Die Entscheidung.
Während, in der Henker Mitte,
Heil durch alle Schrecken zieht;
Und, mit jedem neuen Schritte,
Neuer Qual entgegensieht:
Schwanket noch die Richterwaage;
Zweifel wandelt rings im Kreis:
Ob auch hier die Marter-Frage
Mag erpressen Schuldbeweis.
Aber, eh' sie noch entscheiden,
Mahnend sich an ihre Pflicht:
Tritt der Castellan zu Treiden,
Also sprechend, vor Gericht.
»Weise Richter dieser Lande!
Säumet mit dem Folterspruch!
Denn, statt Ehren, zeugt er Schande,
Und noch später Zeiten Fluch.
Was vor Unbill uns bewahren,
Und den Jüngling retten soll:
Mag dem Richter offenbaren
Ein Bekenntniss, grauenvoll!
Elf der Monde, trüb und heiter,
Sanken in der Zeiten Meer:
Seit ich zwei der Lanzenreiter
Aufnahm, aus dem Polen-Heer.
Adam Jakubowski nannte
Sich der Eine, Frag'-gerecht;
Peter Skudritz, so bekannte
Seine Schrift den zweiten Knecht.
Beide waren, jung von Jahren,
Flüchtig aus dem Polenstreit',
Kriegeskundig, diensterfahren,
Mir zu dienen, schnell bereit.
Manchem Raubthier, unverdrossen,
Folgten sie, bei Nacht und Tag';
Doch — das Herz der Jagdgenossen
Bald dem bösen Feind' erlag!
Nur dem Zank' und Trunk' ergeben,
Höhnend Strafen und Gericht;
Schonten sie der Hütte Leben,
Wie das Burggesinde nicht.
So, nach vielen Schuldbeweisen,
Sann ich endlich nur darauf:
Sie aus meinem Dienst' zu weisen,
Nach vollbrachtem Jahreslauf'.
Doch — wie Espenzweige beben,
Buhlt ein West im Blätterdach:
So, mit Zittern, trat so eben
Skudritz ein, in mein Gemach.
Höllenqual im Schuldgewissen,
Wie sie nur ein Gott erweckt:
Haben ihm das Wort entrissen,
Das den Mörder aufgedeckt.
Draussen weilt er, rufgewärtig,
Sein Verbrechen zu gesteh'n;
Und, zu seinem Ende fertig,
Nur um schnellen Tod zu fleh'n.«
Und der Richter, ohne Säumen,
Sendet nun den Frohn sogleich:
Nach des Thurmgewölbes Räumen,
In der Folter Qualenreich.
»Lass den Jüngling eilig führen,
Nach dem Kerker, unversehrt!
Bis er frei wird, nach Gebühren,
Wenn der Tag ihn frei erklärt.«
Spricht es; und der Pfortenschwelle
Sind die Blicke zugeneigt:
Wo der grause Mordgeselle
Ein Gespenst der Gräber zeigt.
Beben zuckt durch alle Glieder;
Tod im Blicke, schreckenbleich:
Sinkt er vor den Schranken nieder,
Seiner Wildes-Beute gleich!