Kleidung und Schmuck.

Stoffe der Bekleidung

Über die Kleidung der germanischen Stämme sind wir am besten unterrichtet da, wo noch originale Dokumente sich erhielten. In Dänemark insbesondere haben uns Funde im Moor, das alles, selbst Stoffe wunderbar schützt, Überraschendes geliefert. Sonst müssen uns bescheidene Reste, die etwa an verrosteten Waffen klebten, oder bildliche Darstellungen, wie sie sich auf Römerwerken (Triumphsäulen) bieten, zur Ergänzung der geschichtlichen Nachrichten behilflich sein. Es ergibt sich, daß vor uralter Zeit die Germanen Lederschuhe, oft schön geschnitten, manchmal eine Art Strümpfe, Hosen, Unterkleider und Mantel trugen; bisweilen eine Mütze, wenngleich die Mehrzahl ihre Haare frei wallen ließ. Von den farbigen Wollstoffen, die meist grün, rot oder braun waren, sind damastartig gemusterte Reste vorhanden; auch an Leinen fehlte es nicht. Selbst aber von Brokatstoffen, mit Gold durchwirkten Borten und Ähnlichem sind Reste gefunden. Ganz reiche Gewänder waren mit kleinen oder größeren Kleinodien besetzt, so gerne mit nachgebildeten Käfern und Insekten; des Merowingers Childerich Gewand mit goldenen, edelsteinbesetzten Bienen, wie sie später den französischen Kaisermantel schmückten.

Die Franken liebten es, ihre Unterschenkel mit Binden und Riemen zu umwickeln. — Oft trugen sie darunter leinene Hosen, da Leinen überhaupt in ähnlicher Weise wie heute noch zu Hemd und Unterkleid verwandt wurde. Auch der Leibrock war später oft von Leinen.

Im Winter und im Norden war immer Pelzkleidung, die man gerne reich gestaltete und mit schönem Besatze schmückte, gebräuchlich, aber die Germanen behielten solche liebe Tracht überall bei; selbst in Spanien noch war sie bei den Westgoten bis zum Arabereinbruche verbreitet.

Riemen mit Beschlag

Über die Schultern des mit farbigem Leibrock bekleideten Mannes wie der Kleid und Mieder tragenden Frau fielen mantelartige, oft reich gefärbte Gewänder, die rechts und links oben durch schöne Spangen oder Langfibeln gehalten wurden. Die Rundfibeln auf der Brust der Frauen waren häufig mit langen Haken zum Raffen der Kleider verbunden. Die Ledergürtel trugen Beschlag von Eisen, Bronze, Silber und Gold, vor allem oft herrliche Schnallen mannigfachster Gestalt, nicht selten selbst mit Edelsteinen besetzte; gleiches galt für die allerlei Riemen, die das Gewand durchkreuzten; herabhängende Riemenenden wurden mit ähnlichen metallenen Riemenzungen abgeschlossen ([Abb. 8]). — Am Gürtel hing die reiche Bügeltasche und der Skramasax, auch Dolch und Messer; nicht minder Ringe mit Toilettengegenständen, Schere, Zänglein und Ohrlöffel, auch etwa Werkzeug wie Bohrer u. dgl.

Vielfache Spuren lassen es als sicher erscheinen, daß eine reiche Behandlung des Leders, nicht nur der Schuhe, in Zierschnitt, Ausnähung, Metallbesatz u. dgl. überall üblich war. Also eine Technik, die dem germanischen Kunstgewerbe bis heute eigen blieb.

Spangen

Den schönen und meist großen, ja manchmal kolossalen Langfibeln auf den Schultern wurde die feinste Kunst der Ausstattung zuteil. Sie hatte sich aus der einfachsten Bronzespange, die der Sicherheitsnadel glich, zum glänzenden Schmuckstück von reichster Arbeit entwickelt ([Abb. 9], Tafel I).

Abb. 8. Schnallen, Spangen, Riemenbeschlag, Hängeschmuck.


GRÖSSERES BILD

Ähnlichen Reichtum an Gestalt zeigen die Rundfibeln von broschenartiger Form, derer vor allem die Frauen sich bedienten ([Abb. 10], Tafel I).

Ringe

Dünne und dickere Ringe um die Handgelenke, feinere um die Finger, Siegelringe bei den Großen schmückten den Mann, solche um den Hals und verschiedenartigste zierlicher Art für die Ohrläppchen auch die Frau. Dieser kam wie selbstverständlich noch mancherlei anderes zu, so Kettenschmuck um den Hals, aus Perlen von Glas, Ton, Edelsteinen und Bernstein, Silber und Gold; auch Reihen von Gehängen, Münzen, Goldbrakteaten oft mächtiger Größe u. dgl. Überhaupt liebten die Frauen hängenden Schmuck aller Art und Form, wie reich durchbrochene bronzene Zierscheiben und dergleichen mit daran schwingenden Zierkettchen und Gehängen. Dazu Nadeln reicher Gestalt, bisweilen mit Falkenköpfen, für den Schmuck des Haares; Holzkästchen zur Aufbewahrung des Schmuckes gab es dabei, von denen sich öfters der Bronzebeschlag erhielt.

Toilettegegenstände

Zugleich mangelte es nicht an Toilettegegenständen für allerlei Zwecke. So sind in den Gräbern beinerne und elfenbeinerne Kämme (der der Theudelinde zu Monza besteht sogar ausnahmsweise aus Gold mit Filigran und Edelsteinen) sehr häufig; oft verziert mit dunklem Linienornament, meistens Bogenfriesen, auch mit geschnitzten Tierköpfen und dergleichen (vgl. [Abb. 11]).

Die erwähnte am Gürtel hängende Tasche trifft man häufig; ihren Bügel, den noch heute üblichen ähnlich, stellte man gerne aus kostbarem Metall mit Steinschmuck her. Sie barg Gold- und Geldschatz für den dunkeln Weg des Toten.

Zuletzt gedenken wir der vielerlei sonstigen Zugaben, z. B. der Amulette aus edlen Steinen, aus Jagdtrophäen, Zähnen, Krallen, Horn oder Bein u. dgl.; Kugeln aus leuchtend klarem Bergkristall wurde eine besonders schützende Kraft zugeschrieben.