Erstes Kapitel

Nein, noch nicht. Wir müssen vorher noch einmal abzweigen. Es gibt kaum eine Stadt, die einen so weiten Umkreis zieht. Wenn einer viele Stunden ginge, vom frühen Morgen bis in den Abend hinein, immer wäre es noch das holdselige Florenz. Villen, die von fernen Hügeln herunterschauen, zwischen Abhängen versteckte Weiler, sie nennen sich noch Florenz. Wo die Straße zweimal einen runden Kreis beschreibt und Pinien einen zackigen Bau, halb Schlößchen, halb Klause schirmen, dort habe ich bei einer Hexe gewohnt.

Wie? –

Aber warum nicht? Man sieht doch jetzt Geister erscheinen, materialisierte Hände in der Luft entstehen, Blumen oder Reiterstiefel aus dem Nichts in die Welt hineinwerfen. Was sollte da eine Hexe so Wunderliches sein? Wie oft sah ich nachts zum Fenster hinaus, ob sie nicht durch den Schornstein fuhr. Nicht mager, sondern ein Gerippe, war ihre Brust eine Höhle, ihre Achseln eine Gruft. Sie hatte mich im Norden eingefangen, und waghalsig, wie man in früher Jugend ist, war ich ihr gefolgt. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, ein Buch über Musik zu schreiben, und brauchte jemanden, der ihr abends all die Dinge vorspielte, welche sie dann morgens, gleich nach dem Frühstück, schnell in Literatur umsetzte. Es war ihre Art, musikalisch zu sein. Nun stand mein Talent zum Vom-Blatt-Spielen zu meiner lückenhaften Schulung ganz außer Verhältnis. Dies war just, was sie suchte. Unser Pakt war also folgender: ich sollte nur für meine Reise aufkommen, ihr vierzehn Tage lang allabendlich vorspielen, dafür bei ihr wohnen und Florenz sehen können. Dieser Punkt wurde auch ganz geschäftsmäßig auf ihr Konto gesetzt. Zwar, wie sollte man es anstellen, in Florenz Florenz nicht sehen zu können, aber ich willigte ein. Florence vaut bien une sorcière, dachte ich. So fuhr ich hin.

Aber leider lebte sie gar nicht in Florenz, sondern von der Piazza del Duomo bis zu ihrer Mulde, die ganz ohne Verbindung lag und zu der keine Straßenbahn, kein Gleis führte, hatte man geschlagene zwei Stunden zu gehen. Nun herrschte sie allerdings über einen verhexten Schimmel und ein Gefährt, das sie stets selbst kutschierte, aber Pferd und Wagen standen nicht im Kontrakt, und sie bot mir niemals an, mit ihr zu fahren.