Heil, noch einmal vor dem Richter.

Der Jüngling Heil, nun Mann geworden,
Durch Leiden, die er gross bestand:
Er sehnt sich aus dem Land des Norden,
Zur Heimath, in sein Wiegenland.

Doch eh' das Grabmal seiner Freuden
Von ihm empfing die letzte Pflicht:
Da trat er, sonder Groll zu scheiden,
Noch, also sprechend, vor Gericht:

»Es ward ein theures Blut vergossen,
Der Mörder fand verdientes Grab;
Nun — habet Ihr den Tod beschlossen,
Auf einen, der mir Leben gab.

Denn, wäre Skudritz Euch entflüchtet,
So wie es stand in seiner Macht:
So hätte Folter mich vernichtet,
Und Schande mir der Tod gebracht.

Dann auch bedenket Eure Lage,
Vor Thron, Gewissen und der Welt:
Wenn Gott die Wahrheit hier zu Tage,
Den Frevel an das Licht gestellt!

Der Skudritz war, an seiner Stelle,
Berückt, bethört, von blindem Wahn;
Nur Sklave blieb der Mordgeselle,
Und stets dem Mörder unterthan.

So lasset Huld ihm angedeihen! —
Den Schatz, der mir im Grabe ruht,
Soll nicht unreines Blut entweihen;
Nicht schänden mir das edle Blut.« —


Dem Richter wollte nicht behagen,
Was Heil gesprochen, allzukühn;
Doch will er Gnade nicht versagen,
Da Greif um gleiche Gunst erschien.

Dem Jüngling war zu weh' geschehen;
Vergeben wurde, wie er sprach;
Der Richter liess den Spruch ergehen,
Und Milde folgt dem Rechte nach.

»Der Skudritz mag im Thurm' noch büssen,
Für seine Schuld, die er bekannt;
Dann sei er aus dem Land' gewiesen,
Und ende fern, von hier verbannt!« —

So sprach der Richter, vor dem Scheiden
Von dem durch Mord entweihten Ort';
Erfreuend so das Herz der Beiden,
Mit seiner That, mit seinem Wort'.