D
dabeln, dabelstên, s. dobbelen.
dach, m. 1. Tag; Tageslicht. eines dages, an Einem Tage; eines Tages (von vergangener u. künftiger Zeit); des anderen dages, jüngst, neulich; dach bi dage, tagtäglich; van dage, heute; van dagen, van Tag zu Tag (in dies). 2. Leben, Lebenstage. 3. bestimmter Tag, Termin, Tagfahrt; Frist, Aufschub; to dage, auf Credit.
dach-brûtlacht, am Tage gefeierte Hochzeit.
dach-dêf, Tagedieb.
dach-dêven, sw. v. tagedieben.
dachdink, -dingen, s. degedinge, -dingen.
dach-dageduve, Diebstahl bei Tage.
dach-hûr, Tagelohn.
dach-lonen, sw. v. um Tagelohn dienen, Taglöhner sein.
dach-lônre, Taglöhner.
dachmat, -met, s. deimet.
dach-mette, (Früh)mette.
dach-reise, Tagereise.
dach-stede, Gerichts-, Versamlungsstätte.
dacht, n. (?) Gedanke.
dacht (decht, dicht), n. u. m. Docht.
dacht-aftich, im Gedächtnis behaltend.
dachtich, dachtnisse = dechtich, dechtnisse.
dach-, dagevart, 1. Tagereise. 2. Versamlung an einem bestimmten Tage.
dach unde nacht, Parietaria off.
dach-vrist, Befristung auf einen Tag.
dach-werk, Tagewerk, ein Ackermass.
dach-werke, -werker, Tagelöhner.
dach (dake), m. u. n. 1. Dach. 2. Schilfrohr (das zum Dachdecken gebraucht wird), Dachstroh.
dack-gâr, dachfertig.
dack-lant, niedriges Land (? Land, wo Schilfrohr wächst?)
dack-stên, Dachziegel.
dack-tegel, Dachziegel.
dadel, (fries.) Mord, Totschlag.
dadel-bôm, Dattelbaum; d.-stên, Dattelkern.
dadele, f. Dattel.
daden, Nebenf. zu dôn.
dader, Thäter.
daderkule, alga, spuma maris.
dadich, adv. wirklich, in der That.
dage-leistunge, Verhandlung, placitum.
dage-licht, tageshell.
dagelik (dege-, dech-, de-, dei-lik), täglich; von Sünden: lässlich, verzeihlich, peccatum veniale. Adv. dageliken u. dagelikes (dies auch adj.).
dage-lôs, ohne bei einer Verhandlung ein Resultat erreicht zu haben.
dagen, sw. v. 1. Tag werden, diescere. 2. tr. zu einem Tage (e. Verhandlung) vorladen; verhandeln, sich vergleichen, pacisci; vertagen, fristen.
dage-rât (-rêt, -rôt), n. u. f. Morgenrot.
dage-riden, Versamlungen bereisen, besuchen.
dageringe, f. Morgendämmerung.
dage-schîn, Tageslicht.
dage-settinge, Tagsatzung.
dages-tidich, der Jahreszeit entsprechend.
daget, f. Tagesanbruch.
dage-tît, bestimte Zeit, Termin.
dage-wede, Tagereise, dieta.
dage-werchte, Tagarbeiter, Unfreier; Taglöhner.
dage-wise, Tagweise; Gesangweise, Lied.
dagge, m. kurzer Degen, Dolch.
dâk (dake), m. Nebel.
dâk-aftich, nebelicht.
daken, sw. v. nebelicht sein.
daker, s. deker.
dakich, nebelicht.
dâl, m. u. n. Thal.
dâl (dale), adv. nieder, her-, hinunter.
dâl-acker, Acker, der sich abwärts neigend liegt?
dalen, sw. v. niederfallen; sinken.
dalen, sw. v. = dolen, dwalen.
dale-slân, niederschlagen.
dale-tên, niederziehen.
dale-wert (delewerts), ab-, niederwärts.
dalgen = dalink, heute.
dalink, dallink, adv. u. adj. heute.
dalli, dallien = dalink.
dâl-slach, niederfallender Kragen (eines Mantels etc.)
dam, m. Damm; Strassenpflaster.
damask, Damast; damasken, damasten.
damdôk, Name eines (meist schmalen) englischen Tuches.
dam-here, der die Aufsicht über die Wege und Strassen hat.
dammen, sw. v. einen Damm machen; aufhäufen (tosamene d.).
damp, m. Dampf.
damp(e), m. Engbrüstigkeit, Asthma.
dampen (dempen, dumpen), sw. v. tr. u. intr. ersticken; zuwerfen, ausfüllen; unterdrücken.
damp-horn, ein Löschnapf (von Horn); (bildlich: Habichtsnase).
dampich, dempich, engbrüstig, asthmatisch.
damspil, ein Spiel der hanseatischen Contoiristen zu Bergen (Hans. Gesch. Bl. 1877, S. 143, vgl. S. 102).
dan, den (denne), adv. 1. dann. 2. als (nach Compar.) 3. aber, nach e. Negation: sondern ... it en were dan (und auch ohne Negation it were dan), it en was dan (oder mit andern Verben) es wäre denn, dass, wenn nicht, nisi (eine Ausnahme machend). 4. oder (im zweiten Glied einer Doppelfrage).
dan, m. Tann, Wald.
dande-man = sande-, santman.
dandôk = damdôk.
dane, f. Dohne, Vogelstrick.
dane, Niederung (an den Flüssen).
danen, s. donen.
dank, Seetang.
dank, danke, m. 1. Gedanke. 2. Vorsatz, Absicht, Wille. 3. Dank.
dankberheit (-barheit), Dank.
dankelbrêf, Entlassungsbrief.
danken, sw. v. danken; den Abschied geben oder nehmen.
dankbarlicheit, Dank.
dankbarlik, -liken, dankbar.
danklik, denklik, zu Danke, angenehm, lieb; dankbar; adv. dankliken.
dank-mudicheit, Danksagung.
danknamich, dankbar.
danknamicheit (-namheit), Dank.
danknamelik, angenehm, willkommen, gratus.
danknamen, sw. v. danken.
danknamichlik(en), dankbar.
danknamigen, dankbar, gratanter.
dankneme, -nemeliken = dankname, -namich.
dankplegunge, Dankbarkeit.
danksamich, dankbar; -cheit, Dankbarkeit.
danne, f. Tanne.
dannen-swam, agaricus.
danz, dans, m. Tanz.
danze-lêt, Tanzlied.
danzel-hûs, Tanz- u. Spielhaus, theatrum; auch als Versamlungsort des Rathes dienend.
danzel-kede, Kette, die man beim Tanz trägt.
danzel-kogele, Tanzkappe, eine Art (feiner) Haube.
danzel-rock, (feiner) Rock, den man beim Tanze trägt.
danzen, sw. v. tanzen.
dapper, 1. schwer, gewichtig, gewaltig. 2. furchtlos, ausdauernd.
dapperheit, Grösse, Schwere, Bedeutung.
dâr, passend, thunlich.
dar, darn, 3. P. Pr. von doren (dürfen).
dar(e), 1. räumlich: da, dort; wo. 2. zeitlich: da, als. 3. modal.: sofern, wenn.
dar-an(e), daran, darin.
dar-af, -ave, davon.
dar-benedden, darunter (niedriger).
dar-bi, dabei; da bei herum, ungefähr.
dar-bovene, darüber, ausserdem; trotzdem.
dar-buten, da draussen.
darde, dritte (s. dorde).
dar-dôn, darthun, beweisen.
dare (darre) u. darne, f. Darre zum Trocknen des Getreides.
dar-enbinnen, verstärktes enbinnen.
dar-enboven = darboven.
dar-enbuten = darbuten.
daren-hûs, Gebäude zum Darren.
dar-entegen, dagegen.
dar-gevôch, Darreichung.
dar-inne, dar-in.
darm, m. Darm.
dar-mede, damit.
dar-na, dar-nach.
dar-negest, -neist, dar-nächst.
darn-laken, Laken, die bei der Darre gebraucht werden.
dar-over, dar-über, dabei.
dar-sulves, daselbst.
dartel, darten, s. dertel, derten.
dar-umme, 1. deshalb. 2. weil.
dar-umtrent, dar-umher; ungefähr.
dar-ût, daraus; deshalb.
dar-van, davon.
darven, sw. v. bedürfen, entbehren.
dar-vore, dafür: d. sîn, begünstigen, fördern; hindern, im Wege sein.
darwert, -werdes (derwert), dorthin.
darsche, f. Tartsche.
das (dasse), m. Dachs.
daschliken, trotzig?
dât (dade), f. That. Als m. oder n. in der Formel: rades unde dades.
dat, conj. dass. 1. Der Satzverknüpfung wegen namentlich zu Relativen hinzugefügt, oft scheinbar überflüssig; oft auch fehlend. 2. gesetzt dass, obgleich. 3. so dass.
date, n. Datum.
dâtlik, thätlich.
datum, n. Datum; bildl. Zuversicht, Hoffnung.
dau, s. dow.
daver (dabber), m. Baum-, bes. Birkenrinde, -bast.
daveren, sw. v. ein zitterndes Geräusch machen (die Füsse auf derselben Stelle rasch auf und nieder bewegen).
de, m. und f. dat, n. 1. der Artikel: der, die, das. 2. demonstr. Pron. der, dieser.
de (= ahd. Instr. diu), vor Comparativen: desto, um so; so vele de mêr, um so viel mehr; jo de mêr, immer mehr u. ä.
de, dat, Pron. relat. der, welcher (häufig noch markiert durch ein folgendes se = so, z. B. de se); auch absol. als Relativzeichen; fehlt häufig (wie im Engl.).
de, verkürzt aus da (dar); Verstärkung des Relativs: der da.
...de, dient zur Bildung von Abstracten, = heit.
dê, dee (dech), n. Oberschenkel.
dêch, m. Teig.
dêch, teigig, nicht gut ausgebacken (= dêgich).
dêch-laken, Teigtuch.
dechlik (= degelik), s. dagelik.
decht = dacht.
dechtaftich, eingedenk.
dechte = dechtnisse.
dechte, Prät. zu dorven.
dechtich, dachtich = dechtaftich.
dechtinge, Ohrfeige, Backenschlag? (= hochd. Dachtel?)
dechtinge = dechtnisse.
dechtliken, adv. eingedenk, fest im Gedächtnis.
decht-, dachtnisse, Gedächtnis, Andenken, Erinnerung; jährlich wiederkehrende Feier, Memorie, anniversarium.
dêch-troch, Teigtrog.
dechtum, dechtem, m. der Zehnte.
deckel-weden, Weidengerten zum Decken des Hauses.
decken, sw. v. decken, bedecken.
deckenisse, Bedeckung; Schutz.
decker, m. Deckel (= deckel).
decksel, deckels, n. Decke, Deckel, Dach; bildl. Deckmantel.
dedelik, thätlich, wirklich?
deder, Thäter.
dedich, thätig.
dedigunge = degedinge.
dedinge = degedinge.
dêf (dief, deif), m. Dieb.
dêf-henger, Diebshenker, Scharfrichter, Folterknecht.
dêfliken = dûfliken.
dêf-rovere = dûfrovere.
dêfte = duvede; dêfliken = dûfliken.
deftich, tüchtig, trefflich; vornehm, stolz.
dege, ein Mass (wie gross?)
dege, m. Gedeihen; sinen degen hebben, gedeihen, glücklich sein; to degen, gänzlich, gehörig, tüchtig, recte, debite.
dege, adj. tüchtig, gut, debitus.
degedinge (dedinge, dagedinge, dachdink), gew. n. und im Plur. die auf einen bestimmten Tag angesetzte (gerichtliche) Verhandlung, Gerichtstag, Termin, Frist; Verhandlung, Besprechung überh.; Vertrag.
degedingen (dedingen, dage-, dachdingen), sw. v. Gericht, Gerichtstage halten; zu einem Gerichtstage vorladen; Frist geben; verhandeln, vertragen, placitare.
degedinges-dach, Tag zur Verhandlung.
degedinges-man, der Verhandlungen führt, leitet, Sprecher, Worthalter, placitator; zu einer Verhandlung zugezogener Zeuge.
degel, m. Tiegel.
degelicheit, Tüchtigkeit.
degelik, kräftig, tüchtig, gebührend; adv. degeliken.
degelikes = dagelikes, dachlikes.
degen = dagen.
degen, m. Mann, Held.
degenaftich, männlich, kräftig, validus.
deger (diger, doger), degger, degeren, adv. völlig, gänzlich.
degerliken, gänzlich, völlig.
(deheme) dehme, Zehnte, decima.
deichlik = degelik, täglich.
deiget, Birkentheer, oleum Rusci.
deimet, dêmt, n. Tagemaht (dachmat, -met), d. i. als Landmass, soviel einer in einem Tage mähen kann.
deinlink (dien-, dên-link), Diener.
deise, f. Darre.
deisen, sw. v. heimlich weggehen, sich wegschleichen.
deit, deitwech, s. dêt.
deken, Dekan, Dechant.
dekenie, Dekanei.
dekeninne, Dechantin.
deker (daker), Decher, eine Zahl von zehn, decas.
dêl (deil), n. u. m. Teil, Anteil, ein dêl, ein gut Teil, sehr viel; teilweise, zum Teil (bes. in der Form ein dêls; ein dêls – ein dêls, teils – teils, einige – andere.)
dêl-achtich = haftich.
dêl-brêf, Urkunde über (Erb)teilung.
dêle, f. = dêlinge, Teilung, Abfindung eines Kindes mit seinem Teile; (Antrag auf ein Urteil?) Klage.
dele, f. 1. Diele, Flur (gew. mit Lehm gepflastert), pavimentum.
2. Stockwerk.
dêle, f. Diele, dickes Brett, Planke.
dêle-gras, Gras, soviel auf jemandes Teil kommt (Quote).
dêlen, deilen, sw. v. 1. teilen, erbteilen; einteilen, messen. 2. ver-, austeilen. 3. scheiden. sik d. van, sich lossagen; van sik delen, abfinden mit (Erb)teilung. 4. einen Rechtsspruch erteilen, entscheiden; erklären für.
dêler, Teiler; der von dem Gutsherrn bestellt ist das demselben zufallende dêlkorn zu sammeln (resp. zu teilen) u. in Empfang zu nehmen.
dele-, deltucht, soviel ein Bauer an Schweinen nach seines Hofes Umständen halten kann.
dele-wert, s. dalewert.
delgen (deligen, diligen), sw. v. vernichten; ungültig machen.
dêl-gever, Verteiler.
delginge, Tilgung.
dêlhaft, -haftich, teilhaftig.
dêlhaftigen, teilweise.
dêlinge, Teilung.
dêl-korn, das Getreide, das dem Eigenthümer des Landes von den Pächtern für die Benutzung gegeben wird.
dêlmester = dêler, ein (Kloster- u. Hospital) Bedienter bei den Hebungen u. Auszahlungen.
dêlsam, fähig teilhaft zu werden.
dêlsman = ordelsman, Urteiler, Richter; Teilhaber, Geselle, der keinen Zeitlohn, sondern Anteil am Gewinne etc. erhält.
delf, m. Graben.
delven, st. v. graben.
delvern, s. dolvern.
delvgrove, (tautol.) Grube, Graben.
dêl-vorer, der Anteil am Geschäfte, Gewerbe etc. hat.
dêmôt u. dêmodicheit, Demut (gew. ôtmôt).
demmer = domer.
dempen, dempich = dampen, dampich.
dempinge = damp.
dempnie = damp.
dêmt, s. deimet.
dênen, sw. v. 1. intr. dienen; d. mit, in jemandes Dienste stehen. 2. tr. als Pflicht geben, leisten, als Feudalabgabe entrichten. dat amt d., den (pflichtmässigen) Amts-Gildeschmaus geben.
dêner, Diener; f. dênersche.
denke-brêf, Document, Urkunde.
denkede = dechtnisse.
denke-gelt, das Geld für das Vorlesen, Gedenken der Verstorbenen von der Kanzel.
denk-e(l)-bôk, Memorabilienbuch, Gedenkbuch.
denken, sw. v. denken an, auf etwas; gedenken, sich erinnern. Unpers. erinnerlich sein.
denkeninge, Gedenken.
denke-rulle, Document.
denkinge = dechtnisse.
denklich = danklich.
denne (danne), m. u. f. (schalenförmige) Vertiefung, Höhlung, bes. von der Lagerstätte.
dennen, denden, adv. dannen.
dennenoch, dennoch, gleichwol, trotzdem.
denning, eine kleine Münze, 9 d. = 1 M.
dênst, n. u. m. 1. Dienst, Gottesdienst. 2. freiwillige Leistung, Gefälligkeit. 3. Leistung zu welcher man verplichtet ist, Abgabe; bes. der Schmaus beim Antritt eines Amtes. 4. concr. m. Dienstbote.
dênst-aftich, diensthaftig, zu Dienst verpflichtet.
dênstlik, dienstbereit, -willig. Adv. dênstliken.
dênstman, Dienstmann des Fürsten etc., Vasall.
dênstmanne-gût, Dienstmannslehn.
dênst-wîf, Hörige.
dêp, n. Fahrwasser, Fluss, Kanal.
dêp, depe, adj. u. adv. tief.
dêpede, dêpte, f. Tiefe; vgl. dupede.
dêplich = dûplich.
dêpen, sw. v. die Tiefe untersuchen, mit dem Senkblei die Tiefe messen.
dêpsinnich, tiefsinnig.
der, dient auch zur Einleitung von Bedingungs(Wunsch)sätzen: wenn jemand.
der, dir.. = er in Compositis, z. B. derbarmen, derbedinge, derkennen, derrunge, derneren, derscheden, dervaren, derwerven u. a.
derdenkrût?
derde (darde, dorde), drudde, dridde, dritte.
dêr(e), dêrt, deirt, n. Tier.
dere, f. Schaden, Nachteil.
deren, sw. v. schaden.
deren, dergen, sw. v. dörren, darren.
dêres-vel, Reh(oder Hirsch-)fell.
derfbrôt, ungesäuertes Brot.
derflink, Schwindsüchtiger.
derf-sucht, Darre, Schwindsucht.
dêrlik, tierisch.
dêrlik, schädlich.
derlik, Mitleid erregend, jämmerlich.
dermete, n. Gedärm.
derne, Jungfrau, Mädchen.
derren, s. dor(r)en, wagen.
dersche, f. Stätte, wo man drischt.
derschen (dorschen, dosken), st. und sw. dreschen.
derscher, dorscher, Drescher.
dersche-stede, Tenne.
derschinge, das Dreschen, tritura.
dertên-, druttên-dach, der dreizehnte Tag nach Weihnachten.
dêrte, n. Getier.
dertel, derten, dartel, darten, verzärtelt, mutwillig, albern.
derteliken, adv. verzärtelt.
dertige, dortige, arm, elend.
dêrtlik, tierisch, viehisch, adv. dêrtliken.
derve, ungesäuert.
derve, derbe, gerade, einfach (= bederve?).
derven, sw. v. darben, entbehren; einschrumpfen, vergehen, verderben.
derwert = darwert.
des, der Gen. (wie desses, wes, nichtes), auch als Nom. gebraucht.
des, adv. 1. deshalb. 2. dient zum Übergange auf eine neue Gedankenreihe; so, nun. 3. = deste, wenn nur, nur dass; wenn.
desele (dessel, deissel), f. Dechsel, Queraxt.
desem, Hefe, fermentum, zima, zyma.
desem (dessem, desen, dessen), m. Bisam, muscus aromaticus.
desemknôp, Bisamknopf.
desemkrût, Adoxa Moschatellina (?).
desse (dese, disse, dusse, dosse), neutr. dit, dut, desses, dusses, desset, dusset, pron. dieser.
desses = des, deshalb.
deste, duste (desto, dusto, dester), 1. desto, um so, vor Compar. 2. so, dass, vorausgesetzt dass, wenn nur (auch verkürzt in des).
dêt (deit, diet), f. und n. Volk; Leute. bi slapender dêt, wenn die Leute schlafen, zur Nachtzeit (später umgedeutet und verunstaltet bi slapender tît).
dêt-wech, Volksweg, Heerstrasse, via publica.
deve-kamer, Gefängnis (für Diebe und andere Verbrecher).
deve-keller, Gefängnis (für Diebe etc.).
deve-stock, Stock, in den man die Diebe setzt, cippus.
dêvisch, diebisch, Diebs-.
dexterkêse, Käse von der Insel Texter (bei Amsterdam).
diaken, Diakon; diakenschup, Würde, u. Amt eines Diakonen.
dialtensalve, Salbe aus Althäen-Wurzel.
dicht(e), adj. u. adv. dicht; stark, tüchtig; heftig, sehr.
dicht(e), n. 1. die schriftliche Fassung eines poetischen wie prosaischen Stoffes (Protokolle, Urkunden etc.). 2. das Sinnen u. Trachten.
dichten, sw. v. 1. schriftlich abfassen. 2. erdichten, ersinnen; anstiften.
dichten, sw. v. dicht machen, füllen.
dichter(e), Schreiber; Verfasser.
dichtliken, erdichtet, fälschlich.
dich(t)nisse = dechtnisse.
dick, 1. dick. 2. dicht. 3. häufig.
dickdam (-dan), Dictamnus albus (Diptamus; condrosia, dicanum).
dicke (dicken, dickes, decke, ducke), adv. 1. oft, häufig. 2. = dichte, nahe, d. bî, nahe bei, in der Nähe.
dicke, f. Dickicht (des Waldes).
dickecheit, Dicke.
dickede, dickte, f. Dicke.
dickelaftich, dickflüssig.
dicken, sw. v. refl. sich häufen, sich vermehren.
dickent, adv. = dicke, häufig.
dick-kop, Dickkopf.
dick-, duckmâl, oftmals.
dickwîl, -wiles, oft, häufig.
diderik, Dieterich, Nachschlüssel.
dider(i)ken, sw. v. mit einem Dietrich aufschliessen.
die (dihe, dige) = dege, Gedeihen.
dien (digen, dijen, dihen), st. v. gedeihen; geraten.
diete = dachvart.
digge (digke) = dagge? oder = punge (Geldbeutel?).
dîk, gew. m. Teich und Deich.
dîk-dam, Damm eines Teiches.
dîk-êdink, Deichgeschworner.
diken, sw. v. 1. deichen, einen Damm aufführen; ihn ausbessern. enen graven d., e. Graben ausfüllen. 2. in den Teich, ins Wasser legen (vom Flachse).
diken, sw. v. büssen, wieder gut machen.
diker, Deicher; Deicharbeiter; ein Eigentümer, der einen Teil des Deiches in Stand zu halten hat.
dîk-erde, Erde, die man zum Deichen gebraucht.
dikes-man, einer der zu deichen hat.
dikes-vak, Deichfach, Abteilung, Stück eines Deiches.
dîk-greve, der Vorstand des Deichwesens.
dîk-mester, Teichmeister (Pächter eines Fischteiches).
dîk-richter, Deichrichter.
dikrump, Rohrdommel.
dîk-schower, Deichbesichtiger.
dîk-schowinge, Deichbesichtigung.
dîk-spittunge, die Ausgrabung der Erde zur Aufführung eines Deiches.
dîk-stapel, Deichaufschüttung, Damm des Deiches.
dîk-stede, 1. Deichstelle. 2. Teichstelle.
dîk-swaren, Deichgeschworner.
dîk-vlote, vlotinge, Teich-Abfluss.
dilde, niedrig von Geburt u. Gesinnung (oder = tiltap, dildap, stultus?).
dille, f. Tülle, Röhre, um etwas hineinzustecken.
dimen, m. ein Haufen Heu oder Garben auf dem Felde.
dinge-dach, der zu e. dinge oder e. dingnisse bestimte Tag.
dingede, n. bedungene Summe für Schonung.
dingel-kole, Kohle (verdungene, von den Köhlern als Abgabe zu liefernde Kohle?).
dingelse, dingesle = dingede (exactio).
dingen, sw. v. 1. gerichtlich verhandeln, sowol vom Richter. Gericht halten, als von den Parteien, pactare, depactari, pacisci; auch: appellieren. 2. überh. verhandeln, unterhandeln, bes. über Lösegeld (dingede) u. über den Abschluss eines Kauf- oder Miethgeschäftes. Refl. als Unterhändler (Fürsprecher) auf- oder abtreten.
dingenisse, dinknisse, f. = dingede, bedungene Summe (Lösung) zum Schutz gegen Plünderung etc.; Brandschatzung, depactatio, exactio.
dinger, Richter (der »dinget«).
dinges(dinsche-)dach, Dienstag. de gode d., der Dienstag in der Charwoche.
dingesplichtich, verpflichtet zum Gericht zu erscheinen (um Urteil zu finden), Bürgerpflicht zu leisten.
dinges-winde, (dän. vidne), Gerichtszeugnis, Beglaubigung eines gerichtlichen Aktes.
dinge-tal, dinktal = 1. dingede. 2. festgesetzte Zeit des Gerichtes.
dinginge = dingede, pactatio, exactio.
dink, dinge, n. 1. Ding, Sache, Geschäft etc., res; euphem. für penis, im Plur. mit e. Adj. zur Umschreibung des Adr. na redeliken dingen = redelike; na jodeschen dingen, auf jüdische Weise; mit nenen dingen, auf keinerlei Weise, u. s. w. 2. Gericht, Gerichtstag, -stätte, -pflicht. 3. eine Territorialbezeichnung, z. B. dat wilde dink.
dink-bank, Gerichtsbank, sedes judicii.
dink-boke, Buche, unter der Gericht gehalten wird.
dink-bome, Gerichtsschranken.
dink-greve, Gerichtsvorsitzender.
dink-horinge = dinkman, Gerichtsbeisitzer, -zeuge.
dink-hûs, Gerichtshaus.
dink-man, Plur. -lude, Beisitzer des Gerichts.
dinkmelich, gerichtspflichtig.
dinknisse-korn, Getreide, das als dingenisse (Lösegeld) gegeben wird.
dinkpalen, sw. v. refl. sich vor Gericht stellen (als Kläger etc.).
dink-plicht, die Pflicht als Schöffe beim Gericht zu erscheinen.
dink-plichte, m. Urteilsfinder, Gerichtsbeisitzer.
dinkplichtich, verpflichtet vor Gericht zu erscheinen.
dink-seller, der (Sachen) verkauft, Verkäufer.
dink-slete, Störung des abzuhaltenden Gerichtes durch unzeitiges Weggehen der Dingpflichtigen.
dinkstadelen, sw. v. sich vor Gericht stellen (als Kläger).
dink-stede, Gerichtsstätte.
dink-spil, Gerichtssprengel.
dink-stock, Gerichtspfahl (vier Pfähle, Bäume, quadratisch aufgestellt bilden das Forum).
dink-stôl, Gerichtssitz, -stätte.
dink-tît, Gerichtszeit.
dink-vluchtich, sich dem Gericht aus Ungehorsam entziehend.
dink-wart, Richter.
dinsen, sw. v. ziehen, schleppen.
diost, Tjost (Ritterspiel, Speerstechen).
diosteren (diusteren, dusteren), sw. v. e. Tjost halten, turnieren.
dir, der = er.
dirdendei, frzs. tiretaine, Zeug, halb leinen, halb wollen.
discant, die Oberstimme im Gesang; ein im Discant gesetztes Musikstück.
discanteren, sw. v. Discant singen.
disch (disk), m. Tisch.
discher (disker), Tischler (gew. sniddeker).
disch-laken, Tischtuch.
disel (dissel, disse, distel), f. Deichsel.
disene, dise, f. u. m. Spinnrocken; das um dasselbe cylinderförmig gewundene Bündel Flachs oder Heede.
disinge, fortdauernd nebliges, nasskaltes Wetter? (dîsig wêr?)
dissel, 1. (jetzt: Düssel) Deichsel, Queraxt. 2. = disel.
distel, m. 1. Distel. 2. = dissel.
distel-pennink, Deichselzoll (Abgabe für ein Fuhrwerk zur Erhaltung der Steinwege und Dämme).
ditherensone (d. i. diet-, dêthergensone,) Sohn einer Allerweltshure.
do (don), Conj. da, als.
dobbe, f. Niederung, Vertiefung; Sumpf (gew. Plur.).
dobbe, Lippe? (labrum Kil.)
dobbelatze, f. Würfelspiel.
dob(b)elen (dabelen, dopelen, doffelen), sw. v. 1. mit Würfeln spielen. 2. mit Würfeln losen.
dob(b)eler (dopeler), Würfelspieler.
dob(b)elie, f. Würfelspiel.
dobbelletger, kleine Schüssel, rotundale, scutella.
dob(b)el-gelt, im Würfelspiel verlornes Geld, Spielschuld.
dob(b)el-schole, Gesellschaft, in welcher das Würfelspiel betrieben wird.
dob(b)el-spel, Würfelspiel.
dob(b)elspelen, sw. v. würfeln.
dob(b)el-stên, Würfel.
dobber, m. ein auf dem Wasser schwimmendes Zeichen, das anzeigt, wo der Anker liegt; der Kork (Rohr) in der Mitte der Angelschnur, der die Schnur trägt u. den Biss des Fisches anzeigt.
dobbin, gewässerter Taft, frzs. le tabis.
doch, doch (versichernd); sunder doch, aber ja; bei dringenden Bitten.
dochte, = dorfte, s. dorven.
dochter, Tochter.
docke, f. 1. Puppe, Figur. 2. der aufrechtstehende Stab in den Treppengeländern. 3. Strohbündel (in Puppenform) zum Dachdecken.
docke, n. Schiffsdock.
docken-spel, Puppenspiel.
docken-speler, Puppenspieler, Gaukler.
dockman, in Riga der Sprecher der grossgildischen Bürgerschaft (die bei der Docke, d. h. dem Marienbilde ihren Standort hatte).
dode, Toter; tot.
dodehât, tötlicher Hass.
dodeken, dem. zu dôt. dodekens sterven, sich abtöten, sich überwinden.
dodel, n. ? Dotter.
doden, sw. v. 1. töten, schlachten. quick-sulver d., durch Einreiben in Fett schmierbar machen. 3. modificieren.
doden-bôk, Totenbuch, Verzeichnis der Gestorbenen.
doden-bare, Totenbahre.
doden-bêr, Schmaus beim Begräbnis.
doden-bidder, Leichenbitter; fem. -biddersche.
doden-brêf, Totenregister.
doden-graft, Begräbnis.
doden-kiste, Sarg.
doden-kôp, ewiger Kauf, bei dem kein Wiederkauf oder Rückkauf gestattet ist.
doden-laken, Leichentuch.
doden-recht, Leichenmahl.
doden-stock, Sarg.
doden-volge, die Geleitung eines Toten; Leichenbegängnis.
doder (dodder, dudder), n. ? Dotter.
doderkule, alga, spuma maris; cuscuta.
dodinge, Tötung, Ertötung.
doffelen = dobbelen, würfeln.
dofte, dufte, n. Taufsprengel; überh. Sprengel, Bezirk.
doge, m. Tauglichkeit; Brauchbarkeit.
dogehaftich, tauglich.
dogeheit, Tüchtigkeit, Tauglichkeit.
dogelik, tauglich.
dogen, Prät. dochte, kräftig sein, taugen, nützen.
dôgen, sw. v. leiden, erdulden, pati. sustinere.
dogendich, tauglich, tüchtig.
dogenicht, Taugenichts.
dogenisse, schlechte Felle; verfälschte Ware.
dogentaftich, tugendhaft.
dogentlicheit, Tauglichkeit; Unbescholtenheit.
dogentrik, tugendreich.
doge(n)tlik, tugendlich; edler, feiner Sitte gemäss, als Titel: honestus, nobilis. Adv. dogentliken.
dogentsam, -samich, -samlik, tugendhaft.
doget, dogent, f. 1. Tugend, Tüchtigkeit. 2. Freundlichkeit, Gastlichkeit, Güte, Dienst.
doget, adj. tauglich, gut.
doginge, das Erleiden, Erdulden.
doien (deien), sw. v. auftauen (vom Eise).
doinge, dowinge, Tauwetter.
doinisse = dogenisse.
dôk, m. Tuch, bes. um den Kopf; ein bestimtes Mass für Tuch.
doke-bret, Bret zum Steifmachen der Tücher (Plättbret).
doken, sw. v. ein Tuch umlegen (namentlich vom Kopftuch).
dôkmaget, Dienstmädchen?
dôk-maker, Tuchmacher, -fabrikant.
dôk-vorer, Tuchhändler.
dol, toll, vermessen; subst. Tollheit, Übermut.
dole, dolle, Graben.
dolen, sw. v. (mit e. dole umgeben zum Zeichen der Grenze), begrenzen.
dolen, sw. v. dulden.
dolen, sw. v. = dwelen. irren.
dôl-hof, Labyrinth.
dolk, m. Verwundung.
dolle ( dale), f. Dohle.
dolle, dulle, f. 1. Ruderpflock, Rudernagel. 2. Rundeisen, Stabeisen?
dolouwe, Fensteröffnung?
dolpeln, sw. v. = dobbelen, würfeln.
dolpelspel, Würfelspiel.
dolvern, delvern, sw. v. plappern, schwatzen, belfern.
dôlwech, Irrweg.
dôm, m. rechtl. Entscheidung, Erkentnis, Rechtsweisung; Gesetz, statutum.
dôm-brêf, schriftliches Urteil.
dôm-deken, Domdechant.
dôm-dêler, Richter.
domen, sw. v. dämmen, schwelgen, schlemmen.
domen, sw. v. Dunst aushauchen, dampfen.
domen, sw. v. urteilen; durch Richterspruch erkennen; verurteilen.
domer, 1. Richter. 2. Verurteilter?
domer, demmer, Dämmer, Schwelger.
domeri(g)e, Dom, Domstift.
domes-dach, der Tag des (jüngsten) Gerichts.
dôm-gelt, Lohn für den Urteilsspruch.
dôm-prove, Dompräbende.
dôm-vroine, Stiftsdame.
don (dun, done) = do.
don, ausgestreckt, straff.
dôn(e), m. und f. Melodie, Weise; Art u. Weise.
dôn, unr. v. 1. thun; dôt wol unde, seid so gut und etc. 2. (mit Inf.) zur Umschreibung des einfachen V. oder zur Vertretung eines voraufgehenden V. 3. lassen; befehlen. 4. schaffen, fördern, helfen. 5. reichen, geben, leihen. 6. refl. sich (wohin) begeben. – Part. gedân, beschaffen; aussehend.
donen, sw. v. aufgeschwollen sein, strotzen.
doner, donner (donder, dunner), m. Donner.
doner-bart, sempervivum tectorum; Barba Jovis.
doner-bone, sedum telephium; crassula.
doner-dach, Donnerstag. gude, grone, witte d., Donnerstag in der Charwoche; grone d. ist auch der D. nach Ostern.
doner-kîl, Belemnites.
doner-lôk, Donnerlauch, u. crassula.
donern, dondern, sw. v. donnern.
doner-nettel, Donnernessel, urtica dioica.
doner-slach, vom Donner begleiteter Blitzschlag.
doner-swark, Donnergewölk.
doner-weder, Donnerwetter.
dônheit, Betrieb, Veranstaltung.
dônlik, thunlich, möglich.
don-nagel, grosser (eiserner) Nagel.
donneken (denneken), donken, sw. v. mit Kalk bekleiden, tünchen.
donneker, (Kalker) Tüncher.
donnekinge, Tünchung; Abputz.
donse = dornse.
dônt, Inf. 1. das Thun. to dônde hebben, (mit Gen.) nötig haben, brauchen, bedürfen; to dônde sîn, nötig sein, dar an is to d., daran liegt viel. 2. concr. Sache.
dop, doppe, m. hohle Rundung; 1. Schale (bes. von Eiern), Kapsel, Kelch, Topf. 2. Kreisel. 3. Knopf (als Bücherbeschlag, Spange etc.).
dope, f. 1. Taufe. 2. Taufstein, -becken.
dopel-dôk, Tauftuch.
dopel-dopekerse, Taufkerze.
dopel-name, Taufname.
dopel-dopepade, Taufpathe, sowol der compater des Täuflings, als der Täufling des compater.
dopel-dopestên, Taufstein.
dopen, sw. v. taufen.
doper, m. 1. Täufer. 2. Taufbecken.
dopersch, täuferisch.
dope-segen, catechismus.
doppeken, n. 1. Becher in Ei- oder Nussform. 2. Beschlagknöpfe.
doppen, sw. v. 1. den dop entfernen, aushülsen. 2. zu e. dop gestalten. 3. mit dem Kreisel spielen, trochare.
doppet, rautenförmig, karriert, mit eingewebtem Döppkenmuster (vom Tischtuch) (?).
dôpsel, n. Taufe.
dop-vul, (Eier)schale voll.
dor, thöricht, unvernünftig.
dor, n. Thor, porta.
doraftich, -achtich, thöricht.
dôr, (contr. aus doder) Eidotter.
dor (= dorch), Präp. durch; adv. durch und durch.
dor-bode, Thorbude.
durch (dor, dur, dar), 1. Präp. durch; hindurch, während; wegen, um – willen. Adv. durch, hindurch, durch und durch.
dorch-achten, verfolgen.
dorch-backen, durchgebacken; übertr. durch u. durch schlecht.
dorch-bernen, durch- u. durchbrennen, verbrennen.
dorch-boren, durchbohren.
dorch-dregen, durchtragen; Part. beständig (vom Winde).
dorch-drennen, zertrennen.
dorch-driven, durchtreiben, ins Werk setzen.
dorch-gân, durchgehen.
dorch-gândes, durchgehends, ununterbrochen.
dorch-gank (-gânt), Durchgang; Ruhr, lienteria.
dorch-genklik, zu durchgehen, pervius.
dorch-gevel, Thorpfosten (postis).
dorch-graven, durchgraben, -bohren.
dorch-heren, mit Heeresmacht durchziehen.
dorch-holen, durchhöhlen, -bohren.
dorch-howen, durchhauen; im techn. Sinn: auslegen, verzieren mit Metallschmuck etc.
dorch-klowen, zerspalten.
dorch-lât, Verschwender.
dorch-luchtet, durchlauchtig, illustris.
dorch-luftich, durchlauchtig.
dorch-schêten, durchschiessen; techn. durch eine aufgezogene Wand teilen.
dorch-schinen, durchscheinen, -leuchten.
dorch-schinich, durchscheinend, -sichtig; scharfsichtig.
dorch-sichtich, (activ.) scharfsichtig.
dorch-slach, 1. spitzes Werkzeug von Eisen u. Stahl, um damit Löcher zu schlagen; Spitzdorn, perforatorium. 2. Küchengerät zum Durchseihen, cola.
dorch-slacht, -slachtich, vollständig; d. egen, merum proprium.
dorch-slân, 1. durchschlagen; mit metallenem Schmuck versehen. 2. bestätigen, befestigen. 3. durchbringen, verschwenden.
dorch-sniden, durchschneiden; durchbrechen (die Kleider zur Zierde).
dorch-stânde, durchstehend, anhaltend.
dorch-steken, durch-, zwischenstecken (betrügerisch); eine Urkunde durchstechen zum Zweck der Tilgung.
dorch-steken, adj. part. 1. durch u. durchgestochen, 2. betrügerisch, Durchstecherei treibend.
dorch-stricken, vereinigen, innig verbinden.
dorch-tên, durchziehen.
dorch-varen, durchwandern, -ziehen.
dorch-vart, Durchgang, pertransitus.
dorch-wassen, durchwachsen; knorrig (v. Holze).
dorch-waten, durchstossen.
dorch-werken, durchwirken.
dorch-werkinge, Mitwirkung, cooperatio.
dorch-wiren, durchflechten, filigranisieren.
dorde = derde, dritte.
dorde, thöricht, von Sinnen.
dor(e), m. Thor, Geisteskranker, Narr.
dor(e), f. Thür.
doren, sw. v. Thor sein, thöricht handeln.
doren, anom. v. wagen, sich erkühnen.
dorechtich, thöricht.
doren-dage, die Narrentage (in der Fastnacht, die drei Tage vor Aschermittwoch).
doren-kiste, Behausung für Wahnsinnige.
doren-rink, Thürring.
doren-spel, Narrenspiel, Spott der Leute.
dorich, thöricht.
dorie, Thorheit.
dôrheit, Thorheit.
dor-hode, Thorwache.
dor-hoder, Thorwächter, -hüter.
dorich, thöricht.
dor-inne, Geisteskranke.
dork, m.? n.? Platz, wo sich der Schmutz sammelt, bes. der unterste Teil des Schiffsraumes, sentina.
dorke, eine Art Pferd.
dorledage = dorel-, dorendage.
dôrlik, thöricht; adv. dôrlike(n).
dormenter, dormiter, dormter, dormitorium, n. Schlafsaal in Klöstern.
dorn, m. Dorn; Zaun von Dorn.
dorne (umges. für drone), Drohne.
dornitze, dorntze, dornse, dontze, f. heizbares Zimmer.
dorp, n. Dorf.
dorpel, m. Thür-pfahl, -schwelle, limes.
dorpelik, dörflich; bäurisch.
dorper, Dorfbewohner; roher Mensch.
dorperheit, bäurisches, rohes Benehmen.
dorpernie, Benehmen eines dorpers, rusticitas.
dorper-sprake, bäurische, rohe Rede.
dorpesch, bäurisch.
dorp-man = dorper.
dorp-stede, Dorfstätte.
dorre, dürr, trocken; bildl. ohne (Blätter) Bekleidung, offen, klar.
dorreheit, dorricheit, Dürre, Trockenheit.
dorren, sw. v. dürr werden.
dorren = doren.
dorschen, st. u. sw. v. dreschen.
dorscher, Drescher.
dorsch, dors, Dorsch, asellus.
dôr-sittent, Thorhüten.
dôr-sluter, Thorschliesser.
dorst(e), m. Durst; krankhafte Trockenheit des Mundes.
dorste, Prät. zu doren.
dorstel, dorstegel, -stogel, Thürpfosten.
dorsten, sw. v. dürsten.
dor-stender, -stendel, Thürpfosten, limes.
dorstich, durstig.
dorstich (zu doren), kühn, keck, frech.
dorsticheit, Kühnheit, Keckheit.
dorstigen, sw. v. dürstig sein.
dor-sul, Thürschwelle.
dort = dorde, thöricht.
dort, dorthin; dort (sehr selten).
dort, Trespe, Bromus secalinus.
dortege, dürftig, elend.
dortich (der-, dritt-, druttich), dreissig.
dortigeste, der dreissigste Tag (nach der Beerdigung eines Verstorbenen).
dorven (durven, derven), unregelm. v. nötig haben; brauchen, verpflichtet sein. (Prät. dorfte, drochte, dochte, dechte, dorte.)
dor-wachter, Thür(Thor-)hüter.
dor-warer, Thür-, Thorhüter; Thorschreiber.
doselechtich, duselig, betäubt.
dosich, (verstandes)betäubt, freneticus.
dosin (dossin, dosint), n. Dutzend.
dosse = desse.
dôt, m. und f. Tod.
dôt, dode, tot; en dode kôp oder en dôt kofte kôp, Kauf, wo kein Widerkauf gestattet ist, (vollständig abgethan).
dôt-bedde, Todbett.
dôt-boren, -baren, totgeboren.
dôtdêl, (fries.) Mord, Todschlag.
doten, sw. v. närrisch sein, insipere.
doter, cussuta (cassutha).
dôtheit, Tod, Sterblichkeit.
dôt-kiste, Sarg.
dôtlik, sterblich; gänzlich, durchaus (vollständig abgethan), adv. dôtliken.
dôtsêk, zum Tode siech, totkrank.
dôt-slach, Todschlag.
dôt-slacht, -slachtinge = dôtslach.
dôt-slager, Todschläger.
dôt-stortinge, Todsturz, internecio.
dôt-suke, tötliche Krankheit.
dôt-swime, Todschwindel.
dôt-var, totenfarbig, blass.
dôt-vechtinge, Todeskampf; (Leichen-) Kampfspiel.
dôt-vede, Todfehde (Befehdung wegen eines getöteten Verwandten).
dôt-vient, Todfeind.
dôt-wunde, Todeswunde.
douwelinge, Mann der Schwester der Frau, Schwager?
douwen (dawen), sw. v. 1. thauen, liquescere. 2. thauen, rorare.
douwen, sw. v. verdauen, digerere.
douwer = dobber.
dôf, taub; leer, eitel; vergeblich.
dovel, m. der Zapfen, der die Teile des Bodens einer Tonne verbindet.
dovelechtich, harthörig, surdaster.
doven, sw. v. 1. trans. betäuben, taub machen. 2. intr. taub werden.
doven (daven), sw. v. toben, lermen, insanire.
dovendich (dovenich), tobend, von Sinnen.
dovendicheit (dovenheit), Wut, Raserei.
dovense, Taubheit.
dôf-holt, taubes, dürres Holz.
dovicke, m. Tappe.
dovigende = dovendich.
dôf-slach, Schlag, von dem man betäubt wird.
dôf-sucht, Taubheit, surditas.
dow (douwe, dawe, dau), m. Thau.
dow-sleper, Thaustreifer.
dow-striker = dow-sleper.
dow-worm, Lumbricus terrestris; flechtenartiger Ausschlag, Salzfluss.
drachaftich, fruchtbar.
drachsam, tragbar, portabilis.
drach-sole, Tragsohle, -schwelle.
dracht, f. 1. das Tragen; die Schwangerschaft; das Kind im Mutterleibe; das Tragen der Heiltümer, Procession. 2. Ertrag (an Früchten). 3. Tracht, so viel man tragen kann. 4. Kleidertracht; Gang oder Gericht Speisen. 5. (Haar)seil?
drachtich, trächtig, schwanger, fruchtbar; beträchtlich, inhaltschwer.
drachtlich, erträglich.
drade (draden), adv. schnell, rasch, bald.
drage, f. Trage, Bahre (Brett, worauf Brot, Fleisch etc. getragen wird), gerula.
drage-bere, Tragbahre.
dragemunt, eine Art langer u. schneller Schiffe, trieris.
dragen (dregen, drigen), st. v. tragen; ertragen; hinführen, beitragen; helfen, nützen; sich belaufen, betragen. over ein, up ein, in ein oder bloss ein (ên) dragen, einträchtig sein, übereinstimmen, concordare. entwei d. getrennt sein, uneinig sein, discordare; van ein, af (van), daraf d., verschieden sein; dregen laten (Schifferausdruck) wohin segeln, lossegeln; – refl. sich wohin richten; wohin gehören; sich auf etwas stützen (up), verlassen, sich steifen auf. Das Part. dragende passivisch: sîn dr. gût; ampt.
dragester, (Zu)trägerin.
dragge, m. ein Anker auf kleinen Fahrzeugen mit drei oder vier Armen oder Klauen; auf den Kriegsschiffen diente er zum Entern, daher sik draggen an, ein Schiff entern.
draginge, Tragung.
drake, m. 1. Drache. 2. = dragge, Anker, Klammer.
draken-blôt, ein dunkelrotes, wolriechendes Harz; auch Name für Pflanzen, z. B. wälsche bibenelle.
draken-holt, Klammerholz.
dral, rund u. fest gedreht oder sich drehend, wirbelnd.
dram, m.? 1. Getümmel, Lerm, Halloh. 2. Bedrängnis, Not.
dramet = dromet.
drammen, sw. v. lermen, poltern; ungestüm dringen.
drammet = dramment, dramminge.
dramminge, Lerm.
drampen, sw. v. trampeln.
drân = dragen.
drane, drone, m. Drohne; fauler, träger Mensch.
drange, drank, m. Gedränge; Einengung, Zwang, Gewalt; Not.
drange, gedrängt voll, enge.
drangen, s. drengen.
drangete, drankte = drang(e).
drangicheit, Enge; Einengung.
drank, m. Trank.
drank-gelt, Trinkgeld.
drank-, drinkpennink = drankgelt.
drankschop, Trinkgelag, Fest; Genossenschaft.
drank-wîn, Tischwein?
drape = droppe, druppe.
drapen, draplik = drepen, dreplik.
drât, m. Draht, Faden (von Flachs etc., Metall).
drât-mole, Drahtmühle.
drât-smede, Drahtschmied, -zieher.
drât-toger, Drahtzieher.
draf, m. u. n. Treber, silique.
draf, m. Trab; trabendes Pferd? = dravant?
dravant, m. Trabant, d. i. Fusssoldat (»Fussschütz«); dann Leibwächter, dienender Begleiter.
dravel, drevel, m. Sclave, Leibeigner.
draven, sw. v. traben. Inf. Subst. dravent, Traben, Gelaufe.
drê, drei.
drech-boke, Trag- (fruchttragende) Buche.
drechlik = dregelik.
drêchlik, betrügerisch, falsch.
drêchnisse, Betrügerei.
dreck, m. Dreck, Kot; nicht einen d. = gar nichts.
dreckaftich, dreckig.
drecken, dreckig.
dreckicheit, Dreck, Schmutz.
drecklich, dreckig.
dreck-rûm, Düngerort.
dreck-slot, Schloss, das im Sumpfe liegt?
dreck-stande, Dreckfass.
dreck-voget, der den Markt etc. vom Dreck zu reinigen, zu fegen hat.
dre-eckger, dreieckige Pike, tricuspis.
dre-eggich, dreieckig.
drege-balge, eine Balje, die tragbar ist (mit zwei Öhren zum Tragen)?
drege-, drech-, drechtlik, 1. tragbar. 2. erträglich, zufriedenstellend, genügend.
drêgen (drogen), st. v. betrügen.
dregen (= dreien), sw. v. drehen.
dregen = dragen.
dreger, drager, 1. Träger; Inhaber (porteur) von Documenten. 2. = dreier.
dregersche, Trägerin; Gebärerin.
dreharich, bildl. mutwillig, verwegen (urspr. krausharig?).
dre-hornich, dreieckig.
dre-huck, Dreieck.
dreien, dreigen, sw. v. drehen; drechseln.
dreier (dreger), Drechsler, tornator.
dreigen = drouwen, drohen.
dreisich, in Dreesch (grün) liegend.
drel-bedde, ein tragbares Bett (ballanula).
drell(e), m. Drell, Drillich.
drelink (drilink), m. 1. Dreipfennigstück. 2. ein Gefäss von anderthalb Tonnen oder 3 Ankern.
drelle, drille, Unfreier, servus (proprius) u. serva; vagus.
drellinne, Unfreie; vaga.
drenge, f. Bedrängung.
drengen, drangen, sw. v. drängen, bedrängen.
drengenisse, Bedrängung.
drenginge, Bedrängung.
drenke, n. 1. Getränk. 2. Trinkgelage.
drenke, f. 1. Tränke. 2. Wasserflut.
drenken, sw. v. tränken; ertränken, refl. ertrinken.
drenker, 1. Trinker. 2. der zu trinken gibt, Schenke.
drenkerinne, Trinkerin.
drenkinge, Trinken; Sauferei.
dreordich, dreieckig.
drep(e)lik, draplik, adj. u. adv. trefflich d. i. bedeutend, stark, heftig, gewaltig, gravis; von Personen: gewichtig, hervorragend. Adv. drepeliken.
drepen, drupen, st. v. 1. treffen; erreichen; betreffen, angehen; entwê d., sich streiten etc., verschieden sein. 2. zusammentreffen (feindlich) congredi, kämpfen. 3. refl. betreffen, wohin gehören.
drêpen, st. v. triefen, guttare.
drêsch (drîsch), m. der ruhende Acker, der, ehe er neu aufgebrochen wird, als Viehtrift dient; Grünland.
dreschichtich, aus drei Schichten bestehend.
dreskelef, Schwelle.
drespe, m. drespenkrût, Trespe, quisquilie.
dre-speldich, dreispaltig, in drei geteilt.
dre-stalich, -stolich (-stoilich, steling), dreipfostig, dreibeinig.
dre-stengich, aus drei Stangen bestehend, dreiarmig.
drêt, drît, Dreck, Kot, merda humida.
drêten, st. v. verdriessen.
dre-twele, drei-geteilt.
dreve, Schlag, ictus, pulsus.
drê-valdicheit, Dreifaltigkeit.
drêvalt (drivolt), dreifaltig, dreimal.
drevel, Sklave, Knecht, mediastinus, famulus.
drevel, m. Triebel (Instrument, um etwas anzutreiben).
drevelinge, Streit, Zank.
drever, m. eine Art Pferd (Ggs. Zelter?).
dreve-(drive-, drêf-)stên, einer der Mühlsteine? ein grosser Stein, der abgeschossen wird?
dreve-stock, Treibstock (in einer Sagemühle).
drevolden = drevalt.
drêf-wech, Viehtrift (Weg, auf dem man Vieh treibt).
driakel, Theriak; Gegengift: diakelskremer, Händler mit Theriak, Marktschreier.
dridde, drudde, dritte.
drie, drige, dreimal.
dries, dreimal.
drillen, sw. v. umhertreiben, rollen, drehen.
dringen, st. v. drängen; verdrängen; worauf dringen.
drinkel, Trank.
drinkel-dach, Gelagetag; Gildenschmaus.
drinkel-schale, Trinkschale.
drinkel-stôp, Trinkbecher.
drinkel-vat, Trinkgefäss.
drinken, st. v. 1. trinken. 2. ertrinken. 3. trinken machen.
drinke-wîn, Tischwein.
drinklik, trinkbar.
drink-pennink, Trinkgeld.
drink-stove, -stave, Trinklocal.
drink-vete, Trinkgefäss.
drinten, st. v. anschwellen, intumescere.
drintinge, das An-, Aufschwellen.
drîsch, s. drêsch.
drîst u. drîstich, beherzt, kühn, frech.
drîsticheit, drîstheit, Dreistigkeit, Frechheit.
drîstichen (-gen), adv. dreist.
drîstichliken u. drîsteliken, adv. dreist.
drîten, st. v. seinen Kot lassen, cacare.
drîf, m. Trieb.
drîfachtich, treibend, triftig.
drive-klôt, Kugel, die man treibt, trochus.
drivel-wech, Weg, auf dem man Vieh treibt.
driven, st. v. 1. treiben (trans. u. intr.). 2. betreiben (mit Vieh), beweiden, benutzen. 3. betreiben, ausüben, vollführen. 4. ohne Obj.: z. B. driven na (die Pferde treiben nach), wohin fahren. Part. drivend, pass. z. B. drivende have.
driver, Treiber, Viehtreiber u. als solcher auch Viehhändler; Wagenknecht, Kutscher.
drive-stên = drêfstên.
drîf-here, Besitzer einer Treibhütte.
drîf-hutte, Treibhütte, wo die Erze getrieben, d. i. gereinigt werden.
drivinge (driwunge), Trieb; Hang.
drîflik = drivende, (passiv).
drîf-lôn, Lohn für das »Treiben« in der Treibhütte.
drîf-rinne, Gerinne (bei Mühlen).
drîf-sant, Treibsand.
drift, f. 1. Trieb, Eifer, Ungestüm. 2. Betreiben. 3. das Antreiben eines Schiffes an ein anderes. 4. das Antreiben von Gütern an den Strand. 5. Viehtrift, Weide. 6. Schar, die getrieben wird.
driftich, 1. treibend (auf dem Wasser). 2. von Schweinen: die in die Mast getrieben werden können. 3. von Menschen: eifrig, kühn, ungestüm.
droch, n. Trug; Trugbild.
droch, m. Betrüger.
drôchenisse, Trockenheit.
drôcheit = drochenisse, drogicheit.
drôch-, drogenisse, Betrügerei.
drochwerlt, Trugwelt.
droge, druge, trocken; subst. Trockenheit, Trockenes.
drogede, f. das Trockene.
droge-dôk, Tuch zum Abtrocknen, gausapium.
drogelik (droch-, drogentlik), betrügerisch; adv. drogeliken.
drogen, drugen, sw. v. trocknen.
drogen = drêgen, betrügen.
drogene, f. Betrug; Betrügerei.
drogenere, Betrüger.
drogenhaftich, betrügerisch; adv. -haftigen u. -haftichliken, drogenhafticheit, Betrügerei.
drogerie, Betrügerei.
drogesam, trüglich.
drogicheit, Trockenheit.
drom, drum (dram), n. Trumm; Endstück, Saum, namentl. bei einem Gewebe der letzte Teil des Aufzugs.
drôm, m. Traum.
drôm-duder, Traumdeuter.
dromech, träumerisch; schläfrig.
dromel (dremel), dromelink, n.? kleines Ackerstück, Endstück, pecies.
dromen, sw. v. träumen.
dromet, dromt, droment, dramet, n. Getreidemass (der achte Teil einer Last, 12 Scheffel), lat. tremodium.
drometsât, Ackermass, soviel man mit e. Drömt besäen kann (vgl. schepelsât).
drôm-schêder, Traumausleger.
drôn = drom, Ackerstück, Endstück, Saum.
drone (drane), Drohne.
dronen, sw. v. dröhnen, bebend nachklingen.
dronunge, Dröhnung, Erschütterung.
drope, drape, m. Tropfe.
dropel = drope.
dropen = drupen, druppen.
dropwort = dach unde nacht.
droschen, st. u. sw. v. dreschen.
droscher, Drescher.
dros, n. Hefe, fex.
drôs (drôst, drûss), m. Teufel; (Tölpel, Riese).
drose, druse, f. Drüse, Geschwulst, (Pest)beule.
drosem, n.? was beim Auspressen der Früchte übrig bleibt, Bodensatz; fex, faeces.
drosie, drosin, eine Art Gewürz, Specerei (als Confect, oder auf Wein abgezogen, genossen).
drôsle, f. Drossel.
droste (drossete, drotzete, druczete), druste, 1. der höchstgestellte Amtmann eines Landesherrn, sein oberster Befehlshaber in Kriegs- u. Friedensangelegenheiten (lantdrost). 2. der an e. Hofe das (erste) Ehrenamt bekleidet, Truchsess. 3. der die Tafel anzurichten und zu bedienen hat, Aufwärter.
droswort, crassula; millemorbida.
drot, f.? Bedrohung, Drohung.
droten, sw. v. drohen, bedrohen; (durch Drohung erpressen?).
drouwe (drauwe, drowe, drawe), f. Drohung.
drouwelich (drowlich), drohend.
drouwen, sw. v. drohen, bedrohen.
drouwer (druwer), Droher.
drouwinge, Drohung.
drouw-wort, Drohwort.
drove, trübe.
drovegen, sw. v. drovich (betrübt) machen.
drovelik (drôflik, drevelik), betrübt, adv. droveliken.
droven, sw. v. 1. trübe sein. 2. trübe machen, betrüben.
drove-(drôf-, dreve)nisse, Betrübnis; Jammer.
drôfheit = drovenisse.
drovich, betrübt.
drovicheit, Traurigkeit, Betrübtheit.
droftich, dürftig.
dru, Neutralform zu drê.
dru, Falle für wilde Tiere; Fuchs- oder Wolfseisen.
druck, m. Druck, Bedrängnis.
drucken, sw. v. drücken. Refl. 1. sich drücken, drängen. 2. sich still verhalten, sich still entfernen.
drucke-pennink, Geizhals.
drudde, dritte.
druk, drok, beschäftigt, eifrig.
drul, drol, zusammenhängend (in Kugelform), res convoluta.
drulgast, Gast, der sich eindrängt oder zugelassen wird zum Spassmachen.
drullen, sw. v. refl. sich trollen.
drummel, n. u. m. (Endstück.) 1. Trümmer; Baumstumpf. 2. kleiner, gedrungener Mensch. 3. hartes Excrement. 4. Name des Teufels.
drummeldar, Dromedar.
drummeldörries, Einfaltspinsel; adj. drummeldörgisch, einfältig.
drungen, adj. part. gedrungen.
drunk, m. Trunk.
drunke, f. 1. Trinkgelage. 2. Dünnbier (= kovent?).
drunken, adj. part. betrunken; drunken drinker, Säufer.
drunkenbolt, Trunkenbold.
drunkendûn, vollgetrunken.
drunkenmunt, ein trunkener Mund.
drunkenschap, Trunkenheit.
drunkert = drunkenbolt.
drup-ader, Ader am Bein des Pferdes?
drupen, sw. v. herabhängen, baumeln.
druppe, f. Tropfenfall, Traufe, stillicidium. (drup[e], m. = drope).
druppel = dorpel, Schwelle.
druppelk, in kleinen Haufen stehend, krüppelig? oder subst. dem. Häufchen, Klumpen.
druppen, droppen, sw. v. tropfen.
druppendack, undichtes Dach.
druppenval, Tropfenfall; Traufrecht.
druppich, tröpfelnd, thränend.
druppinge, Tropfenfall.
druse, f. Hefe, Bärme, Treber, Trester.
drussemen, sw. v. erdrosseln, erdrücken.
drusticheit, Geschäftigkeit, Fleiss.
druttein, dreizehn, d. dach, s. dertendach.
drûf u. drufele, f. 1. Traube. 2. der bewegliche Teil eines Bohrers, Knauf am Bohrer.
dubbeleren, sw. v. (naut.) umsegeln; frz. doubler.
dubbelune, Dublone.
ducht, f. Tüchtigkeit, Tugend. 2. Furcht, Ehrfurcht.
ducht, f. Ruderbank.
ducht, ein aus einer Anzahl Fäden zusammengedrehter Strang; vier Duchten bilden ein Cordeel.
duchtenisse, Dünken, Meinung.
duchtich (duftich), tüchtig; bes. als ehrendes Beiwort.
duchticheit, Tüchtigkeit.
ducke = dicke.
ducke, Thörin, Närrin? (= dutte, ein Mädchen, wie ein Klotz? dummes Frauenzimmer?)
dude, to dude (zu Deute), deutlich; zu deutsch.
duden, sw. v. deuten; bedeuten.
dudendop, Hahnrei; einfältiger Tropf.
dudenisse, Deutung.
dudesch, deutsch.
dudeschen, sw. v. deuten, erklären, verdeutschen.
dudeslik, deutsch.
dudinge, Deutung.
duge (oder duk?) Duxstein, Kalktuff?
dukas (dukes, dûks), Teufel; Betrug, Verstellung.
duken, st. v. tauchen; bildl. sich beugen.
duker, dukvogel, mergus, mergulus; die nordische Ente.
(düker, deuker, Teufel.)
dul (dulle), verstandesbenommen, thöricht; unvernünftig.
dulbregen, (Tollgehirn) Tollkopf.
dulden, sw. v. dulden; zulassen.
duldich, geduldig.
duldicheit, Geduld.
duldichlik(en), geduldig.
duldigen, dulgen = duldichlik.
dulgicht, gichtbrüchig?
dulheit, Sinnlosigkeit.
dul-iser, Tolleisen, d. i. rundes Eisen um Wäsche zu fälteln.
dul-kone, tollkühn, temerarius.
dul-kop, Tollkopf.
dulle, Beule?
dullen, sw. v. tollen, sich unsinnig benehmen u. geberden.
dullerie, Tollheit, Unverstand.
dullik (dulk), Zwillich.
dulliken, thörichter Weise.
dul-slach, Schlag, der eine Beule macht (nicht blutig ist).
dult, f. 1. Geduld. 2. Aufschub, Waffenstillstand.
dult, f. irdenes Gefäss, Krug.
dulwagen, Tollwagen; den d. driven, unsinnig sein.
dum, 1. dumm. 2. toll, wütend.
dûm(e), m. 1. Daume; 2. Hebezeug, Handwinde.
dumelink, 1. Däumling, Bedeckung des Daumen, z. B. Fingerhut etc. – 2. Zwerg, nam. der Fuhrmann am Wodanswagen (gr. Bären).
dumelne, Daum-elle, das Mass vom Ende des Daumen bis zum Ellenbogen.
dumen, sw, v. daumen d. i. einen Druck mit dem Daumen geben.
dumheit, Unwissenheit.
dum-(dun)kone, dumm-, tollkühn, verwegen.
dumkonheit, Tollkühnheit, Verwegenheit.
dumkonlich (-koningen), tollkühn.
dumlik(en), dumm, thöricht.
dumpe, dumpen = dampe, dampen.
dumpeln, sw. v. untertauchen.
dumpich, mit dumpe, dampe behaftet.
dumslach, s. dunslach.
dûn(e), 1. aufgeschwollen; dick, voll, betrunken. 2. dicht, enge.
dune, f. 1. Daune, pluma. 2. Düne.
dun(en)-bedde, Daunenbett.
dungel-wage, Dungwagen.
dungen, sw. v. düngen. irrigare.
dunge-(dunk-, donk)recht = dungetal.
dungetal, Düngerrecht, das Recht den in einen Acker gesteckten Dünger abzunutzen, jus fimale.
dunhorich, scharf hörend?
dunk, m. unterirdisches Gemach.
dunkelgude, Heuchelei, Pharisäismus.
dunkel-guderie (gudicheit, -modicheit), Dünkel, Selbstgerechtigkeit, Heuchelei.
dunkelgût, (der sich für gut hält), dünkelhaft, selbstgerecht, heuchlerisch, Pharisäer.
dunken, unr. v. dünken. Inf. subst. dunkent, Gutdünken.
dunker, n. Dunkel.
dunker, 1. dunkel. 2. blind; geistig blind.
dunkeren, sw. v. dunkel, blind werden.
dunkerhaftich, dünkelhaft.
dunkerheit, Dunkel-, Blindheit.
dunker-stern, Nebelstern.
dûn-kussen, Küssen von Daunen.
dunne, dünn, schwach. dunne broder, Gaukler, Possenreisser? dat d. lîf, die Taille.
dunne-bêr, Dünnbier.
dunnen, sw. v. dünnen, schwächen.
dunner, s. doner.
dunni(n)ge, f. Schläfe.
dunningsslach = dunslach.
dunnink, m. = dunninge, f.
dunslach (dunt-, dumslach), (zu dunen, aufschwellen) ein Schlag, in Folge dessen die getroffene Stelle aufschwillt, Beulenschlag.
dunst, m. Dunst.
dupe, f. Tiefe.
dupede, dûpte, f. Tiefe.
dupen, sw. v. 1. austiefen, vertiefen. 2. in die Tiefe tauchen.
dûplik = duve-, dûflik, diebisch.
dûplik, tief, gründlich; adv. dûpliken.
duppe, doppe, n. kleines Gefäss, gew. aus Holz, Tubbe. lappas, mulctrale.
dûrachtich, -aftich, dauerhaft.
durand, hartnäckig, pertinax.
dûrbar, theuer, kostbar.
dûrbaricheit, Kostbarkeit.
dûrde, f. Dauer.
dûr(e), theuer; ausgezeichnet, vornehm; adv. theuer; sehr, stark.
duren, sw. v. theuer machen.
duren, sw. v. dauern, währen.
duren = doren, wagen.
dûrheit, Theurung.
durich, dauernd, ausharrend.
duringe, Theuerung.
dûrlik, dauernd; adv. dûrliken.
dûrsam, dauernd.
dûrte, f. Theurung.
dûs, n. (Daus), die Zwei auf dem Würfel, das As (Es) auf der Karte, weil dieses auf den deutschen Spielkarten zwei Augen hat. dus es, zwei u. eins; troie dus, drei u. zwei; kotter (katter = quatuor) drei, vier und drei; zinke dus, fünf u. zwei; im Kartenspiel das höchste; daher bildl. Daus, Ausbund; sehr selten vom höchsten Wurf (wol vom Kartenspiel entlehnt).
dus, adv. so; dus-dân, -danich, so gethan, so beschaffen, talis; dus-solk (-selk), solch.
duschen, sw. v. sich hin und her bewegen?
dusen (dosen, deusen), sw. v. schlendern; gedankenlos dahin gehen, bummeln.
dusent, tausend.
dusentblat, Achillea millefolium.
dusenthaftich, tausendhaftig.
dusentich = dusent.
dusent-kunstehere, Tausendkünstler.
dusentvolt, -voldelike, tausendfältig.
dusich, betäubt, schwindelig.
dusicheit, Betäubung, Schwindel.
dusink, m. ein mit Schellen oder Glöckchen besetzter Gürtel für Männer u. Frauen, cingulum sonorosum.
duslik, solch.
dusses, dusset = desse.
dust, dost, Doste, origanum vulgare.
dust, m. Spreu, Hülse, Kleie, Staub, candabra, -tabrum.
dust (zdust, sust), Tjost, ritterlicher Zweikampf; Belustigung, Tanz.
duste = desse u. deste.
dustement, n. Belustigung, Vergnügen.
dûster, düster, finster; unklar, zweifelhaft.
dustêren, sw. v. tjostieren = diosteren.
dûstericheit, Düsterheit.
dûstermette u. -misse, die Mette, Messe um Mitternacht am Weihnachtsfeste.
dûsternisse, Finsternis.
dust-holt, saftloses Holz, das nur zu gemeinem Gebrauche dient.
dust-slach = dunslach.
dustware, -wart, die Berechtigung dustholt zu hauen.
dut, dies (im Ggs. zu dat).
dutte, albernes, dummes Frauenzimmer.
dûv-arne, Täuberich.
duve, f. Taube.
duve (diuve, duvete, dufte, dêfte, diefte), f. 1. Diebstahl. 2. gestohlnes Gut.
duve, m. penis.
duvech (diuvech, duvich), gestohlen.
duvel, Teufel.
duvel-, duvels-heit, teuflische Art.
duvelie, Teufelei, Teufelskunst.
duvelik (dûflek), teuflisch.
duvelîn, Täubchen.
duvels(ch), teuflisch.
duvels-bete, Teufelsbiss, scabiosa succisa.
duvels-dreck, Teufelsdreck, Ferula Asa foetida.
duvels-kerke, heidnischer Tempel.
duvels-schît, Teufelsdreck.
duvel-scho, Larve, Maske (vgl. schoduvel).
duven-danz, Taubentanz.
duven-kop = dudendop.
duven-dreck, Taubendreck.
duven-tugge, Taubenzug; d. dôn, haustim, avide bibere.
duven-vôt, Taubenfuss (Asparagus oder Geranium columbinum); Bezeichnung für das römische Zahlzeichen X.
duver (duffer), duverich, duverink, m. Täuberich.
duvet, gestohlen.
duvet(e), n. Gemächte, pudenda.
duvete, f. = duve, furtum.
duf-kater (düwkater), Name für den Teufel.
dûf-(duft-, dêf-, deft-)liken, diebischer Weise, heimlich.
dûf-rôf, Diebraub, rapina nocturna.
dûf-(dêf-)rover, nächtlicher Dieb.
duven-driver, Taubennarr; Faullenzer.
duven-kervele, Fumaria off.
duverie, -rige, deverie, -rige (divrige), Dieberei.
dûf-, duvetal, Diebstahl.
duw(e), Betreiben, Handlungsweise.
duwen (douen), sw. v. drücken, niederdrücken.
duwenwocke, Schachtelhalm, Equisetum arvense u. palustre.
duwiere, Höhle, spelunca.
dwagen (twagen), st. v. waschen.
dwage-vat, Waschbecken.
dwal, dwalen = dwel, dwelen.
dwân = dwagen.
dwangete, dwankte = dwank.
dwank, m. Zwang, Gewalt, Nötigung; ane, sunder d., freiwillig; Zwangsrecht; Zwangsabgabe, angaria; enger Raum; als Präp. = heutigen »Dank«.
dwank-brêf, Zwangsbrief, d. i. Urkunde, die Verpflichtungen enthält.
dwâs, quer, verkehrt, thöricht; Querkopf, Thor, Narr.
dwâsaftich, thöricht.
dwasen, sw. v. Unsinn reden, delirare.
dwaserie, Thorheit, Unverstand.
dwâsheit, dwasecheit = dwaserie.
dwasich, thöricht.
dwâslik(en), thöricht.
dweil = dwele.
dwel, dwal, (irrig), irrsinnig, thöricht, fatuus, ignarus.
dwelaftich, irrend, ketzerisch.
dwel-dwaldrank, Taumel-, Schlaftrunk, temetum.
dwele, dweile, f. Tuch zum dwagen, Handtuch, Serviette, Wischtuch, Lappen u. s. w. (jetzt; dweidel, feidel).
dweleken, Demin. zu dwele.
dwelen, dwalen, sw. v. irren; irre, thöricht, unsinnig sein.
dwelen-genger, Rad oder Rolle, worüber dwelen gehängt werden.
dweler, Irrender.
dwelerie, Irrtum; Ketzerei.
dwelinge, Irrtum, Irrung.
dwelk (dwellich, dullik), m. Zwillich.
dwel-(dwal)licht, Irrlicht.
dwelm, m. Irrung, Verwirrung.
dwelnisse = dwelerie.
dwelsch, irrend, von Sinnen.
dwelscheit = dwelerie.
dwel-wech, Irrweg, devium.
dwenge, f. 1. enger Raum, Engpass; 2. Not, Bedrängnis. 3. Zwinge, Fangeisen.
dwengen, sw. v. drängen, bedrängen.
dwenger, Zwinger.
dwengicheit, Enge, Bedrängnis.
dwenginge, Bedrängnis, Einengung.
dwenknisse = dwengicheit.
dwer, dwers, (dwars, dwass,) quer.
dwere, f. 1. Quere. 2. = dwerwint.
dwerch, dwarch, dwark, m. Zwerg.
dwerch-appel, Zwerg-, Gallapfel.
dweren, sw. v. hin und her, in die Quere laufen.
dwer-holt, Querholz, Schwelle.
dwerl, dwarl, m. Wirbel, Locke. cincinnus; querdrähtige Stelle im Holz.
dwer-lant, Querland.
dwern, Lage von zwei nicht zusammengefalteten Bogen Papier.
dwer-nacht, 1. Quernacht, d. i. die zwischen zwei Tagen liegende Nacht; auch der Tag, der durch eine dazwischen liegende Nacht vom dies a quo getrennt ist. 2. Zeitraum der gesetzlichen Citation oder Zahlung; überh. Termin, Frist.
dwer-nât, Quernaht.
dwers-hûs, Querhaus; Haus, dessen Längsseite nach der Strasse zu liegt.
dwer-strate, Querstrasse.
dwer-tûn, Querzaun.
dwer-wint, Seitenwind, Wirbelwind.
dweteren, sw. v. umherschweifen (= weteren).
dwingen, st. v. 1. engen, drücken, pressen. 2. zwingen.