Lyrisches Vorspiel.

1.

Lieber Freund! Schon einige Monde

Sind im Nu bereits verflossen,

Seit ich dich mit Wasserstrophen,

Vielfach wechselnd, übergossen.

Ach, die Monde schwinden eilig,

Das heißt, die der Astronomen,

Während die der Menschen freilich

Meistenteiles eilig kommen.

Wieder greif’ ich in die Saiten,

Die wie Wasserfälle rauschen,

Daß der Mond am Himmel lächelt

Und die gold’nen Sternlein lauschen.

2.

Mond, der Mutter Erde Bruder,

Unser guter Onkel droben, —

Wenn der Jugend Sonne sank,

Scheinst doch du auf unsern Globen.

Mond, ich spürte manchmal Lust,

Dir ein zartes Lied zu widmen

Und dein Emmenthalerantlitz

Zu verherrlichen in Rhythmen —

Aber Mond, du hast nicht Menschen,

Hast von Wasser keine Spur,

Darum bist du ganz belanglos

Bei dem Lob der Wasserkur.

Ich, von allen deutschen Dichtern,

Bin der erste Apostat,

Der zum Aufputz seines Sanges

Deiner nicht mehr nötig hat.

3.

Lieber Freund! Gar mannigfaltig

Sind die menschlichen Gebrechen,

Dieser hat ein Nervenleiden.

Der klagt über Blasenschwächen,

Jener ist moralisch schwächlich.

Andern fehlt’s am Intellekt,

Und die meisten wissen gar nicht,

Wo vielleicht das Übel steckt.

Namentlich der letzteren wegen

Stimm’ ich jetzt die Saiten an,

Denn ein Menschenfreund und Dichter

Tröstet, wo er trösten kann.