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Phalanx ist der Name einer von Philipp II. von Macedonien in seinem
Heere eingeführten Schlachtordnung; die Phalanx war ein
dichtgeschlossener, keilförmig geformter, mit Speeren bewaffneter
Truppenkörper, der mit seiner Spitze in den Feind eindrang und
ihn auseinander sprengte. Der Name für sein System ist also von
Fourier nicht übel gewählt.
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Fourier spricht hier denselben Gedanken aus, dem Robinet in seinem
1766 in Amsterdam erschienenen Werke „Ueber die Natur“ (De la
nature) Ausdruck giebt: „Alles in der Natur steht miteinander in
Verbindung“, und ebenso spricht R. einen Gedanken aus, den Fourier
ähnlich wiederholt: „Daß die Natur mit möglichst
sparsamer Ausnutzung der vorhandenen Stoffe arbeite.“ Holbach sagt im
Systeme de la nature: „In der ganzen Schöpfung herrscht
Wesenseinheit.“ Die Ideenassoziation ist augenfällig.
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Herm. Greulich bezeichnet in seiner Schrift: „Karl Fourier, ein
Vielverkannter“ (Hottingen-Zürich, Volksbuchhandlung 1881), den
Ehrgeiz als Auszeichnungstrieb, weil das Wort Ehrgeiz einen
häßlichen Beigeschmack habe. Der von Gr. gewählte
Ausdruck ist unzweifelhaft korrekt, aber wir wollen doch nochmals
ausdrücklich konstatiren, daß nach Fourier's Theorie
alle Triebe gut sind und der Ausdruck Ehrgeiz ebensowenig
anstößig sein darf, als die nach unserer landläufigen
Auffassung von Fourier gebrauchten Ausdrücke Kabalist und
Intrigue. Der Ehrgeiz ist auch in der bürgerlichen Gesellschaft
an sich eine ganz löbliche Eigenschaft, der nur unangenehm und
schädlich wird, wenn er auf Kosten Anderer oder der Allgemeinheit
sich Geltung verschaffen will. Im Uebrigen scheint uns, hat Greulich
in seiner Schrift, in dem Streben, Fourier zur verdienten Anerkennung
zu bringen, ihn ein wenig zu sehr modernisirt und in der Sprache
unserer Zeit reden lassen, ohne seiner Einseitigkeit und Schrullen
genügend Erwähnung zu thun. Ein solches
Zugünstigfärben erklärt sich aus dem Bestreben, Fourier
gegen die ungerechten und unqualifizirbaren Angriffe eines
Dühring, Most und Bernhard Becker in Schutz zu nehmen. Alle drei
bezeichnen Fourier — und Dühring und Most offenbar, ohne
sich näher mit seinen Werken vertraut gemacht zu haben —
einfach als Narren, womit sie glauben, ihn abgethan zu haben. Ob
dieser, Fourier schon zu Lebzeiten von Seiten seiner Gegner
entgegengeschleuderte Vorwurf eine Berechtigung hat, mag der Leser am
Schlusse obiger Abhandlung entscheiden. Wir möchten aber schon
jetzt konstatiren, daß Joh. Most, der sich heute als
Anarchistenchef aufspielt, gar keine Ahnung gehabt zu haben scheint,
daß er Fourier als Vater des Anarchismus anzusehen hat
— das Wort hier in seinem wahren Sinne, der Regierungs- und
Staatlosigkeit genommen, und nicht im Sinne der blinden
Gewaltstheorie, wie sie Most als anarchistisches Prinzip predigt. Die
Fourier'sche Theorie in die Praxis umgesetzt, d. h. der Erdball mit
Phalanstèren bedeckt, machte jede Staatsorganisation
überflüssig, es wäre die Föderation der Phalanxen,
also produzirender und konsumirender Kommunen. Daß Fourier
trotzdem nicht blos alle bestehenden Staaten als weiter bestehend
voraussetzt, sondern auch noch so viele neue dazu zu gründen in
Aussicht stellte, ist einer der Widersprüche seines Systems, die
ihm nicht zum Bewußtsein kamen. Aber es ist ein Widerspruch, der
das System selbst nicht besser und nicht schlechter macht, es in
seinem Wesen unberührt läßt.
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Fourier bezeichnete Diejenigen, die nach seiner Meinung die Mittel
für die Versuchsphalanx besäßen, als Kandidaten und
berechnete, daß es solcher 4000 in Europa gäbe.
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„Unter den Philosophen begreife ich“, sagt Fourier an einer Stelle,
„nur die Autoren der unsicheren Wissenschaften (sciences
incertaines), die Politiker, Moralisten, Oekonomisten und
Methaphysiker, deren Theorien nicht auf der Erfahrung beruhen, sondern
nur die Phantasie ihrer Urheber zur Basis haben. Wenn ich also von
Philosophen spreche, spreche ich nur von dieser zweifelhaften Klasse,
nicht von den Vertretern der bestimmten Wissenschaften (sciences
fixes).“ Fourier ging von der Ansicht aus, daß die
französische Revolution nur ein Werk der Philosophen
sei.
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Ein Hieb gegen Jean Jacques Rousseau und seine Verehrer, die den
„Naturzustand“ als den glücklichsten, tugendhaftesten Zustand
priesen und im Hirtenleben eine Art Ideal sahen. Jahrzehnte vorher
schon spielte die feudale Gesellschaft in ganz Europa, der
französischen Hofgesellschaft nachäffend, ihre idyllischen
Schäferspiele, wobei aber regelmäßig die Wolfsnaturen
zum Vorschein kamen. Der Verfasser.
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Später änderte Fourier die Bezeichnung der Bewegungen und
erhöhte sie, wie schon erwähnt wurde, auf fünf: 1. Die
materielle, welcher die Erde, 2. die organische, welcher das Wasser,
3. die normale, welcher die Arome (Elektrizität, Magnetismus), 4.
die instinktuellen, welcher die Luft, 5. die soziale oder passionelle,
welcher das Feuer entspricht. Die eigentliche praktische Bedeutung
dieser fünf Bewegungen oder Antriebe wurde bereits weiter oben
auseinandergesetzt.
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Anspielung auf die Wegnahme des Degens Friedrich's des Großen
von seinem Sarge in der Militärkirche zu Potsdam durch
Napoleon I. 1806.
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Wir brauchen hier nicht auf die Einseitigkeit des Urtheils Fourier's
über das achtzehnte Jahrhundert hinzuweisen; das achtzehnte
Jahrhundert hat mehr geleistet, als vor ihm viele Jahrhunderte
zusammengenommen.
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Anspielung auf die Zustände in der französischen Revolution
während der Herrschaft des rothen und des weißen
Schreckens.
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In der ersten Hälfte des Jahrhunderts und zwar bis 1848 herrschte
in Frankreich ein sehr hohes Zensussystem, das nur die Wahl der
Reichsten ermöglichte.
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Der Sold des französischen Soldaten jener Zeit.
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Als die sieben natürlichen Rechte des Wilden betrachtet Fourier:
1. Sammelfreiheit der Früchte; 2. Weidefreiheit; 3. freien
Fischfang; 4. freie Jagd; 5. innere Verbindung der Horde; 6.
Sorglosigkeit; 7. auswärtigen Raub (vol exterieur).
Unter diesem etwas seltsam scheinenden Recht versteht Fourier das
Recht des Wilden, Alles, was er außerhalb des gemeinsamen
Eigenthums der Horde oder des Stammes der Aneignung werth findet,
nehmen zu dürfen. In der Zivilisation findet der Raub innerhalb
der eigenen Gesellschaft, an Gliedern derselben statt, diesen Raub an
der eigenen Genossenschaft kennt der Wilde nicht, der innerhalb der
Horde, des Stammes Gemeineigenthum besitzt und dieses respektirt. In
der Regel lebt der Wilde mit den benachbarten Stämmen in
Feindschaft und so wird dieses Recht des „auswärtigen Raubs“
einfaches Kriegsrecht. Bei uns Zivilisirten sind noch die Rudimente
ganz ähnlicher Auffassung vorhanden, die Kontribution der
Lebensmittel im Kriege ist in unsern Augen kein Raub, und die Annexion
fremder Länder und Provinzen wird auch nicht als solcher
angesehen. Fourier will mit seiner ganzen Auseinandersetzung sagen:
der Wilde hat einestheils mehr Freiheit und Wohlsein, als der arme
Zivilisirte, andererseits weit mehr Solidaritätsgefühl,
als die Zivilisirten überhaupt. Um das Solidaritätsgefühl,
das der Wilde in der Horde, im Stamm hat, in unserer Gesellschaft zu
begründen, brauchen wir eine ganz neue soziale
Organisation.
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Fourier erwähnt hier einen selbsterlebten Fall und führt die
Namen an, die wir als gleichgültig weglassen.
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Der Leser will nicht vergessen, daß das nicht heute, sondern
schon vor dreiviertel Jahrhunderten geschrieben wurde.
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Jede dieser kurzzeitigen Beschäftigungen nennt Fourier Sitzung
(séance).
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Der Letztere dürfte wohl kein passend gewähltes Muster sein,
indeß man muß stets beachten, wann das Gesagte
geschrieben wurde. Die historische Forschung stak damals noch in den
Kinderschuhen, Fourier folgte hier dem allgemeinen Vorurtheil, das zu
Gunsten Heinrich's IV. sprach. Der Verf.
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Das Kloster, ein in Frankreich in sogenannten besseren Familien, wo
das nöthige Vermögen zu einer Aussteuer fehlt, oft
vorkommendes Auskunftsmittel, sich unbequem gewordener Töchter zu
entledigen. Der Verfasser.
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Robert Walpole, berühmter englischer Staatsmann, von
1721–1742 Kanzler der Schatzkammer.
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Anspielung auf die verschiedenen Attentatsversuche und
Verschwörungen, denen trotz aller Sicherheitsmaßregeln
Napoleon I. wie Ludwig XVIII. und Louis Philipp ausgesetzt
waren.
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Unter den Manufakturisten sind hier sowohl die Fabrikanten wie
diejenigen Handeltreibenden verstanden, die entweder in eigener
Behausung nach dem Prinzip der Arbeitstheilung, aber ohne Anwendung
von Dampf und Maschinenkräften — die damals erst im
Entstehen waren — oder, wie dies heute noch in manchen
Industriezweigen auch in Deutschland geschieht, z. B. in der
Spielwaaren-, Messer-, Kleineisenwaaren-Fabrikation, der Hausweberei,
Posamentirerei, Strumpfwirkerei, der Bijouterie etc., auf dem Wege der
Hausindustrie produziren lassen, wobei der Kaufmann die Rohmaterialien
liefert. So weit Massenerzeugung in Betracht kam, war zu Anfang dieses
Jahrhunderts in Frankreich die Manufaktur die maßgebende
Produktionsform.
Unter den Handeltreibenden versteht Fourier, wie der Leser bereits
erkannt haben wird, nicht allein die Kaufleute im engeren Sinn,
sondern auch alle an der Börse betheiligten Kreise, die Grund-
und Bodenwucherer etc., kurz Alle, „welche ohne zu säen
ernten“.
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Fourier hat hier hauptsächlich den Baustellen- und
Häuserwucher im Auge, der auf Kosten der Gesundheit und
Lebensannehmlichkeit der Städtebewohner sich breit mache, Luft
und Licht der Bevölkerung schmälere.
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Diese Charakteristik könnte ebenso gut heute geschrieben sein. Sprach
doch im Herbste 1885 die königl. sächsische „Leipz. Zeitung“
es offen aus, daß man heut zu Tage im Zweifel sei, ob man eine
gute Ernte wünschen dürfe. Und doch veranstaltet man
jährlich für die Ernte auf allen Kanzeln Gebete und feiert
Dankfeste.
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Fourier meint hier die Herstellung des Zuckers aus Runkelrüben,
den er als ein gefälschtes Produkt ansah, weil man bis dahin nur
Zucker aus Zuckerrohr gewonnen kannte. Die Einführung des
Kontinentalsystems durch Napoleon I. und das Verbot der Einfuhr
englischer Kolonialwaaren, hatte zur Erfindung der Zuckerbereitung aus
Runkelrüben den Anstoß gegeben und diese Art Zucker
bürgerte sich von da ab immer mehr ein. Fourier, der offenbar die
Süßigkeiten sehr liebte, sah den Rübenzucker als eine
Fälschung des natürlichen Zuckers an. Wir, die wir heute
fast nur aus Runkelrüben bereiteten Zucker kennen, denken
darüber anders. Schließlich ist kein auf künstlichem
Wege gewonnenes Lebensmittel einem sog. Naturprodukt gegenüber
als Fälschung zu betrachten, vorausgesetzt, daß über
die Art seiner Entstehung kein Zweifel begeht und es dem sog.
Naturprodukt, das es ersetzen soll, völlig gleichwerthig ist. Wir
werden in dieser Beziehung in Zukunft noch viele Vorurtheile ablegen
müssen. Der Verfasser.
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Die Titel dieser Schriften sind: „Der Sozialismus in seiner Anwendung
auf Kredit und Handel“ von Franz Coignet, Zürich 1851; „Bank- und
Handelsreform“ von F. Coignet, aus dem Französischen von Karl
Bürkli, Zürich 1855; „Solidarität“, kurzgefaßte
Darstellung der Lehre Karl Fourier's von Hipolyte Renaude, deutsch
bearbeitet von Kaspar Bär und Karl Bürkli, Zürich 1855;
„Kritische Darstellung der Sozialtheorie Fourier's“ von A. L. Churoa,
Braunschweig 1840; „Organisation der Arbeit“ von Franz Stromeyer,
Bellevue bei Konstanz 1844; „Abbruch und Neubau“ oder „Jetztzeit und
Zukunft“ von Michael *****, Stuttgart 1846.
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