VIII.
Am nächsten Sonntag, als Mine eben in ihrer Küche abspülte, klingelte es und ein Mädchen meldete sich. Sie sei aus der Stadt hierhergeschickt worden, weil man hier ein Dienstmädchen suche. Mine traute kaum ihren Ohren. »Das ist aber unerhört,« rief sie, »ich habe ja noch gar nicht gekündigt und mein Fräulein weiß von nichts. Wer hat Sie denn geschickt? Gewiß Frau Professor Kuhn?«
»Nein, die kenne ich nicht, im Hof ist’s besprochen worden.«
»Das kann ich nicht begreifen. Ja was mache ich denn jetzt? Versuchen Sie’s eben und gehen Sie hinein. Wenn das Fräulein Sie will, dann soll’s mir auch recht sein.«
»Da ist ein Mädchen,« sagte Mine, indem sie die Türe aufmachte zu dem Eßzimmer und sich rasch wieder zurückzog. Fräulein Stahlhammer saß da, die Zeitung lesend, und Klärchen war mit ihrer Puppe beschäftigt. »Was möchten Sie von mir?« fragte Fräulein Stahlhammer, »wer sind Sie?«
»Katharine Schwarz heiße ich und weil ich gehört habe, daß Sie ein Mädchen suchen, wollte ich mich vorstellen.«
»Das ist jedenfalls eine Verwechselung,« sagte Fräulein Stahlhammer, »ich suche keines. Wer hat Ihnen denn das gesagt?«
»Im Hof ist’s gesprochen worden.«
»So, da wird viel geklatscht. Ich habe mein Mädchen schon seit fünf Jahren und behalte sie auch.«
»Dann bin ich ganz umsonst von der Stadt herüber gefahren,« sagte das Mädchen. »Ich wäre erst so gerne gekommen; so ein stilles Plätzchen bei guten Leuten, das gefiele mir.«
»Das tut mir leid für Sie. Vielleicht ist’s in einem der Nachbarhäuser. Meine Mine weiß das. Kommen sie einmal mit mir in die Küche.« Das Mädchen folgte ihr. »Mine, nehmen Sie sich um das Mädchen an, sie ist irrtümlicher Weise zu uns gekommen. Schenken Sie ihr eine Tasse Kaffee ein, vielleicht wissen Sie hier auch ein Plätzchen für sie.«
Nun waren die beiden zusammen in der Küche; Mine räumte noch ihr letztes Geschirr auf und Katharina ließ sich den Kaffee schmecken, nachdem sie zuerst große Umstände gemacht hatte, ihn anzunehmen. »Da gefiele mir’s,« sagte sie, »so ein freundliches Fräulein, das gleich Kaffee einschenken läßt und so stattlich und hochgewachsen und alles so nobel und fein im Haus, und dem Kind sieht man’s von fern an, wie gut es ist.« Im Lauf des Gesprächs hatte Mine bald herausgebracht, daß kein anderer als Heinrich das Mädchen hergeschickt hatte. Ja, der Schlingel, wenn der wirklich ins Haus kam mit seinen Raupen und der große Bruder auch noch dazu, dann waren ihre guten Tage dahin! Sie hatte ja eigentlich auch versprochen zu gehen.
Inzwischen hatte Klärchen zur Patin gesagt: »Kann das gute Mädchen nicht bei uns bleiben?«
»Wir haben ja unsere Mine,« sagte die Patin, »die ist auch gut.« Fräulein Stahlhammer nahm wieder die Zeitung, aber es war nicht viel mit dem Lesen. Nie hatte sie noch daran gedacht, Mine zu entlassen, und jetzt auf einmal kam ihr der Gedanke, wie verlockend es wäre, mit dem jungen Mädchen, das so freundlich aussah, ganz neu anzufangen. Mine war im Lauf der Jahre so selbständig geworden, sie nahm ihr auch die Kleine ganz aus der Hand. Sie sagte so oft: »Die Kleine spürt’s, daß Sie seine Mutter nicht sind,« das tat ihr jedesmal weh. Ein neues Mädchen würde so etwas nicht denken und jedenfalls nicht sagen. Was wohl Mine zu dem Vorschlag sagen würde, daß sie diesem Mädchen weichen sollte? Unentschlossen ging sie auf und ab, es fehlte ihr der Mut. »Was würde mein Bruder von mir denken?« sagte sie sich selbst, »er würde zu mir sagen: »Du, die große Stahlhammer, traust dich nicht mit deinem Mädchen zu reden?« Wirklich, sie war allmählich dieser Mine gegenüber ganz schüchtern geworden. Sie schämte sich ihrer Schwäche.
»Klärchen, sage doch Mine, sie möge herein kommen.« Mine kam, Klärchen blieb in der Küche und schloß Freundschaft mit Katharine.
»Es scheint ein ordentliches Mädchen zu sein?« sagte Fräulein Stahlhammer zu Mine. »Ja, ein gutes Zeugnis hat sie bei sich und ein armes Ding ist’s, dem’s immer hart gegangen ist bisher.«
Nun nahm Fräulein Stahlhammer einen Anlauf: »Wie wär es, Mine, wenn ich es mit diesem Mädchen versuchte und Sie mit einem andern Dienst?«
Zu Fräulein Stahlhammers großem Erstaunen war Mine’s sofortige Antwort: »Gerade wollte ich’s auch vorschlagen!«
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Einen Monat später war Mine abgezogen, in der Küche hauste das neue Mädchen. Es war der erste Abend. Bisher war es immer Mine gewesen, die Klärchen begleitet hatte, wenn sie zu Bett ging; heute besorgte das die Patin selbst, sie wollte es nun immer tun. Sie blieb noch ein wenig sitzen am Bett der Kleinen und diese plauderte ganz zutraulich. »Kommst du jetzt alle Tage selbst mit mir?« fragte das Kind. »Ja, wenn ich nicht im Verein bin.«
»Hat unsere Katharina auch einen Verein?«
»Nein, Kind, Mine hat ja auch keinen gehabt.«
»Aber sie ist doch oft abends fortgegangen, wenn du fort warst?«
»Wirklich? Das hast du mir nie gesagt. Hat sie dich dann allein gelassen?«
»Ja, aber das hat man gar nicht sagen dürfen, nur dem Konrad habe ich’s gesagt.«
»Das mußt du dir nicht verbieten lassen, Klärchen. Wenn die Katharina einmal will, daß du mir etwas nicht sagst, dann mußt du gleich antworten: Der Patin sage ich alles.«
»So? So soll ich’s machen?« sagte die Kleine ganz verwundert.
»Ja, so sollst du’s machen, so machen es alle lieben kleinen Kinder.«
Die Patin gab dem Kind einen Kuß und beide hatten das Gefühl, es sei etwas weg, das sie bisher getrennt hatte.
Mehrere Sonntage waren vergangen, ohne daß zur Familie des Professors irgend etwas aus dem Hause Stahlhammer gedrungen wäre. Die Brüder scheuten sich, hinzugehen, wußten sie doch nicht, wie Heinrichs Einmischung in die Dienstbotensache aufgenommen worden war. Da begegnete diesem eines Tages auf dem Schulweg Mine, und mit stolzer Befriedigung erfuhr er, daß die von ihm gesandte Katharine wirklich Gnade gefunden und Mine ihr Platz gemacht hatte. Aber Mine wußte auch noch das allerneuste. Fräulein Stahlhammer läge krank zu Bett und werde wahrscheinlich bald sterben. Er hatte das kaum zu Hause erzählt, als seine Tante erklärte: »Das ist für mich die Gelegenheit, endlich einmal Fräulein Stahlhammer aufzusuchen; schon lange liegt es mir schwer auf der Seele, daß kein freundliches Einverständnis zwischen uns herrscht, ich mache ihr einen Krankenbesuch!«
Es war einer der ersten schönen Frühlingstage, als sie hinausfuhr aus der großen Stadt und das hübsche Häuschen aufsuchte, das am Ende des Städtchens lag, ganz nahe an den Anlagen, die bald in den Wald übergingen. Das neue Dienstmädchen fragte Fräulein Stahlhammer gar nicht erst, ob sie zu sprechen sei, sondern ließ den Besuch ohne weiteres ein. Im Schlafzimmer lag, unwohl, aber durchaus nicht schwer krank, Fräulein Stahlhammer im Bett und das Kind saß nahe dabei, spielend an seinem Tischchen.
Die Tante hatte zuerst keine Aufmerksamkeit für das Kind, sie trat ans Bett und sagte: »Ich habe gehört, daß Sie krank sind, und wollte mich deshalb nach Ihnen umsehen.«
»Danke,« sagte Fräulein Stahlhammer, »es geht mir schon besser; aber Ihr Besuch ist mir sehr lieb, ich wollte Ihnen schon in diesen Tagen schreiben und kann es doch nicht recht.«
Hocherfreut über diesen unerwartet freundlichen Empfang setzte sich die Tante ans Bett und nach einigen Reden über die Art der Krankheit sagte Fräulein Stahlhammer: »Was ich mit Ihnen besprechen wollte, mag ich nicht gern vor der Kleinen sagen.«
Lebhaft erhob sich die Tante, trug das Kindertischchen mit allem was darauf lag, in das Wohnzimmer, die kleine Nichte folgte und die zwei Frauen waren allein. »Ich habe Klärchen so viel beobachtet, seit ich krank bin,« sagte die Patin, »sie plaudert immer laut mit ihrer Puppe und da höre ich denn, wie sie so innig von ihrer Mama spricht, wie sie ihrem Puppenkind verspricht, wenn es groß sei, dürfe es zu Onkel und Tante und zu den Brüdern. Ja, einmal, als sie im Eifer des Spiels ganz meine Gegenwart vergessen hatte, hörte ich sie sagen: Wenn du nicht brav bist, mußt du zur Patin nach Waldeck.«
»Das dumme Gänschen,« rief die Tante, »Sie sollten gar nicht darauf hören, was sie mit ihrer Puppe schwätzt.«
»Ich habe es aber gehört,« sagte die Patin, »und ich weiß jetzt, daß sie mein Haus nur als einen Strafplatz ansieht; ich glaube, es war nicht recht von mir, daß ich das Kind von Ihnen fernhalten wollte. So gerne ich Klärchen gehabt hätte, wenn sie sich wohl bei mir gefühlt hätte, so möchte ich sie doch Ihnen übergeben, weil sie bei Ihnen eine glücklichere Kinderzeit haben wird.«
Die Tante merkte wohl, daß es Fräulein Stahlhammer schwer wurde, diese Worte auszusprechen. Sie tat ihr so leid, die einsame Kranke. »Ich begreife nicht,« sagte sie, »warum das Kind Ihre Liebe nicht durchfühlt. Es ist vielleicht ein Mißverständnis dabei. Aber freilich, das Natürlichste ist, daß ein Kind unter andern Kindern aufwächst. Leider sind es bei uns lauter Knaben.«
»Ihnen wird Klärchen ein liebes Töchterchen werden,« sagte Fräulein Stahlhammer.
»Wir nehmen sie auch gerne zu uns. Zu Ostern läßt es sich zwar nicht mehr einrichten, aber von den Sommerferien an können wir sie aufnehmen.«
»Dann behalte ich sie noch diesen Sommer hindurch,« sagte die Patin bereitwillig. »Ihre Brüder können sie besuchen so oft sie wollen, und ich werde ihr auch eine kleine Kamerädin verschaffen. Eine meiner Bekannten hat auch so ein einzelnes Töchterchen im gleichen Alter. Bis jetzt hielt ich das Kind absichtlich fern, damit Klärchen sich mehr an mich anschließe, aber nun, da sie doch fort kommt, ist’s gleichgültig.«
»Bitte sprechen Sie dann selbst mit dem Vormund darüber,« sagte Frau Professor Kuhn, »mein Mann würde wohl nicht gern noch einmal bei ihm seinen Vorschlag wiederholen.«
»Ja, das werde ich tun. Ich weiß, daß seit Weihnachten die beiden Männer nicht gut miteinander stehen. Glauben Sie mir, ich war damals nicht so herzlos, als Sie denken mußten; ich wollte dem Kind am Christfest bescheren, der geputzte Baum stand schon versteckt im Kämmerlein. Das Kind wußte es nur nicht und Mine sagte leider nichts davon.«
»So war es?« sagte die Tante. »Das zu hören freut mich noch nachträglich; ich werde es daheim erzählen, ich selbst war trotz allem Anschein immer von Ihrer edlen Gesinnung überzeugt.« Sie drückte warm die Hand der Patin und fügte herzlich hinzu: »Wenn Sie wieder wohl sind, kommen Sie mit dem Kind zu uns, nicht wahr; wir wollen uns näher kennen lernen und späterhin, wenn Klärchen ganz bei uns ist und Sie besuchen uns, dann werden Sie auf einmal merken, daß das Kind Sie doch lieb hat.«
»Wollen Sie Klärchen rufen? Ich möchte es ihr gleich mitteilen.« Die Tante führte das Kind herein. »Klärchen,« sagte die Patin, sich im Bett aufrichtend, »weißt du, was deine Tante mit mir ausgedacht hat? Im Sommer, wenn deine Brüder Ferien haben, darfst du zu ihnen und darfst ganz und für immer bei Onkel und Tante bleiben!«
»Aber der Vormund holt mich gleich wieder,« sagte Klärchen.
»Diesmal nicht,« sagte die Patin, »jetzt erlaubt er es, er führt dich vielleicht selbst in die Stadt.«
Nun sah man der Kleinen an, daß sie die Wichtigkeit der Nachricht erfaßte. Sie schmiegte sich zärtlich an die Tante und sagte: »Dann bist du meine Mama und der Onkel ist mein Papa und die Brüder sind wieder alle Tage meine Brüder!«
»Ja, so wird es,« sagte die Tante; aber sie schob sanft die Kleine weg zur Patin hin und sagte: »Sieh, deine Patin hat das so eingerichtet, weil sie weiß, daß es dich freut.«
»So,« sagte Klärchen freundlich, »hast du’s eingerichtet? Gelt dann bist du auch froh, wenn ich fort bin, dann sind alle, alle froh!« rief sie in einem Ton, der glückselig klang, wie ihn die Patin noch nicht an ihr gehört hatte.
Fräulein Stahlhammer erholte sich langsam und für diesen Sommer gab sie ihre Tätigkeit in den Vereinen auf, sie sollte so viel wie möglich im Freien sein. Sie nahm Klärchen mit sich zu den täglichen Gängen in den nahen Wald; und nicht nur Klärchen, sondern auch die kleine Altersgenossin, die sie ihr zur Kamerädin bestimmt hatte. Es war ein Ereignis für Klärchen, als zum erstenmal die kleine Mathilde sich zu ihr gesellte, denn eine Freundin hatte sie noch nie gehabt.
Von nun an, wenn Fräulein Stahlhammer an einer Bank am Saume des Waldes Rast machte, spielten die Kinder stundenlang mit ihren Puppen im Moos und Gebüsch und waren voll Fröhlichkeit miteinander. Mathilde kam in aller Unbefangenheit zu Fräulein Stahlhammer mit all ihren Anliegen, und Klärchen, die zuerst staunte über diese Zutraulichkeit, gewöhnte sich bald selbst daran; vergessen schien jetzt die Vergangenheit, vergessen auch die Zukunft, die Gegenwart war schön.
Eines Tages, als Fräulein Stahlhammer wieder auf der Bank im Wald saß und die Kinder spielten, kam des Wegs eine ganze Schar kleiner Mädchen, zwei Lehrerinnen an der Spitze. Sie machten mit ihren Schülerinnen einen Waldspaziergang, und da sie Fräulein Stahlhammer kannten, blieben sie ein wenig stehen und begrüßten sie. Mathilde, die manche der Kinder kannte, kam herbeigesprungen, Klärchen hielt sich zur Patin.
»Im Herbst kommt ihr beiden wohl auch in die Schule, nicht wahr?« sagte eine der Lehrerinnen freundlich zu den Kindern.
»Ich schon,« sagte Mathilde, »ich freue mich darauf, aber Klärchen kommt fort.«
Die lustige Schar zog wieder davon und die Kinder kehrten zu ihren Puppen zurück. Aber Klärchen war nicht recht bei der Sache und nach einer Weile kam sie zögernd zur Bank her, auf der die Patin lesend saß, legte ihr die Hände auf den Schoß und sagte leise: »Patin?«
Diese sah auf die Kleine hinunter: »Was willst du, Kind?«
»Patin, darf ich zu den Brüdern, oder muß ich hin?«
»Du darfst, du mußt nicht.«
»Patin, dann will ich lieber bei dir bleiben, darf ich?«
»Ob du darfst?« sagte die Patin; ihr Buch fiel auf den Boden, denn das Kind war auf einmal auf ihrem Schoß, das Kind, das doch schon bald Schulkind werden sollte; und es schlang beide Arme um ihren Hals und Fräulein Stahlhammer drückte es an sich und besaß nun, was sie so lange gewünscht hatte: ein Kinderherz, das sie lieb hatte! Wie sie es gewonnen hatte, wußte sie selbst nicht zu sagen; seitdem sie nicht mehr danach gestrebt hatte, war es ihr zugefallen. Und es wurde ihr fester, unbestrittener Besitz. Klärchen bestand die Probe: Mit Bangen ließ die Patin das Kind für einige Tage zu den Brüdern zu Besuch, um zu sehen, ob es sich nicht getäuscht habe; aber aus dem lauten Getümmel des knabenreichen Hauses in der Großstadt verlangte es bald zurück in das stille, ländliche Häuschen, zu der Patin und zu der kleinen Freundin. Onkel und Tante freuten sich darüber, auch die Brüder fanden sich nun leicht darein, sahen sie doch ihr Schwesterchen glücklich.
Und der Vormund? Er kam, als er von dem veränderten Entschluß hörte, nach langer Zeit wieder einmal eines Morgens heraus nach Waldeck. Er sagte zu Katharine, die ihm die Türe öffnete: »Wenn Sie mich künftig nicht eine Viertelstunde warten lassen, ist es mir lieber;« die Schwester fragte er: »Hältst du es mit all deinen Beschlüssen so, daß du sie dreimal umstößt?« Er empfahl Klärchen: »Sei nur recht dankbar!« und dann kehrte er mit der Überzeugung, ein gewissenhafter Vormund zu sein, möglichst bald aus dem »elenden Nest« zurück, zur feinen Mittagstafel in der Stadt.
Regine Lenz.
Regine Lenz kam aus der Konfirmandenstunde heim. Wer es nicht wußte, hätte nicht gedacht, daß sie schon zu den Konfirmanden gehörte; sie war wohl die kleinste von allen, dabei schmal und schmächtig; ein Persönchen, das wenig Platz einnahm in der Welt und leicht zu übersehen war. Es achtete auch niemand viel auf sie, als sie nun in die kleine Wohnung eintrat, in der die Familie wohnte. Der Vater war um diese Nachmittagsstunde meist nicht zu Hause, sondern irgendwo als Wegmacher an der Arbeit; auch die zwei größeren Geschwister pflegten um diese Zeit nicht daheim zu sein. Deshalb wunderte sich Regine, ihren Vater, die älteste Schwester Marie und ihren Bruder Thomas zu treffen, hingegen von der Mutter und dem jüngsten Brüderchen nichts zu sehen. Alle schienen mit ihren Gedanken beschäftigt, und zwar mit unerfreulichen, nach ihren düsteren Mienen zu schließen.
Regine scheute sich zu fragen, was vorgefallen sei; denn sie galt im Haus noch als ein Kind, das sich in die Angelegenheiten der Großen nicht einzumischen habe. Ihr Bruder Thomas griff jetzt nach seiner Mütze und ging ohne Gruß davon, worauf Marie nach einem hoch aufgeputzten Hut langte, ihn sich vor einem kleinen, zersprungenen Spiegel zurechtsetzte und sich an Regine wandte: »Ich muß jetzt fort; sorg du für den Kleinen. Ich weiß nicht, wo der hingelaufen ist, du mußt ihn suchen.«
Sie ging und ließ Regine allein zurück mit dem Vater, der in Gedanken versunken am Tisch saß. Es war alles so ganz anders als sonst. »Wo ist denn die Mutter?« fragte nun doch Regine in dem unheimlichen Gefühl, daß irgend etwas vorgefallen war. Der Vater blickte auf. »Weißt du’s nicht? Du brauchst es auch nicht zu wissen. Sie kommt aber nicht so schnell wieder, die Mutter. Daß du mir ordentlich aufs Feuer achtest und daheim bleibst!«
Er erhob sich schwerfällig, nahm seine Mütze und ging langsam mit gesenktem Kopf davon.
Wo war die Mutter hingegangen? Regine konnte es nicht begreifen; es wurde ihr bang und immer bänger zumute in der verlassenen Stube. Es wunderte sie, daß sie nach dem Kleinen sehen sollte; er war also nicht bei der Mutter, während er sonst immer an ihrem Rocke hing und der Mutter Liebling war. Wo mochte er jetzt sein?
Sie ging in den Hof und dann hinaus auf die Straße, wo ein kalter Wind blies und die Dämmerung sich schon herniedersenkte. Sie suchte nach dem Kleinen und fand ihn endlich ganz erfroren an der nächsten Straßenecke stehen. Ein schmächtiges Bübchen war der kleine Hansel, aber ein feines Gesichtchen hatte er, und seine blonden Locken waren der Mutter Stolz. Er stand an der Ecke und sah die Straße hinauf.
»Hansel,« rief ihn die Schwester an, »komm heim. Hast ja ganz kalte Hände; was tust du denn da?« – »Ich wart auf die Mutter, schon so lang,« sagte er kläglich. Ob der Kleine etwa wußte, wo die Mutter war? Regine fragte das Kind.
»Dorthin ist sie,« sagte er, die Straße hinauf deutend. »Der Mann hat sie geholt, der, mit den großen goldenen Knöpfen. Sie hat doch gar nicht mit ihm gewollt und hat geweint. Warum hat sie denn gestohlen? Was heißt das ›gestohlen‹? Wohin führt sie jetzt der Mann?«
Regine konnte die Fragen nicht beantworten; sie war zu sehr bestürzt über die Schuld der Mutter, die das unschuldige Kind ihr verriet. Jetzt begriff sie alles; die Mutter war in das Gefängnis geführt worden! Mit Mühe konnte sie das Kind überreden, mit ihr heimzugehen.
Unter der Haustüre stand die Hausfrau mit einer Nachbarin und Regine hörte sie sagen: »Pelzwerk hat sie gestohlen und beim Trödler verkauft.« Nun schwiegen die Frauen; sie sahen die zwei Geschwister kommen und hörten den Kleinen rufen: »Ich will aber auf die Mutter warten!«
»Hansel, da kannst du lang warten,« sagte die Hausfrau und sah das kleine Bübchen mitleidig an. Regine, die beschämt und mit gesenkten Augen an den beiden Frauen vorbei das Brüderchen in das Haus zog, hörte sie noch sagen: »Die ganze Familie ist nichts nutz; die große Tochter treibt es auch schon wie die Mutter.«
Nun ging Regine in das Zimmer und zog die Türe hinter sich zu; sie mochte nichts weiter hören.
Was war das für ein langer und trauriger Abend! Der Kleine ließ sich endlich zu Bett bringen und weinte sich in Schlaf. Regine saß allein an dem großen Tisch, dachte an die Mutter; wo sie wohl wäre, und ob sie Heimweh hätte nach ihrem Liebling. Sie hätte gerne gewußt, wie man den Diebstahl entdeckt hatte. Schon manchmal hatte die Mutter, wenn sie da und dort in die Häuser ging, etwas mitgenommen, und Regine hatte den Vater warnen hören: »Man wird dich schon einmal erwischen.« Aber er nahm doch auch gerne an, was die Mutter »gefunden« hatte, wie sie das nannte. Marie, die große Tochter, hatte auf diese Weise manches Schmuckstück bekommen, die Mutter putzte so gerne ihre schöne Tochter. Sie versorgte auch Thomas mit seiner Wäsche, und dem kleinen Hans steckte sie oft gute Sachen zu. Nur sie selbst, Regine, wurde selten bedacht. Die Mutter hatte an ihr nicht das Wohlgefallen, wie an den Großen, und nicht den Spaß, wie an dem Kleinen. Regine wußte das und es kam ihr natürlich vor. War sie doch nicht schön wie Marie, nicht gescheit wie Thomas, nicht lustig wie der Kleine; nein, sie war auch in ihren eigenen Augen unter allen die geringste. Aber das hatte sie nie bedrückt; sie war in der Schule immer so leidlich mitgekommen, ohne Lob und Tadel, ohne Freundschaft und Feindschaft, und war guten Mutes ihren Weg gegangen.
Aber nach dem, was jetzt vorgefallen, war ihre Seelenruhe dahin. Als sie sich am nächsten Morgen auf den Schulweg machte, war es ihr, als müßten alle Kinder ihr die Schande des Hauses ansehen. Die Worte der Nachbarin: »Die ganze Familie ist nichts nutz,« klangen ihr noch im Ohr; sie gehörte doch auch zur Familie, sie war also »nichts nutz«. Die Mitschülerinnen sahen sie aber doch nicht mit anderen Augen an als sonst, und die Schulstunden gingen vorüber wie jeden Tag. Nach der Schule kam aber der Konfirmanden-Unterricht. Wenn hier nun die Schande des Hauses bekannt würde, wenn gar der Pfarrer selbst davon gehört hätte? Wie schrecklich mußte ihm dies vorkommen!
Es saßen wohl siebzig Mädchen im Konfirmanden-Unterricht beisammen. Dem Pfarrer waren nicht all diese Kinder und ihre Familien persönlich bekannt; auch von der Familie Lenz kannte er nur Regine und diese nicht näher. Sie steckte so mitten unter den Vielen, und ihre kleine Gestalt verschwand hinter den vor ihr Sitzenden. Heute war ihr das lieb; sie hätte sich gerne noch dünner gemacht, so dünn, daß alle Menschen sie übersehen hätten.
Aber sie hatte sich unnötig geängstigt; die Stunde verlief wie alle vorhergehenden, und als ihr auch die nächsten Tage kein Zeichen brachten, daß jemand von dem Vorgefallenen wisse, beruhigte sie sich allmählich.
Auch daheim war nicht oft davon die Rede, bis eines Tages der Vater mitteilte: »Heute war die Verhandlung vor Gericht. Am nächsten Montag kommt die Mutter fort in die Strafanstalt nach S. Vier Monate muß sie sitzen.«
»So lang!« rief Marie, die Älteste, betroffen, und darauf fing der Kleine laut an zu schluchzen. Reginens erster Gedanke war, daß die Mutter dann nicht bis zu ihrer Konfirmation zurück sein würde. Man brauchte so manches für diesen Tag, wer würde ihr das Nötige verschaffen? »Vater,« sagte sie bekümmert, »das geht doch gar nicht; die Mutter wäre ja dann nicht hier, wenn ich eingesegnet werde.«
»Wenn sonst nichts wäre,« entgegnete der Vater; »so wichtig wird das nicht sein.«
Aber Regine erschien das sehr wichtig. Sorgenvoll ging sie heute in den Unterricht; saß stiller als sonst an ihrem Platz und hob nur selten die Hand auf als Zeichen, daß sie gerne eine Frage des Geistlichen beantwortet hätte; und als nun gar diese Fragen von der Unehrlichkeit handelten, von dem dunklen Punkt in der Familie Lenz, da rührte sie sich nicht mehr und rückte hinter den breiten Rücken der vor ihr Sitzenden, um dem Pfarrer ganz aus dem Gesicht zu kommen. Es war aber, als ob dieser es bemerkte; denn plötzlich rief er sie bei Namen und richtete eine Frage an sie. Regine erhob sich; sie wußte die Antwort und öffnete schon den Mund, um zu sprechen. – Da stockte sie plötzlich und kehrte sich um nach dem Mädchen, das hinter ihr saß.
»Nun, Regine,« mahnte der Pfarrer. Da wandte sie ihm wieder ihr Gesicht zu, aber das war wie verwandelt, von Röte ganz übergossen. Sie machte doch noch einen Versuch zu antworten, aber Tränen erstickten ihre Stimme. In großer Not bedeckte sie das Gesicht mit ihrem Arm und schwieg.
Hinter ihr flüsterten und kicherten die Mädchen, bis der Pfarrer dicht an die Bank herantrat und fragte, was es gäbe. Regine antwortete nicht; aber die neben ihr Sitzende sprach: »Ich hörte Emilie Forbes sagen: Regine Lenz muß ja wissen, was unehrlich heißt.«
Sogleich erhob sich Emilie Forbes und sagte lebhaft: »Nun ja, es ist gestern in der Zeitung gestanden, daß ihre Mutter wegen Diebstahls zu vier Monaten Gefängnis verurteilt wurde.«
»Still!« rief der Pfarrer so laut und streng, daß all seine Schülerinnen an dem ungewohnten Ton erschraken und lautlos nach Regine sahen, die sich gesetzt hatte und das Gesicht mit den Händen bedeckte, da sie aller Augen auf sich gerichtet fühlte, als ob sie selbst die Diebin wäre. Aber nicht gegen sie wandte sich nun der Pfarrer; an Emilie Forbes richtete er verweisende Worte: »Ob deine Anschuldigung wahr ist, weiß ich nicht,« sagte er; »aber das weiß ich, daß es lieblos und ganz unverzeihlich von dir ist, solche Worte zu sagen. Fühlst du nicht, daß du Regine damit wehe tust? Und kann sie etwas dafür, wenn ihre Mutter ein Unrecht begangen hat? Nein, sie selbst kann so ehrlich sein wie jede von euch und dabei nicht so herzlos wie du!«
Tiefe Stille herrschte in dem Saal, und als der Pfarrer wieder den unterbrochenen Unterricht fortsetzte, war ihm wohl anzumerken, daß ihn das Vorgefallene noch bewegte. Er fühlte, daß in dieser Stunde seine kleine Konfirmandin etwas erlebt hatte, was sie nie im Leben wieder vergessen würde, ja, was ihr auch schaden mußte. Man hatte ihre Ehre angetastet; das hätte er gerne wieder gut gemacht, gleich in derselben Stunde.
Regine Lenz hielt die Blicke gesenkt und sah nicht mehr um sich während des Unterrichts.
Dieser ging zu Ende; die Bücher waren geschlossen, ein Liedervers sollte noch gesungen werden. Die Kinder sahen gespannt auf den Geistlichen. Warum stimmte er nicht an? Sie ahnten, daß er noch etwas sprechen würde über das Vorgefallene.
»Regine Lenz,« rief er nun, »komm zu mir.«
Gesenkten Hauptes folgte das Mädchen dem Ruf, und wiewohl sie nicht um sich sah, spürte sie doch, daß alle Blicke auf sie gerichtet waren. Der Pfarrer näherte sich ihr, und in freundlichem Ton, aber doch laut, daß alle Kinder ihn hören mußten, sprach er: »Sieh, weil ich weiß, daß du ehrlich bist, und damit alle deine Mitschülerinnen sehen, daß ich dir ganz und gar vertraue, deshalb gebe ich dir hier meine Geldbörse; die sollst du in das Pfarrhaus tragen und meiner Frau bringen. Es ist viel Geld darin, aber wieviel, weiß ich nicht; ich zähle es auch nicht, weil du ehrlich bist und ich dir ganz und gar vertraue. Nun geh du voraus, wir andern wollen noch singen.«
Regine ging wie im Traum durch das stille Schulgebäude und trat durch das weite Tor hinaus in die belebte Straße. Krampfhaft fest hielt sie die Börse in der Tasche ihres Kleides, und während sie ihres Weges ging, wiederholte sie sich immer wieder die Worte des Pfarrers: »Weil ich weiß, daß du ehrlich bist und ich dir ganz und gar vertraue.« Zweimal hatte er es ausgesprochen, alle hatten das gehört und wußten nun, daß sie ehrlich war. Und sie wußte es jetzt auch, erst jetzt; denn bisher hatte ihr doch niemand etwas anvertraut; sie trauten sich alle einander nicht daheim in der Familie. Jedes nahm, was es erwischen konnte, und jedes versteckte, was es behalten wollte. Und sie, die sich bisher nicht besser gedünkt hatte als die andern, sie hatte nun eine fremde, volle Börse in der Tasche; ungezähltes Geld, von dem sie nehmen konnte ohne Gefahr der Entdeckung. Aber sie kam gar nicht in Versuchung, natürlich nicht; der Pfarrer hatte ja erklärt, sie sei ehrlich, und wenn sie es vorher vielleicht nicht war, – in dieser Stunde hatte das Vertrauen des Pfarrers sie dazu gemacht.
Immer die Hand fest in der Tasche und die Börse darin haltend, ging Regine den Weg nach dem Pfarrhaus, bis sie plötzlich aus ihren Gedanken geschreckt wurde durch den Ruf: »Na, wohin läufst denn du und siehst einen nicht, wenn man dicht neben dir ist?« Sie blickte auf. Ihr Bruder Thomas schlenderte die Straße herab. Er kam aus der Druckerei, in der er für eine der schlechtesten Zeitungen der Stadt als Setzer arbeitete. Thomas war siebzehn Jahre alt, einen guten Kopf größer als Regine, ein aufgeweckter Bursche.
»Wo gehst du hin,« fragte er noch einmal, »und was hältst du in der Tasche?« Regine erschrak, denn im Augenblick wußte sie: gegen den Bruder konnte sie nicht aufkommen; nie, er war immer der Stärkere, immer der Klügere. Wohl zog sie die Hand leer aus der Tasche; aber er hatte doch schon bemerkt, daß sie einen Schatz darin hatte. Ach, sie hätte diesen so gerne vor ihm verborgen!
Er sah ihre Verlegenheit und lachte: »Mach lieber keine Umstände,« rief er, »es hilft dir doch nichts. Treibst du’s auch schon wie die Mutter? Was versteckst du in der Tasche?« – Da blickte sie auf zu ihm und sagte leise: »Ich will dir’s erzählen, Thomas, aber es darf es niemand hören; komm, wir gehen weiter.« Und nun erzählte sie mit gedämpfter Stimme: »Vorhin hat in der Konfirmandenstunde eine, Emilie Forbes heißt sie, dem Pfarrer erzählt, daß die Mutter sitzt wegen Diebstahls. Ich bin schier vergangen vor Scham. Aber der Herr Pfarrer hat gar nichts gegen die Mutter gesagt, bloß gegen die Forbes. Und zuletzt hat er mich vorgerufen, und vor allen hat er laut gesagt, daß ich ehrlich sei und daß er mir ganz und gar vertraue. Und damit das alle sähen, gäbe er mir seine volle Geldbörse, ungezählt, die solle ich seiner Frau bringen. Und dann habe ich vor dem Singen gehen dürfen, und jetzt muß ich die Börse ins Pfarrhaus bringen.«
Diese Handlung des Pfarrers kam dem jungen Burschen fast unglaublich vor. »Es wird nichts als Kupfergeld in der Börse sein,« sagte er, »oder sie hat einen Verschluß, den du nicht aufbringst; zeig sie her! Mach keine Umstände!«
Regine gehorchte; sie wußte gar nicht anders, als daß sie tun mußte, was die Großen wollten. So zog sie die Börse aus der Tasche und sah mit Angst und Zittern, wie der Bruder sie begierig ergriff, öffnete und mit den Fingern hineinfuhr. Zunächst war nur Kleingeld zu sehen, aber die Börse hatte ein Seitenfach und aus diesem blinkten den Geschwistern mehrere Goldstücke entgegen. »Respekt!« rief der Bruder bei diesem Anblick. Dann sah er der Schwester, die jeder seiner Bewegungen gespannt folgte, scharf in das aufgeregte Gesicht. »Und du nimmst nichts heraus?« fragte er sie. Sie schüttelte nur den Kopf. Da betrachtete er nachdenklich einige Augenblicke seine Schwester.
»Respekt!« wiederholte er noch einmal; aber diesmal galt der Ausruf nicht dem Geld, sondern Regine. Die kleine Schwester flößte dem großen Bruder Achtung ein. Noch einen Moment zauderte er; dann schloß er sorgfältig wieder die Börse und gab sie der Schwester zurück. Diese, erlöst von einer großen Angst, sah voll Glück und Dank zu dem Bruder auf und sprach ganz im Ton des Pfarrers, wie ihr die Worte im Ohr klangen: »Du bist ehrlich; dir vertraue ich ganz und gar.«
Ein paar Vorübergehende hörten diese feierlich gesprochenen Worte und sahen dem Paar erstaunt lächelnd nach. Aber Regine sah und hörte nichts von den Menschen um sie herum; sie war ganz und gar von Freude und von mancherlei neuen Empfindungen bewegt. »Begleite mich noch bis zum Pfarrhaus,« sagte sie zu dem Bruder, und dieser folgte zum erstenmal der Schwester. Sie sah wieder vertrauensvoll zu ihm auf und sagte: »Jetzt kann die Hausfrau nicht mehr sagen, die ganze Familie sei nichts nutz; wenn ich doch ehrlich bin und du auch. Wir zwei halten jetzt immer zusammen, gelt, Thomas?«
Der Bruder sah verwundert auf sein schmächtiges Schwesterlein. »Wir zwei,« sagte sie, wie wenn sie seinesgleichen wäre. Eigentlich war es zum Lachen, daß die Kleine ihn zum Bundesgenossen aufforderte, ihn, den kräftigen jungen Mann. Aber er fühlte, hier war doch auch eine Kraft, wenn auch keine körperliche. Der Wille zum Guten war es, der heute in dieser jungen Seele lebendig geworden war und nun auch in ihm das Beste wachrief.
Sie waren bis an das Pfarrhaus gekommen. »So,« sagte Thomas, »mach deine Sache geschickt; gib das Geld niemand anderem als der Frau Pfarrer selbst.«
Regine fragte nach der Pfarrfrau, und das Dienstmädchen, das es im Zimmer meldete, fügte hinzu: »Es wird ein Bettelmädchen sein.« Daher war auch die Pfarrfrau, als sie herauskam, doppelt erstaunt, daß dieses Kind ihr die volle Börse ihres Mannes überreichte. Sie fragte wohl, woher und wieso, allein die Sache blieb ihr doch rätselhaft; denn Regine war verlegen, gab nicht viel Antwort, sondern schlüpfte baldmöglichst wieder zur Türe hinaus. Erst mittags konnte der Pfarrer erklären, was es für eine Bewandtnis mit dem Gelde hatte. »Vielleicht hat aber das Mädchen doch etwas genommen,« meinte seine Frau.
»Ich glaube es nicht,« entgegnete der Pfarrer bestimmt, »und wenn auch, – durfte ich nicht ein Goldstück daran wagen, um einem jungen Menschenkind einen ehrlichen Namen zu geben?«
In der nächsten Stunde suchte des Pfarrers Blick sofort diejenige, um die er sich inzwischen gesorgt hatte, denn hatte er sie nicht selbst in Versuchung geführt? Da begegnete sein Blick dem ihrigen, der voll Liebe und Vertrauen auf ihn gerichtet war, und verscheuchte seinen letzten Zweifel. Er nickte ihr freundlich in stillem Einverständnis zu. Nicht ein einziges Mal verschwand in dieser Unterrichtsstunde Reginens Gestalt hinter den Mitschülerinnen; immer war sie zwischendurch zu sehen, als ob sie gewachsen wäre, die Kleine.
Daheim hatte sie nichts erzählt von dem Erlebten; aber am nächsten Sonntag sollte es doch zur Sprache kommen. Denn als sie zusammen zu Mittag gegessen hatten, redete Thomas plötzlich seine Schwester Marie an: »Wenn die Mutter nicht da ist, dann mußt du eben sorgen, daß die Regine zur Konfirmation ihre Kleider bekommt.«
Marie sah ihn erstaunt an und lachte. »Seit wann sorgst du für Regine?«
»Sie muß doch haben, was sich gehört,« entgegnete der Bruder ärgerlich.
»Wenn der Vater Geld hergibt,« sagte Marie, »dann schon; aber ich kann nicht alles hergeben für die Kleine. Sie könnte auch selbst manchmal etwas heimbringen, in ihrem Alter war ich längst nicht mehr so dumm!«
»Dafür ist sie ehrlich,« sagte Thomas.
»Wer ist ehrlich?« fragte der Vater. Er hatte bisher nur mit halbem Ohr zugehört; aber das hätte er doch gerne gewußt, wer in seiner Familie ehrlich sei.
»Die da, die Konfirmandin. Der Pfarrer hat es ja vor allen gesagt; und sie hat seine Börse voll Gold und Silber, ungezählt, ins Pfarrhaus tragen müssen und hat keinen Pfennig heraus genommen. Ich aber auch nicht; Regine hat mir auf die Finger gesehen. Ich glaube, sie hätte mir einen abgebissen; ist’s nicht wahr, du?« Die beiden Verbündeten sahen sich vergnügt an, worüber Marie große Augen machte, denn sie konnte die Geschwister nicht begreifen. Der Vater sah nachdenklich auf Regine. »Ehrlich ist sie?« wiederholte er wie verwundert, und nach einer Weile: »Ein anständiges Gewand soll sie bekommen zu ihrer Einsegnung; daran darf’s nicht fehlen.«
Die Wochen vergingen; schon war ein Monat verflossen, seitdem die Mutter das Haus verlassen hatte. Ein einziges Mal waren Nachrichten aus dem Gefängnis gekommen; einen Brief voll Heimweh hatte sie geschrieben, voll Sehnsucht nach dem Kleinen vor allem. Und dieser entbehrte auch am meisten die Mutter. Wenn die Großen morgens alle das Haus verließen, legten sie wohl mancherlei zu essen hin, oder sie brachten ihn zu einer mitleidigen Nachbarin: aber doch trieb sich der Kleine viele Stunden auf der Straße herum; sehnsüchtig ausschauend, ob nicht die Mutter endlich wieder die Straße herunterkäme, in der sie vor seinen Augen verschwunden war. Sie trösteten das Kind manchmal, Regine komme jetzt bald ganz aus der Schule und bleibe dann immer bei ihm wie früher die Mutter. Nur noch vier Wochen mußte sie die Schule besuchen, das war nicht mehr lang.
Nein, nicht lang, und doch zu lang für das mutterlose Kind. Einmal fand Regine es ganz durchkältet, die Schuhe und Strümpfe vollständig durchnäßt, die Füße eiskalt von dem geschmolzenen Schneewasser, in dem es herumgestiegen war. Weinend saß der Kleine auf der steinernen Hausstaffel und zitterte am ganzen Körper. Nun wurde er freilich zu Bette gebracht, und als er nachts fieberte, holten sie den Arzt zu ihm. Marie blieb nun von der Fabrik daheim und pflegte mit Liebe den kleinen Bruder; aber die Fürsorge kam doch zu spät, und ehe sie nur recht gewußt hatten, daß das Kind in Lebensgefahr schwebte, war es schon einer Lungenentzündung erlegen.
In großer Bestürzung standen sie alle an dem Bett des Kleinen, und ein Gedanke beherrschte die ganze Familie: der Gedanke an die Mutter. Wie würde sie die Nachricht ertragen! Was mußte das einst für ein Heimkommen sein, wenn sie ihren Liebling nicht mehr fände! Und welche Vorwürfe würde sie ihnen machen! Hätte man das Kind nicht unter Tags in Kost geben können, oder in eine Kinderschule schicken? Aber all diese Gedanken kamen zu spät.
Die kleine Leiche war schon zur Erde bestattet, und noch hatte niemand sich entschließen können, der Mutter die Trauerbotschaft zu schreiben. Der Vater tat es endlich mit wenigen kurzen Worten, das Briefschreiben war ihm ungewohnt.
Es kam darauf keine Antwort von der Mutter. Durfte sie nicht schreiben, oder war sie krank geworden vor Kummer? Zürnte sie ihnen, daß sie das Kind nicht besser behütet hatten? Sie hörten nichts von ihr.
Der Pfarrer, Reginens Pfarrer, hatte das Kind beerdigt und bei diesem Anlaß Einblick in die Familie getan; auch war ihm so manches über sie bekannt geworden, was ihn für seine Konfirmandin besorgt machte. Er hatte das Gute, das in ihr schlummerte, geweckt. Es lebte jetzt in ihr, aber es mußte gepflegt werden. So hätte er dies Mädchen gern in andere Verhältnisse versetzt, wo es unter ehrlichen Menschen sich in der Ehrlichkeit befestigen konnte. So manches Mal beriet er mit seiner Frau darüber; aber wo sollte man ein so kleines Mädchen unterbringen, von dem man nicht einmal rühmen konnte: es ist aus gutem Haus!
Endlich fand sich doch Rat, und eines Tages wurde Regine wieder von dem Pfarrer aufgefordert, nach der Stunde in das Pfarrhaus zu gehen. Dort wurde sie freundlich empfangen von der Pfarrfrau, die eine lebhafte, eifrige Frau war. Man merkte ihr wohl an, wie sie sich freute, daß sie für Regine ein gutes Plätzchen gefunden hatte. »Es ist bei meiner Schwester,« erzählte sie ihr, »bei einer Pfarrfrau auf dem Lande. Sie hat kleine Kinder, herzig nette Kinderchen; und ein ehrliches treues Dienstmädchen, das aber nicht mehr allein mit der Arbeit fertig wird. Dort kannst du helfen, wirst immer unter guten Menschen sein und selbst ein solcher werden, und das möchtest du doch gewiß?« Regine bejahte aus aufrichtigem Herzen.
»Und ein Taschengeld sollst du auch bekommen,« fuhr die Pfarrfrau fort, »fünf Mark im Monat, und nach einem Jahr, wenn du dich bewährst, erhältst du das Doppelte. Bis dahin wirst du in der frischen Landluft und bei der guten Kost groß und stark geworden sein. Nun geh nur heim und erzähle es deinem Vater; der wird sich freuen, und deine Schwester bittest du, daß sie dir die nötige Wäsche und Kleider richtet. Gleich nach der Konfirmation müßtest du abreisen, denn meine Schwester möchte am liebsten schon heute eine Hilfe.«
Regine eilte, ganz erfüllt von diesem Lebensplan, nach Hause. Sie fühlte sich so stolz und glücklich, wie wenn sie sich schon als treue Pfarrmagd bewährt hätte. Wie würden sie sich daheim alle wundern über das Vertrauen, »Respekt!« würde Thomas wieder sagen. Und sie träumte sich hinein unter die guten, feinen Menschen, zu den herzigen Kindern.
Zu Hause saßen der Vater und Marie schon am Mittagstisch, Thomas fehlte noch. Sie wollte mit ihrer Erzählung warten, bis er käme; aber als es eine Weile gedauert hatte, konnte sie nicht mehr zurückhalten, was ihr ganzes Herz erfüllte. »Die Frau Pfarrer weiß mir ein gutes Plätzchen,« begann sie und wiederholte alles, was sie darüber gehört hatte. Und nun erlebte sie eine schmerzliche Enttäuschung. Mit Hohn und Geringschätzung wurde von diesem »Plätzchen« gesprochen und dieses so heruntergemacht, daß nichts, aber auch gar nichts Gutes mehr daran blieb. Als Kummer und Scham ihr eben Tränen in die Augen trieben, kam Thomas heim, und beim Anblick dieses ihres Verbündeten faßte Regine wieder Mut. Ehe sie aber ein Wort an ihn richten konnte, rief ihm schon Marie entgegen: »Du, als Magd will die Regine fortgehen, aufs Land, und fünf Mark Monatslohn bekommt sie; was sagst du dazu?« Und sie lachte laut.
»Unsinn,« entgegnete Thomas und schien gar nichts weiter wissen zu wollen, sondern machte sich daran, seine Suppe zu essen. Und die andern sprachen auch nichts mehr darüber. Regine verstand sie alle nicht. Warum wollten sie ihr denn das schöne Plätzchen nicht gönnen? Sie brachte kein Wort mehr heraus während des Essens, so bitter und schmerzlich war ihr zumute. Als aber der Vater sich anschickte wegzugehen, rief sie, während ihr die Tränen aus den Augen stürzten: »Was soll ich denn dann der Frau Pfarrer sagen?«
Da sah Thomas die kleine Schwester überrascht an; er merkte erst jetzt, daß es sich für sie um eine Lebensfrage handelte. »Was ist’s eigentlich, was will sie denn?« fragte er, und nun gab es ein lebhaftes Hin- und Herreden. »Verdingen will sie sich,« rief Marie, »statt daß sie in die Fabrik geht, wo sie viel mehr verdient.«
»So viel mehr ist’s zwar auch nicht,« entgegnete jetzt der Vater, »du rechnest immer nicht, wieviel die Kost ausmacht. Im Dienst hat sie alles frei, Kost und Wäsche, das macht ein paar hundert Mark im Jahr; und dabei wird sie vielleicht nicht so liederlich, wie eine andere, die ich kenne.«
Marie lachte. »So soll sie gehen; aber die Mutter tät’s nicht leiden, wenn sie da wäre.«
»Ja, das ist’s,« sagte der Vater, »sie will immer hoch hinaus mit ihren Töchtern.«
»Ja, die Mutter, das ist wahr,« meinte auch Thomas, »wenn sie heimkommt – das eine Kind ist tot, das andere fort; – Regine, sei gescheit, höre auf zu weinen. Sag dem Pfarrer, es lasse sich nicht machen, weil die Mutter fort sei; er weiß ja schon davon und wird’s verstehen.«
Er sagte das freundlich; aber Regine war doch nicht zufrieden mit ihrem Bundesgenossen. Er hatte nicht zu ihr gehalten, und nun war es aus und vorbei mit ihrem schönen Plan. Der Vater und Marie gingen weg; nur Thomas blieb an dem Tisch sitzen und las den Tagesanzeiger. Regine holte ihren Katechismus und setzte sich an das andere Ende des Tisches, um zu lernen. Sie schlug das Buch auf; da fiel ihr ein Blatt Papier entgegen, groß und deutlich standen darauf von einer ihr unbekannten Handschrift geschrieben einige Worte. Unwillkürlich sagte sie laut: »Wie kommt denn das in mein Buch?« Thomas blickte von seiner Zeitung auf. »Was steht denn darauf?«
»Nur ein Sprichwort; ich weiß nicht, wie das Papier in mein Buch kommt.« Gleichgültig schob sie es beiseite.
»Zeig doch her, was ist’s für ein Sprichwort?« rief Thomas, griff nach dem Blatt und las laut: »Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!« Er behielt das Papier in der Hand und starrte darauf; während Regine wieder in ihren Katechismus sah und ganz erstaunt aufblickte, als nach einiger Zeit ihr Bruder rief: »Wer hat dir denn die Bosheit angetan? Gewiß wieder die Emilie Forbes! Weißt du nicht, was das heißen soll: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm?« Und als Regine ihn immer noch verständnislos ansah, sagte er: »Das heißt, daß du auch nicht ehrlich bist, weil es die Mutter nicht ist. Kannst das jetzt verstehen?«
Ja, jetzt begriff Regine, was der Bruder meinte; über und über errötete sie und sah das Blatt Papier an wie etwas Häßliches, Feindseliges. »Aber das ist nicht die Schrift von Emilie Forbes,« sagte sie nach einiger Zeit. – »Dann hat es jemand anders für sie geschrieben; sie will natürlich nicht, daß euer Pfarrer ihre Handschrift erkennt, wenn du ihm das Blatt zeigst.«
»Ich zeige es ihm nicht, sonst wird noch einmal vor allen davon gesprochen. O, Thomas, wenn doch die Mutter das nicht getan hätte!« Sie stützte den Kopf in die Hände und weinte. Es war auch heute alles so traurig; das gute Plätzchen durfte sie nicht annehmen, und nun kam noch das dazu!
Der Bruder war erzürnt über Reginens Mitschülerin. »Ich schreibe dir auch einen Zettel,« sagte er, »den legst du in ihr Buch, und an dem soll sie auch keine Freude haben!« Nicht umsonst half er täglich als Setzer eine Zeitung drucken, die voll Gift und Galle war. Eine scharfe Antwort kam ihm schnell in die Feder, sie lautete nicht fein. Aber Regine wollte nichts davon wissen, Thomas wurde ärgerlich. »So etwas läßt man sich doch nicht gefallen!« sagte er, »was hilft dein Weinen? Wehren muß man sich!« – Aber unter bitterem Schluchzen rief Regine: »Es wird eben wahr sein, Thomas, was auf dem Zettel steht; wir sind alle nicht ehrlich, weil’s die Mutter nicht ist. Wenn das mit dem Apfel wahr ist, so muß doch auch das mit uns wahr sein!«
Thomas war betroffen von dieser Bemerkung und sah das Sprichwort auf dem Papier nachdenklich an. Aber bald sprach er tröstend zur Schwester: »Nein, nein, es ist nicht wahr. Die Äpfel bleiben freilich liegen, wo sie hinfallen; aber wir Menschen können aufstehen, und gehen, wohin wir wollen. Und auf Diebeswegen gehen wir schon einmal nicht, wir zwei, gelt, du?« Da hob die Schwester vertrauensvoll den Kopf zu dem Bruder, der jetzt wieder mit ihr im Bunde stand. Sie rückte näher zu ihm heran und sah ihm zu, wie er nocheinmal ein Blättchen Papier beschrieb. »So,« sagte er, »das kannst du ruhig Emilie Forbes ins Buch schieben; das ist jetzt ganz zahm, und wenn es zufällig dein Pfarrer zu lesen bekäme, so hätte er selbst nichts dagegen.« – Regine las: »Ein Apfel bin ich nicht, der nur so liegen bleibt. Ich bin ein Mensch und kann mich frei vom Platz bewegen.«
Zustimmend nickte sie, so gefiel es auch ihr. »Das Blatt kannst du ihr frei in die Hand geben, dann sieht sie gleich, daß du dich nicht vor ihr fürchtest. Paß auf, dann läßt sie ihre bösen Reden künftig bleiben.«
Als nach der nächsten Konfirmandenstunde Emilie Forbes eben ihre Bücher zusammenpackte, wandte sich Regine nach ihr um, schob ihr das Blatt Papier entgegen und sagte: »Das gehört in dein Buch.« Betroffen sah das Mädchen auf die Worte, die da standen, und errötete beschämt. Aber sie geriet in noch größere Aufregung, als sie bemerkte, daß Regine vor allen andern Mädchen mit dem Pfarrer zugleich den Saal verließ; gewiß in der Absicht, mit ihm reden zu können. Darin hatte sie auch recht, nur daß Regine nicht über das sprechen wollte, was ihr Emilie Forbes angetan hatte; nein, sie mußte dem Pfarrer Bescheid geben wegen des schönen Plätzchens, das sie nicht annehmen durfte. Zögernd brachte sie die ablehnende Antwort heraus. Dem Pfarrer war es sichtlich leid, daß der Vorschlag seiner Frau nicht angenommen wurde. »Schade, schade!« sagte er, »es wäre so gut für dich gewesen.« Gerne hätte er in dem Herzen des Mädchens gelesen, ob die Abwesenheit der Mutter der wahre und einzige Grund der Ablehnung war. »Später, wenn deine Mutter zurück ist, dürftest du dann die Stelle annehmen?« fragte er. Regine wußte nichts darauf zu antworten. Die Mutter war ja gerade diejenige, die nichts vom Dienen wissen wollte. So blieb sie die Antwort auf diese Frage schuldig. Sie gingen noch eine Weile schweigend nebeneinander.
»Zunächst ist da nichts zu machen,« sprach jetzt der Pfarrer, »vielleicht später, wenn deine Mutter heimkommt. Das wird ein trauriges Wiedersehen geben, Regine, wenn die Mutter deinen kleinen Bruder nicht mehr findet. Du mußt sie dann recht lieb haben, trotz dem was sie getan hat. Die Mutter lieben, aber die Unehrlichkeit hassen, so halte du es, Regine. Und an deiner Konfirmation, wenn du an den Altar trittst, so denke daran, was ich dir gesagt habe; und wenn ich dir die Hand zum Segen aufs Haupt lege, so werde ich auch daran denken: das ist eine, die hat einen schweren Kampf aufzunehmen, die will die Mutter innig lieben, aber die Unehrlichkeit grimmig hassen; Gott gebe ihr die Kraft dazu!«
Der letzte Sonntag vor der Konfirmation war gekommen. Regine saß am Nachmittag ganz allein zu Hause; der Vater, der Bruder, die Schwester waren da- und dorthin gegangen. »Wenn du konfirmiert bist, nehme ich dich auch einmal mit dahin, wo’s lustig zugeht,« hatte Marie versprochen; obgleich sie selbst nicht mehr so lustig aussah wie früher, sondern blaß und verstimmt war. Aber sie war doch gegangen, und Regine war allein.
Alle ihre Gedanken beschäftigten sich mit dem nächsten Sonntag. Gestern Abend hatte die Näherin ihr das schwarze Kleid gebracht; es sah wie neu aus, obwohl es aus dem der Schwester gemacht war. Sie nahm es aus dem Schrank und freute sich daran. Dann dachte sie an ihre Mutter. Man hörte gar nichts mehr von ihr, sie war wie verschollen. Ob sie wohl wußte, daß am nächsten Sonntag ihre Konfirmation war? Wie traurig zu denken, daß die Mutter eingesperrt in ihrer Keuche sitzen würde, wie der Vater das immer nannte; während andere Mütter in die Kirche kamen, um zu sehen, wie ihre Kinder eingesegnet würden. Das zu denken, tat ihr weh. Sie wollte ihr auch einmal schreiben, heute noch, gleich jetzt. Sie sollte ja die Mutter lieb haben.
So setzte sich Regine an diesem einsamen Sonntag Nachmittag hin und schrieb der Mutter einen langen Brief; erzählte ihr von der Konfirmation und kam auch auf das verstorbene Brüderchen zu sprechen, wie es immer nach der Mutter verlangt habe, und unter Tränen beschrieb sie die Krankheit und den Tod des Kindes. Am nächsten Morgen bat sie den Bruder, daß er den Brief überschreibe und besorge. Er las ihn und meinte, wenn die Mutter nicht krank sei, würde sie ihn ganz gewiß beantworten. Darauf hoffte nun Regine, und dachte es sich schön aus, daß sie zur Konfirmation wenigstens einen Brief bekommen werde.
Allein die Woche verging; der Tag der Konfirmation brach an, und es kam kein Lebenszeichen von der Mutter. Regine dachte freilich an diesem Morgen kaum mehr daran. Ihre Gedanken waren erfüllt von der Feier. Sie mußte auch nicht allein zur Kirche gehen. Der Vater, der am Sonntag Morgen gerne lange schlief, wollte freilich nicht mit ihr gehen; und Marie entschuldigte sich damit, daß sie heute etwas Gutes kochen wolle. Aber Thomas begleitete sie, und der war ihr doch der liebste. So gingen Bruder und Schwester zusammen, und sie vertraute ihm an, was der Pfarrer zu ihr gesagt hatte, und sie sagte nicht: »ich« soll die Mutter lieben und die Unehrlichkeit hassen, sondern sie sagte »wir« und zog ihren Bundesgenossen mit herein in die Lebensaufgabe, die ihr gestellt war.
Vor der Kirche trennten sich die Geschwister, der Bruder stieg auf die Empore und sah von oben, wie unter dem Geläute der Glocken die Konfirmanden in langem Zug durch das Schiff der Kirche bis zu den Bänken vor dem geschmückten Altar kamen. Die Feier, die er seit der eigenen Konfirmation nicht mehr mitgemacht hatte, bewegte dem jungen Burschen das Herz.
Als Regine an den Altar trat, mochte manches Glied der versammelten Gemeinde denken: Welch ein kleines, schmächtiges Mägdlein, noch ein ganzes Kind! Und doch war vielleicht keine von all den Konfirmandinnen mit solchem Ernst bei der Einsegnung, wie eben diese Kleine. Hatte ihr doch auch der Pfarrer versprochen, daß er an sie denken wollte. Sie erinnerte sich an seine Worte und trat, nachdem er sie eingesegnet hatte, mit fröhlicher Zuversicht aus der Kirche heraus, um den Kampf des Lebens aufzunehmen.
Zu Hause sah es nicht festlich aus. Der Vater, eben erst aufgestanden, war mürrischer Laune; und die Schwester von eigenen Gedanken hingenommen, die nicht erfreulich schienen. Doch hatte sie der Konfirmandin zu Ehren ein gutes Essen gekocht, das nun in aller Stille verzehrt wurde. Seit dem Tod des Kleinen war es immer still beim Essen. Plötzlich ging die Türe leise auf, und in ihrem Rahmen erschien eine blasse Frau mit abgehärmten Zügen und sah mit großen, traurigen Augen auf die Anwesenden. Ein Ausruf des Erstaunens entfuhr allen: »Die Mutter!« Und da alle, wie vor einem Gespenst erschreckend, sie ansahen, so blieb die Gestalt wie gebannt an der Türe stehen und rührte sich nicht. Einen Augenblick währte die Bestürzung, dann erhob sich der Mann und ging auf seine Frau zu. »Wie kommst du heute hierher?« fragte er. »Ich glaube gar, du bist heimlich entwichen.« – »Nein, nein,« sagte die Frau und trat nun näher an den Tisch heran; »ich habe meinen Entlaßschein, ich bin frei. Die Hälfte der Zeit ist mir erlassen worden wegen guter Führung, auch wegen meiner Kränklichkeit und aus Rücksicht auf die Kinder. Zum Konfirmationstag haben sie mich entlassen.«
Nachdem sie dies gesagt hatte, blickte sie nach der Stelle, wo noch immer das leere Kinderbett stand; wandte sich dorthin, warf sich schluchzend über das Bettchen und rief in lautem Jammer: »Mein Hansel, mein gutes, gutes Kind!«
Sie standen alle erschüttert und mit schlechtem Gewissen diesem Kummer gegenüber, und jeden Augenblick erwarteten sie, daß die Mutter sich mit Vorwürfen an sie wenden würde. Aber sie schien nicht an sie zu denken. »O Kind!« rief sie, »ich bin schuld, daß du gestorben bist. Deine Mutter hat dich verlassen, und sie hat dich doch so lieb gehabt! Hätte ich nur bei dir sein und dich noch ein einziges Mal sehen können!« Allen, die da standen, kamen die Tränen. Wie sah auch die Frau so elend und abgehärmt aus! Nicht mehr wieder zu erkennen war sie.
Hinter rauhen Worten suchte jetzt der Vater seine Rührung zu verbergen. »Laß jetzt das Jammern,« sagte er barsch. »Setz dich her und iß etwas, du siehst ja aus, daß es Gott erbarmt!« Da erhob sich die Frau, setzte sich an den Tisch und aß ein wenig, ohne vom Teller aufzusehen. Marie rückte ihr die Schüssel näher. »Du siehst so abgemagert aus, Mutter; warst du krank oder hast du Hunger leiden müssen?«
»Hunger nicht; man bekommt genug zu essen. Manche sagen auch, es sei gut, aber mir hat keinen Tag das Essen geschmeckt,« sagte sie. »Schlaf habe ich auch nicht viel gefunden. Ich war doch an unsere Federbetten gewöhnt; die gibt’s dort nicht. Mich hat es immer gefroren. Krank war ich auch, zwei Wochen haben sie mich in die Krankenstube gelegt. Da hat man’s besser, und die Wärterin hat es wirklich gut mit einem gemeint und mit jeder gesprochen. Aber dann bin ich wieder in meine Keuche gekommen. Untertags habe ich gearbeitet; aber die langen Abende, wo man ohne Licht allein dasitzt, die sind schrecklich. Dann kam die Nachricht, daß das Kind gestorben sei. Von da an habe ich keinen Schlaf mehr finden können; immer mußte ich darüber nachgrübeln, daß ich’s hätte verhüten können. An diese Nächte werde ich denken mein Leben lang.«
Sie waren alle ergriffen und hörten noch manches von der Mutter; denn sie war noch mit all ihren Gedanken bei dem, was hinter ihr lag, und hatte noch keine einzige Frage an die andern gerichtet. Jetzt stand Regine auf. »Ich muß in die Kirche,« sagte sie. Da schien die Mutter erst wieder in die Gegenwart zu kommen. Einen aufmerksamen Blick wandte sie der Konfirmandin zu, die nun im schwarzen Kleid, mit dem langen Kleiderrock vor ihr stand und ihr verändert vorkam. Daß das alles so geworden war trotz ihrer Abwesenheit, erschien ihr merkwürdig; und als nach Regine auch die andern fortgingen, eines dahin, eines dorthin, wie sie es an den Sonntagnachmittagen gewohnt waren, fand sich die Mutter ganz allein zu Hause; wußte nicht recht, wozu sie da war und warum sie sich heimgesehnt hatte, da doch niemand ihrer bedurfte. Bald saß sie wieder trauernd am Bett des verstorbenen Kindes, des einzigen, das ihr zugejubelt hätte.
So fand Regine die Mutter, als sie aus dem Gottesdienst zurückkehrte. Mit einem Blick voll Liebe und Mitleid ging sie zu ihr hin. Die Mutter fühlte das. »Komm, setze dich her und erzähle mir was von dir,« sagte sie, und dann fuhr sie selbst fort: »Deinen Brief habe ich noch in der Krankenstube bekommen und habe ihn die Wärterin lesen lassen, denn sie ist eine gute gescheite Person. Sie hat auch gleich mit mir gesprochen, wie sie deinen Brief gelesen hat. ›Das Kind ist noch unverdorben,‹ hat sie gemeint, ›die dürfen Sie nicht mit der großen in die Fabrik schicken. Ich würde sie gleich aus dem Haus in eine gute Familie tun.‹« Regine horchte hoch auf, eine leise Hoffnung erwachte in ihr. »Warum schaust du so?« fragte die Mutter. – »Weil unser Herr Pfarrer auch so meint,« entgegnete Regine und schilderte mit aller Wärme die Stelle, die ihr angeboten war, und die sie ausgeschlagen hatte.
»O,« rief die Mutter, »da hättet ihr zugreifen sollen, wenn es gleich nur ein geringer Platz ist. Soviel habe ich jetzt gelernt: wenn man zu hoch hinaus will, dann kommt man erst recht tief hinunter, bald genug wird das auch die Marie erleben.« »Ich will nicht hoch hinaus, Mutter, aber du willst ja nicht, daß wir in Dienst gehen.« – »Ich habe es freilich nicht gewollt, aber wenn man solche Nächte durchgemacht hat wie ich, dann denkt man über manches anders als vorher. Ich rate dir: danke deinem Gott, wenn du fortkommst, je eher je lieber!«
Regine sah die Mutter freudig überrascht an. »Mutter, wenn du so sagst, dann gehe ich jetzt gleich ins Pfarrhaus und frage, ob das gute Plätzchen noch zu haben ist.« Die Mutter wunderte sich über ihre Kleine; die hatte sich verändert. »Geh nur gleich,« sagte sie, und eiligen Schritts ging die Konfirmandin dem Pfarrhaus zu. Wieder saß die Mutter allein im Zimmer, aber ihre Gedanken waren nicht mehr bei dem verstorbenen Kind. Sie begleitete im Geist das Mädchen, das voll Eifer ihr neues Leben beginnen wollte; und sie sagte vor sich hin, denn sie hatte sich in der einsamen Zelle angewöhnt, ihre Gedanken laut werden zu lassen: »Sie ist ganz anders als wir; es muß etwas Gutes in sie hinein gekommen sein, vielleicht durch den Konfirmandenunterricht. An der wenigstens kann man einmal Freude erleben.«
Inzwischen kam auch Thomas heim und hörte staunend von dem raschen Entschluß. Gespannt warteten Mutter und Sohn auf Reginens Heimkehr. Sie sahen ihr die Freude gleich am Gesicht an. »Ich bekomme mein gutes Plätzchen,« rief das Mädchen in hellem Glück. »Aber nächste Woche soll ich fort; da ist noch viel zu richten! Ob das alles fertig wird? Marie hilft nicht gerne dazu.« »Wir machen’s schon ohne sie,« meinte die Mutter und stand rasch auf, wie wenn sie gleich an die Arbeit gehen wollte. »Gut, daß du wieder da bist, Mutter!« sagte Regine. Da verlor das traurige Gesicht der Frau den trostlosen Ausdruck, den es bisher gehabt hatte. »Gut, daß du wieder da bist,« die Worte taten ihr wohl; zeigten sie ihr doch, daß sich jemand über ihre Rückkehr freute.
»So kommst du wirklich in eine Pfarrfamilie?« sagte Thomas nachdenklich zu der Schwester. »Dann kann ich auch nicht mehr in der Druckerei bleiben und für eine Zeitung arbeiten, in der nur gespottet wird über alles, was geistlich ist; du müßtest dich ja schämen, wenn es bekannt würde.« – »Was fängst du dann aber an, Thomas?« fragte die Schwester betroffen.
»Es gibt noch mehr Druckereien; ich will sehen, daß ich bei einer anständigen Zeitung unterkomme. Ich habe das ewige Spotten und Schimpfen selber satt, es kommt nichts Gescheites dabei heraus. Weißt du, ich bin nur so zufällig hinuntergefallen in die schlechte Gesellschaft, wie so ein Apfel vom Baum in den Graben fällt; aber ich will nicht liegen bleiben, verstehst du?«
Ja, Regine verstand ihren Bundesgenossen, und noch einmal sagte sie zu ihm die Worte: »Ich vertraue dir ganz und gar.«
Und wir vertrauen allen beiden und können sie nun getrost verlassen; sie meinen es ehrlich, und es wird ihnen gelingen. Ja, mit Gottes Hilfe wird Segen von ihnen über ihre ganze Familie kommen.
Von Agnes Sapper sind im gleichen Verlag erschienen:
Die Familie Pfäffling. Eine deutsche Wintergeschichte. 288 Seiten. 31.–40. Tausend. In Leinwand gebunden Mk. 3.–.
Werden und Wachsen. Erlebnisse der großen Pfäfflingskinder. 350 Seiten. 16.–23. Tausend. In Leinwand gebunden Mk. 4.–.
Der Glanzpunkt Sapperscher Erzählungskunst ist die Geschichte der Familie Pfäffling in zwei Bänden. Der erste Band mit der Jugendgeschichte der Pfäfflingskinder ist eine Perle erzählender Literatur, und für Kinder und Eltern gleich interessant. Keine großen äußeren Verhältnisse werden da vorgeführt, alles geschieht nur im Rahmen einer bescheidenen, arbeitsamen Familie, und doch – wie packt es, wie läßt einen von Satz zu Satz, von Seite zu Seite die Spannung nicht los, und wie greift Freude und Leid im Miterleben ins eigene Herz! – Dem Verlangen nach einem Mehr, das auch den erwachsenen Leser dieser Geschichte befallen muß, hat Agnes Sapper im zweiten Band: »Werden und Wachsen« entsprochen. Es ist ein nachdenkliches Buch, für die reifere Jugend geschrieben und, wie der erste Band, auch für Eltern und Erzieher wichtig.
Jenaer Volksblatt.
Das erste Schuljahr. Eine Erzählung für Kinder von 7–12 Jahren. Vierte Aufl. Gebunden Mk. 1.20.
Gretchen Reinwalds letztes Schuljahr. Für Mädchen von 12–16 Jahren. 3. Aufl. Geb. M. 3.–.
Jede Mutter, die dies Buch prüft, wird sagen, daß dies eine der gesündesten, frischesten Jung-Mädchengeschichten ist, die wir haben.
Beide Teile in einem Band gebunden:
Gretchen Reinwalds erstes und letztes Schuljahr. Dritte Auflage. In Leinwand Mk. 4.–.
Lieschens Streiche und andere Erzählungen. Mit Bildern von Gertrud Caspari. Zweite Auflage. Gebunden Mk. 3.60.
Das sind fröhliche und ernste Geschichten, die aus des Kindes ureigenem Quell schöpfen und darum allen Kindern gefallen werden.
Kriegsbüchlein. 120 Seiten. 11.–20. Tausend. Steif geheftet Mk. 1.–.
Das ist wieder ein ganz treffliches Kinderbuch, das der bekannten Verfasserin viele neue Freunde gewinnen wird. Die feine Auswahl von höchst lebendig geschilderten kleinen Kriegsgeschichten aus Ost und West läßt unsere Kinder hineinblicken in das große Geschehen der Gegenwart, es läßt sie mitkämpfen, mitleiden, mithoffen. Manch feines pädagogisches Wort weist unaufdringlich, aber dennoch eindringlich darauf hin, daß das deutsche Volk nur dann siegen und an die Spitze der Völker treten kann, wenn jeder einzelne auch ganz und wahrhaftig ein Deutscher zu sein bestrebt ist. Eine Anzahl prächtiger kleiner Kriegserlebnisse, ernst und launig, auch von unserem Hindenburg, bildet den Beschluß. Allen Eltern wird dies »Kriegsbüchlein« höchst willkommen sein....
Erlanger Tageblatt.
Im Thüringer Wald. Mit Vollbildern von P. F. Messerschmitt und Buchschmuck von Helene Reinhardt. Ein fein illustriertes Büchlein in steifer Decke M. 2.–.
Diese rührende Geschichte aus dem Leben der armen Puppenmacher wird in der schönen Ausstattung mit zehn Vollbildern und zahlreichen hübschen kleinen Zeichnungen Kindern besondere Freude bereiten.
Erziehen oder Werdenlassen? 336 Seiten. In Leinwand gebunden Mk. 4.–.
Ein verständiges, aus praktischer Erfahrung erwachsenes Buch, das dem Erzieher als wertvoller Ratgeber zur Seite stehen kann vom Erscheinen des Kindes an bis zu seinem Eintritt in das Leben der Erwachsenen. Frei von der modernen Anbetung des Kindes, zeigt das Buch doch auf jeder Seite die Achtung vor der werdenden Persönlichkeit, die eben deshalb kein bloßes Werdenlassen kennt, sondern dem Kinde durch Erziehung zu möglichster Vollendung seiner individuellen Persönlichkeit helfen will.
Die Frau.
... Die Wahrheiten und Erfahrungen, die uns Agnes Sapper so oft durch den bunten Schleier ihrer reinen und launigen Erzählungen schimmern ließ, trägt sie in ihrem neuesten Buche als praktische Pädagogik vor. Das Beste an diesem Buche ist, daß es keine Theorie, daß es goldene Erfahrungen einer Mutter sind von der ersten bis zur letzten Zeile.
Deutscher Courier.
Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf Grundlage der 1915 bei D. Gundert erschienenen vierten Auflage erstellt. Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.
p 013: Der zog sein Mützchen ab und sagte. -> sagte:
p 040: [Anführungszeichen] »Euch ... fleißiger.« -> ›Euch ... fleißiger.‹
p 044: [Vereinheitlicht] kannst in Sonnenberg oft genug -> Sonneberg
p 132: Abfahrt der Prinzen und der Prinzessin -> des Prinzen
p 195: [Anführungszeichen] wußte nicht genau, sagte sie -> genau,« sagte
p 203: hat man dem Apother -> Apotheker
p 219: [Anführungszeichen] Uhr ist’s vorbei. »Ich -> vorbei. Ich
p 230: dein Patenkind zur dir zu nehmen -> zu dir
p 282: nicht vorher verraten hat -> hast
p 292: [Anführungszeichen] und sagte leise: Patin?« -> »Patin?«
Die Originalschreibweise und kleinere Inkonsistenzen in der Formatierung wurde prinzipiell beibehalten.
Transcriber’s Note: This ebook has been prepared from the fourth edition published in 1915 by D. Gundert. The table below lists all corrections applied to the original text.
p 013: Der zog sein Mützchen ab und sagte. -> sagte:
p 040: [inner quotes] »Euch ... fleißiger.« -> ›Euch ... fleißiger.‹
p 044: [unified] kannst in Sonnenberg oft genug -> Sonneberg
p 132: Abfahrt der Prinzen und der Prinzessin -> des Prinzen
p 195: [added quote] wußte nicht genau, sagte sie -> genau,« sagte
p 203: hat man dem Apother -> Apotheker
p 219: [removed quote] Uhr ist’s vorbei. »Ich -> vorbei. Ich
p 230: dein Patenkind zur dir zu nehmen -> zu dir
p 282: nicht vorher verraten hat -> hast
p 292: [added quote] und sagte leise: Patin?« -> »Patin?«
The original spelling and minor inconsistencies in the formatting have been maintained.