Der Jungfrau Todtenfeier.

Es wallen edle Trauergäste,
Und Pilger strömen ohne Zahl,
Nach Treiden hin, zum Todtenfeste,
Zur Jungfrau, nach dem Rittersaal.


Im Schmuck' der Fürstengruft erscheinen
Die Wände, wie der Säule Rund;
Und gold'ne Todesengel weinen
Danieder, von dem schwarzen Grund'.

Kristall'ne Kronen, Kerzengarben,
Versenden wie ein Strahlenmeer,
Ein Sonnenlicht von allen Farben,
Im weiten Trauersaal umher.

Und mitten dort im Saal' vollendet
Ein Rosenhain den Zauberkreis;
Der ringsum reiche Düfte sendet,
Von tausend Blüthen, roth und weiss.

Und mitten, hoch im Rosenhaine:
Im Sarge von Cypressenholz,
Da thronet sie, die Makelreine,
Der Jungfrau Zier, der Frauen Stolz!

Ein Engel ruht auf Mund und Wangen,
Den Liebreiz noch gefangen hält:
Sie hat den grossen Tod empfangen,
Wie einen Kuss von jener Welt.


Im zarten Lilien-Gewande,
Den Myrthenkranz im blonden Haar;
Umgürtet mit dem Rosabande,
Das ihr Geleit' zum Tode war:

So schlummert sie, dem Tod' zum Hohne;
Der Traum ist lieblich, wundersam!
Ein Cherub zeigt die Palmenkrone;
Ein Seraph ist ihr Bräutigam.

Sie mag den Freier nicht betrüben,
Und spricht, dem Engel zugewandt:
Ich will in dir den Bruder lieben,
Mein Liebster wohnt im Erdenland.

So scheint im Traume sie zu sagen,
Nur sagt es ihre Lippe nicht;
Und so mag Liebe nie verzagen,
Wenn auch der Tod das Leben bricht.

Zu Häupten ihr, an Rosenzweigen,
Sich neigend auf ihr Todtenbild:
Darf sich das Tuch der Liebe zeigen,
Ihr Schlachtpanier und Ehrenschild.

Es zeugt von ihrem Heldenmuthe,
Der ihrem Kampfe Sieg verleiht;
Es ist geweiht von ihrem Blute,
Es ist von ihrem Tod' geweiht.


Zu ihren Füssen kniet der Arme:
Der alles Glück mit ihr verlor!
Sein Leben wohnt in seinem Harme;
Sein Reichthum ist — ein Trauerflor!


Wer wankt herbei an seinem Stabe,
Der Erde satt, dem Himmel reif? —
Der sie gerettet aus dem Grabe;
Das ist der alte Vater Greif!

Die Mutter weint auf ihrem Bette,
Von Schmerzen wund, zum Tode müd';
Sich sehnend nach der Schlummerstätte,
Zu der voran die Holde schied!

Und alles Volk, und alle stöhnen,
Die sie, die Liebende geliebt:
Bezeugen nun im Strom von Thränen,
Wie tief der Schlag ihr Herz betrübt.

Doch draussen weilt ein Trauerwagen;
Und horch, die Gräberstunde schlug!
Zur Kirche wird sie fortgetragen,
Bestrahlt von hellem Fackelzug. —

Choral, Gebet und Hymne wühlen,
Es wühlt der klagende Sermon:
In Seelentiefen und Gefühlen;
Und Alles wird nur Klageton.


Dann endet sich das Fest der Trauer;
Das Leben senkt den Tod hinab! —
Zur Linken an der Tempelmauer,
Da gähnt der Schlund von ihrem Grab'!

Das Amen folgt dem Priestersegen! —
Die Uhr, die Jeder schlagen hört:
Ist nur das Herz, mit seinen Schlägen;
Ist nur der Schmerz, der sich empört!

Es regnet Kränze! dann entrollen,
Wie Würfel aus verweg'ner Hand,
Hinab zu Grab', die Gräberschollen;
Bis Rosa mit dem Sarg — verschwand.


Dann bringt ihr Heil ein Kreuz von Eisen:
Das soll der Heldin Orden sein:
Dann bringt die Welt — den Stein der Weisen,
Den inhaltschweren Todtenstein.

Mit Felsen würfeln Erdvulkane,
Mit Steinen würfelt auch die Luft;
Und Steine wirft der Mensch im Wahne,
Auf Bruderglück und seine Gruft!


Zeitlose Du, nicht Zeitenlose!
Dein Wandel geht durch alle Zeit.
Von Dornen frei, Du, keusche Rose,
Bist Rosa nun, der Ewigkeit!

Der Maienrose Duft und Leben:
Sie locken Wurm und Tod herbei;
Indess nun Engel Dich umschweben,
Und treu Dich pflegen, Rosa Mai!