Abhärtungsmittel.

Motto:

Des Leibes dauernd Wohlsein ist

Nur dadurch zu erreichen,

Daß man zwei Mittel nicht vergißt:

Abhärten und Abweichen.

1.

Bei Mitteln, die verordnet werden,

Um unsern Körper abzuhärten,

Muß namentlich das Barfußgeh’n

In allererster Reihe steh’n.

Mir ist, als ob uns im Instinkte

Natur oft mit dem Zaunspfahl winkte;

Bedenkt nur, wie die Kinder streben,

Sich diesem Labsal hinzugeben!

Bedauernswerter Städterfuß,

Der stets gefesselt wandeln muß,

Geschnürt in Schuh’, gepackt in Strümpfe,

Damit man nicht die Nase rümpfe.

Doch, ein Verständiger hilft sich immer,

Und wär’s auch nur auf seinem Zimmer,

Der Brite, das weiß jeder Quastl,

Sagt treffend: »Mei haus is mei kastl!«

Das heißt auf deutsch, wenn einer fragt:

Zu Haus thu’ ich, was mir behagt.

Wohlauf drum, barfuß ungeniert

Im Schlafgemach herumspaziert!

Sowohl des Morgens in der Fruh,

Als abends, eh’ du gehst zur Ruh’,

Benütze dieses Mittel fleißig,

Von zehn Minuten bis zu dreißig.

Es wird nicht eher besser werden,

Bis ihr beginnt, euch abzuhärten!

Anmerkung.

Hier möcht’ ich gerne bei den Müttern

Ein altes Vorurteil erschüttern.

Wie sündigt man mit Wärmeflaschen,

Und sucht das Kind recht warm zu waschen —

Wie hüllen sie die Kinderlein

Gleichsam in wollene Öfen ein,

Wie glauben sie, dem Wurm zu nützen,

Wenn sie vor frischer Luft ihn schützen!

Ja, man verhüllt ihm Mund und Hals,

Und oft das Näslein ebenfalls.

Bedenkt, daß die erschlaffte Zeit,

Verzärtelt wird durch Weichlichkeit!

Es wird nicht eher besser werden,

Bis ihr beginnt, euch abzuhärten.

2.

Sehr wirksam ist und macht viel Spaß,

Das Barfußgeh’n im nassen Gras.

Das nützet Kranken und Gesunden

Und währt 1–3 Viertelstunden.

Alsdann mußt du von Sand und Steinchen

Und Halmen deine Füße reinigen,

Doch darfst du sie nicht trocken reiben —

Die Füße müssen näßlich bleiben,

Doch dann natürlich — zur Vermeidung

Von Schnupfen — trockene Fußbekleidung!

Und geh’ an steinbelegten Orten,

Bis deine Füße warm geworden!

3.

Fehlt’s wem an Gras, so sei gefaßt er,

Und such’ dafür ein steinern’ Pflaster,

In Küch’ und Hausgang oder wo —

Das thut die Dienste ebenso.

Darüber wandle unverdrossen,

Nachdem kalt Wasser vorgegossen.

Bei solchem Aufguß nicht vergeß’ ich,

Oft beizumischen etwas Essig.

Zum Schluß befolg’ noch alles das,

Wie nach dem Geh’n im nassen Gras.

4.

Sehr wirksam ist und thut nicht weh’

Das Barfußgeh’n in frischem Schnee.

Man hat dies Narretei benannt —

Allein so spricht der Unverstand.

Brennt’s dich auch an die Zehenglieder —

Nur herzhaft! Das vergeht schon wieder!

Die 17jährige Helene

Beklagt sich über Schmerz der Zähne.

»Tritt 5 Minuten frischen Schnee,

Dann thut dir wohl kein Zahn mehr weh’!«

Das Mägdlein folgte augenblicklich,

Und sieh’, der Schnee hat nicht betrogen;

Nach 10 Minuten sprach sie glücklich:

»Das Zahnweh ist wie weggeflogen!«

Thut einer frösteln oder frieren,

Der darf’s natürlich nicht probieren;

Nur bei normal gewärmtem Leib

Versuch’ er diesen Zeitvertreib.

Zum Schluß befolg’ er alles das,

Wie nach dem Geh’n im nassen Gras.

5.

Gar sehr ist Geh’n bis an die Waden

Im kalten Wasser anzuraten.

Wer sich mit solcher Kur beschäftigt,

a) Der wird bald allgemein gekräftigt,

b) Es nützt den Nieren und der Blase,

c) Und wirkt befördernd auf die Gase;

d) Und ist der Kopf recht eingenommen,

So wird ihm dieses Mittel frommen.

Sind 5–6 Minuten um,

Zieh’ warm dich an und geh’ herum.

6.

(Arm- und Fußbad.)

Sobald wir die Extremitäten

Minutenlang ins Wasser thäten,

Verspürten wir an Arm und Fuß

Viel Besserung und Hochgenuß.

Derartige Übung wirkt viel Gutes,

Durch Umlaufsteigerung des Blutes.

7.

Als letztes Mittel, welches stählt,

Sei noch der Knieguß aufgezählt.

Er ist es, den ich hier begrüße

Als den besondern Freund der Füße.

Er macht das träge Blut recht munter,

Und lockt’s ins kalte Bein hinunter.