Die Blume
Ich pflanzte meine Lieblingsblume um. Endlich war ich dazu gekommen. Ich fühlte mich schuldbeladen ihr gegenüber: wenn man soviel andere Geschäfte hat, kommt man selten dazu, sich um sie zu kümmern und das Gras auszujäten; nun ist es schon zu einem dichten Gebüsch ausgewachsen! Immer habe ich etwas zu tun, bald dies, bald jenes. ›Das ist ja eben das Wesen des Lebens, daß man niemals Zeit hat!‹ hat mir einmal jemand gesagt. Nun, der Herr sei ihm gnädig; möchte der, der es gesagt hat, auch in Zukunft niemals Zeit haben!
Ich schüttelte die Erde aus dem Blumentopf, ergriff die Blume am Stengel und bemerkte unten, wo die Wurzeln einen Knoten bilden, einen kleinen Wurm. Kaum hatte ich die Hand ausgestreckt, um den Wurm zu fassen, als er sich in eine kleine Schlange verwandelte, und die kleine Schlange verwandelte sich, ohne mit der Wimper zu zucken, in eine große. Nun begann ich vor Angst zu zittern. Ich warf die Blume zu Boden und wollte weglaufen, aber die Beine gehorchten mir nicht; ich wollte aufschreien, brachte aber keinen Ton hervor.
Die riesengroße geringelte Schlange Aspis tat ihren Rachen vor mir auf, berührte mit ihrem glühenden Stachel meine kalte Nase und verwandelte sich in einen Fisch mit vielen Zähnen. Mein Gott! Das war ja Echinia selbst! Ohne lange zu überlegen, sperrte die Echinia (und nicht mehr die Aspis) ihren Rachen noch weiter auf — ich hatte kaum Zeit, nach meiner Tasche zu greifen, und stürzte in ihren Bauch. Da war es um mich geschehen.