Heil, im Garten von Segewold.

Garten, dem ich Leben gab:
Senke deinen Stolz danieder!
Deine Flora ging zu Grab',
Und kein Frühling weckt sie wieder!

Rosenblüthe, weiss und roth:
Neige deine Zauberfülle!
Meine Rosa brach der Tod:
Schmücke nun die Leichenhülle!

Veilchen, das der Hain verbarg,
Veilchen von der Alpenwiese:
Blühet nun an ihrem Sarg,
Wie ein Kranz vom Paradiese!

Ihr, Jasminen, reich an Duft:
Leer sind ohne sie die Räume!
Füllet nun die Todtengruft,
Mit dem Hauch der Blüthenträume!

Farbenpracht im Schwester-Chor,
Adelstolze Georginen!
Hüllet euch in Trauerflor,
Dort, auf meinen Weltruinen!

Reich an Balsam, voll der Pracht,
Labyrinthe süsser Nelken!
Schmücket ihre Todesnacht,
Eh', wie sie, die Blüthen welken!

Lilie der Blumenau,
Rein wie sie, vor allen Reinen:
Fülle dich mit Maienthau;
Lass' ihn sanft daniederweinen!

Kränze von Vergissmeinnicht,
Die das Blau vom Himmel saugen!
Nacht begrub der Sonne Licht:
Schliesset nun die Liebesaugen!


Myrthenstamm, den ich erzog,
Du, der holden Braut Verlangen,
Den ich ihr zur Laube bog:
Nur am Grabe wirst du prangen!

Loorber-Schmuck und Palmen-Zier!
Lohn dem Helden, Preis dem Ruhme,
Durch den Tod erkauft von ihr:
Grünet nun im Heiligthume!

Oelzweig, den nach müdem Flug,
Friedebringend, Noah's Taube,
Nach der Wunderarche trug: —
Meine Arche — fiel zu Staube!

Schatten du vom Lebensbaum,
Den mein Traum zu lang gemessen:
Edler schmücken deinen Raum
Trauerweiden und Cypressen.

Baum der Gräber, du allein,
Wirst hinfort, und nicht vergebens,
Zierde meiner Hütte sein;
Und allein mir Baum des Lebens!

Draussen, fern, im Neckarthal,
Wo im Grab' die Lieben wohnen:
Gründ' ich ihr ein Todtenmal,
Reich an Immortellen-Kronen.

Nah' bei meiner Clause blinkt,
Klar und rein der Quelle Spiegel;
Und der Holden Urne winkt,
Freundlich mir, am Rosenhügel.

Bis der Tage Ziel erscheint;
Gram und Kummer dann entschwinden;
Und wir droben, neu vereint,
Was wir lieben, wiederfinden.