Vor dem Burggetrümmer von Treiden.
Fremdling, der sich mir gesellt!
Gast, bei Mondenscheine!
Sieh! von weiland stolzer Welt,
Deren Denkmal hier zerfällt,
Reden noch die Steine. —
Und — von jenem Ritter-Spiel,
Das im Blute stieg und fiel:
Zeugen, aus dem Grab-Gefild',
Helm und Panzer, Schwert und Schild,
Schädel und Gebeine; —
Segen-Grossthat — keine!
Oft, seit grauer Heiden-Nacht,
Spielwerk roher Völkerstürme:
Sank, Thoreida! deine Macht;
Sanken deine Riesenthürme!
Aber — liess versöhnte Zeit
Ihre Schlachtendonner schweigen:
Sah das Volk die Herrlichkeit
Wieder aus dem Grabe steigen.
Völkermark und Heldenblut
Sollte diese Fluren düngen!
Stets erneuter Kämpfe Wuth
Musste diese Welt verjüngen!
Fürst und Ritter, Herr und Knecht,
Schweden, Polen, Lithuanen,
Und der Reussen Landesrecht:
Fochten um den Sieg der Fahnen.
Ritterthum und Mönch-Asyl —
Beidem klang die Todtenmette;
Und von ihrem Trauerspiel'
Blieb dem Volke — nur die Kette!
Aber — als dem Siegerglück'
Treiden sank, im Opfertode:
Gab dem Fest' — ein Weltgeschick —
Noch ein Stück, als Episode!
Und, wenn Bücher ohne Zahl,
Hier, von Schlachtenruhm erzählen:
Will ich nun, zum Heldenmal',
Nur die Episode wählen.
Jungfrau, wie dein Schicksal gross!
Grösser noch, in deinem Falle!
Komm', aus tiefem Gräberschooss',
In des Ruhmes Ehrenhalle!
Manchem Helden sank der Muth,
Sein Verhängniss zu ertragen:
Aber du, in deinem Blut',
Hast dein Schicksal miterschlagen!
Wand'le denn, mit deinem Ruhm',
Durch die Wahrheit im Gedichte, —
Von Minerva's Heiligthum',
Hin, zum Tempel der Geschichte!