DRITTER AKT
(Der Salon der teuern ebenerdigen Wohnung, welche die Clandons im Marinehotel gemietet haben. Eine bis auf den Fußboden reichende zweiflügelige Fenstertür führt in den Garten. In der Mitte des Zimmers steht ein massiver, von Stühlen umgebener Tisch, der mit einer kastanienbraunen Decke bedeckt ist. Kostspielig eingebundene Hotel- und Eisenbahnführer liegen darauf. Ein Besucher, der durch die Fenstertür käme und zu diesem Mitteltisch ginge, würde den Kamin zu seiner Linken haben und einen Schreibtisch an der Wand zu seiner Rechten, in der Nähe die Tür, die weiter hinten ist. Er würde, wenn dies seiner Geschmacksrichtung entspräche, die pflaumen- und bronzelackfarbigen Mauerverzierungen von Lincrusta Walton mit Sockel und Kranzgesims und die Goldbronze-Konsolen in den Ecken bewundern können. Zu beiden Seiten des Fensters sieben Vasen auf Pfeilerpiedestalen aus gesprenkeltem Marmor mit Untersätzen aus poliertem schwarzem Holz. Zunächst der Vase, in der nächsten Nähe des Kamins, steht ein verzierter Schrank, dessen Mittelfach eine Tür aus Holzmosaï[*or i?]k verschließt und dessen durch gewölbte Glasscheiben abgerundete Kanten Gestelle mit billigem blauem und weißem Steingutgeschirr schützen. Ein Teetisch aus Bambusrohr mit zusammenklappbaren Seitenbrettern steht gegenüber auf der andern Seite des Fensters.—An den Wänden hängen Bilder, gemalte Ozeandampfer und Hunde von Landseer. In einer Linie mit der Türe, aber auf der andern Seite des Zimmers befindet sich eine Ottomane; auf dem Kaminteppich stehen zwei bequeme dazu passende Stühle. Über dem Fenster ist eine massive Messingstange angebracht, an der ein Paar rotbraune Ripsvorhänge mit mattgrünen Zierborten hängen. Kurzum, ein Zimmer, das danach eingerichtet ist, den Gefühlen des Bewohners von seiner eigenen Wichtigkeit zu schmeicheln und ihn mit der täglichen Ausgabe eines ganzen Pfundes für die Benützung auszusöhnen.)
(Frau Clandon sitzt am Schreibtisch und liest Korrekturen. Gloria lehnt am Fenster und starrt in gequälter Träumerei ins Weite. Die Uhr auf dem Kaminsims schlägt Fünf mit schwachem Klirren, da die Glocke gegen das marmorne schwarze Ehrengrab, in das sie eingemauert ist, nicht aufkommen kann.)
(Frau Clandon.) Fünf! Ich glaube, wir brauchen nicht länger auf die
Kinder zu warten; sie trinken gewiß außer Haus Tee.
(Gloria müde:) Soll ich klingeln?
(Frau Clandon.) Ja, mein Kind.
(Gloria geht an den Kamin und klingelt.)
(Frau Clandon.) Endlich bin ich mit den Korrekturen fertig. Gott sei
Dank!
(Gloria durchschreitet das Zimmer unaufmerksam und tritt hinter den
Stuhl ihrer Mutter:) Was für Korrekturen?
(Frau Clandon.) Die neue Auflage der "Frauen des zwanzigsten
Jahrhunderts".
(Gloria mit einem bittern Lächeln:) Es fehlt noch ein Kapitel.
(Frau Clandon beginnt ihre Korrekturen zu durchstöbern:) Glaubst du?… doch nicht.
(Gloria.) Ich meine ein ungeschriebenes. Vielleicht werde ich es für dich schreiben—sobald ich erst den Schluß weiß. (Sie geht an das Fenster zurück.)
(Frau Clandon.) Gloria! ein neues Rätsel?
(Gloria.) O nein! das alte Rätsel.
(Frau Clandon verlegen und ziemlich verwirrt, nachdem sie ihre Tochter einen Augenblick beobachtet hat:) Mein Kind—
(Gloria zurückkommend:) Ja?
(Frau Clandon>) Du weißt, daß ich niemals Fragen stelle.
(Gloria neben ihrem Stuhl kniend:) Ich weiß, ich weiß! (Sie wirft plötzlich ihren Arm um den Hals ihrer Mutter und umarmt sie beinahe leidenschaftlich.)
(Frau Clandon sanft Lächelnd, aber verlegen:) Aber mein Kind, du wirst ganz sentimental!
(Gloria zurückfahrend:) Nein, nein—o sage das nicht—oh! (Sie erhebt sich und wendet sich mit einer Bewegung von Frau Clandon ab, als ob sie sich losrisse.)
(Frau Clandon sanft:) Liebes Kind, was ist geschehen? Was—(Der
Kellner kommt mit dem Teebrett herein.)
(Der Kellner sanft:) Danach haben Sie wohl geklingelt, gnädige Frau?
(Frau Clandon.) Ja, ich danke. (Sie wendet ihren Stuhl vom
Schreibtisch fort und setzt sich wieder.)
(Gloria geht an den Kamin und kauert sich dort mit abgewandtem Gesicht in einen Stuhl.)
(Der Kellner setzt das Brett einstweilen auf den Mitteltisch:) Das habe ich mir gedacht, gnädige Frau. Sonderbar, wie die Nerven nachmittags ohne Tee nachzulassen beginnen. (Er holt den Teetisch und setzt ihn vor Frau Clandon bin und spricht dabei:) Der junge Herr und das gnädige Fräulein sind eben zurückgekommen, gnädige Frau. Sie waren in einem Boote auf dem Meer. Sehr angenehm an einem schönen Nachmittag wie heute, sehr kräftigend. (Er nimmt nun das Teebrett vom Mitteltisch fort und setzt es auf den Teetisch.) Herr McComas kommt nicht zum Tee, gnädige Frau. Er ist fortgegangen, Herrn McNaughtan zu besuchen. (Er nimmt zwei Stühle und setzt sie rechts und links vom Teetisch hin.)
(Gloria blickt auf und fragt entsetzt:) Und der andere Herr?…
(Der Kellner verfällt unbewußt einen Augenblick in die Tonart eines Liedes, das er als Knabe gesungen, beruhigend:) Oh, der kommt, gnädiges Fräulein—oh, der kommt. Er hat gerudert und ist eben in die Apotheke gelaufen, sich etwas für seine wunden Handflächen geben zu lassen. Aber er muß gleich hier sein, gnädiges Fräulein!
(Gloria erhebt sich in unbezwingbarer Angst und läuft zur Tür.)
(Frau Clandon sich halb erhebend:) Glo—(Gloria geht hinaus; Frau
Clandon starrt den Kellner an, dessen Haltung unbeweglich bleibt.)
(Der Kellner heiter:) Sonst noch etwas gefällig, gnädige Frau?
(Frau Clandon.) Nein, danke.
(Der Kellner.) Ich habe zu danken, gnädige Frau.
(Als er sich zurückziehen will, kommen Philip und Dolly in fröhlichster Laune bereingestürmt; er hält ihnen die Tür auf, geht dann hinaus und schließt sie.)
(Dolly gierig:) Oh, gib mir schnell etwas Tee! (Frau Clandon schenkt ihr eine Tasse ein.) Wir sind in einem Boot auf dem Meer gewesen. Dr. Valentine wird gleich da sein.
(Philip.) Er ist nicht an Seefahrten gewöhnt.—Wo ist Gloria?
(Frau Clandon ängstlich, während sie ihm Tee eingießt:) Phil, mit Gloria ist etwas los. Ist etwas passiert? (Philip und Dolly sehen einander mit unterdrücktem Lachen an.) Was ist es?
(Philip setzt sich an ihre linke Seite:) Romeo—
(Dolly setzt sich an ihre rechte Seite:)—und Julia!
(Philip nimmt seine Teetasse Frau Clandon ab:) Ja, liebe Mama: die alte, alte Geschichte—Dolly, nimm nicht die ganze Milch. (Er reißt ihr die Kanne geschickt fort.) Ja, im Frühling—
(Dolly)—kann eines Jünglings Phantasie—
(Philip)—leicht Liebesblüten treiben… Ich danke. (Zu Frau Clandon, die ihm die Biskuits gereicht hat:) Das kommt übrigens auch im Herbst vor. Diesmal ist der Jüngling—
(Dolly.) Doktor Valentine.
(Philip.) Und seine Phantasie hat Gloria in einem Maße gehuldigt, daß er sie—
(Dolly)—geküßt hat—
(Philip.)—auf der Terrasse—
(Dolly ihn verbessernd:)—auf die Lippen—vor allen Leuten!
(Frau Clandon ungläubig:) Phil—Dolly—spaßt ihr? (Sie schütteln den
Kopf.) Hat sie es geduldet?
(Philip.) Wir haben erwartet, ihn vom Blitze ihrer Verachtung zu Boden geschmettert zu sehen—
(Dolly.)—aber es geschah nichts dergleichen—
(Philip.) Es schien ihr ganz recht zu sein.
(Dolly.) Soweit wir es beurteilen konnten… (Sie fällt Philip, der im Begriff ist, sich noch eine Tasse einzugießen, in den Arm:) Nein, du hast die zweite Tasse abgeschworen!
(Frau Clandon sehr beunruhigt:) Kinder, ihr dürft nicht hier sein, wenn Doktor Valentine kommt. Ich muß darüber sehr ernst mit ihm sprechen.
(Philip.) Um ihn nach seinen Absichten zu fragen?… Was für eine
Verletzung der "Grundsätze des zwanzigsten Jahrhunderts"!
(Dolly.) Du hast ganz recht, Mama! Stelle ihn zur Rede. Schlage soviel du nur kannst aus dem neunzehnten Jahrhundert heraus, so lange es dauert.
(Philip.) Sch! er kommt!
(Dr. Valentine tritt ein:) Ich bedaure sehr, mich verspätet zu haben, Frau Clandon. (Sie ergreift die Teekanne:) Nein, ich danke, ich trinke niemals Tee. Fräulein Dolly und Phil haben Ihnen wohl schon erzählt, was mir passiert ist.
(Philip erhebt sich; wichtig:) Ja, Doktor, wir haben es Mama erzählt.
(Dolly erhebt sich gleichfalls; bedeutungsvoll:) Wir haben es Mama sehr genau erzählt.
(Philip.) Es war unsere Pflicht. (Sehr ernst:) Komm, Dolly! (Er bietet Dolly seinen Arm, die sich einhängt. Sie sehen Dr. Valentine mitleidig an und gehen Arm in Arm ernst hinaus. Dr. Valentine sieht ihnen verwirrt nach, dann blickt er Frau Clandon fragend, wie um eine Erklärung bittend an.)
(Frau Clandon erhebt sich und verläßt den Teetisch:) Wollen Sie gefälligst Platz nehmen, Herr Doktor. Ich möchte etwas mit Ihnen besprechen, wenn Sie erlauben. (Dr. Valentine setzt sich langsam auf die Ottamane nieder. Sein Gewissen prophezeit ihm eine schlimme Viertelstunde. Frau Clandon nimmt Philips Stuhl und setzt sich bedächtig in gemessener Entfernung.) Ich muß zunächst ein wenig Nachsicht für mich erbitten. Ich bin im Begriff, über einen Gegenstand zu sprechen, von dem ich sehr wenig, vielleicht gar nichts verstehe. Ich meine—Liebe.
(Dr. Valentine.) Liebe!
(Frau Clandon.) Ja, Liebe.—Oh, Sie brauchen nicht so beunruhigt dreinzuschauen, Herr Doktor—ich bin nicht in Sie verliebt.
(Dr. Valentine überwältigt:) Wahrhaftig, Frau—(Sich erholend:) Es würde mich mehr als stolz machen, wenn Sie es wären.
(Frau Clandon.) Ich danke Ihnen, Herr Doktor; aber ich bin zu alt, jetzt nach damit anzufangen.
(Dr. Valentine.) Anzufangen?!… Haben Sie nie—?
(Frau Clandon.) Niemals. Mein Schicksal ist sehr alltäglich gewesen. Ich habe geheiratet, bevor ich alt genug war, zu wissen, was ich eigentlich tat. Wie Sie sich selbst überzeugt haben, war die Folge davon eine bittere Enttäuschung für uns beide, für meinen Mann und für mich. So kommt es, daß ich, trotzdem ich verheiratet bin, niemals verliebt war… ich habe in meinem ganzen Leben keine einzige Liebesangelegenheit gehabt. Und um ganz aufrichtig zu sein, Herr Doktor, was ich von den Liebesangelegenheiten anderer gesehen habe, hat nicht dazu beigetragen, mich diesen Mangel bedauern zu lassen. (Dr. Valentine, der sehr verdrießlich dreinschaut, blinzelt skeptisch nach ihr hin und sagt nichts. Sie errötet ein wenig und fügt mit unterdrücktem Ärger hinzu:) Sie glauben mir nicht.
(Dr. Valentine bestürzt, da er seine Gedanken erraten sieht:) Aber, warum denn nicht… warum nicht?
(Frau Clandon.) Lassen Sie sich sagen, Herr Doktor, daß ein der Menschheit gewidmetes Leben Begeisterungen bietet und Leidenschaften kennt, die bei weitem die selbstsüchtigen Verblendungen und Sentimentalitäten eines Liebesromanes übersteigen. Ihre Begeisterungen und Leidenschaften—sind das nicht, nicht wahr? (Dr. Valentine weiß wohl, daß Frau Clandon ihn deswegen geringschätzt, und antwortet negativ mit melancholischem Kopfschütteln.) Ich dachte mir's. —Nun, dafür bin ich im Nachteil, wenn ich diese sogenannten Herzensangelegenheiten besprechen muß, in denen Sie ein Fachmann zu sein scheinen.
(Dr. Valentine unruhig:) Worauf spielen Sie an, Frau Clandon?
(Frau Clandon.) Ich glaube, Sie wissen es.
(Dr. Valentine.) Gloria?
(Frau Clandon.) Ja, Gloria.
(Dr. Valentine streckt die Waffen:) Nun ja, ich bin verliebt in Gloria. (Er unterbricht sie, da sie im Begriff ist zu antworten:) Ich weiß schon, was Sie sagen wollen: Ich habe kein Geld.
(Frau Clandon.) Ich frage sehr wenig nach Geld, Herr Doktor.
(Dr. Valentine.) Dann sind Sie aber ganz anders als alle andern Mütter, die mit mir gesprochen haben.
(Frau Clandon.) Ah, nun kommen wir zur Hauptsache, Herr Doktor! Sie sind ein alter Praktikus! (Er öffnet die Lippen, um zu widersprechen. Sie unterbricht ihn mit einiger Entrüstung:) Oh, glauben Sie doch nicht, daß ich nicht genug gesunden Menschenverstand besitze, um zu wissen—so wenig ich von solchen Dingen verstehe—daß ein Mann, der bei einer einzigen Begegnung, mit einer Frau wie meine Tochter so weit kommen konnte, kaum ein Neuling sein kann!
(Dr. Valentine.) Ich versichere Ihnen—
(Frau Clandon unterbricht ihn:) Ich mache Ihnen keinen Vorwurf, Herr Doktor. Es war Glorias Sache, sich selbst zu schützen, und Sie haben das Recht, sich nach Gefallen zu unterhalten.
(Dr. Valentine protestierend:) Mich unterhalten?… Oh, Frau Clandon!
(Frau Clandon unnachgiebig;) Bei Ihrer Ehre, Herr Doktor, meinen Sie es ernst?
(Dr. Valentine verzweifelt:) Bei meiner Ehre, ich meine es ernst! (Sie sieht ihn forschend an. Sein Sinn für Humor bricht bei ihm durch, und er fügt verschmitzt hinzu:) Allerdings habe ich es immer ernst gemeint; und dennoch—bin ich hier, wie Sie sehen!
(Frau Clandon.) Das ist es gerade, was ich ahnte. (Streng:) Herr
Doktor, Sie sind einer von den Männern, die mit den Gefühlen der
Frauen spielen.
(Dr. Valentine.) Warum auch nicht, da doch nur die Sache der
Menschheit es verdient, ernst genommen zu werden? Aber ich verstehe.
(Er erhebt sich und nimmt seinen Hut; mit förmlicher Höflichkeit:) Sie
wünschen, daß ich meine Besuche in Ihrem Hause einstelle.
(Frau Clandon.) Nein. Ich bin klug genug zu wissen, daß für Gloria die beste Möglichkeit, Ihnen zu entkommen, die ist, Sie nur besser kennen zu lernen.
(Dr. Valentine wirklich beunruhigt:) Oh, sagen Sie das nicht, Frau
Clandon! Das glauben Sie doch nicht—nicht wahr, nein?
(Frau Clandon.) Ich habe großes Vertrauen zu der gesunden Schule, die
Glorias Geist seit ihrer Kindheit durchgemacht hat.
(Dr. Valentine erstaunlich erleichtert:) Oh—oh! oh! dann ist's recht! (Er setzt sich wieder und wirft seinen Hut übermütig beiseite, mit der Miene eines Menschen, der nun nichts mehr zu fürchten hat.)
(Frau Clandon empört über seine Sicherheit:) Wie meinen Sie das?
(Dr. Valentine wendet sich ihr vertraulich zu:) Soll ich Sie auch etwas lehren, Frau Clandon?
(Frau Clandon steif:) Ich bin immer gern bereit zu lernen.
(Dr. Valentine.) Haben Sie jemals das Thema Geschützkunst—Artillerie,
Kanonen, Kriegsschiffe und so weiter—studiert, Frau Clandon?
(Frau Clandon.) Hat die Geschützkunst irgendwas mit Gloria zu schaffen?
(Dr. Valentine.) Sehr viel!—Zur Erläuterung nämlich.—Während dieses ganzen Jahrhunderts war der Fortschritt der Artillerie ein Zweikampf zwischen dem Fabrikanten von Kanonen und dem Fabrikanten von kugelsichern Panzerplatten. Man baut ein Schiff, das gegen die besten Geschosse der bekannten Kanonen undurchdringlich ist—da erfindet jemand ein besseres Geschoß und bringt das Schiff zum Sinken. Sofort baut man ein schwereres, gegen die Geschosse der neuen Kanone undurchdringliches Schiff—da erfindet wieder jemand ein noch besseres Geschoß und bringt das Schiff wieder zum Sinken. Und so weiter.—Nun, der Zweikampf der Geschlechter vollzieht sich auf dieselbe Weise.
(Frau Clandon.) Der Zweikampf der Geschlechter?…
(Dr. Valentine.) Ja. Sie haben doch vom Zweikampf der Geschlechter gehört, nicht wahr?—Oh, daran habe ich nicht gedacht! Sie sind lange in Madeira gewesen, der Ausdruck ist nach Ihrer Zeit aufgekommen. Brauche ich ihn zu erklären?
(Frau Clandon verachtungsvoll:) Nein.
(Dr. Valentine.) Natürlich nicht.—Was geschieht denn nun in diesem Geschlechterzweikampf?… Die altmodische Mutter bekam eine altmodische Erziehung, um gegen die Ränke des Mannes gerüstet zu sein. Gut. Sie kennen das Resultat. Der altmodische Mann hat sie herumgekriegt. Die altmodische Frau entschloß sich nun, ihre Tochter wirksamer zu wappnen—irgendeine Waffe zu finden, gegen die der altmodische Mann nicht aufkommen könnte. Sie gab ihrer Tochter deshalb eine wissenschaftliche Erziehung—Ihr System! Diese neue Ausrüstung hat den altmodischen Mann mattgesetzt: er jammerte, das sei nicht gerecht, unweiblich und weiß Gott was alles. Aber das half ihm nichts, und so mußte er seinen altmodischen Angriffsplan aufgeben—Sie wissen ja Bescheid—auf die Knie fallen und Liebe und Gehorsam schwören—und so weiter.
(Frau Clandon.) Entschuldigen Sie: das hat das Weib geschworen.
(Dr. Valentine.) Wirklich?—Sie haben vielleicht recht—ja natürlich, es war das Weib!—Nun gut. Was hat der Mann getan? Genau dasselbe, was der Kanonengießer tat—er ging einen Schritt weiter als die Frau, bildete sich wissenschaftlich und schlug sie auf dieser Linie genau so, wie er sie auf der alten Linie geschlagen hatte. Ich war noch nicht dreiundzwanzig Jahre alt und hatte schon gelernt, die frauenrechtlerische Frau herumzukriegen; es ist schon lange her, daß man das herausgefunden hat. Sie sehen, meine Methoden sind gründlich modern.
(Frau Clandon mit ruhigem Widerwillen:) Zweifellos.
(Dr. Valentine.) Aber gerade deswegen gibt es eine Mädchensorte, gegen die diese Methode nutzlos ist.
(Frau Clandon.) Bitte, welche Sorte ist das?
(Dr. Valentine.) Das gründlich altmodische Mädchen. Wenn Sie Gloria in der ehemals üblichen Weise erzogen hätten, so würde ich achtzehn Monate gebraucht haben, um so weit zu kommen, wie ich heute nachmittag in achtzehn Minuten gekommen bin.—Ja, Frau Clandon: die Frauenemanzipation hat Gloria in meine Hände geliefert, und Sie waren es, die sie den Glauben an die Frauenemanzipation gelehrt hat.
(Frau Clandon erhebt sich:) Herr Doktor, Sie sind sehr gescheit.
(Dr. Valentine erhebt sich gleichfalls:) Oh, Frau Clandon!
(Frau Clandon.) Aber Sie haben mich nichts Neues gelehrt. Adieu.
(Dr. Valentine erschrocken:) Adieu?!—Oh, darf ich sie nicht sehen, bevor ich gehe?
(Frau Clandon.) Ich fürchte, sie wird erst zurückkommen, wenn Sie gegangen sind, Herr Doktor. Sie hat das Zimmer eigens verlassen, um Ihnen auszuweichen.
(Dr. Valentine gedankenvoll:) Das ist ein gutes Zeichen. Adieu. (Er verneigt sich und wendet sich offenbar sehr befriedigt zur Tür.)
(Frau Clandon beunruhigt:) Warum halten Sie das für ein gutes Zeichen?
(Dr. Valentine dreht sich in der Nähe der Tür um:) Weil ich eine Todesangst vor ihr habe; und es scheint, daß sie eine Todesangst vor mir hat. (Er will nun gehen, steht aber an der Türschwelle plötzlich Gloria gegenüber, die eben eingetreten ist. Sie sieht ihm standhaft ins Auge. Er starrt sie hilflos an, dann suchen seine Blicke Frau Clandon, dann wieder Gloria; er ist vollkommen außer Fassung.)
(Gloria bleich und sich nur mühsam beherrschend:) Mutter, ist es wahr, was Dolly mir gesagt hat?
(Frau Clandon.) Was hat sie dir gesagt, mein Kind?
(Gloria.) Daß du mit diesem Herrn über meine Angelegenheiten gesprochen hast?
(Dr. Valentine murmelnd:) Mit diesem Herrn—oh!
(Frau Clandon scharf:) Herr Doktor—können Sie einen Augenblick schweigen? (Er blickt sie kläglich an, dann geht er mit einem verzweifelten Achselzucken an die Ottomane zurück und wirft seinen Hut darauf.)
(Gloria betrachtet ihre Mutter vorwurfsvoll:) Mutter, was hattest du für ein Recht dazu?
(Frau Clandon.) Ich glaube, ich habe nichts gesagt, wozu ich nicht ein
Recht gehabt hätte, Gloria.
(Dr. Valentine bestätigt das dienstfertig:) Nichts… nicht das geringste. (Gloria sieht ihn mit sprachloser Entrüstung an.) Verzeihen Sie. (Er setzt sich beschämt auf die Ottomane.)
(Gloria.) Ich glaube nicht, daß irgend jemand das Recht hat, über Dinge auch nur nachzudenken, die mich allein angehen. (Sie wendet sich ab, einen schmerzlichen Kampf mit ihrer Erregung zu verbergen.)
(Frau Clandon.) Liebe Gloria, wenn ich deinen Stolz verletzt haben sollte—
(Gloria wendet sieb um:) Mein Stolz—mein Stolz—oh, er ist fort! Ich weiß jetzt, daß ich keine Kraft besitze, auf die ich stolz sein könnte. (Wendet sich wieder ab.) Aber eine Frau, die sich nicht selbst zu beschützen weiß, die kann niemand beschützen. Niemand ist auch nur berechtigt, es zu versuchen… nicht einmal ihre Mutter! Ich weiß, daß ich dein Vertrauen verloren habe, genau so wie ich die Achtung dieses Mannes verloren habe—(Sie hält inne, um einen Seufzer zu unterdrücken.)
(Dr. Valentine stöhnend:) Dieses Mannes—! (Er murmelt wieder:) Oh!…
(Frau Clandon mit gedämpfter Stimme:) Bitte, schweigen Sie, Herr
Doktor.
(Gloria fährt fort:)—aber ich bin wenigstens berechtigt, mit meiner Schande allein zu bleiben. Ich bin eins von jenen schwachen Geschöpfen, die geboren sind, um von dem erstbesten Mann, der ein Auge auf sie wirft, gemeistert zu werden, und ich muß mein Schicksal erfüllen. Erspare mir wenigstens die Demütigung deiner Rettungsversuche. (Sie setzt sich, das Taschentuch an den Augen, an das entferntere Ende des Tisches.)
(Dr. Valentine aufspringend:) Hören Sie mal—
(Frau Clandon.) Herr Dokt—
(Dr. Valentine unbekümmert:) Nein! Ich will sprechen! Ich habe nahezu dreißig Sekunden geschwiegen. (Er geht zu Gloria hin:) Fräulein Clandon—
(Gloria bitter:) Oh—nicht Fräulein Clandon—Sie wissen ja, daß man es sich ganz gut gestatten darf, mich Gloria zu nennen.
(Dr. Valentine.) Nein, ich will das nicht. Sie werden mir es nachher vorwerfen und mich der Mißachtung beschuldigen. Es ist eine herzzerreißende Lüge, daß ich Sie nicht achte. Es ist wahr, daß ich Ihren früheren Stolz nicht geachtet habe. Warum sollte ich es auch? Er war nichts als Feigheit. Ich habe Ihren Verstand nicht geachtet—davon besitze ich selbst etwas mehr; er ist eine männliche Spezialität. Aber als Sie mich in meinen Tiefen aufgewühlt hatten! —als mein großer Augenblick gekommen war!—als Sie mich tapfer machten!—ah, da, da, da!
(Gloria.) Da achteten Sie mich, meinen Sie.
(Dr. Valentine.) Nein, das nicht:—da betete ich Sie an! (Sie erhebt sich rasch und wendet ihm den Rücken zu.) Und diesen Augenblick werden Sie mir niemals nehmen können. So—nun ist mir einerlei, was geschieht! (Er geht auf und ab und stößt einen frohen Ausruf aus, mit dem er sich an niemand besonders wendet:) Ich weiß sehr gut, daß ich Unsinn rede—aber ich kann nicht anders. (Zu Frau Clandon:) Ich liebe Gloria—und damit basta!
(Frau Clandon mit Nachdruck:) Herr Doktor, Sie sind ein sehr gefährlicher Mensch. Gloria, komm her.(Gloria wundert sich ein wenig über diesen Befehl, gehorcht aber und bleibt mit gesenktem Kopf rechts von ihrer Mutter stehen; Dr. Valentine steht auf der andern Seite. Frau Clandon spricht nun mit nachdrücklichem Hohn:) Frage diesen Mann, den du begeistert und tapfer gemacht hast, wie viele Frauen das vor dir getan haben. (Gloria sieht plötzlich mit einem Aufflammen eifersüchtigen Ärgers und Staunens auf.) Wie oft er die Falle gestellt hat, in die du ihm gegangen bist; wie oft er sie mit ganz denselben Redensarten geködert hat; wieviel Übung er als Duellant im Zweikampf der Geschlechter hat, der seinen eigentlichen Lebensberuf ausmacht.
(Dr. Valentine.) Das ist nicht recht, Frau Clandon! Sie. nützen mein
Vertrauen aus!
(Frau Clandon.) Frage ihn, Gloria!
(Gloria gebt in einem Wutausbruch mit geballten Fäusten auf ihn los:)
Ist das wahr?!
(Dr. Valentine.) Bitte, seien Sie nicht böse—
(Gloria unterbricht ihn; unerbittlich:) Ist das wahr?! Haben Sie das alles jemals schon gesagt?… haben Sie das alles jemals schon empfunden?… für eine andere Frau?
(Dr. Valentine geradeheraus:) Ja.
(Gloria erbebt ihre geballten Hände.)
(Flau Clandon springt entsetzt an ihre Seite und hält ihre erhobenen
Arme auf:) Gloria, liebes Kind—du vergißt dich!
(Gloria gibt mit einem tiefen Seufzer ihre drohende Stellung langsam auf:)
(Dr. Valentine.) Bedenken Sie: eines Mannes Fähigkeit zur Liebe und zur Bewunderung ist wie jede andere seiner Fähigkeiten: er muß sie oft weggeworfen haben, bevor er wissen kann, was ihrer wirklich wert ist.
(Frau Clandon.) Das ist auch eine seiner eingelernten Redensarten.
Gloria, nimm dich in acht!
(Dr. Valentine sich verwahrend:) Oh!
(Gloria zu Frau Clandon, mit verachtungsvoller Selbstbeherrschung:)
Glaubst du, daß ich jetzt noch gewarnt zu werden brauche? (Zu Dr.
Valentine:) Sie haben versucht, mich dahin zu bringen, Sie zu lieben!
(Dr. Valentine.) Jawohl.
(Gloria.) Nun, Sie haben damit nur erreicht, daß ich Sie hasse—leidenschaftlich hasse!
(Dr. Valentine philosophisch:) Es ist überraschend, wie klein doch der Unterschied zwischen Haß und Liebe ist. (Gloria wendet sich entrüstet von ihm ab. Er fährt zu Frau Clandon gewendet fort:) Ich kenne Frauen, die ihre Männer lieben und sich dabei genau so gegen sie benehmen.
(Frau Clandon.) Entschuldigen Sie, Herr Doktor, aber wäre es nicht besser, Sie gingen?
(Gloria.) Meinetwegen brauchst du ihn nicht fortzuschicken! Er ist mir jetzt nichts mehr und er wird Phil und Dolly amüsieren. (Sie setzt sich mit geringschätziger Gleichgültigkeit an den Tisch, in die Nähe des Fensters.)
(Dr. Valentine lustig:) So ist's recht! Das ist die vernünftige Art, es aufzufassen. Gehen Sie, Frau Clandon Sie können einem bloßen Schmetterling, wie ich es bin, nicht ernstlich böse sein.
(Frau Clandon.) Ich habe gar kein Vertrauen zu Ihnen, Herr Doktor; aber ich will nicht annehmen, daß Ihre beklagenswert leichtsinnige Veranlagung einzig schamlos und nichtswürdig ist—
(Gloria für sich, aber laut:) Ja, schamlos und nichtswürdig!
(Frau Clandon.)—Deshalb ist es vielleicht besser, wenn wir Phil und
Dolly rufen lassen und Ihnen gestatten, Ihren Besuch auf die übliche
Weise zu beenden.
(Dr. Valentine, als wenn sie ihm das größte Kompliment gemacht hätte:)
Sie sind zu liebenswürdig, Frau Clandon—ich danke Ihnen!
(Der Kellner tritt ein:) Herr McComas, gnädige Frau.
(Frau Clandon.) O gewiß! ich lasse bitten.
(Der Kellner.) Er läßt fragen, ob er Sie nicht im Lesezimmer sprechen dürfte, gnädige Frau.
(Frau Clandon.) Warum nicht hier?
(Der Kellner.) Nun, wenn ich es sagen darf, gnädige Frau: ich glaube,
Herr McComas fühlt, er hätte leichteres Spiel, wenn er mit Ihnen in
Abwesenheit der jüngeren Mitglieder Ihrer Familie sprechen könnte,
gnädige Frau.
(Frau Clandon.) Sagen Sie ihm, daß die Kinder nicht hier sind.
(Der Kellner.) Sie behalten die Tür im Auge, gnädige Frau, und passen scharf auf aus irgendeinem Grunde.
(Frau Clandon geht:) Nun gut, so will ich zu ihm gehen.
(Der Kellner hält ihr die Tür auf:) Ich danke, gnädige Frau. (Sie
geht hinaus. Er kommt ins Zimmer zurück und begegnet dem Auge Dr.
Valentines, der wünscht, daß er sich entferne.) Sofort, Herr
Doktor—nur das Teegeschirr. (Er nimmt das Teebrett:) Entschuldigen
Sie, Herr Doktor—ich danke sehr. (Er gebt hinaus.)
(Dr. Valentine zu Gloria:) Hören Sie! Früher oder später werden Sie mir verzeihen… verzeihen Sie mir gleich.
(Gloria erbebt sich, um ihre Erklärung an ihn intensiver zu machen:)
Niemals! so lange Gras wächst und Wasser fließt—nie—nie—nie!
(Dr. Valentine unerschrocken:) Auch gut. Mich kann nichts unglücklich machen—ich werde nie wieder unglücklich sein, nie, nie, nie, so lange Gras wächst und Wasser fließt!! Der Gedanke an Sie wird mich immer mit jauchzender Freude erfüllen. (Ein höhnisches Wort ist auf ihren Lippen. Er unterbricht sie rasch:) Nein, das habe ich noch zu keiner gesagt… Das ist das erstemal!
(Gloria.) Wenn Sie es der nächsten Frau sagen, wird es nicht zum ersten Male sein!
(Dr. Valentine.) O nicht, Gloria, nicht! (Er kniet vor ihr nieder.)
(Gloria.) Stehen Sie auf—stehen Sie auf! Wie können Sie es wagen?
(Philip und Dolly stürzen, wie gewôhnlich um die Wette laufend, ins
Zimmer. Sie prallen zurück, als sie sehen, was vorgeht. Dr.
Valentine springt auf.)
(Philip diskret:) O entschuldigen Sie.—Komm, Dolly. (Er wendet sich um und will geben.)
(Gloria geärgert:) Die Mutter wird gleich wieder da sein, Phil. (Streng:) Bitte, wartet hier auf sie. (Sie geht an das Fenster und sieht, mit dem Rücken gegen die andern, hinaus.)
(Philip bedeutungsvoll:) O wirklich—hm hm…
(Dolly.) Aha!
(Philip.) Sie scheinen sehr gut aufgelegt zu sein, Doktor?
(Dr. Valentine.) Das bin ich auch. (Er tritt zwischen sie:) Nun so hören Sie: Sie beide wissen doch, was hier vorgefallen ist, nicht wahr? (Gloria wendet sich rasch um, als ahnte sie eine neue Beleidigung.)
(Dolly.) Alles.
(Dr. Valentine.) Nun, es ist alles vorbei. Ich wurde abgewiesen—verachtet. Ich werde hier nur noch geduldet. Sie verstehen doch?… es ist alles vorbei. Ihre Schwester will von meinen Huldigungen absolut nichts wissen, sie will nicht einmal geruhen, auch nur das kleinste Interesse für mich zu haben. (Gloria ist zufrieden und wendet sich verachtungsvoll wieder zum Fenster.) Ist das klar?
(Dolly.) Es geschieht Ihnen recht—Sie haben es gar zu eilig gehabt.
(Philip ihm auf die Schultern klopfend:) Machen Sie sich nichts
daraus—nicht einmal Ihre Seele wäre Ihr Eigentum geblieben, wenn
Gloria Sie geheiratet hätte. Sie können jetzt ein neues Kapitel Ihres
Lebens beginnen.
(Dolly.) Kapitel siebzehn ungefähr, nicht wahr?
(Dr. Valentine durch diesen Scherz aus dem Text gebracht:) Nein—sagen Sie nicht solche Sachen! Gerade gedankenlose Bemerkungen dieser Art richten das größte Unglück an.
(Dolly.) O wirklich? Hm hm!
(Philip.) Aha! (Er geht an den Kamin und pflanzt sich dort in seiner gesuchtesten Stellung als Haupt der Familie auf.)
(McComas, der sehr ernst aussieht, tritt rasch mit Frau Clandon ein, deren erste Sorge Gloria ist. Sie blickt suchend umher und ist im Begriff, zu ihr ans Fenster zu eilen, da kommt ihr Gloria mit deutlichen Zeichen des Vertrauens und der Liebe entgegen. Endlich setzt sich Frau Clandon, Gloria stellt sich hinter ihren Stuhl. McComas wird auf seinem Wege nach der Ottomane von Dolly angerufen.)
(Dolly.) Nun, was bringen Sie Gutes… Finch?
(McComas düster:) Sehr ernste Nachrichten von Ihrem
Vater. Fräulein Clandon,—sehr ernste Nachrichten. (Er gebt zur
Ottomane und setzt sich.)
(Dolly, auf die das tiefen Eindruck macht, folgt ihm und setzt sich rechts neben ihn.)
(Dr. Valentine.) Vielleicht ist es besser, wenn ich gehe.
(Mc Contas.) Um keinen Preis, Herr Doktor! Sie geht die Sache sehr an.
(Dr. Valentine nimmt einen Stuhl vom Tisch fort und setzt sich
rittlings, über den Rücken gelehnt, in die Nähe der Ottomane.) Frau
Clandon, Ihr Mann beansprucht die Aufsicht über seine zwei jüngeren
Kinder, die nicht majorenn sind, für sich.
(Frau Clandon erschrickt und blickt sich instinktiv sofort nach Dolly um, um zu sehen, ob sie in Sicherheit ist.)
(Dolly ergriffen:) Oh, wie nett von ihm! Er hat uns lieb, Mama!
(McComas.) Es tut mir leid, Sie darüber eines Besseren belehren zu müssen, Fräulein Dorothea.
(Dolly in Ekstase; girrend:) Dorothee-ee-ee-a! (Lehnt sich ganz überwältigt an seine Brust:) O Finch!
(McComas nervös wegrückend:) Nein! nein—nein! nein!
(Frau Clandon zurechtweisend:) Liebste Dolly! (Zu Mc Comas:) Laut unserer Trennungsurkunde fällt mir die Aufsicht über die Kinder zu.
(McComas.) Sie enthält auch die Verpflichtung, daß Sie sich ihm weder nähern noch ihn in irgendeiner Weise belästigen dürfen.
(Frau Clandon.) Nun, habe ich das etwa getan?
(McComas.) Ob das Benehmen Ihrer jüngeren Kinder dem Gesetze nach eine Belästigung ist, das ist eine Frage, die vielleicht ein Advokat entscheiden müßte. Jedenfalls beklagt sich Herr McNaughtan, nicht nur belästigt worden zu sein, sondern er behauptet auch, daß er planmäßig hergelockt wurde und daß Herr Dr. Valentine dabei als Ihr Vertreter die Hand im Spiel gehabt hat.
(Dr. Valentine.) Was?… wie??…
(McComas.) Er behauptet, daß Sie ihn betäubt haben, Herr Doktor.
(Dr. Valentine.) Das habe ich allerdings getan. (Sie sind erstaunt.)
(McComas.) Aber zu welchem Zweck?
(Dolly.) Um fünf Schillinge extra zu verdienen!
(McComas zu Dolly kurz angebunden:) Ich muß Sie wirklich bitten, Fräulein Clandon, unsere sehr ernste Unterredung nicht durch ungehörige Unterbrechungen zu stören. (Heftig:) Ich bestehe darauf, daß ernste Angelegenheiten ernst und würdig besprochen werden! (Diesem Ausbruch folgt eine um Entschuldigung bittende Stille, die selbst Herrn McComas aus dem Text bringt. Er hustet und beginnt von neuem, sich an Gloria wendend:) Fräulein Clandon: ich habe ferner die Pflicht, Ihnen zu sagen, daß Ihr Vater auch die Überzeugung gewonnen hat, daß Dr. Valentine Sie zu heiraten wünscht.
(Dr. Valentine geschickt unterbrechend:) Ja, das wünsche ich auch.
(McComas beleidigt:) Dann dürfen Sie nicht erstaunt sein, Herr Doktor, wenn der Vater der jungen Dame Sie für einen Mitgiftjäger hält.
(Dr. Valentine.) Das bin ich auch! Glauben Sie, daß eine Frau von meinen Einkünften leben kann? Einen Schilling pro Woche?
(McComas empört:) Ich habe nichts mehr hinzuzufügen, Herr Doktor. Ich werde zu Herrn McNaughtan zurückkehren und ihm sagen, daß diese Familie kein Ort für einen Vater ist. (Er gebt zur Tür.)
(Frau Clandon mit ruhiger Würde:) Finch! (Er bleibt stehen:) Wenn der Herr Doktor nicht ernst sein kann—Sie können es. Setzen Sie sich. (Nach einem kurzen Kampf zwischen seiner Würde und seiner Freundschaft unterliegt McComas und setzt sich, diesmal zwischen Dolly und Frau Clandon.) Sie wissen so gut wie ich, daß all dies eine Komödie ist und daß Fergus diese Dinge ebensowenig glaubt wie Sie. Geben Sie mir jetzt einen wirklichen Rat—Ihren aufrichtigen freundschaftlichen Rat. Sie wissen, ich habe Ihrem Urteil immer vertraut. Ich verspreche Ihnen, daß die Kinder sich ruhig verhalten werden.
(McComas fügt sich:) Nun, nun.—Was ich sagen möchte, ist dies. Nach der alten Übereinkunft zwischen Ihnen und ihm, Frau Clandon, war Ihr Mann furchtbar benachteiligt.
(Frau Clandon.) Wieso, wenn ich bitten darf?
(McComas.) Nun Sie, eine emanzipierte Frau, waren gewöhnt, die öffentliche Meinung zu verachten und auf das, was die Welt über Sie sagen könnte, keinerlei Rücksicht zu nehmen.
(Frau Clandon stolz darauf:) Ja, das ist richtig! (Gloria beugt sich vor und küßt ihre Mutter auf die Haare—eine Zustimmung, die sie äußerst verwirrt.)
(McComas.) Andererseits hatte Ihr Mann, Frau Clandon, einen großen
Abscheu vor allem, was ihn in die Zeitungen bringen konnte. Er mußte
Rücksicht auf sein Geschäft sowohl wie auf die Vorurteile seiner
altmodischen Familie nehmen.
(Frau Clandon.) Seine eigenen Vorurteile nicht zu erwähnen.
(McComas.) Er hat sich ja ohne Zweifel schlecht benommen, Frau Clandon.
(Frau Clandon verachtungwoll:) Zweifellos.
(McComas.) War es aber ausschließlich seine Schuld?
(Frau Clandon.) War es die meine?
(McComas rasch:) Nein, selbstverständlich nicht.
(Gloria ihn aufmerksam betrachtend:) Das glauben Sie nicht wirklich,
Herr McComas.
(McComas.) Mein liebes Fräulein, Sie setzen mir sehr scharf zu, aber ich will Ihnen nur so viel sagen: Wenn ein Mann eine unpassende Ehe eingeht—dafür kann niemand, wie Sie wissen, das ist oft nur zufällige Unvereinbarkeit der Geschmacksrichtungen—wenn er durch dieses Unglück der häuslichen Liebe beraubt wird, die—wie ich glaube—der Grund ist, warum ein Mann heiratet,—wenn, kurz gesagt, seine Frau schlimmer ist als gar keine Frau—woran sie natürlich unschuldig sein kann—ist es da gar so erstaunlich, daß er die Dinge zuerst verschlimmert, indem er ihr Vorwürfe macht und dann in seiner Verzweiflung sogar gelegentlich zu viel trinkt oder anderweitig Sympathie sucht?
(Frau Clandon.) Ich habe ihm keine Vorwürfe gemacht, ich habe einfach mich und die Kinder von ihm befreit.
(McComas.) Ja. Aber Sie haben harte Bedingungen gestellt, Frau Clandon. Sie hatten ihn in Ihrer Gewalt—Sie haben ihn in die Knie gedrückt, als Sie damit drohten, die Sache zu veröffentlichen, indem Sie die Gerichte um eine gesetzliche Scheidung anriefen. Nehmen Sie an, er hätte diese Macht über Sie gehabt und dazu benützt, Ihre Kinder von Ihnen fortzunehmen und sie so zu erziehen, daß Sie bis auf Ihren Namen vergessen wären… was würden Sie dabei fühlen?… Was würden Sie tun?… Wollen Sie nicht auch seinen Gefühlen etwas Nachsicht zeigen—? aus reiner Menschlichkeit?
(Frau Clandon.) Ich habe nie Gefühle bei ihm entdeckt. Ich habe sein heftiges Temperament entdeckt und seine—(sie schaudert:) alles übrige seiner gewöhnlichen Menschlichkeit.
(McComas gedankenvoll:) Frauen können sehr hart sein, Frau Clandon.
(Dr. Valentine.) Das ist wahr!
(Gloria zornig:) Schweigen Sie! (Er fügt sich.)
(McComas nimmt seine ganze Kraft zusammen:) Lassen Sie mich eine letzte Bitte aussprechen, Frau Clandon. Glauben Sie mir, es gibt Männer, die sehr viel Gefühl, ja Güte haben, die aber unfähig sind, sie auszudrücken. Was Sie an McNaughtan vermissen, ist jener bloß äußere Anstrich von Zivilisation, die Kunst, wertlose Aufmerksamkeiten zu erweisen und auf reizende liebenswürdige Art unaufrichtige Komplimente zu machen. Wenn Sie in London lebten, wo die ganze Gesellschaftsordnung auf falscher Kameradschaftlichkeit aufgebaut ist und Sie mit einem Menschen zwanzig Jahre zusammen sein können, ohne herausgefunden zu haben, daß er Sie haßt wie Gift, dann würden Ihnen die Augen bald aufgehen. Dort tut man unfreundliche Dinge auf freundliche Art; man sagt Bitterkeiten mit süßer Stimme; man gibt seinen Freunden immer Chloroform, wenn man sie in Stücke reißt. Aber denken Sie an die Kehrseite der Medaille! Denken Sie an die Leute, die auf unfreundliche Weise Gutes tun—an Leute, deren Berührung schmerzt, deren Stimme schneidet, deren Temperament zuweilen mit ihnen durchgeht—die es fertig bringen, Menschen, die sie lieben, zu verletzen und zu quälen, selbst dann noch, wenn sie sie versöhnen wollen—und die trotzdem ebensoviel Liebe brauchen wie wir andern… McNaughtan hat ein entsetzliches Temperament, ich gebe es zu; er hat keine Manieren, keinen Takt, keine Anmut—er wird nie imstande sein, irgend jemandes Neigung zu gewinnen, wenn dieser nicht seine Sehnsucht danach auf Treu und Glauben hinnimmt. Soll er gar keine Liebe haben, nicht einmal Mitleid?… auch nicht von seinem eigenen Fleisch und Blut?
(Dolly ganz gerührt:) Oh, wie wundervoll, Finch!… wie lieb von Ihnen!
(Philip mit Überzeugung:) Finch, das nenne ich
Beredsamkeit—wahrhaftig Beredsamkeit!
(Dolly.) O Mama, geben wir ihm noch eine Chance! Behalten wir ihn zum
Essen!
(Frau Clandon unbewegt:) Nein, Dolly: ich habe kaum etwas vom Lunch gehabt.—Mein lieber Finch, es ist ganz zwecklos, mit mir über Fergus zu sprechen. Sie sind nicht mit ihm verheiratet gewesen—aber ich.
(McComas zu Gloria:) Fräulein Clandon, ich habe bis jetzt davon abgesehen, mich an Sie zu wenden, weil Sie sogar noch unbarmherziger als Ihre Mutter gewesen sind, wenn das wahr ist, was mir McNaughtan gesagt hat.
(Gloria trotzig:) Sie wenden sich von der Stärke der Mutter an die
Schwäche der Tochter!
(McComas.) Nicht an Ihre Schwäche, Fräulein Clandon—ich wende mich vom Verstande der Mutter an das Herz der Tochter.
(Gloria.) Ich habe gelernt, meinem Herzen zu mißtrauen. (Mit einem zornigen Blick auf Dr. Valentine:) Wenn ich könnte, ich würde mir das Herz aus dem Leibe reißen und es fortwerfen. Meine Antwort ist die Antwort meiner Mutter! (Sie tritt zu Frau Clandon und umarmt sie. Aber Frau Clandon, unfäbig, diese Art zur Schau gestellter Neigung zu ertragen, befreit sich, so rasch sie, ohne Glorias Gefühle zu verletzen, nur kann.)
(McComas besiegt:) Nun, das tut mir leid—sehr leid. Ich habe mein
Möglichstes getan. (Er erbebt sich und ist im Begriff, in tiefster
Unzufriedenheit fortzugehen.)
(Frau Clandon.) Aber was haben Sie denn erwartet, Finch? Was verlangen Sie?… Was sollen wir tun?
(McComas.) Vor allem sollten Sie beide, Sie und McNaughtan, das Gutachten eines Advokaten einholen, um zu erfahren, inwieweit McNaughtan durch die Trennungsurkunde gebunden ist. Warum nun nicht dieses Gutachten gelegentlich einer freundschaftlichen (ihr Gesicht wird hart)—oder sagen wir neutralen—Zusammenkunft mit McNaughtan einholen, und zwar am besten sofort? Der Einfachheit und Bequemlichkeit halber schlage ich dieses Hotel vor… Gleich heute abend—was meinen Sie dazu?
(Frau Clandon.) Aber woher sollen wir dieses Gutachten so schnell bekommen?
(McComas.) Es ist beinahe aus den Wolken auf uns herabgefallen. Auf meinem Rückwege von McNaughtan hierher begegnete ich einem hervorragenden Rechtsanwalt, einem Manne, dem ich eine Sache vor Gericht anvertraut habe, die ihn zuerst berühmt gemacht hat. Er bleibt von Samstag bis Montag hier, um Seeluft zu atmen und einen Verwandten, der hier wohnt, zu besuchen. Er war so freundlich, mir sein Erscheinen für den Fall zuzusagen, daß es mir gelänge, eine Zusammenkunft der Parteien zustande zu bringen. Er wird uns mit seinem gewiegten Rat zur Seite stehen.—Lassen Sie uns doch diese Gelegenheit zu einer ruhigen, freundlichen Familienzusammenkunft benützen; gestatten Sie mir, meinen Freund herzubringen, und ich will versuchen, auch McNaughtan zum Kommen zu bewegen. Bitte, stimmen Sie zu! Einverstanden?
(Frau Clandon nach einem Augenblick der Überlegung, bedeutungsvoll:) Finch! ich brauche kein Rechtsgutachten, weil ich die Absicht habe, mich von meinem eigenen Gutachten leiten zu lassen. Ich wünsche nicht, Fergus wieder zu begegnen, weil ich ihn nicht mag und weil ich nicht glaube, daß eine Zusammenkunft irgendwie nützen könnte. (Sie erhebt sich:) Aber da Sie die Kinder überzeugt haben, daß er nicht ganz hoffnungslos ist, tun Sie, was Ihnen beliebt.
(McComas nimmt ihre Hand und schüttelt sie:) Ich danke Ihnen, Frau
Clandon.—Paßt Ihnen neun Uhr?
(Frau Clandon.) Vollkommen.—Phil, klingle, bitte.
(Philip klingelt.) Wenn ich aber angeklagt werden soll, mich mit Herrn Dr. Valentine verschworen zu haben, dann würde es, glaube ich, besser sein, er wäre zugegen.
(Dr. Valentine sich erhebend:) Ich bin ganz Ihrer Ansicht. Ich halte meine Anwesenheit für äußerst wichtig.
(McComas.) Ich glaube, dagegen ist nichts einzuwenden. Ich hege die größten Hoffnungen auf eine glückliche Lösung. Inzwischen leben Sie wohl. (Er gebt hinaus und begegnet dem Kellner, der die Tür für ihn offen hält.)
(Frau Clandon.) Wir erwarten um neun Uhr Besuch, William. Könnten wir nicht schon um sieben Uhr statt um halb acht dinieren?
(Der Kellner an der Tür:) Um sieben, gnädige Frau? Gewiß, gnädige Frau. Es wird sogar eine Erleichterung für uns sein heut abend, wo so viel zu tun ist. Wir haben Konzert, und die Illumination ist zu arrangieren und sonst noch allerlei, gnädige Frau.
(Dolly.) Illumination!
(Philip.) Konzert!—William: was ist denn los?
(Der Kellner.) Heute ist Maskenball, gnädiges Fräulein.
(Dolly und Philip stürzen gleichzeitig auf ihn zu:) Maskenball?!
(Der Kellner.) Jawohl, junger Herr. Der Regatta-Klub gibt das Fest zum Besten des Rettungsbootes. (Zu Frau Clandon:) Wir haben oft solche Abende, gnädige Frau; Lampions im Garten, sehr hübsch, sehr lustig und harmlos—wirklich! (Zu Philip:) Eintrittskarten zu fünf Schilling bekommt man unten im Bureau, junger Herr. Damen in Herrenbegleitung zahlen die Hälfte.
(Philip erfaßt seinen Arm, um ihn fortzuziehen:) Fort ins Bureau,
William!
(Dolly ergreift atemlos seinen andern Arm:) Schnell, bevor alle Karten weg sind! (Sie zerren ihn mit sich weg aus dem Zimmer.)
(Frau Clandon.) Um des Himmels willen, was haben sie vor? (Abgehnd:) Ich muß wirklich nachsehen und sie zurückrufen. (Sie folgt ihnen und spricht im Abgeben weiter.)
(Gloria starrt Dr. Valentine kühl an und sieht dann bedächtig auf ihre
Taschenuhr.)
(Dr. Valentine.) Ich begreife, ich bin schon zu lange dageblieben.
Ich gehe.
(Gloria mit berablassender Förmlichkeit:) Ich muß mich bei Ihnen entschuldigen. Ich bin mir bewußt, etwas scharf… vielleicht grob gegen Sie gewesen zu sein.
(Dr. Valentine.) Durchaus nicht.
(Gloria.) Meine einzige Entschuldigung ist, daß es sehr schwer fällt, jemandem Respekt und Achtung zu bezeugen, dessen würdeloser Charakter weder Respekt noch Achtung fordert.
(Dr. Valentine prosaisch:) Wie kann ein Mann würdevoll auftreten, wenn er verliebt ist?
(Gloria durch Valentines Redensart von ihrem bochtrabenden Stil abgebracht:) Ich verbiete Ihnen, mir solche Dinge zu sagen. Es sind Beleidigungen.
(Dr. Valentine.) Nein—es sind Torheiten. Aber ich kann nichts dafür, ich muß sie begehen.
(Gloria.) Wenn Sie wirklich verliebt wären, würden Sie nicht töricht sein. Liebe verleiht Würde, Ernst, ja sogar Schönheit.
(Dr. Valentine.) Glauben Sie wirklich, daß ich davon schön werden würde? (Sie wendet ihm mit kältester Verachtung den Rücken.) Ah, Sie sehen, daß Sie es nicht ernstlich meinen! Die Liebe kann dem Manne keine neuen Gaben schenken; sie kann nur die Gaben, mit denen er geboren wurde, entwickeln und erhöhen.
(Gloria geht wieder zu ihm hin:) Mit welchen Gaben sind Sie geboren, wenn ich bitten darf?
(Dr. Valentine.) Mit Leichtigkeit des Herzens.
(Gloria.) Und Leichtigkeit des Verstandes—und Leichtigkeit des
Glaubens und Leichtigkeit alles dessen, was einen ganzen Mann ausmacht.
(Dr. Valentine.) Ja, die ganze Welt gleicht jetzt einer Feder, die im
Lichte tanzt—und Gloria ist die Sonne. (Sie erbebt ärgerlich den
Kopf.) Entschuldigen Sie—ich gehe. Um neun bin ich wieder da. Adieu.
(Er läuft lustig hinaus und läßt sie in der Mitte des Zimmers zurück.
Sie starrt ihm nach.)
(Vorhang)