Victor's kurze Nacht in Treiden.

Die Schlossuhr kündet Mitternacht,
Und Schlaf regiert im Hause;
Nur Heil und seine Liebe wacht
Noch einsam in der Klause.

Die Geisterstunde ging und schwand,
Wie Augenblicke schwinden;
Doch — was die volle Brust empfand,
Liess keine Ruhe finden!

Die Schatten der Vergangenheit,
Bald heller und bald trüber:
Sie zogen aus dem Grab' der Zeit,
An seinem Blick vorüber.

Dann voll der Zukunft-Sorge, schlug
Der Geist an ihre Pforte;
Und sandte dem Gedankenflug',
Geflügelt nach, die Worte:

»Hinweg denn mit dem Wanderstab!
Mein Schicksal ist entschieden!
Du Wiegenland und Vätergrab',
O, grünet fort, im Frieden!

Du Paradies der Heimathflur!
Des Neckar-Landes Auen!
Der Jüngling wird im Traume nur
Hinfort euch wieder schauen.

Der Gärtner zog durch Länder hin,
Um fern, im Rosengarten,
Der zarten Blumenkönigin
Zu pflegen und zu warten.

Und leb' ich nur vereint mit Ihr,
Der Einzigen auf Erden:
Soll auch die starre Wüste mir
Ein Garten Gottes werden!« —


Mit solcher Tröstung schien dem Gast'
Der Wünsche Ziel gefunden;
Und einer Zukunft Weltenlast
War seinem Traum geschwunden.

Doch draussen ging sein Wunderstern,
Von Trauerflor umhangen!
Und dräuend war, im Osten fern,
Sein Schicksal aufgegangen.