A. Aufschläger.
Aufschläger werden angewandt
Sehr gut mit grober Sackleinwand.
Das große Leintuch mehrfach falte,
Damit es eine Form erhalte,
Die von dem Hals die ganze Strecke
Bis an den Unterleib bedecke;
Auch seitwärts links und rechts desgleichen,
Soll’s noch ein Stück hinunterreichen.
Hat man die rechte Form gefunden,
Wird’s in kalt’ Wasser ausgewunden;
Der Kranke, der im Bette leidet,
Bekommt es über sich gebreitet;
Dann schließe rasch mit dicker Decke
Ganz luftdicht ab die ganze Strecke,
Und wieder über diese endlich
Das Federbett noch selbstverständlich.
Aus Vorsicht leg’ ich ebenfalls
Ein Tuch gewöhnlich um den Hals,
Dann kann es nie der Luft gelingen,
Von oben her noch einzudringen.
Man muß dabei recht achtsam sein,
Sonst tritt gar leicht Erkältung ein.
Man liege also eingewunden
Im Bette bis ¾ Stunden;
Ist eine Stunde höchstens um,
Zieht man sich an und geht herum.
Vermag dies einer nicht zu thun,
So kann er auch im Bett noch ruh’n.
Dies Mittel, also angewandt,
Wird Oberaufschläger kurz benannt:
Es wird aus Unterleib und Magen
Versessene Gase rasch verjagen.
Der Unteraufschläger wird genommen
Um auch dem Rücken beizukommen,
Denn Rückenschmerz ist kein Genuß,
Am wenigsten der Hexenschuß
Vor Feuchtigkeit das Bett zu schützen,
Wird eine Unterlage nützen;
Auf diese wird das Tuch gebreitet,
Das man wie oben zubereitet.
Der Kranke legt sich obendrauf
Und paßt auf seine Uhr schön auf.
Das Weitere, sowie Vorsicht endlich,
Ist grad wie oben selbstverständlich.
Auflage auf den Unterleib.
Es liegt ein Patient im Bett,
Der gern was gegen Krämpfe hätt’!
Auch ist ihm so ein Druck des Magens
Ein Grund beständigen Mißbehagens.
Der Arme eine Auflag braucht,
Die gegen seine Schmerzen taugt.
Ein Linnentuch zusammenlegend,
In Wasser ausgewunden,
Bedeck’ er seine Magengegend,
Und was noch weiter unten.
Auch Essig, oder sonst ein Sud,
Von Zinnkraut, Haberstroh, thut gut.
Anmerkung.
Sehr häufig pflegt man mich zu fragen:
»Was hältst du von den Eisauflagen?
Und ist nicht auch gewissermaßen
Empfehlenswert das Aderlassen?«
Drauf sag’ ich ein- für allemal:
Die Eisauflagen sind brutal.
Bedenke: Drin ist’s glühend heiß,
Und außen drauf ein Berg von Eis,
Und mitten zwischen Eis und Glut
Der zarte Stoff von Fleisch und Blut
In Leidensqual ganz eingekeilt —
Wird so ein krankes Glied geheilt?
Ist’s gut — statt Hilfe mild zu bringen —
Gewaltsam die Natur zu zwingen?
Zwar wirkt es scheinbar oft ersprießlich —
Sehr schlimm sind doch die Folgen schließlich.
Es kann in allen Körperteilen
Das Wasser jede Hitze heilen.
Damit ist aber nicht gesagt,
Wenn dich im Kopf die Hitze plagt,
Du müßtest nur auf deine Glatzen
Beständig kalte Aufschläg’ batzen —
Die Hitze läßt sich so nicht heilen,
Versuch’, das Blut erst zu verteilen,
Greif’ erst ’mal bei den Füßen an
Und rück’ allmählich weiter dann!
Als and’res Mittel in der Regel
Empfiehlt man Aderlaß und Egel.
Auch dieses Mittel ist nicht gut:
Der Mensch hat nie zu viel an Blut.
Natur hat ihm fürs ganze Leben
Ein Quantum Blutsaft mitgegeben,
Das als Essenz, als Grundstock gilt,
Aus dem die Blutbereitung quillt,
Weshalb du jeden Blutverlust,
Als Lebenskürzung, meiden mußt.
Blutbildung, die man künstlich schafft,
Hat keine wahre Lebenskraft.
Der Enkel Schwächlichkeit und Blässe
Verdammt des Ahnherrn Aderlässe.
Hat je, wenn ’s Öl versiegt, ein Docht
Noch länger fortzuglüh’n vermocht?
Selbst wenn dich Schlaganfall bedroht,
Folgt gern dem Aderlaß der Tod.