Eine Entdeckung

Sobald die Sonne am nächsten Morgen aufgegangen war, nahm ich mein Buschmesser und schlug mir einen Pfad zu jenem Hügel. So sorgfältig ich aber auch das Gebüsch untersuchte, ich konnte den Weg nicht finden, den der Indianer in der verflossenen Nacht gegangen war. Nichts war niedergetreten, kein Zweig abgebrochen. Es war eine harte Aufgabe, ihm auf seinem Wege zu folgen. Ich hatte mir vorgenommen, ihn in seiner Hütte aufzusuchen. Vielleicht konnte ich eins seiner einzigartigen Schmuckstücke gegen ein Paar Stiefel oder ein Hemd oder Sattelzeug eintauschen.

Als ich endlich den Hügel erreichte, machte ich eine merkwürdige Entdeckung: der Hügel war nicht ein natürlicher Haufen Erde oder ein Felsblock, wie ich geglaubt hatte, sondern er war künstlich aus gehauenen Steinen und Mörtel aufgebaut. Dem Anschein nach zu urteilen, war er einige hundert Jahre alt. Das dornige, dichte Gebüsch hatte ihn völlig bedeckt und sich in das Mauerwerk festgewurzelt und eingefressen. Diese unerwartete Entdeckung ließ mich ganz vergessen, dem Indianer nachzulaufen.

Ich hieb das Gebüsch nieder und machte eine weitere Entdeckung: Steinstufen führten in östlicher Richtung auf die Oberfläche des Hügels. Der Hügel selbst war etwa fünf Meter hoch. Oben hatte er eine viereckige ebene Fläche, die wohl drei Meter im Geviert war.

Eine Seite des Hügels war durchwühlt, und da hier das Buschwerk niedergetrampelt war, schien diese Wühlerei ganz kürzlich getan worden zu sein. Kein Zweifel, die Schweine hatten das neulich verübt, als sie hier herumlungerten. Als ich dieser Wühlerei nachging, fand ich, daß die Schweine sich durch das Mauerwerk gearbeitet hatten, das an dieser Stelle zu zerfallen begann und bloßlag.

Wenn irgendwo, dann lag hier das Geheimnis verborgen, das mich beschäftigte. Hier war die Erklärung zu suchen für alles, was in den letzten Tagen geschehen war.

Ich eilte zurück zum Hause und holte mir Pickhacke und Schaufel. Stein um Stein, Brocken um Brocken brach ich heraus, bis das Loch groß genug war, um meinen Oberkörper hindurchzuzwängen. Ich zündete ein Streichholz an. Doch kaum flammte es auf, als ich es mit einem unartikulierten Schrei fallen ließ und mich so rasch hinausquetschte, daß sich Schultern, Brust und Rücken mit blutenden Schrammen bedeckten. Dann, im hellen Sonnenlichte vor dem Loche sitzend und meinen Atem wiederfindend, dachte ich, daß Augen doch recht unzuverlässig sein können.

Ursprünglich hatte ich die Absicht gehabt, den Hügel unberührt in jener Form zu lassen, in der ich ihn gefunden hatte. Doch nun blieb mir keine andre Wahl. Ich hatte den Kopf des Hügels aufzubrechen, um das blendende Tageslicht hineinfluten zu lassen und dem Innern der Höhle die unerträgliche Geisterhaftigkeit zu rauben.

Harmlosere Dinge als das, was in dieser Höhle verborgen war, können einem im Dschungel oder im tropischen Busch ein tiefes Grauen einjagen. Eine zwanzig Zentimeter große behaarte Spinne, die einem über das Gesicht läuft, oder ein fünfunddreißig Zentimeter großer schwarzer Skorpion, der sich ins Zelt oder in die Hütte geschlichen hat, erfüllen einen häufig genug mit größerem Entsetzen als das Begegnen mit einem Tiger, wenn man nichts weiter in der Hand hat als einen Stock.

Ich beschloß, sofort an die Arbeit zu gehen. Das Unbestimmte mochte sich in meiner Einsamkeit, besonders zur Nachtzeit, vielleicht schwerer auf die Nerven legen als das klare, festumgrenzte Wissen, wenn es auch noch so Grauenhaftes aufweisen sollte.