrol,
        G. de l’Eugénole et de Chavibétol,
        G. de l’anéthol et de l’Estragol,
        G. du Safrol,
        G. de l’Apiol.
      8. Aldéhydes-phénols:
        Groupe de l’Aldéhyde salicylique,
        G. du Diosphénol,
        G. de l’Aldéhyde protocatéchique.
      9. Cineol (Eucalyptol).
      10. Éthers d’Alcools de la série grasse.
    2. Matières résineuses. Résines — Oleo résines (O. r. proprement dites — Médicaments à essence et à résine) — Gommes résines.
  10. Liquides et sucs organiques. Liquides organiques — Serums thérapeutiques — Organes et sucs animaux.
  11. Matières colorantes.

Das System FALCKS (s. [oben]), das aus dem Jahre 1877 (resp. 1883) stammt und damals ein verdienstlicher Versuch war, ist jetzt natürlich veraltet. Aber auch wenn wir heute ein neues aufstellen, wird dies ebenfalls in kurzer Zeit veraltet sein, — wir sehen dies bei dem System HÉRAILS aus dem Jahre 1901, das schon jetzt stark modifiziert werden müßte, — denn die Entwicklung der Pharmakochemie ist in vollem Fluß. Es ist unmöglich, schon jetzt etwas irgendwie bleibendes für das Gesamtgebiet der Drogen zu schaffen. Es bleibt nichts anderes übrig, als vorläufig die sichergestellten Gruppen herauszunehmen und abzuwarten, bis auch in den übrigen Teilen etwas mehr Klarheit geschaffen ist.

Vorläufig lassen sich zurzeit (1908) folgende Gruppen bilden:

1. Alkaloiddrogen.

a) Hauptalkaloid vom Pyridin abzuleiten (Faenum graecum, Conium, Nicotiana, Piper).

b) Hauptalkaloid vom Pyrrolidin abzuleiten (Atropa, Hyoscyamus, Datura, Coca, Cort. granati).

c) Hauptalkaloid von Chinolin abzuleiten (China).

d) Hauptalkaloid vom Isochinolin abzuleiten (Berberis, Hydrastis).

e) Hauptalkaloid von Phenanthren abzuleiten (Opium).

f) Hauptalkaloid vom Glyoxalin abzuleiten (Pilocarpus).

g) Hauptalkaloid vom Purin abzuleiten (Purindrogen: Kola, Guarana, Mate, Kaffee, Tee, Cacao).

h) Alkaloide unbekannter Konstitution (Aconit).

2. Glukosiddrogen (meist bitter) mit Ausschluß der Tanniddrogen, die Tannoglukoside enthalten.

a) Anthrachinondrogen, enthalten Anthraglukoside, d. h. Zuckeräther von Oxymethylanthrachinonen (Rheum, Senna, Aloë, Frangula), neben freien Oxymethylanthrachinonen.

Anhang: Flavon- u. Flavonoldrogen.

b) Cyanwasserstoffdrogen, enthalten ein Glukosid, das Blausäure abspaltet (Amygdalus).

Anhang: Flavon- u. Flavonoldrogen.

c) Senföldrogen, enthalten ein Glukosid, das ein Senföl abspaltet (Sinapis).

Anhang: Flavon- u. Flavonoldrogen.

d) Saponindrogen (Senega, Sarsaparilla, Quillaja, Saponaria, Digitalis).

I. enthalten ein Saponin der Formel CnH2n−8O10.

α) Gruppe: C16H24O10

β) „  C17H26O10

γ) „  C18H28O10

δ) „  C19H30O10

ε) „  C20H32O10.

Andere Saponine der Formel CnH2n−8O10.

II. enthalten ein Saponin der Formel CnH2n−10O18.

e) Glukuretindrogen (Jalape, Scammonium, Turpethum).

f) Hesperidindrogen (Aurantieen).

g) Salicindrogen (Salix).

h) Drogen, die andere Glykoside enthalten.

3. Bitterstoffdrogen, deren Bitterstoff kein Glykosid ist (Coccelskörner).

4. Riechstoffdrogen, d. h. solche, die ätherische Öle oder andere riechende Substanzen enthalten.

I. Wichtigster Bestandteil ein Kohlenwasserstoff:

a) aliphatische Kohlenwasserstoffe, z. B. Heptan (Pinus, Sabiniana),

b) olefinische Kohlenwasserstoffe,

c) zyklische Terpenkohlenwasserstoffe, z. B. Pinen, Phellandren (Ol. terebinth, Phellandrium, Angelica).

II. Wichtigster Bestandteil ein Alkohol:

a) olefinische Terpenalkohole, z. B. Linalool, Geraniol (Lavendel, Flor. aurantii, Coriander, Ol. bergamottae, Ol. rosae),

b) zyclische Terpenalkohole, z. B. Menthol, Borneol, Terpineol (Mentha, Rosmarinus, Levisticum),

c) Sesquiterpenalkohole.

III. Wichtigster Bestandteil ein Phenol oder Phenoläther, z. B. Anethol, Chavicol, Eugenol, Safrol, Myristicin, Apiol, Thymol, Diosphenol, Carvacrol (Anis, Sternanis, Betel, Caryophyllus, Sassafras, Macis, Petroselinum, Ajowan, Buccu, Thymus, Origanum).

IV. Wichtigster Bestandteil ein Aldehyd:

a) olefinische Terpenaldehyde, z. B. Citral, Citronellal (Citrus, Melissa),

b) zyklische Aldehyde, z. B. Benzaldehyd, Vanillin, Piperonal, Zimtaldehyd, Cuminaldehyd (Ol. amygdal. aether., Vanille, Cinnamomum, Cuminum).

V. Wichtigster Bestandteil ein Keton:

a) aliphatische Ketone, z. B. Methylnonylketon (Herb. rutae),

b) olefinische Terpenketone, z. B. Methylheptenon (Lemongrasöl),

c) zyklische Terpenketone, z. B. Fenchon, Carvon, Thujon, Iron, Campher (Foeniculum, Carum, Carvi, Anethum, Salvia, Tanacetum, Artemisia Absinthium, Iris, Chines. Campher).

VI. Wichtigster Bestandteil ein Lacton oder Anhydrid, z. B. Cineol, Sedanolid, Alantolacton (Ol. cajeput., Laurus, Eucalyptus, Cina, Apium, Inula Helenium, Melilotus, Tonco, Faham).

VII. Wichtigster Bestandteil eine Säure oder ein Ester (Anthemis nobilis).

5. Farbstoffdrogen.

a) Orcingruppe (Lackmus),

b) Pyrongruppe (Galanga, Gemmae populi, Lign. Campech., Lign. Fernamb.),

c) Anthrachinongruppe (Rubia tinctor., Alkanna, Chrysarobin),

d) Naphthalingruppe (Lapachoholz),

e) Indolgruppe (Indigo),

f) Chromoretine (siehe unter Harze).

6. Kohlehydratdrogen (mit Ausschluß der Zuckerdrogen).

I. Stärkedrogen (Cerealien, Leguminosen—Stärkemehle).

II. Inulindrogen (Kompositenwurzeln).

III. Schleim- und Gummidrogen, enthalten Hemicellulosen:

a) Schleimdrogen (Malvaceen, Linaceen, Sterculiaceen, Traganth, Salep, Meeresalgen),

b) Pektindrogen (pektinliefernde Früchte),

c) Lichenindrogen (Cetraria),

d) Gummidrogen (Gummi arabicum).

7. Süßstoffdrogen.

a) Solche, die Körper der Zuckergruppe (Aldosen oder Ketosen) enthalten (Zucker),

b) solche, die süßschmeckende Alkohole (z. B. Mannit) enthalten (Manna),

c) solche, die süße Äther der Glukuronsäure (z. B. Glycyrrhizin) enthalten (Glycyrrhiza),

8. Tanniddrogen, d. h. Drogen, die Körper der Gerbstoffgruppe enthalten — frei oder als Tannoglukoside.

a) Enthalten nicht glukosidische Verbindungen.

I. Enthalten Tannogene: Protocatechusäure, Kaffeesäure, Gallussäure.

II. Enthalten nicht glukosidische Tannide.

1. Protocatechutannide,

2. Gallotannide.

b) Enthalten glukosidische Verbindungen.

1. Protocatechu-Glukotannide,

2. Gallo-Glukotannide.

c) Enthalten Phloglukotannide.

1. Protocatechu-Phloroglukotannide,

2. Gallo-Phloroglukotannide.

d) Catechingruppe.

e) Drogen, die Phloroglucinderivate enthalten: Filix, Kamala, Embelia. (Taenicide Drogen.)

f) Drogen, die andere gerbstoffartige Substanzen (z. B. Maklurin) enthalten.

9. Fettdrogen, d. h. solche, die in erster Linie wegen des in ihnen enthaltenen Fettes oder fetten Öles angewendet werden.

10. Säuredrogen, d. h. solche Drogen, deren wichtigste Bestandteile Pflanzensäuren oder saure Salze sind.

11. Harzdrogen.

A. Resinretine oder Esterharze, enthalten Harzester (Resine).

I. Resinotannolresinretine, Harze, die Tannolresine enthalten (Resinotannolharze).

1. Benzharze (Benzoë, Perubalsam, Akaroïd),

2. Umbelliferen- (Gummi-)Harze (Asa foetida).

II. Resinolresinretine, Harze, die Resinolresine enthalten (Styrax).

B. Resenretine oder Resenharze, charakteristischer Bestandteil: Resene.

I. Burseraceenharze (Olibanum, Myrrha).

II. Anacardiaceenharze (Mastix).

III. Dipterocarpeenharze (Gurjunbalsam).

C. Resinosäureretine oder Resinosäureharze, Hauptbestandteil: Eine oder mehrere Harzsäuren.

I. Koniferenharze (Terpentine, Colophonium).

II. Caesalpinioideenharze (Copaivabalsam).

D. Resinolretine oder Resinolharze, Hauptbestandteil: Harzalkohole (Resinole) (Guajac).

E. Aliphatoretine oder Fettharze, enthalten Körper der Fettreihe (Stocklack, Agaricum).

F. Chromoretine oder Farbharze, Harzkörper gefärbt (Gutti).

G. Enzymoretine, enthalten eine Gummase (Japan. Lack).

(H. Glukoretine — werden besser zu den Glukosiden gestellt, s. oben.)

I. Laktoretine, Milchsäfte.

I. Guttaperchagruppe.

II. Kautschukgruppe.

III. Euphorbiumgruppe.

IV. Lactucariumgruppe.

(K. Pseudoretine.)

Dies System ist natürlich unvollkommen und muß unvollkommen sein, da nach meiner Schätzung nur ungefähr ein Prozent aller Drogen bisher so untersucht sind, daß man sagen kann, welches ihr Haupt- oder wichtigster Bestandteil und wohin dieser zu stellen ist.

Oft ist auch die sog. chemische Einteilung keine rein chemische gewesen, sondern man zog auch die pharmakologische Wirkung mit herbei, so daß gemischte Systeme entstanden, wie ja schon das CARTHEUSERS (s. oben) ein solches ist.

Diese leiten dann hinüber zu den eigentlichen physiologisch-pharmakologischen Systemen.